Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

The Whole Earth – und das Haus der Kulturen der Welt.

Leave a comment

Deutsch: Haus der Kulturen der Welt

Deutsch: Haus der Kulturen der Welt (Photo credit: Wikipedia)

20130829-142453.jpg

Das Haus der Kulturen der Welt als Platz für zeitgenössische Kunst, sei es Film, Musik, Malerei, Plastik, Installation, und laut Eigenaussage auch als “”Forum für aktuelle Diskussionen”, hat seinen ganz eigenen Ruf in Berlin. Und seit dem Beginn diesen Jahres steht das HKW unter dem Leitmotiv des Anthropozän-Projekts. Das alleine weckte schon meine Aufmerksamkeit, denn die Veränderung der Umwelt durch den Menschen und damit der Begriff des Anthropozän ist auch für mich als Archäologin interessant. Sicher, das Anthropozän soll erst ab ca. 1800 n.C. einsetzen, zu dem Zeitpunkt an dem ein erhöhter Ausstoß von CO2 nachweisbar ist. Aber ich denke, dass “Anthropozän” auch im Rückblick ab dem ersten Auftreten des Menschen ein Begriff ist, den man zumindest überdenken sollte. Kritik und Gegenvroschläge werden etwa von den Autoren des Sammelbandes “Deep History” (Shryock, A. & Smail, D.: Deep History. The Architecture of Past & Present.) formuliert, die das Anthropozän als eine zu kurzsichtige Theorie der Ausbeutung der uns umgebenden Ökosysteme sehen, eher gerichtete auf die kapitalistische Idee der Ausbeutung als der von den Autoren favorisierten Sicht eines wechselseitigen Bedingens und Beeinflussens über Jahrmillionen hinweg. Ähnlich würde ich das ebenfalls sehen und vielleicht wäre diese Sichtweise auch für die Macher des Anthropozän-Projekts interessant gewesen wäre? Aus geologischer Hinsicht zum Anthropozän ist z.B. auch dieser Blogeintrag von geoberg.de interessant und lesenswert!

Jedenfalls, das Anthropozän-Projekt des HKW. Obwohl die ersten Aktionen und Ausstellungen innerhalb dieses Rahmens mich nicht bewegten hinzugehen, war das bei “The Whole Earth – Kalifornien und das Verschwinden des Außen” anders. Die Verbindung zwischen dem Whole Earth Catalog und den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Strömungen jener Zeit und ihre EInflüsse bis ins Jahr 2013 klangen so spannend, dass ein Besuch nötig wurde. Es war knapp 1 1/2  Jahre nach meinem letzten Besuch, damals bei der Ausstellung “Das Potosí-Prinzip – Wie können wir das Lied des Herrn in einem fremden Land singen?“. Hier war der Anlass die Verbindung zwischen Potosí, einer der faszinierendsten Städte Lateinamerikas in der Kolonialzeit, den soziopolitischen Veränderungen die Potosí zeitigte und den postkolonialen und globalisierten Diskursen unserer Zeit.

Beide Ausstellungen waren vom Titel und Konzept her extrem spannend, da sie Bögen spannen zwischen historischen Geschehnissen und heutigen Situationen und Diskursen. Genau das ist das, was ich mir für Ausstellungen wünsche: die Integration zeitgenössischer Werke und Objekte in eine Ausstellung, sodass Denk-Bögen geschlagen werden können, die wiederum zu neuen Anregungen und Ideen führen. Prinzipiell faszinierend und spannend! Ähnlich war aber bei beiden Ausstellungen auch, dass die Konzeption den Besucher extrem fordert.

The Whole Earth baute Brücken zwischen den politischen, sozialen und künstlerischen Strömungen der 60er und 70er Jahre und entwarf so ein Gesellschaftbild der USA zwischen ca. 1960-1979. Auf der anderen Seite widmete sich die Ausstellung heutigen Auswirkungen dieser Strömungen, gab damit Einblicke in die Pop-Rock-Geschichte, die Geschichte des (Dokumentar-)Filmes, die Entstehung den Ausbau des Internets und damit der virtuellen Vernetzung und Globalisierung, der Ausbeutung der Umwelt und noch einem Haufen anderer Punkte. Ich sage “einen Haufen”, da sich das Konzept nicht wirklich erschloss (zumindest nicht für mich und meinen ebenfalls archäologisch geprägten Begleiter). Das begann schon beim Eintritt in die Ausstellungshalle, die man aus architektonischen Gegebenheiten heraus vom einem erhöhten Standpunkt aus betritt. Noch bevor man also “drin” ist, sieht man die Ausstellung sozusagen von oben. Und wenn ich dann mehr oder weniger ungeordnet wirkend(?) positionierte Stellwände sehen, die vor Infotafeln und Zeichungen und Fotos, Kopfhörern und anderem nur so strotzen OHNE mir aber einen Hinweis darauf zu geben wo ich am besten beginnen könnte, dann ist das schwierig für mich. Immerhin war das Thema sehr komplex und die Ausstellung vom Informationsgehalt her so groß, dass ein Durchlesen und vor allem : ERFASSEN all dieser Informationen den ganzen Tag beansprucht hätte. Wir hatten aber nicht den ganzen Tag, sondern maximal 3 Stunden. In so einem Fall hilft es mir weiter, wenn der Ausstellungsmacher mir die Möglichkeit gibt, eine Kurz- und eine Langzeitversion zu wählen. Prinzipiell bin ich eine große Befürworterin von Hintergrundinformationen und eine Gegnerin von Texten a la “Gefäß, ca. 900 n.C.” – aber ich freue mich sehr, wenn ich die Möglichkeit habe, den Ausstellungsbesuch meinen zeitlichen Notwendigkeiten anzupassen.

Das ging hier nicht. Man brauchte eigentlich alle Informationen eines bestimmten Unterpunktes – man hätte nur bestimmte Unterpunkte (=Stellwände) auslassen können. Was wir am Ende auch taten – aber wie kriegt man heraus welche Wände einem wichtig wären und welche nicht? Richtig, kann man eigentlich nicht, ohne sich nicht DOCH einzuarbeiten. So blieb die Ausstellung trotz all der faszinierenden Verbindungen und Links und weiterführenden Ideen irgendwie in der Distanz. Sie war einfach zu groß und unübersichtlich und so informationsgeladen, dass man nicht wirklich die Möglichkeit hatte, um sich wirklich auf etwas einzulassen. Und wenn ich zuviel Input vor mir sehe und gleichzeitig weiss dass ich von Vornherein nicht genug Zeit haben werde – dann macht mein Kopf schnell zu. Am Ende gingen wir nach Hause und hatten einiges über Popmusik, das Arpanet, Vietnam und die Hippiebewegung gelernt. Dazu noch einige Bröckchen über Jefferson Airplane und Umweltverschmutzung. Herausstechend für mich war jedoch die Videoarbeit von Nabil Ahmed, genannt Radical Meteorology. Sie zwang einen praktisch dazu, sich Zeit zu nehmen und sich auf die mit Musik unterlegten Bilder einzulassen. Faszinierend und Fragen aufwerfend.

Alles andere – war nur noch verschwommen wahrnehmbar. Übrigens: die nächste Ausstellung, die ich im HKW besuchen möchte, heisst After Year Zero: es geht um die Historiografie Afrikas. Ich bin gespannt ob sie ähnlich konzeptioniert sein wird.

Die Infotafeln in der Ausstellung: reich betextet und bebildert,,,,,

ENGLISH VERSION

The Haus der Kulturen der Welt (maybe this could be translated as: Cultures of the World Building) in Berlin is, according to their website “a place for international contemporary arts and a forum for current developments and discourse”. And it has its own position in the Berlin art and museum scene. Since the beginning of this year, the Haus der Kulturen der Welt is offering expositions and conferences on the subject of the so-called “anthropocene project”. This got my attention because the change of the environment through mankind and thus the development of the term “anthropocene” has been of interest to me as an archaeologist. Sure, according to the theory the anthropocene starts rather recently aournd 1800 a.C., when there are proofs of an elevated level of CO2 due to human influences on the environment. But in my opinion, the term “anthropocene” should at least be thought to be applied since the first interaction of humans and their environment. A critique and counter proposal of the term and the underlying concepts can be found in: “Deep History. The Architecture of Past and Present”, edited by Andrew Shryock and Daniel Smail (2012). The authors of this volume see the term of the anthropocene as a rather short sighted capitalist theory, centered on the exploitation of the ecosystems. They favor a view of humans and ecosystems interacting and influencing each other mutually over millions of years. A view that would be favored by myself, too, and which would have complemented nicely the proposals of the anthropocene project? By the way, in a geological sense this blog post by geoberg.de on the term “anthropocene” might be of interest, too.

But okay, let´s get back to the beginning: the anthropocene project at Haus der Kulturen der Welt. Although the first expositions of 2013 didn´t got my full attention, there was an exposition called “The Whole Earth. California and the Disappearance of the Outside”. The link between the Whole Earth Catalog and the different sociopolitical currents of the sixties and seventies in the United States and their influence on our time sounded so interesting that I decided to go and have a look for myself. It was about one year after my last visit to the Haus der Kulturen der Welt, which had been for visiting the exposition: “The Potosí principle” which centered on one of the most fascinating cities of colonial Latin America, Potosí, the sociopolitical changes and impulses this city produced and their impact on the postcolonial and globalized discourses of contemporary times.

Both expositions had something in common: title and concept sounded extremely exciting, and they tried to tie together past and present, building bridges of thought and ideas using (contemporary) art and a lot of information. So, that sounded really great because it´s just what I admire in an exposition! But I have to admit that both expositions also shared another characteristic: their concepts really demanded a lot of time and concentration.

The concept of „The Whole Earth“ looks for the links between the political, social and artistic currents of the sixties and seventies and tries to develop a picture of the society of the United States in the years between 1960 and 1979. On the other hand, the exposition explores contemporary results of these currents and had a look at the evolution and development of pop and rock music, the history of (documentary) cinema, the evolution of the internet and thus the virtual networks and globalization in general, the exploitation of the environment and a bunch of other things. I say “a bunch” because the concept presented a problem to me (and to my archaeologically trained companion, too). It started at entering the exposition because you enter the hall from “above” due to architectural reasons. So, the first thing you see is an overview of the exposition and all you see is a lot of movable walls which are full (and I mean FULL) of written information, photos, drawings, pictures, videos, head sets and other things. But one thing lacks: an indication where to start. That presented a problem because it was obvious that the exposition was really complex and there was so much information to be read and things to be seen, that it was clear that we couldn’t do all this in the three hours we had to spend. In that case I would be really grateful to the curators to provide the visitor with some indication about where to start or where to go or to offer some kind of short route and long route – anything to orientate oneself. We didn´t have all day to stay, it was only a few hours and I would have liked to get a maximum out of these few hours. Normally, I am in favor of a lot of information but I am also happy to get the possibility to adjust the exposition route to my temporal necessities.

That wasn’t possible here. You needed really all the information of a certain theme of the exposition – and to get them, you had to read everything. You could have skipped some of the movable walls, but how to determine which one to skip and which not? You had to get an overview of every single one – and had to read everything again. That meant that the exposition despite its fascinating theme, links and ideas stayed at a distance somehow. It was too big and too confusing and so overwhelmingly informative that there was no possibility to get deeper in touch with some of the themes. That resulted in the feeling that all the themes stayed somehow blurred. So when we went home, it was with new information about pop music, the Arpanet, Vietnam and the hippie movement. A little bit about Jefferson Airplane and environmental pollution, too. But apart from these things we both remember nothing. Ah, wait – there was the work of Nabil Ahmed, named “Radical Meteorology”. A video installation including music and sounds which attracted us both and more or less urged us to watch it all. A fascinating work on environmental catastrophes and their sociopolitical consequences.

By the way – I will try the next exposition at the Haus der Kulturen der Welt. It´s named “After Year Zero” and will touch on historiography of Africa after 1945 and the subsequent colonial and postcolonial discourses. I am looking forward to it!

Literature cited:

Shryock, A. & Smail, D. (Ed.). 2012: Deep History. The Architecture of Past & Present. University of California Press.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s