Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

Exhibition at shopping malls: "25 years of the Fall of the Berlin Wall", Potsdamer Platz Arkaden

Der Teufel ist unter uns? Ausstellungen in Einkaufszentren / OMG!!!! Exhibitions in Shopping malls.

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Exhibition at shopping malls: "25 years of the Fall of the Berlin Wall", Potsdamer Platz Arkaden

Exhibition at shopping malls: “25 years of the Fall of the Berlin Wall”, Potsdamer Platz Arkaden

Wenn man manchen Museums- und Vermittlungsmitarbeitern so zuhört, könnte man glauben, einen Teufel gäbe es wirklich. Er ist so böse, dass manche Mitarbeiter sogar an Kündigung denken, wenn er auftaucht, damit sie nicht in Kontakt mit ihm kommen. Der Teufel heißt: Ausstellungen in Einkaufszentren. Natürlich gibts es auch andere Museumsmitarbeiter, die das Ganze etwas differenzierter sehen, aber die Einstellung, dass eine Ausstellung in einem Einkaufszentrum eine fiese Sache sei – die ist mir trotzdem schon öfter begegnet. Und ich frage mich: warum eigentlich?

Viele Menschen, die ich damit habe umgehen sehen, rümpfen (heimlich oder ganz offen) die Nase über diese Ausstellungen zu allen möglichen Themen in Shoppingmalls in aller Welt. Meist geht es um die negative Besetzung von Konsum & Konsumismus, die als entgegengesetzt der Hochkultur (aka: Museum) verstanden wird. Ich selbst habe von thematisch völlig vom Shoppingcenter losgelösten Ausstellungen über die Europäische Raumfahrtbehörde (ESA)  und Ausstellungen über Trekking-Erfahrungen im Outdoor-Laden schon einiges gesehen. Und das Internet sagt mir, dass auch ganze Kunstausstellungen zum Teil in Shoppingcenter verlagert werden, vor allem im asiatischen Raum.

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Nachbarschafts-Einbindung ist momentan ja eine große Sache. Seit das Thema der Partizipation nach Deutschland geschwappt ist und seitdem Kultur zeitgleich immer weniger finanziert wird, ist das Thema nicht mehr nur eine  Nische für engagierte Menschen, die finden dass Kultur für alle dasein sollte und in die breite Masse kommen sollte. Sondern das Thema “Nachbarschaft”, “Kiez”, u.a. werden als Marketing-Tool genutzt, das größere Besucherzahlen bringen soll; Interesse für die eigene Sache, am Ende also: mehr Geld. Allerdings ist es eine Sache, sich so etwas auf die Fahnen zu schreiben, ein andere ist es nämlich das Ganze auch umzusetzen. Ein Beispiel aus der zeitgenössischen Musik-Szene: das Konzerthausorchester Berlin hat groß angekündigt: Kiezkonzerte! zu machen. Diese finden jedoch, wie sich nach der großen Plakataktion zeigte, nicht etwas tatsächlich in den ablegenen Orten der Kieze der Hauptstadt statt, sondern eher in sehr eleganten, extrem sorgfältig und kulturell gepflegten Orten wie dem BodeMuseum, dem meCollectorsRoom und anderen Spielstätten. Da fragt man sich dann doch, was das “kiezige”, urtümliche, volksnahe daran sein soll, was ja durch das Wort “Kiezkonzert” nahegelegt wurde.

Ähnlich also im Ausstellungsbetrieb. Seitdem es en vogue ist, das Publikum in Ausstellungen stärker einzubinden, sie auf vielfältige Form anders konsumieren und in geringerem Masse auch partizipieren zu lassen, seitdem scheinen sich auch Ausstellungen an anderen Orten als dem klassischen Museum stärker durchzusetzen. Zum großen Teil werden diese Ausstellungen dafür veranstaltet, eine bestimmte Institution dem Publikum auf leichte Art vorzustellen und näherzubringen. Sei es die ESA, wie oben erwähnt, die in den berliner Potsdamer Platz Arkaden aufbaute, oder eben eine Fotoausstellung in der Philharmonie zum Thema “Gustav Mahler” – man möchte sich präsentieren. Und da eine Ausstellung in der Philharmonie immer nur die antrifft, die diesen Hort der Hochkultur sowieso schon betreten haben, bieten sich Einkaufszentren doch an um wirklich eine breite Masse im eher entspannten (?) Wochenend-Shopping anzusprechen.

Wiederum in den Potsdamer Platz-Arkaden im Zentrum Berlins lief im Oktober 2014 eine Ausstellung zum Thema 25 Jahre Mauerfall, die auf wunderbare Weise einmal aufzeigt was da alles so drinsteckt.

1. Bleib bekannt! Hier wählte man ein Thema, das in Berlin sowieso überall aufkommt UND das zudem am Potsdamer Platz auch noch wegen des Geistes de Ortes geographisch nahe liegt: die Berliner Mauer verlief nur ungefähr 100 Meter von den Arkaden entfernt. Außerdem bietet es sich zusätzlich noch wegen des Jubiläums des Mauerfalls an. Mehr geht eigentlich nicht!

2. Sei PLASTISCH! Vom Trabbi bis zum Mauersegment, vom Stacheldraht bis zum Kostüm von Udo Lindenberg (Ich sage nur: “Sonderzug nach Pankow“) war alles original da. Womit wir auch schon beim zweiten Punkt wären:

3. Sponsoren! Hier sponsort das ebenfalls am Potsdamer Platz gelegene Musical-Theater die Ausstellung mit, weil sie nämlich seit Jahr & Tag das Musical “Hinterm Horizont” spielen, passenderweise mit Musik von Udo Lindenberg & dem Thema “Deutsche Teilung”. Passt also! Und die dezenten Hinweisschildchen neben den Vitrinen á la: “Hier entlang zum Musical-Theater” fallen auch nur minimal auf. Zum Thema Udo Lindenberg & Sonderzug nach Pankow hab ich hier schon mal was gesagt, meine Meinung über diesen angeblichen”Song der Revolution von 1989″ hat sich nicht geändert. Deshalb hier nochmal gerne der Link zu einem Video der DDR-Band Sandow: “Born in GDR”.

4. Bleib einfach! Die Texte in der Ausstellung sind kurz. Und: die Sätze sind SUPER kurz. Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze. Möglichst nicht über 8 Wörter. Selbstverständlich in Deutsch & Englisch, das Publikum, das hier einkauft ist international.

5. Wiedererkennungswert! Man setzt auf Altbekanntes und erzählt dann “Die Geschichte dahinter“. Beispiel etwa: die Geschichte des berühmten Fotos des Soldaten, der über den Stacheldraht springt, ikonenhaft in ganz Berlin immer wieder genutzt, um “Die Deutsche Teilung” zu illustrieren.

6. Keine Aufreger! Der Aufbau folgte schön dem chronologischen Aufbau, also 1961 – 1989. Und die Texte, Fotos, etc. boten jetzt auch nix Bahnbrechendes, sondern eher das was man sowieso in den Medien kennt. Erfreulicherweise wurde aber tendenziöse Dinge (siehe die Besprechung der Erinnerungsstelen in Berlin!) unterbleiben. Danke dafür!

Prinzipiell finden sich hier also relativ viele Dinge vereint, die für diese Ausstellungen typisch sind: Wiedererkennungswert, populäres Thema. Einfach verständliche Darstellung & Betextung. Alles in allem finde ich, dass Ausstellungen in Shopping Centren generell eine nette Art sind, Dingem, Themen, Institutionen, anzureißen. Warum nicht? Es macht Lust auf mehr, für mich jedenfalls. Den anderen Besucher interessiert vielleicht einfach die unterhaltsame Art der Darstellung. Natürlich reden wir hier nicht von den großen, komplexen Themen. Andererseits habe ich das Gefühl dass die auch in großen etablierten Museen häufig nicht unbedingt auf der Agenda stehen. Also: Warum dann nicht eben doch eine Ausstellung im Shopping-Zentrum?! Es ist ein Anfang, sich selber nach draußen zu begeben um Menschen zu begeben, die sonst nämlich nicht ins Museum kommen! Und zwar nicht, indem man in eher elitären Orten eines Kiezes auftritt sondern eben wirklich da, wo die Leute hingehen.

Übrigens ein interessanter kurzer Text zum Weiterlesen:

Heumann, E., 2007: The Potential of Museum Learning – The Essential Museum. In Lord, B. (Hrsg): The Manual of Museum Learning. Altamira Press.

Und, zum Thema “Welche Besucher kommen denn so in ein Museum & warum?”: 

Graf, B. & Noschka-Roos, A., 2009. Stichwort: Lernen im Museum. Oder: eine Kamerafahrt mit der Besucherforschung. ZfE 12: 7-27.

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ENGLISH VERSION

When you are listening to some people working in the museum and education sphere, there seems to be a devil among us. He is so evil that some people even consider to resign so that they won´t get in contact with him. The devil is called: Exhibitions in shopping malls. Of course, there are others that have a more differentiated view on this topic but I’ve met many people now that seem to believe that an exhibition in a shopping mall is something evil. And I have asked myself ever since: why is this?

The people I have asked about this are not content with the connection between museums and shopping malls all over the world. Mostly, this is because of the relationship between consumerism as opposed to the perceived “High Culture” of the museum. Considering my own experience I have seen anything ranging thematically autonomous exhibitions of the ESA (European Space Agency) in a shopping mall up to expositions on outdoor experiences in outdoor- shops with a high level of coincidence between the articles on sale and the exposition. And the internet tells me that whole art exhibitions have been moved to shopping malls, mainly in Asia.

Including a neighborhood-concept in cultural institutions is the new current in Germany, since the term of „participation“ is making deeper impact here. And since culture has been less financed every year. Culture is not anymore only for people engaged in High Culture but it should embrace everybody and encounter the masses on the street (or elsewhere). So “Neighborhood” is a new marketing tool that is being employed to get more visitors, which means heightened interest from the population, and in the end: more money. But its one thing to tell everybody that you´re doing the neighborhood-thing and another to have it actually hit the street. Street Credibility is not so easy to come by! A recent example is the Konzerthausorchester Berlin, which claimed to be going “Into the Neighborhoods” doing concerts there. But when you look up where the concerts actually take place than its at really High Culture-locations (e.g. museums!) and not in the parts of the neighborhoods where high culture never gets. May I question what the neighborhood element is, then? If you’re promising neighborhood than I am expecting neighborhood.

So, the same thing happens in the museums & the exhibitions. Since its en vogue to include the public in the exhibitions, to change the form of exhibition “consumption” and (in a lesser percentage) to have people participate, since this date there seems to be a rise in exhibitions at places that are not museums. In many cases these exhibitions aim at presenting a institution to a broader public – as in the case of ESA or the presentation of a photo exhibition at the Philharmonie Berlin concerning the philharmony and its most famous conductors. But as an exhibition at the philharmonie is public only to the people that already from part of a group that consumes culture in a (presumably) regular basis: why not use shopping malls as a platform to encounter people during their shopping trip on weekends?

As an example, I would like to present an exhibition I have recently seen (may I say „visited“?) at the Potsdamer Platz Arkaden, one of the main shopping malls at Berlin. This exposition, called 25 years of the fall of the Berlin Wallshowed what these exhibitions are about.

  • Be familiar! In my example, the curators chose a topic that is present everywhere at Berlin and additionally its super present at Potsdamer Platz where the Berlin Wall stood, only some meters away from what is now the Shopping Mall. And there was the 25th anniversary of the Fall of the Berlin Wall. So, there’s almost nothing that could be more inviting than this topic.
  • Be Vivid! From the famous Trabbi-car up to the original part of the Wall, from barbed wire to the original costume of Udo Lindenberg (a famous Berlin singer of the 1980ies) – everything was an original. Which leads us to point nr. 3:

 

  • Sponsors! In my example, the musical theater Potsdamer Platz is sponsoring the exhibition. And that’s because they are offering a musical called “Behind the horizon” with music by Udo Lindenberg and the topic of the Berlin Wall. So: it fits! And there are very discreet labels at the exhibition indicating the way to the musical theater in case anybody wants to go to the musical after having seen the exhibition.

 

  • Stay simple! The texts at the Exhibition are short. And the sentences are super short. Main clause. Main clause. Main clause. And no more than 8 words per sentence. Of course, the information is offered in German and English because the shoppers have international backgrounds.

 

  • Recognition Value! Choose something everybody knows and then tell “The Story behind it”. Here it was the famous photo of a young East Berlin soldier jumping the Berlin Wall when it was still nothing more than barbed wire. The photo became an icon of the German separation and is used to illustrate history.

 

  • Don’t disturb anybody! The presentation followed the chronological link of the events from 1961 – 1989. And the texts and photos didn’t offer anything disturbing, new or something to make you think. It was a repetition of the things we already know. What’s positive: there were no tendentious statements, either (as I have described here). Thanks’ a lot!

Generally, the exhibition represents many things that can be considered typical for this genre of expositions: recognition value, popular topics, simple presentation and texts and a lot of original artifacts. So, after all it seems to me that exhibitions in shopping malls are quite successful when it comes to presenting a topic to a general public! Sure, these are no detailed presentations, but it encourages anybody to learn more about something – and some may just be attracted by the easy way of presentation. No, these are not the big, complex topics. But, really, sometimes it seems to me that these are not on the agenda of big museums, either. And if this is the case: then why not do something at the shopping mall? It’s a start, and its something where museums can go outside their buildings to meet people that don’t usually attend museums. And if you want to do this, then you shouldn’t go to the High Culture places of your neighborhood but where the people are!

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