Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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“Alltag Einheit” im Deutschen Historischen Museum Berlin / “Unification” at the German Historical Museum Berlin

Direkt nach der Eröffnung war ich da: “Alltag Einheit”, die neue Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin. Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, dass mich Ausstellungen dieses Themas fast magisch anziehen (etwa hier zur “Bösen DDR”, hier zum “Alltag DDR” oder hier zum “Museum im Getränkemarkt”!): ich bin einfach gespannt, wie ein Teil meiner Geschichte ins Museum kommt. Und ich versuche wirklich, objektiv in der Beschreibung zu bleiben – aber es funktioniert nicht immer. “Alltag Einheit” – ist das der Gegenpart zu Alltag DDR” in der Kulturbrauerei? Die Ausstellungsdesign lässt es fast vermuten, eine konkrete Korrelation oder Information hierzu fand ich aber nicht.

Zuallererst: In der Sonderaustellung darf man keine Fotos machen. So was mag ich ja gar nicht. Warum soll ich im Museum keine Fotos machen? Ist das Ausstellungsdesign urheberrechtlich geschützt? Nein, wie das DHM mir über Twitter antwortet (@DHMBerlin), sind die Leihgaben der Grund hierfür. Diese dürfen auch Rechtsgründen (?) nicht fotografiert werden. Gerade bei dieser Ausstellung besonders schade, denn sie war dermaßen auf Mitmachen und Selbst Erleben gepolt, dass Fotos machen und mit den Objekten und Installationen interagieren nur logisch gewesen wäre. Sogar eine Fotochallenge gibt es, bei der man Fotos von der “eigenen” Einheits-Erfahrung auf Twitter mit nem speziellen Hashtag posten kann (#meineeinheit mit @DHMBerlin).

Nun aber zur Ausstellung selbst! Generell: hier wird es wirr. Nämlich sowohl in der Ausstellung, in der ich keinen klaren Rundgang fand,  sondern viele, miteinander verbundene und dann wieder abgegrenzte Areale zu verschiedenen Themenbereichen, was zum Konzept gehörte. Aber auch in der Werbung für diese Ausstellung. Diese hat nämlich folgendes, erklärtes Ziel laut der Homepage des DHM: sie “thematisiert den Alltag der Vereinigung und die Erfahrungen der Menschen sowie den in seiner Dimension historisch einmaligen Wandel des gesamten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gefüges der Gesellschaft in der früheren DDR ebenso wie die damit einhergehende Veränderung der alten Bundesrepublik.”. Großes Thema und: die Ausstellung will also Ost und West einbeziehen. Deshalb ja auch “Alltag Einheit“. De fakto ist es aber so, dass sie zwar sehr viele Aspekte und unterschiedliche Sichtweisen der Einheit abdeckt (und dies wird durch den Ausstellungsaufbau absolut fantastisch/plastisch umgesetzt) – diese aber eigentlich ausschließlich aus Sicht der Ostdeutschen. Ich konnte jetzt nicht wirklich Bereiche finden, in denen die westdeutschen Erfahrungen tatsächlich dargestellt worden wären – außer in den Informationstafeln, auf denen häufig auch über westdeutsche Erfahrungen mit der Einheit zu lesen war. In den Objekten und Installationen fand ich aber eigentlich – fast nichts. Ich fragte mich, ob die Einheitserfahrung für Westdeutsche wohl weniger einschneidend war? Und deshalb weniger ausstellbar?

Dafür durfte ich ganz viele Dinge selber machen. Zum Beispiel mein persönliches “Einheits”-Wort aufschreiben oder aufsprechen. Ich durfte in kopierten Akten blättern und mir Filme angucken. Ich durfte interaktiv Informationen zu besetzten Häusern im Berlin der frühen 1990er Jahre anschauen. Ich konnte Musik hören. Man konnte und sollte also eine große Menge mitmachen, und ich weiß nicht, wie sich das Ganze für jemanden anfühlt, der nicht direkt in Berlin lebte, in den 1990er Jahren. Für mich war es eher wie ein persönliches “Berlin 1995”-Revival. Denn die Objekte, die Fotos, die ausgewählten Themenbereiche beziehen sich zu einem Großteil auf Berlin und Umgebung. Wie war denn die Einheit in, sagen wir mal, Groß-Kleinkleckersdorf West und Groß-Kleinkleckersdorf Ost? Änderte sich da etwas? Was? Hierzu gibts nur wenige Informationen wie etwa die Auszüge der spektakulären Fotoreihe mit Aufnahmen von – allerdings wiederum aus dem Osten stammenden –  Menschen im Jahr 1990, 1995 (?) und nochmal zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Fotos sind übrigens generell eine große Sache. Fotos der Einheit, der Menschen, der Veränderungen. Die oben angesprochene Foto-Challenge. Dafür aber: weniger Objekte. Ganz viel läuft hier über Abbildungen, vielleicht auch weil die Veränderungen im Gefüge der Gesellschaft sich häufig einfacher über Fotos als über Objekte abbilden lassen? Absolut faszinierende Themen wie “unterschiedliche Alltagskulturen” (Zitat einer Texttafel) und Unterschiede im Denken und Handeln werden nur sehr sehr kurz und schemenhaft in den längeren Texttafeln angesprochen. Dabei ist es doch gerade das, was diese Zeit charakterisiert. Hier prallen Welten, Denkwelten, aufeinander. Das ist kaum Thema.

Im Großen und Ganzen ist der riesige Umbruch der Wendezeit also nur sehr flach abbildbar. Fotos transportieren hier viele der damals vorherrschenden Emotionen, aber das ganze Ausmaß ist eigentlich in einer Ausstellung kaum darstellbar. Es ist eine Ausstellung, wie gemacht für einen ersten Eindruck. Das große Mitmach-Potenzial und die vielen kleinen Themenbereiche bieten sich dafür an, eine Idee davon zu erhalten, wie es gewesen sein könnte. Aber viele der großen Themen sind außen vor, der Fokus liegt auf dem, was halbwegs “anfassbar”, erfassbar ist.

 UNification - Alltag Einheit DHM BerlinDas einzige Photo, bevor die Museumwärterin mahnte….Installation zu “Meinem persönlichen Einheits-Wort”. Ohne Leihgaben im Bild!

ENGLISH VERSION

Directly after the opening I decided to go and have a look at it: the new Special Exhibition at the German Historical Museum: “Unification. German Society in Transition“. It may be common knowledge by now that I am interested in these topics and that there were a lot of expositions visited so far (read about it here: “Good GDR – Bad GDR”, “Everyday Life at the GDR”, “Museum at the Cornershop”). I am curious how a part of my own past is being displayed in museums. And I really try to be an objective observer. I really do try! But I don´t always succeed. “Unification” (“Everyday Life during the Unification” as its German title traduces literally) – is this the counterpart to “Everyday Life in the GDR”, the exposition visited in Berlin some time ago? The exposition design and the title made me wonder about it, but I couldn´t find any precise information about it.

And, in the first place: you can´t take photos in this exposition of the German Historical Museum. I don´t like that… why shouldn´t I take photos? Is there a copyright to the exhibition design? As the Museum let me know via Twitter (@DHMBerlin)n this is due to the fact that the exposition uses lenders for many objects. Unfortunate for this exposition, because it was particularly focussed on participation and experiencing. So interacting with objects and istallations by taking photos would have been logical – for me, at least. There is even a “Photo challenge” associated with the exposition where you may twitter your own special unification photo unter der the hashtag #meineeinheit.

But now to the exposition itself. Generally speaking: its getting a little bit confused. In the exposition where I couldn´t find any clear way to wander around but many interconnected and separated areas on different topics, which makes sense regardin the obejctive of the exhibition – as well as in the marketing of the exposition. The marketing claims the following goal: “Everyday life in the union and the experiences of the people are the focus of the exhibition “Unification. German society in transition”. It deals with the transformation, historically unique in its dimension, of the entire political, economic, social and cultural structure of society in the former GDR as well as the concomitant changes in the old Federal Republic.” Ok, so the goal is to show both Germanies, East and West. That´s why it´s called “German Society in Transition” and not “GDR Society in Transition”. But actually, although many aspects of the life during the unification process are being covered, these are mainly focussing on East German perspectives.  I wasn´t able to find areas that focussed concretely on West german perspectives on Unification, apart maybe from some comments and explanations in the information tables. But in the actual objects or installations I found – almost nothing. I wonder if the experience of unification was maybe less important to West germans? Or less “apt” for an exhibition?

But on the other hand I was allowed to do a lot of things on my own. Writing down my “personal unification word”, for example. I could scroll through copies of official documents and watch movies and documentaries. I could interact virtually with informations on squatted houses in East Berlin in the early 1990ies. I could listen to music… in the end, you could participate and interact with a lot of things in this exposition and I don´t know how this feels for somebody who didn´t live in Berlin at this specific time, say between 1990 and 1996. For me, personally, this was like a “Berlin 1995 revival”. Because the objects, most of them photos and the selected topics focussed mainly on Berlin and the surrounding areas. How was the Unification experienced in, lets say, in some small village in East and West? Were there changes? And what? There are very few informations on this – including the absolutely spectactular photograhy series of (again: East) German people visited in 1990, 1995 and the beginning of the new century.

Photos are definitely the big thing ath this exposition. Photos of the Unification, of the People, of the changes. And the above mentioned photo challenge. But few objects, comparatively. Is this because changes can be made more “experiencable” therough phpotos, transporting emotions than through “mere” objects? Many of the topics, fascinating as they are, are only addressed in the information tables. Topics like “different cultures of everyday life”, differences in perepction and acting as they developed over a 40 year span living in different political systems and societies are totally fascinating and were mentioned in the information text. But – they were not really visible in the objects or instalaltions. And this is just what characterizes this fascinating time of changes: Universes of Thoughts collide, East and West germans realized how different their mutual perceptions of objects, words, events, were. It differentiated them and let to a development of a new cultural identity, mostly still influenced by the former German states. That´s not a topic in the exhibition, though.

Generally speaking, the huge changes of the time of Unification can only be made visible in a small way. Photos transport many emotions that were prevalescent in 1989-1990 but the whole amount of change, emotions, personal and social developments is impoosible to represent at an exhibition. Or so it seems visiting this specific exposition. Its an exhibition that is great to get an idea of how things were, at that time. The big potential of participation and the many small areas and subjects are clearly apt to give you an overview of the huge changes that were happening during these 1-2 years. But the big issues are left out, the focus lies on the things that can be presented in a “museum way”.

 

 

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70 Jahre Kriegsende: Berlin integriert 1945 ins Heute. / 70 years after the end of WWII: Berlin integrates 1945 into today.

70 Jahre Kriegsende sprachederdingeblog

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In den letzten Tagen (seit dem 21. April) tauchten sie auf: Stellwände, riesig an prominenten, touristisch überlaufenen Stellen Berlins: vor dem Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz. Und auch woanders. Und dann noch als Plakat in der U-Bahn und wo man sonst so eben vorbeikommt. Ganz in Übereinstimmung mit vielen anderen Gelegenheiten, zu denen Berlin seine Geschichte sehr prominent in den Alltag integriert (etwa hier oder hier beschrieben), sind auch diese Open-Air-Ausstellungen eine Möglichkeit, sich mit der Geschichte der eigenen oder der besuchten Stadt auseinanderzusetzen.

Großformatig zeigen die Macher der Erinnerungsaktion zum 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8.5.2015 Bilder eben dieser Plätze im Mai 1945. Steht man direkt davor, ist es ein Zeitfenster – denn drumherum steht das, was da eben heute so steht: Restauriertes, neu Gebautes. Man schaut genauso in die Vergangenheit wie jemand, der im Mai 1945 an eben dieser Stelle vorbeigekommen wäre. Sieht man die großformatigen Plakate etwa in der U-Bahn setzt der Effekt ein, den ich bereits in “Geschichte allerorten” beschrieben habe: man denkt als Berliner an die Plätze so wie man sie heute kennt und immer wieder besucht.

Wie etwa hier beschrieben wird, ist diese Iniative von verschiedenen berliner Kulturprojekten organisiert, darunter die Berliner Unterwelten, Gedenkorte, Museen, etc. thematisch geordnet an den unterschiedlichen Ausstellungsorten. Die offizielle Internetpräsenz Berlins gibt mehr Auskunft zu den einzelnen Aspekten der Open-Air-Ausstellungen und auch zum intensiven Rahmenprogramm rund um den 8.5., getragen von Lesungen, Festakten, Führungen, Filmreihen und anderem.

Im Großen und Ganzen sind diese öffentlich zugänglichen Erinnerungsmomente eine wunderbare Sache. An einem Festakt nehmen nur sehr wenige Menschen teil, und meist sind es Politiker oder hochrangige Menschen, Zeitzeugen. Das wars dann auch. Geschichte geht uns aber alle an und bezieht sich auch auf uns alle. Wir alle machen Geschichte – deshalb sollte Erinnerung auch etwas sein, das uns allen zugänglich ist. Die Ausstellungs- und Programmreihe Berlins zum Jahrestag des Kriegsendes (in der DDR als “Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus” bekannt) ist ein gutes Beispiel hierfür.

 

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ENGLISH VERSION

In the last days, since the 21st of April, huge movable photo walls have appeared at the most popular places of Berlin: at the Brandenburg Gate, at the Potsdamer Platz and other touristic places. Other, slightly smaller versions of these photo walls can be seen at metro stations and other locations you will pass regularly when living in or visiting Berlin. Accordantly to other opportunities when Berlin integrated its own history into everday life (such as here and here), these open air expositions are a possibility to remember the history of your own city – or the city your visiting.

At huge photo walls the organizators of this commemoration campaign of the end of the Second World War at May 8th 1945 show photos of how these samne places looked like in May 1945. When you are standing right in front of them, its like looking into a window into history: you are seeing what a passer-by in 1945 would have seen when standing at the same place as you, right now. And around you, there´s what today is: new or restorated buildings. If you look at the photos at the metro, you´ll be experiencing the effect that I described in “History at every pace“: as an inhabitant of Berlin you´ll compare inconsciously the places as you know them now with the photo.

As has been written here, the campaign has been organized by different cultural projects of Berlin, memorial places, museums, associations. The photo walls follow a thematically organized order, and the official Berlin website offers more information on the different aspects of these open air expositions and the intensive framework program associated with them at the days right before the 8th of may.

generally speaking, these “open access”-remembrance opportunities are something that I favour very much. At a ceremonial act there are only very few people involved: mainly politicians, contemprary witnesses and the like. And thats it. But History is something concerning all of us and embraces all of us. We all MAKE History – and thats why all of us should have the chance to participate in the remembrance of History. The exhibitions and framework programs evolving around the 70 years of the end of WWII in Berlin are an example of how you can get this right.

70 Jahre Kriegsende sprachederdingeblog

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Geschichte allerorten / History at every pace

Natürlich sind alle Orte, die wir betreten, mit Geschichten durchzogen. Diese Alltäglichkeit von Geschichte führt ja dazu, dass wir uns heimisch fühlen, wenn es positive Geschichten sind – oder unangenehm wenn es negative Geschichten sind, seien es nun persönliche oder gesellschaftliche. Allerdings denken wir nicht alltäglich daran, sondern haben eher ein Gefühl, gerade wenn es sich um Alltagsorte handelt die wir oft betreten und deren Alltäglichkeit dazu führt, dass wir sie eher als Statisten und Bühnenbild wahrnehmen und nicht als Ding an sich.

Museen sind ja Stätten, die den Alltagsobjekten die Möglichkeit geben als Symbol über sich selbst “hinauszuwachsen” oder, umgekehrt, einen Anstoß für eigene Geschichten zu geben. Aber Landschaften, Gebäude, Straßenzüge – das sind keine Dinge die ins Museum passen. Ihre Alltäglichkeit und das Immer-Da-Sein machen sie fast unsichtbar.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder gesehen, wie Landschaften, Gebäude, Straßenzüge aus dieser Alltäglichkeit herausgenommen werden – und zwar durch Abbildungen, Fotos, Zeichnungen, die genau diese in anderen Zeiten zeigen. Soweit ich weiß, ist das in Berlin häufig zu finden, und auch an anderen Orten habe ich es schon gesehen.

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Fotos von dem Ort, an dem man gerade steht, vor 30, 60, 100, 300 Jahren – immer verbunden mit der Frage, die dann ganz automatisch aufgeht: was war anders? Der Geist vergleicht, sieht auf die Unterschiede in Architektur und Technik. Wer noch etwas geschichtsbegeisterter ist, kann eventuell sogar politische oder gesellschaftliche Ereignisse zu den Jahreszahlen unter den Bildern assoziieren. Das Besondere daran ist, finde ich, dass diese Abbildungen aber nicht in einem musealen Raum gezeigt werden, den wir mit einer bestimmten Erwartungshaltung betreten, sondern wie in unserer medialen Gesellschaft üblich “einfach so”, nebenher. Als Begleitung auf dem Weg, beim Warten auf die Bahn, auf die grüne Ampel.

Ausstellungen an Bauzäunen sind ja seit mehreren Jahren ein Dauerbrenner, Google zeigt hierfür mehr als 6 Seiten Einträge. Bauzäune in allen Formen und Farben, meist als “temporäre Ausstellung” genutzt. Mit Künstlern, Infos, Fotos, Geschichte, Werbung. Der Bauzaun als Gratis-Werbe- & Infofläche aller Art ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Und einmal hatte ich hier schon über die Zwischen-Ausstellung mit historischen Portraitfotos am Bauzaun des neuen berliner Schlosses berichtet (Spree Side Gallery), auch der seit Jahren bestehende Bauzaun der neuen U-5 in Berlin ist ein gutes Beispiel dafür. Reklamefläche in groß, gefüllt mit Infos, Unterhaltung und historischen Fakten.

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Im Gegensatz zu den Ausstellungen am Bauzaun sind historische Abbildungen  etwa an einer U-Bahn-Station oder einer Hauswand eine dauerhafte Einbettung in die Umgebung. Die Pressestelle der BVG sagte auf Anfrage dazu: “Auf den denkmalgeschützten Bahnhöfen werden, in Abstimmung mit der Denkmalbehörde, die Werbetafeln durch historische Abbildungen ersetzt. Die Auswahl der Fotos bezieht sich auf das nahe Umfeld der Bahnhöfe und soll einen Bezug zu dem heutigen Stadtbild und dem historischen Stadtbild herstellen.” ich würde mal sagen: es funktioniert! Und diese Bilder führen dazu, dass Menschen kurz innehalten und einen Gedanken daran verschwenden was früher war, sich kurz oder auch länger zeitlich, geschichtlich verorten. Kinder stellen Fragen dazu, Erwachsene lassen sich in der Zeit treiben. Viele schauen auf das offensichtlich Andere: Pferdekutschen, andere Kleidung, andere Häuser. Andere sehen die Ähnlichkeiten, stellen fest dass manche Gebäude die gleichen geblieben sind. Dass man vielleicht gerade direkt davor steht, vor dem einzigen noch originalen Gebäude einer 200 Jahre alten Abbildung. Es ist eine kleine Chance, sich selber im Lauf der Zeit zu verorten. Darüber nachzudenken was war und was ist – und was eventuell sein wird.

Auch wenn historische Abbildungen vielleicht nur eine mediale Berieselung sind und keine Sache, die man wirklich jetzt “erziehungstechnisch” einsetzt – der Effekt ist doch vorhanden. Wir denken nach. Ein Anfang!

Historische Photos Berolinahaus Berlin Alexanderplatz sprachederdinge blog

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ENGLISH VERSION

Of course, every place we step on is laden with history. This ubicuity of history is what makes us del “at home” at certain places, when its positive histories we are associating with a given place – and makes us feel uncomfortable if these histories are negative ones, be they personal or concerning the whole society. But we are not constantly thinking of this history surrounding  us, especially when we are confronted with everyday places that we wander every day. this prosaicness makes us think of history as a stage setting or an extra. And not as the THING it actually is.

Museums are places that offer the possibility to present everyday objects as symbols. In this context they can be “more” than just themselves, they can offer the opportunity to get our own history in a context. But landscapes, buildings, streets – these are no objects that would fit into any museum. Their prosaicness and their “Being – continually – there” make them almost invisible to the everyday eye.

In the last years there have been several times that I saw how landscapes, buildings, streets, have been removed from this ubiquity  – using paintings, photographies and drawings that show just these landscapes or buildings in other, past times. as far as I know this is a recurring phenomenon at Berlin and I´ve seen it at other cities as well. Images of the places that you are standing right now: images from 30, 60, 100, 300 years ago.

and theres a question that rises almost automatically: what was different then? Our mind starts comparing: differences in architecture, people, fashion. If you are even more interested in history you might even associate some political or societal events with the dates mentioned at the images. The special thing about this is, that these are not part of a museal presentation of objects, they are not part of some surrounding where you are supposed to learn something, to get educated. Rather, they are just with us, accompanying us at a moment when we are waiting for the lights to change to green, for the metro to arrive.

Expositions at building fences are a major thing for some years now, German Google has more than 6 pages of entries on this topic. Building fences in every form and shape and color, mostly being used as “temporary expositions”. They sport artists, information, photos, advertising. The building fence as a free place for information and advertisement – that has been common knowledge for some years now. And I even mentioned the temporary exposition of photographies at the building site for the New Berlin CAstle (Spree Side Gallery) – the building fence of the new metro in the centre of Berlin is another excellent example. Advertisement for the building, the architect, filled with photos and information on the history of the place.

But on the contrary to these examples historical images in a metro station or at a building are being constant. They accompany us for a much longer time frame. And they make people stop, think things over, get them to locate themselves in the river of history, have a look at their position in order to other centuries. You may stop for some seconds or for a longer time. Children ask about the things they see at the image, adults drift dreamily through the times. Many look at the obvious: the buildings that changed  – or not. That maybe you are standing just in front of the only remaining building of the image. Its an opportunity to see yourself as related to past and future. To think about what was and what may be. And even when historical images could count as “only” a new form of media and not something you use to educate people – its the same thing. We start to think, and thats always a good start.

 


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Mini-Museum oder Die Vergangenheit im Getränkemarkt./ Mini-Museum or: History at the Corner Shop

Wann ist ein Museum eigentlich ein Museum? Wenn es mehrere Räume hat? Oder viele Besucher? Oder dauerhaft in der sozialen Gemeinschaft verankert ist? Die ICOM sagt ja: “Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ (ICOM 2006). Ein Ausstellunghaus hingegen: Haus, das im Wesentlichen auf eine eigene Sammlung verzichtet, aber auch keine Verkaufsausstellungen veranstaltet.” Gedenkstätten? Und was ist mit Folgendem:

Im berliner Stadtteil Friedrichshain gibt es ein “Museum”, dass eigentlich nur aus drei Billy-Regalen besteht und das mitten im Getränkemarkt aufgebaut ist. Dort steht es seit Jahr und Tag und jeder Besucher/Käufer kommt dran vorbei. Viele bleiben stehen, schauen, fragen etwas zu den Objekten. Friedrichshain liegt im Osten der Stadt, also im ehemals sozialistischen Gebiet der DDR. Und der Besitzer des Getränkemarktes hat hier Objekte ausgestellt, die nur ein einziges Merkmal eint: sie alle stammen aus der DDR und gehören zur Alltags-Welt dieses vergangenen Staates. Von der Brause (aka Limonade) bis zum Radio ist einiges vertreten und auf Nachfrage erzählte er mir, das alles hätten ihm Kunden vorbeibracht, die Ausstellung ist also im Wachsen begriffen. Warum aber stellt er das hier alles aus? Was ist der Zweck davon und was die Motivation, das alles abzustauben und zu erweitern? Der Besitzer sagte einfach nur: “Wir hatten die Sachen zuhause und denn ham die Kunden da immer ooch ma wat mitjebracht! Und nu steht dit ehm hier!”.

Kleine Museen, wie etwas die Heimatstube in Raddusch, oder eben die drei Billy-Regale im Getränkemarkt gehören ganz sicher zu den “Wilden Museen” *. Ein Museum der Kleinen Leute. Hier steht das Objekt nur für sich, es wird nicht abgegrenzt, es ist kein Bild, Symbol für irgendetwas (Janelli 2012: 28). Nein, es soll uns einfach nur erinnern an etwas das war. Das so nicht mehr existiert, aber in uns noch weiterlebt. Ganz ohne Beschriftung und Erklärung sprechen hier die Dinge für sich selbst. für manche als Erinnerungs-Jogging, für andere als exotisches Ding aus vergangenen Zeiten ohne jegliche Verbindung zu einem selbst. Hier kommen Menschen ins Gespräch – darüber was das für Dinge sind, wofür sie benutzt wurden. Sie erzählen einander davon, wie schwer es war diese Dinge zu bekommen in der sozialistischen Planwirtschaft.

Es ist eine sehr lebendige Sache, so ein Minimuseum im Getränkemarkt. Und es ist nicht so konsumbasiert wie andere Ausstellungen in Einkaufszentren, und auch nicht effektheischend. Es ist eher eine Erinnerung und ein Gesprächsgrund. Lebendige Geschichte – für den, der sich darauf einlassen will.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.

Museum im Getränkemarkt - Sprache der Dinge Blog

Museum im Getränkemarkt – Sprache der Dinge Blog

Foto 3 Foto 2ENGLISH VERSION

When is a Museum a Museum? Is there a minimum size? Or a minimum amount of visitors? Or does it have to be permanently linked to its surrounding society? The ICOM says: “A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.” (ICOM 2007). What about “exhibition buildings” that don’t have their own collections but exhibit? And what about memorial places – “A memorial is a structure built in order to remind people of a famous person or event.”? And what about the following:

In the Berlin neighborhood of Friedrichshain, there’s a museum that consists mainly of three shelves that are placed directly in a small super market. It has been there for some years and every day visitors / clients come along and have a look at it while buying drinks and alcohol. Many of them stop for a minute and start chatting about the things at display, talking to each other, asking the proprietor about his collection or just remembering events related to these objects in their own lives. Friedrichshain is located at the Eastern part of Berlin and belonged to the former socialist GDR. And the proprietor has on display objects from GDR-times. They all belonged to the everyday life of this lost state: starting with lemonade bottles and up to radios there’s almost everything on display and when I asked him how the things got here and if they belonged to him, he told me that clients had started to bring these things over and are still doing it. The collection is growing. But why does he exhibit these objects? What´s his motivation? Where does the energy to preserve these things come from, to look after them and have them cleaned all the time? The only answer I got was: “Well, we had these things at home, then we put them here, the clients started to bring other things around and now they are just here!”.

Small museums, as the typical local museum consisting of one or two small rooms crammed with objects collected by a mostly private person, or these three shelves at the supermarket belong surely to what is called “Wild Museums” or “amateur museums”. Its ” a museum for ordinary people”*. Here, the object represents itself, its not a symbol or a an image of something. It just is itself, reminding us of personal events or memories. Reminding us of something that doesn’t exist anymore – without any explanation the objects speak for themselves, raise questions or curiosity. It´s like memorizing for some people or being an exotic object for others. People get to talk to each other contemplating the objects, because these represent so many different, personal ideas. At the supermarket, people talk about how difficult it was to buy these objects in socialist times, relating very personal stories to strangers. Others wonder about the design or function. Anyway, they make people talk.

It’s a very animated thing, this little museum at the supermarket. And its not centered on consuming things, like the exhibitions in shopping malls and it doesn’t want to get your attention no matter what. Its just living history and living memory. For anybody who likes to join.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.


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Mein liebstes Denkmal: E.T.A. Hoffmann / My favorite monument: writer E.T.A. Hoffmann.

In Berlin gibt es ein Denkmal. Es ist das für mich Schönste, was es gibt. Es ist lebendig. Es ist oft mit Blumen geschmückt. Oder mit anderen Kleinigkeiten. Es ist eine Erinnerung an die Phantasie, den Reichtum von Gedanken. Es ist die Büste E.T.A. Hoffmanns am Gendarmenmarkt. Hier hat er das Wort “Sekt” erfunden, hier war das Haus, aus dem “Des Vetters Eckfenster” auf den Gendarmenmarkt schaute. Nur 10 Minuten von hier ist das Nikolaiviertel, dessen Kirche in seinen Geschichten vorkommt. Aber hier wird er nicht nur mit einer Gedenktafel geehrt, die vermutlich seltsam jemand liest – nein, hier steht die Büste, die an ihn erinnert. Ein Werk der Künstlerin Carin Kreuzberg, dessen Original seit 1976 bereits an der Liebknecht-Brücke in der Nähe des Alexanderplatzes steht.

Sie ist ehrlich gesagt, recht klein. Und sie steht nicht prominent irgendwo auf dem Platz und hat ne Eisenkette drumrum. Nein, sein Denkmal ist auf Brusthöhe unter einem Fliederstrauch. Man kann sich ebenfalls drunterdrucken und ist mitten in der Stadt ein bisschen in einem Garten, für ein paar Momente wenigstens. Egal ob im Frühling, Sommer oder Winter – sein Denkmal ist immer draußen, in der Natur. So wie seine Helden, wie etwa im “Fremden Kind”.

Ein lebendiges Denkmal, so wie seine Geschichten. Ein wenig verwunschen und romantisch – so wie seine Geschichten. Schöner kann man nicht erinnert werden, als in den Jahreszeiten unter einem Fliederbusch.

Sprache der dinge E.T.A. Hoffmann

Sprache der dinge E.T.A. Hoffmann

English Version

There is a monument in Berlin, that is my favorite one. Its beautiful, its lively, its always adorned with flowers or other little things people found in the street and put there to remember a famous German romantic writer called E.T.A. Hoffmann. Its a monument to phantasy, to the richness of thought and writing. Its at the Gendarmenmarkt at Berlin, where the writer lived for years, and where some of his stories are located. And he is not being remembered only by a metal plaque (which is been read seldom – if ever – by people passing by) but by a small monument, a copy of the original done by artist Carin Kreuzberg in 1976. Its not prominently located at the Square. Its rather hidden away under a lilac bush, providing  shelter for the breast-high bust of the writer. You may duck under the bush yourself to deposit your flowers into its hands – and you will not be in Berlin, the big city, anymore but lile inside a garden. Its a moment of quiet and garden-ness. No matter the season, its always outside and within Nature – just like the heroes of his writing are.

Its a monument to life, like his stories. Its romantic – like his stories. Its enchanted – like his stories. Its almost hidden – like so many riddles in his writings. You cannot be remembered any more beautiful than by weathering the seasons within a gigantic bush of lilac.

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A digital artefact or: the whole world is entangled. #edcmooc

 

Its been four weeks now and at the “E-Learning & Digital Culture” -mooc we have been through a lot of thinking on how the human & the digital mingle & intertwine. And for weeks now, there has been one word on my mind; calling, teasing, pushing me to inquire further. Its: entanglement. It has already been present at this blog, right from the start: when writing about the concept of the anthropocene or the exposition Human – Object – Jaguar. When talking about the 2013 conference on materiality and things in Berlin. It has always been here, but now it has reached a new level, a clearer perspective.

 

Collage entanglements sprachederdingeblog

Collage entanglements sprachederdingeblog

Entanglement is the thing that offers a historical and futuristic perspective on our relationship to the human & digital world and their supposed opposition. The word “digital artifact” in itself evokes a kind of startling opposition – isn’t an artifact to be actually made by a human – by a human hand & to be actually physical, touchable? Well, the opposition between digital & human disappears when you think of my hands writing this text.

Entanglement:
tr.v. en·tan·gleden·tan·glingen·tan·gles

1. To twist together or entwine into a confusing mass; snarl.
2. To complicate; confuse.
3. To involve in or as if in a tangle” (as seen here). 
And being thus it has, obviously, much to do with the intertwining spheres of human & digital, if we may apply these distinctions. “Entangled” has also been one of the most discussed topics in archaeology in the last 18 months. “Entangled” by Ian Hodder, has brought to mind the human – object – relations, the object – object – relations and the human – human – relations that define ourselves since human beings have appeared on Earth. But: How does this connect to the theme of #edcmooc?
Well, our human relation to the material, object world has always been complex & manyfolded, implying that it´s not only us, the humans, who are changing and forming objects, but objects form us as well. They change us, and our perception of the world. And objects do have lives with other objects, relating and influencing each other. Its an increasingly complex web of relations, defining human and object nature for several tens of thousands of years. In one case, Humans themselves have been described as objects, “emerging out of nowhere and changing everything” (Bryant 2012 cited in Marila 2013).
Collage entanglements sprachederdingeblog

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And the implications of this definition of entanglements go even further. If we extend this complex web of relationships to our current societies, then the digital & the human world are intertwined as well, influencing each other in a mutual way. Many of the short films that accompanied the mooc have shown this – from marketing ads up to rather philosophical short films. The debate on transhumanism borders on just this question: who are we, and what objects do enhance or change us when we incorporate them into ourselves and our lives? If “tracing entanglement means making our way through a strongly heterogeneous world & following links and chains” (Pollock et al. 2014 on Hodders “Entangled”), overstepping disciplinary boundaries, than the current intertwining of “digital” & “human” or “real” does just that: it opens a whole world of new links & paths. The point is notify you’re  using your smartphone “only” to check on Facebook or if you’re engaging heavily in internet technology & the digital self, discussing topics like transhumanism and a digital life. We are all changing from this new entanglement, even if we don’t use these new objects & technologies.
 
Entanglements & the temporal urge of Dis-Entanglements (aka “simplifying your life”, “get back to the essential(s)”) with objects & technologies have ever been part of human life. There is no such thing as a “humanist” era when technology didn’t influence on our “self”, our “minds” or being. We have always been and will always be in motion with the object world that surrounds us. Its not a question of discussion but a fact – a fact we have to consider carefully to take our own steps in this intertwined world of relationships. How far would you like to go? How much are you disposed to invest? And why do you choose to do so?
Street Art, Berlin, Germany sprachederdingeblog

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Suggested reading:
Marila, M. (2013) Ian Hodder: Entangled: An Archaeology of the Relationships between Humans and Things , Norwegian Archaeological Review, 46:1, 121-123, DOI: 10.1080/00293652.2013.773367
Pollock, S., R. Bernbeck, C. Jauß, J. Greger, C. von Rüden, S. Schreiber, 2014. Entangled Discussions: Talking with Ian Hodder About His Book Entangled, Berlin, 14. December 2013. Forum Kritische Archäologie 3: 151-161.
P.S. I was searching desperately for online ressources to create my digital artifact in another form than a blog post. But unfortunately, there seems to be nothing as flexible as my blog? I wanted this post to be rather like a digital scrapbook to be thumbed through, with pages for pictures and the like, something that included shortcuts, links and text, together with a flexible insertion of my own pictures and drawing and collages. But I couldn’t find anything like that, or rather: not for free. So – I recurred to blogging, after all!


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Der Teufel ist unter uns? Ausstellungen in Einkaufszentren / OMG!!!! Exhibitions in Shopping malls.

Exhibition at shopping malls: "25 years of the Fall of the Berlin Wall", Potsdamer Platz Arkaden

Exhibition at shopping malls: “25 years of the Fall of the Berlin Wall”, Potsdamer Platz Arkaden

Wenn man manchen Museums- und Vermittlungsmitarbeitern so zuhört, könnte man glauben, einen Teufel gäbe es wirklich. Er ist so böse, dass manche Mitarbeiter sogar an Kündigung denken, wenn er auftaucht, damit sie nicht in Kontakt mit ihm kommen. Der Teufel heißt: Ausstellungen in Einkaufszentren. Natürlich gibts es auch andere Museumsmitarbeiter, die das Ganze etwas differenzierter sehen, aber die Einstellung, dass eine Ausstellung in einem Einkaufszentrum eine fiese Sache sei – die ist mir trotzdem schon öfter begegnet. Und ich frage mich: warum eigentlich?

Viele Menschen, die ich damit habe umgehen sehen, rümpfen (heimlich oder ganz offen) die Nase über diese Ausstellungen zu allen möglichen Themen in Shoppingmalls in aller Welt. Meist geht es um die negative Besetzung von Konsum & Konsumismus, die als entgegengesetzt der Hochkultur (aka: Museum) verstanden wird. Ich selbst habe von thematisch völlig vom Shoppingcenter losgelösten Ausstellungen über die Europäische Raumfahrtbehörde (ESA)  und Ausstellungen über Trekking-Erfahrungen im Outdoor-Laden schon einiges gesehen. Und das Internet sagt mir, dass auch ganze Kunstausstellungen zum Teil in Shoppingcenter verlagert werden, vor allem im asiatischen Raum.

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Nachbarschafts-Einbindung ist momentan ja eine große Sache. Seit das Thema der Partizipation nach Deutschland geschwappt ist und seitdem Kultur zeitgleich immer weniger finanziert wird, ist das Thema nicht mehr nur eine  Nische für engagierte Menschen, die finden dass Kultur für alle dasein sollte und in die breite Masse kommen sollte. Sondern das Thema “Nachbarschaft”, “Kiez”, u.a. werden als Marketing-Tool genutzt, das größere Besucherzahlen bringen soll; Interesse für die eigene Sache, am Ende also: mehr Geld. Allerdings ist es eine Sache, sich so etwas auf die Fahnen zu schreiben, ein andere ist es nämlich das Ganze auch umzusetzen. Ein Beispiel aus der zeitgenössischen Musik-Szene: das Konzerthausorchester Berlin hat groß angekündigt: Kiezkonzerte! zu machen. Diese finden jedoch, wie sich nach der großen Plakataktion zeigte, nicht etwas tatsächlich in den ablegenen Orten der Kieze der Hauptstadt statt, sondern eher in sehr eleganten, extrem sorgfältig und kulturell gepflegten Orten wie dem BodeMuseum, dem meCollectorsRoom und anderen Spielstätten. Da fragt man sich dann doch, was das “kiezige”, urtümliche, volksnahe daran sein soll, was ja durch das Wort “Kiezkonzert” nahegelegt wurde.

Ähnlich also im Ausstellungsbetrieb. Seitdem es en vogue ist, das Publikum in Ausstellungen stärker einzubinden, sie auf vielfältige Form anders konsumieren und in geringerem Masse auch partizipieren zu lassen, seitdem scheinen sich auch Ausstellungen an anderen Orten als dem klassischen Museum stärker durchzusetzen. Zum großen Teil werden diese Ausstellungen dafür veranstaltet, eine bestimmte Institution dem Publikum auf leichte Art vorzustellen und näherzubringen. Sei es die ESA, wie oben erwähnt, die in den berliner Potsdamer Platz Arkaden aufbaute, oder eben eine Fotoausstellung in der Philharmonie zum Thema “Gustav Mahler” – man möchte sich präsentieren. Und da eine Ausstellung in der Philharmonie immer nur die antrifft, die diesen Hort der Hochkultur sowieso schon betreten haben, bieten sich Einkaufszentren doch an um wirklich eine breite Masse im eher entspannten (?) Wochenend-Shopping anzusprechen.

Wiederum in den Potsdamer Platz-Arkaden im Zentrum Berlins lief im Oktober 2014 eine Ausstellung zum Thema 25 Jahre Mauerfall, die auf wunderbare Weise einmal aufzeigt was da alles so drinsteckt.

1. Bleib bekannt! Hier wählte man ein Thema, das in Berlin sowieso überall aufkommt UND das zudem am Potsdamer Platz auch noch wegen des Geistes de Ortes geographisch nahe liegt: die Berliner Mauer verlief nur ungefähr 100 Meter von den Arkaden entfernt. Außerdem bietet es sich zusätzlich noch wegen des Jubiläums des Mauerfalls an. Mehr geht eigentlich nicht!

2. Sei PLASTISCH! Vom Trabbi bis zum Mauersegment, vom Stacheldraht bis zum Kostüm von Udo Lindenberg (Ich sage nur: “Sonderzug nach Pankow“) war alles original da. Womit wir auch schon beim zweiten Punkt wären:

3. Sponsoren! Hier sponsort das ebenfalls am Potsdamer Platz gelegene Musical-Theater die Ausstellung mit, weil sie nämlich seit Jahr & Tag das Musical “Hinterm Horizont” spielen, passenderweise mit Musik von Udo Lindenberg & dem Thema “Deutsche Teilung”. Passt also! Und die dezenten Hinweisschildchen neben den Vitrinen á la: “Hier entlang zum Musical-Theater” fallen auch nur minimal auf. Zum Thema Udo Lindenberg & Sonderzug nach Pankow hab ich hier schon mal was gesagt, meine Meinung über diesen angeblichen”Song der Revolution von 1989″ hat sich nicht geändert. Deshalb hier nochmal gerne der Link zu einem Video der DDR-Band Sandow: “Born in GDR”.

4. Bleib einfach! Die Texte in der Ausstellung sind kurz. Und: die Sätze sind SUPER kurz. Hauptsätze. Hauptsätze. Hauptsätze. Möglichst nicht über 8 Wörter. Selbstverständlich in Deutsch & Englisch, das Publikum, das hier einkauft ist international.

5. Wiedererkennungswert! Man setzt auf Altbekanntes und erzählt dann “Die Geschichte dahinter“. Beispiel etwa: die Geschichte des berühmten Fotos des Soldaten, der über den Stacheldraht springt, ikonenhaft in ganz Berlin immer wieder genutzt, um “Die Deutsche Teilung” zu illustrieren.

6. Keine Aufreger! Der Aufbau folgte schön dem chronologischen Aufbau, also 1961 – 1989. Und die Texte, Fotos, etc. boten jetzt auch nix Bahnbrechendes, sondern eher das was man sowieso in den Medien kennt. Erfreulicherweise wurde aber tendenziöse Dinge (siehe die Besprechung der Erinnerungsstelen in Berlin!) unterbleiben. Danke dafür!

Prinzipiell finden sich hier also relativ viele Dinge vereint, die für diese Ausstellungen typisch sind: Wiedererkennungswert, populäres Thema. Einfach verständliche Darstellung & Betextung. Alles in allem finde ich, dass Ausstellungen in Shopping Centren generell eine nette Art sind, Dingem, Themen, Institutionen, anzureißen. Warum nicht? Es macht Lust auf mehr, für mich jedenfalls. Den anderen Besucher interessiert vielleicht einfach die unterhaltsame Art der Darstellung. Natürlich reden wir hier nicht von den großen, komplexen Themen. Andererseits habe ich das Gefühl dass die auch in großen etablierten Museen häufig nicht unbedingt auf der Agenda stehen. Also: Warum dann nicht eben doch eine Ausstellung im Shopping-Zentrum?! Es ist ein Anfang, sich selber nach draußen zu begeben um Menschen zu begeben, die sonst nämlich nicht ins Museum kommen! Und zwar nicht, indem man in eher elitären Orten eines Kiezes auftritt sondern eben wirklich da, wo die Leute hingehen.

Übrigens ein interessanter kurzer Text zum Weiterlesen:

Heumann, E., 2007: The Potential of Museum Learning – The Essential Museum. In Lord, B. (Hrsg): The Manual of Museum Learning. Altamira Press.

Und, zum Thema “Welche Besucher kommen denn so in ein Museum & warum?”: 

Graf, B. & Noschka-Roos, A., 2009. Stichwort: Lernen im Museum. Oder: eine Kamerafahrt mit der Besucherforschung. ZfE 12: 7-27.

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ENGLISH VERSION

When you are listening to some people working in the museum and education sphere, there seems to be a devil among us. He is so evil that some people even consider to resign so that they won´t get in contact with him. The devil is called: Exhibitions in shopping malls. Of course, there are others that have a more differentiated view on this topic but I’ve met many people now that seem to believe that an exhibition in a shopping mall is something evil. And I have asked myself ever since: why is this?

The people I have asked about this are not content with the connection between museums and shopping malls all over the world. Mostly, this is because of the relationship between consumerism as opposed to the perceived “High Culture” of the museum. Considering my own experience I have seen anything ranging thematically autonomous exhibitions of the ESA (European Space Agency) in a shopping mall up to expositions on outdoor experiences in outdoor- shops with a high level of coincidence between the articles on sale and the exposition. And the internet tells me that whole art exhibitions have been moved to shopping malls, mainly in Asia.

Including a neighborhood-concept in cultural institutions is the new current in Germany, since the term of „participation“ is making deeper impact here. And since culture has been less financed every year. Culture is not anymore only for people engaged in High Culture but it should embrace everybody and encounter the masses on the street (or elsewhere). So “Neighborhood” is a new marketing tool that is being employed to get more visitors, which means heightened interest from the population, and in the end: more money. But its one thing to tell everybody that you´re doing the neighborhood-thing and another to have it actually hit the street. Street Credibility is not so easy to come by! A recent example is the Konzerthausorchester Berlin, which claimed to be going “Into the Neighborhoods” doing concerts there. But when you look up where the concerts actually take place than its at really High Culture-locations (e.g. museums!) and not in the parts of the neighborhoods where high culture never gets. May I question what the neighborhood element is, then? If you’re promising neighborhood than I am expecting neighborhood.

So, the same thing happens in the museums & the exhibitions. Since its en vogue to include the public in the exhibitions, to change the form of exhibition “consumption” and (in a lesser percentage) to have people participate, since this date there seems to be a rise in exhibitions at places that are not museums. In many cases these exhibitions aim at presenting a institution to a broader public – as in the case of ESA or the presentation of a photo exhibition at the Philharmonie Berlin concerning the philharmony and its most famous conductors. But as an exhibition at the philharmonie is public only to the people that already from part of a group that consumes culture in a (presumably) regular basis: why not use shopping malls as a platform to encounter people during their shopping trip on weekends?

As an example, I would like to present an exhibition I have recently seen (may I say „visited“?) at the Potsdamer Platz Arkaden, one of the main shopping malls at Berlin. This exposition, called 25 years of the fall of the Berlin Wallshowed what these exhibitions are about.

  • Be familiar! In my example, the curators chose a topic that is present everywhere at Berlin and additionally its super present at Potsdamer Platz where the Berlin Wall stood, only some meters away from what is now the Shopping Mall. And there was the 25th anniversary of the Fall of the Berlin Wall. So, there’s almost nothing that could be more inviting than this topic.
  • Be Vivid! From the famous Trabbi-car up to the original part of the Wall, from barbed wire to the original costume of Udo Lindenberg (a famous Berlin singer of the 1980ies) – everything was an original. Which leads us to point nr. 3:

 

  • Sponsors! In my example, the musical theater Potsdamer Platz is sponsoring the exhibition. And that’s because they are offering a musical called “Behind the horizon” with music by Udo Lindenberg and the topic of the Berlin Wall. So: it fits! And there are very discreet labels at the exhibition indicating the way to the musical theater in case anybody wants to go to the musical after having seen the exhibition.

 

  • Stay simple! The texts at the Exhibition are short. And the sentences are super short. Main clause. Main clause. Main clause. And no more than 8 words per sentence. Of course, the information is offered in German and English because the shoppers have international backgrounds.

 

  • Recognition Value! Choose something everybody knows and then tell “The Story behind it”. Here it was the famous photo of a young East Berlin soldier jumping the Berlin Wall when it was still nothing more than barbed wire. The photo became an icon of the German separation and is used to illustrate history.

 

  • Don’t disturb anybody! The presentation followed the chronological link of the events from 1961 – 1989. And the texts and photos didn’t offer anything disturbing, new or something to make you think. It was a repetition of the things we already know. What’s positive: there were no tendentious statements, either (as I have described here). Thanks’ a lot!

Generally, the exhibition represents many things that can be considered typical for this genre of expositions: recognition value, popular topics, simple presentation and texts and a lot of original artifacts. So, after all it seems to me that exhibitions in shopping malls are quite successful when it comes to presenting a topic to a general public! Sure, these are no detailed presentations, but it encourages anybody to learn more about something – and some may just be attracted by the easy way of presentation. No, these are not the big, complex topics. But, really, sometimes it seems to me that these are not on the agenda of big museums, either. And if this is the case: then why not do something at the shopping mall? It’s a start, and its something where museums can go outside their buildings to meet people that don’t usually attend museums. And if you want to do this, then you shouldn’t go to the High Culture places of your neighborhood but where the people are!