Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

Humboldt Lab #3

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Neulich war ich endlich im Humboldt Lab #3, denn ich wollte wissen, wie es denn weitergeht nach der ersten tollen Ausstellung, die ich im Mai gesehen hatte. Leider habe ich #2 verpasst, aber gut. Jetzt wieder!
Humboldt Lab 3, noch bis Ende März 2014 im Ethnologischen Museum Berlin zu sehen, bestand aus insgesamt vier Ideen:
Michael Kraus’ “Fotografien berühren“,
“24 h Dahlem” von Clara Jo,
Mensch-Objekt-Jaguar” von Sebastian Mejía & Andrea Scholz,
Und “Warum nicht?” an 27 verschiedenen, unerwarteten Stellen des Museums als Intervention der Dauerausstellung.

Prinzipiell muss ich sagen, dass ich die Idee des ersten Humboldt Labs, die Ausstellungen räumlich vor allem im 1. OG zu vereinen, sehr gut fand – besser als die jetzige, sie über das gesamte Gebäude zu verteilen. Nummer drei habe ich zum Beispiel trotz Faltplan nicht gefunden, sie sollte im Untergeschoss sein. Nachdem ich erst im Restaurant und dann im Vortragsraum stand, habe ich aufgegeben. Ich suche zwar gerne, aber doch nicht zu lange im Museum nach etwas, das ich sehen will. Dieser Post als ohne Humboldt Lab “mensch – objekt – jaguar “.
Die erste Ausstellung “Fotografien berühren” beschäftigte sich mit Fotografien südamerikanischer Menschen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Während man im ersten grossen Saal mit überlebensgrossen, ganz leicht animierten Fotografien aus den Sammlungen des Museums konfrontiert wird, gibt Michael Kraus hierzu im zweiten Raum eine sehr persönliche Einführung in die Fotografien und ihre Welt. Vor allem aber spricht er darüber wie diese ihn persönlich bewegt haben. Welche Fragen sie aufbrachten, welche Emotionen. Das war sehr bewegend und hat auch in mir vieles berührt, da Portraitfotografienauch in mir immer die Frage aufbringen, wer diese Personen sind/waren. Was ihre Schicksale, welche ihre Situation während der Aufnahme? Die Beweggründe waren mir also persönlich sehr nahe, und auch die Möglichkeit im zweiten Raum mittels Ipad verschiedene Themen der Aufnahmen durchlaufen zu können, fand ich sehr anregend. Es handelte sich um Themen wie “Körper“, “Kunst“, etc. Auf Bänken standen mehrere Ipads mit Kopfhörern zur Verfügung um sich hier ganz in Ruhe zu informieren, die Fotos und dazu gehörende Originaltexte der Fotografen nebst Erklärungen einer Sprecherin zu hören. Wunderbar. Raum 3 jedoch war unglaublich gross und unglaublich leer. Hier konnte der Besucher selbst mittels Overheadprojekt Folien vieler Fotos an die Wand bringen, die mit den Daten der Fotos (Aufnahmedatum, Fotograf, Name des Menschen auf dem Foto) aufschienen. Vielleicht fehlt mir da ein Nexus, aber das erschloss sich mir nicht wirklich.

Nachdem ich mir viele der Fotografien angesehen hatte, wurde mir auch etwas klarer, was mir fehlte: eine Art Hintergrund zum Kontext in dem diese Fotografien entstanden. Was bedeutete diese Fotografie zur Zeit ihrer Entstehung? Welche sozialen, wissenschaftlichen Kontexte liegen darunter? Dies wurde zwar am Rande angesprochen, blieb mir aber zu sehr im Hintergrund. Es ging darum, sich den Fotografien persönlich zu nähern, diese durch Anfassen und Größe persönlicher zu spüren – ich hätte mir trotzdem ein wenig mehr Input zu diesem so unglaublich vielschichtigen, kontroversen Thema gewünscht. Pronzipiell geht mir dieser persönliche Zusammenhang bei allen Objekten durch den Kopf, v.a. auch bei den archäologischen Scherben, die mich seit langer Zeit begleiten. Man kann diesen persönlichen Bezug nie ausblenden, und ich finde ihn wichtig. Und es ist wichtig, ihn anzusprechen, die Personen hinter den Bildern (oder Objekten) hervorzuholen, soweit möglich. Trotzdem finde ich gerade Fotografie ein Thema, das auch kunst- und wissenschaftsgeschichtlich viel mehr verdient.

Interessant wäre es vielleicht gewesen, diese Ausstellung mit anderen, zeitglcihen Fotoausstellungen im Museum zu verbinden und unterliegende Ähnlichkeiten aufzuzeigen? Denn gleichzeitig gab es eine Ausstellung mit Fotografien junger Europäer im Museum für Europäische Kulturen, die ebenfalls Portraits UND diese in Verbindung mit Karteikarten mit Daten zum Aufnahmedatum, Aufnahmeumständen etc. zeigte. Faszinierend in Verbindung mit der von Michael Kraus´ kuratierten Ausstellung! Es bleibt aber dem Besucher überlassen, hier eine Verbindung zu entdecken. Schade eigentlich.

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Die zweite Ausstellung namens “24 h Dahlem” wird in mehreren Teilen geboten. Momentan läuft “Nacht” in einem Raum zwischen der Altamerika- und der Südsee-Ausstellung. Wie der Titel schon andeutet, beziehen sich die Macher auf das grossartige Werk des arte/rbb berlin namens “24 h Berlin” und damit ja auch indirekt auf die Vorläufer aus den 20 er Jahren, á la “Berlin – Sinfonie einer Großstadt” und ähnliche. Angepeilt ist laut dem Pressetext eine Vernetzung mit dem Archivmaterial dieser Produktion. Alleine gezeigt, steht das Projekt jedoch etwas im Regen und entwickelt nicht die gleich Strahlkraft wie das Original. Das Konzept bestand darin, die Nachtschicht des Museums mittels Video und Ton durchs Museum zu begleiten und einige Interviews einzuschneiden. Hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Ich mag die Vorläufermodelle sehr, vielleicht bleibt diese Installation für mich daher im Vergleich dazu sehr zurück. Und vielleicht muss man es wirklich irgendwann zusammen sehen um es genießen zu können.

Schön waren jedoch die Interventionen “Warum nicht?” der Dauerausstellungen in diesem dritten Humboldt Lab. Sie drehten sich v.a. um die Einbringung nicht “passender” Objekte in eine Dauerausstellung – etwa eine Skulptur aus dem Museum für europäische Ethnologie in der Altamerika-Ausstellung. Großartig auch die Verbindung im Museum für Asiatische Kunst, in dem der Bogen zur Nutzung bestimmter Architekturelemente im Berlin des 19. Jahrhunderts gezogen wurde. Das war wunderbar, zum Teil verbunden mit Fragen, die dem Zuschauer zusätzlich verdeutlichen sollten wo Zusammenhänge zwischen den Kulturen und damit den unterliegenden Gedankenstrukturen der Menschheit liegen. Schon strukturalistisch gedacht, aber wer sagt, dass das schlecht ist?  Ich glaube, “Interventionen” entwickelt sich zu meinem Lieblingsthema im Humboldt-Lab!

Deshalb: Ich freue mich jetzt schon auf Humboldt Lab # 4.

Ausgewählte Literatur:

Derenthal, R.D. Gadebusch, K. Specht (2012): Das koloniale Auge – Frühe Portraitfotografie in Indien. Koehler & Amelang, Berlin.

 

 

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A week ago, I went to the Ethnological Museum Berlin to visit the 3rd presentation oft he Humboldt Lab, the experimental exhibition show case the museum has launched in order to prepare for their new presentations termed “Humboldt Forum” right in the center of Berlin from 2020 onwards.

I had visited the fist Humboldt Lab in May 2013 and wanted to re-visit because every three-four months there are new expositions on show. This time it was:

–          “Touching Photographs” by Michael Kraus,

–          “24 h Dahlem” by Clara Jo,

–          “Human-Object-Jaguar” by Sebastian Mejía & Andrea Scholz,

–          And “Why not?” – interventions in the permanent exhibitions that cause the visitor to stop, pause and think again.

All four exhibitions can be seen until March 30th, 2014.

First, I would like to say that I appreciated the idea to unite all the exhibitions in one place at the museum. That was the idea of the first Humboldt Lab, but this time the exhibitions were distributed all over the building – and I have to admit that I haven’t been able to find the exhibition “Human-Object-Jaguar”. I even had a map where all the locations were shown, but this exhibition was supposed to be in some room in the basement and I couldn’t find it. There´s a limit even for my willingness to search for an exhibition – and I gave up after 15 minutes, sorry. So, this post will be presented without “Human-Object-Jaguar”.

The first exhibition, called „Touching photographs“, was centered on photographs of South American people from the 19th and early 20th century. While the first room presented slightly animated larger-than-life copies of some of the photographs in question, the second room was designated to an explanation by the curator Michael Kraus. He gives a very personal, even emotional introduction to this corpus of photographs which have been taken on a couple of expedition to South America by different scientists or travelers and have been in custody of the Ethnological Museum since then. Mostly, he talks about how these photographs moved him personally when working with them. Moreover, in this room you had personal access to the photographs using I-pads and earphones. The photos have been arranged around central themes like “art”, body” and the like and are presented with an audio introduction on the photos, the situations in which they were taken and even excerpts of the travel diaries.

This section was very emotional to me. I am inclined to see always the background of these photos, thinking about the persons in them, the situations in which they were taken and what became of the people afterwards. So, this was something that took me in from the beginning!

At room #3 you could project photos on a wall by yourself. You would see the photo, the date and some details of the location and the person in it. I don’t know, but I didn’t quite get the idea of this part of the exhibition. The room was really big, and really – empty. There were only the projections on one of the walls – and that was that.

After seeing that many photographs, I felt a little bit dizzy and I had this vague feeling that something was missing from the exposition. Thinking about it, I would have liked more background information about photography as a social, scientific and ideological tool. That’s a field with much information and publications to it and it would haven been great to just have a little introduction into it – just to put a little background to the photographs presented. Photography is such a controversial, multilayered issue, it would have been great to say something about that aspect, too. I really liked the personal approach taken by the curator. Even with “my” ceramic fragments I cant help but wonder about the people who made them, used them, discarded them. And mostly, this personal aspect is often neglected and it seems to me so important to talk about it, make the people behind the objects visible!

Another idea that occurred to me would have been linking to other photo exhibitions in the museum at the same time. There was an exhibition with photos of contemporary European people at the Museum of European Cultures, that worked quite similar to the one curated by Michael Kraus: a presentation of photos and even some notes about the persons and their contexts. It was just fascinating to compare these contemporary pictures to the ones from South America a century ago. But its up to the visitor to discover this link and make the most of it.

The second exhibition, called „24 h Dahlem“ will be presented in different parts. Right now, “Night” is on display in a room between the permanent exhibitions of America and the South Seas. And as the title indicates, its about documenting a whole day at the Museum, making reference to the absolutely spectacular project of Arte / rbb Berlin called “24 h Berlin”, which presented 24 hours of city life, following dozens of persons during their daily (and nightly) activities in real time. It was one of the best things I ever saw on TV and seemingly in the tradition of spectacular works like “Berlin – Symphony of a City” of the 1920ies. According to the press release, “24 h Dahlem” is meant to be included in the database of “24 h Berlin”, but being shown on its own it just doesn’t develop the same power as the “original”. It’s a 15 minute version of a night at the Dahlem Museum – and it didn’t move me as much as it could. Comparing to “24 h Berlin”, this one is just not as imposing, but maybe it will work better once it has been included into the database?

What I really liked at Humboldt Lab # 3 were the interventions, this time titled „Why not?“. They focused on the integration of objects of “foreign” cultures into the permanent exhibitions. Thus, you may find a sculpture from Poland together with objects from ancient Peru or a 20th century baby pram in the North American Indian exhibition. Or, you may find information on the use of  certain architectonical elements from ancient India in 19th century Berlin. That’s great because it opens up a whole filed of questions (which are often presented right beneath the object) about similarity and underlying structures of thought, regarding all human cultures. That quite structuralistic, but well – isn’t that okay? Definitely, “Interventions” is about to become my favorite part of the Humboldt Lab!

So, thats it. I am already waiting for Part 4 of the Humboldt Lab!

One thought on “Humboldt Lab #3

  1. Pingback: Blogging Archaeology #BlogArch – All of the Responses to Why? | Doug's Archaeology

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