Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

Meaningful Heritage – Podiumsdiskussion im Auswärtigen Amt, 15.10.2014

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"Meaningful heritage" Podiumsdiskussion SprachederDinge blog

“Meaningful heritage” Podiumsdiskussion SprachederDinge blog

Ich hatte es ja kurzfristig angekündigt & ich war dann auch da. Bei der Podiumsdiskussion “Meaningful Heritgae – New Challenges for Cultural Policy“. Um ein bisschen vorbereitet zu sein auf dieses sehr spannende Thema und die beteiligten Personen, lud ich mir erstmal den verlinkten PDF des DAI herunter: die Sonderausgabe von “Archäologie Weltweit” zum gleichen Thema. Da ging es viel darum, dass Archäologie identitätsstiftend sei, dass archäologische Stätten Tourismus- und Wirtschaftsfaktoren seien und dass Raubgrabungen und Schmuggel  von archäologischen Objekten zum Verlust von Identität für die gesamte Weltbevölkerung etc. führe. Soweit, sogut, aber eben auch so allgemein. Das Heft richtet sich an Menschen die sich noch nicht groß mit Thema beschäftigt haben und einen Einblick brauchen. Den bekommt man auch mit dem Sonderheftchen. Allerdings ist es auch so mit großen Photos und kleinen Texten vollgestopft dass eine größere Linie oder Argumentation nicht wirklich erkennbar wird. Irgendwie kommt hier alles zusammen – aber nicht differenziert, sondern eben auf 8-10 Zeilen zusammengefasst und dem Leser hübsch illustriert.

Eine etwas weiter gefasste Recherche ergab, dass die Podiumsdiskussion im Rahmen eines Kongresses stand, nämlich die “2nd international Conference of Heritage Conservation & Site Management“, auch betitelt: “Past Imperfect. Communicating the Fragment & Incomplete”. Hier der Trailer auf Youtube von Prof.Dr. Leo Schmidt. der veranstaltenden Universität.

Diese Konferenz wiederum gehörte offensichtlich vor allem zu einem zwischen Ägypten & Deutschland aufgegliederten internationalen Studiengang (Joint Master Studiengang) namens “Heritage Conservation & Site Management” der Universitäten Senftenberg-Cottbus & der Helwan-University Kairo, gefördert vom DAAD, dem DAI und dem Auswärtigen Amt. Aha. Das erklärt einiges, z.B. die Grußworte die am Beginn der Veranstaltung standen:

  1. von Prof. Dr. Leo Schmidt, Universität Cottbus-Senftenberg
  2. der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Prof. Dr. Maria Böhmer,
  3. der Präsidentin des DAAD, Prof. Dr. Margaret Wintermantel,
  4. Kulturattachés der Ägyptischen Botschaft, dessen Namen ich leider nicht richtig verstanden habe,

die sich allesamt hauptsächlich auf die wunderbare Einrichtung, Finanzierung & Relevanz dieses Studienganges bezogen und nur teilweise auf die angekündigte Podiumsdiskussion und deren Thema.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach den 40-minütigen, eher politisch und unverbindlich gehaltenen Grußworten gehofft hatte, dass jetzt noch was Entscheidendes geschieht. Denn bis dahin waren es eben schöne Grußworte gewesen, die aber nicht mehr taten als eben das Übliche zum Thema Heritage noch einmal zu nennen, den gegründeten Studiengang zu loben & zu preisen und die Hoffnung auszusprechen, dass es in der Diskussion dann spannend würde. Das hoffte ich auch.

Die Diskussion selber war die Zusammenfassung eines 3stündigen Expertengespräches von Vertretern deutscher Kulturinstitutionen zum Thema Heritage, Kulturerhalt & Außenpolitik, und wurde moderiert von der Präsidentin des DAI, Frau Prof. Dr. Friederike Fless, ihres Zeichens ja Vertreterin einer internationalen, auch diplomatischen Archäologie. Bis zum Schluss ist mir nicht ganz klar geworden, ob die Veranstaltung sich nun eher dem Kongress verpflichtet fühlte, oder eher dem “Außenpolitik Weiter Denken” des Auswärtigen Amtes. Und das spiegelte sich auch in der Diskussion, oder eher, korrekt gesagt, der Zusammenfassung des Expertengespräches.

Auf dem Podium saßen:

Prof. Dr. Ingrid Scheurmann, für das Thema Denkmalvermittlung,

Prof. Refai, Hewan Universität Kairo,

Prof. Dr. Knaut.

Grob zusammengefasst ging es darum, dass man Denkmalschutz im Ausland verankern & verbreitern möchte und dass deutsche Kompetenzen auf dem Gebiet Denkmalschutz & -erhalt v.a. im arabischen Raum sehr gefragt wären. Die Frage stellte sich dann eben, wie man diese Kompetenzen in Deutschland ausbauen & dann “exportieren” könne. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass es mal um grundlegendere Fragen ginge wie: Wer will denn den Denkmalerhalt? Und warum? Welche Probleme stellen sich? Warum ist es eben “Meaningful Heritage” oder von mir aus auch (Thema der Konferenz): “Past Imperfect“? Diese Fragen waren aber wohl nicht Thema der voran gegangenen Expertenrunde gewesen, denn sie kamen nicht. Es scheint eher in die außenpolitische Richtung gegangen zu sein, denn stattdessen wurde darüber gesprochen wie deutsche Universitäten kleinere Fächer schließen, wie man sich vernetzen kann & soll und warum es eine Denkmalvermittlung geben sollte.

Am Spannendsten & Lebendigsten waren die Worte von Frau Prof. Dr. Scheurmann, die für eine starke Vermittlungsposition der Denkmalpflege und der Denkmalvermittlung eintrat, da nur diese Punkte dafür garantieren dass unsere Gesellschaft weiß, warum man sich hier engagieren sollte & warum das ein relevantes Thema ist.

Eher unspannend dagegen die Aussagen, dass es eben diesen tollen neuen Studiengang gäbe, der eine Lücke in der Versorgung mit Denkmalpflegern & ausgebildeten Museumsmitarbeitern im Nahen Osten stopfen kann. Dass es diese Lücke gibt, ist sicher unbestritten, wichtig wäre doch aber zu fragen: Wer im Nahen Osten hat denn das Mitspracherecht zum Thema Denkmäler? Warum? Wer engagiert sich da? Raubgrabung ist schlimm, aber warum passieren denn Raubgrabungen & Schmuggel? Und was passiert denn, wenn deutsche Bildungspolitiker immer mehr kleine Fächer schließen und die so geschätzte deutsche Kompetenz auf diesem Feld einfach unter den Tisch fällt, weil wir nämlich niemanden mehr ausbilden? Immerhin waren wir hier im Auswärtigen Amt, einem Zentrum deutscher Politik, die ja durchaus mit diesen Entwicklungen zu tun hat! Empfehlung der Sprecher: vernetzt euch. Super. Sicher ist das eine Möglichkeit – die Stimme mal zu erheben und DAGEGEN zu sprechen wäre aber auch eine gewesen. Dann sitzt mal allerdings wohl nicht in so einer Podiumsdiskussion…

So blieb das Ganze am Ende eher eine Werbeveranstaltung für den sicherlich sehr schönen Studiengang “Heritage Conservation & Site Management” bzw. eine Plattform für die fördernden Institutionen & politischen Personen. Schade eigentlich, und v.a. schade, dass der Titel soviel mehr versprochen hatte. Aber, wie es mehrere Freunde hinterher sagten: Wenn man ins Auswärtige Amt geht, kann man ja davon ausgehen dass es nicht wirklich kontrovers wird! Da haben sie leider recht.

 

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