Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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MOOC & Archäologie? Ja! aber…. / MOOC´s and Archaeology? Yes! but….

Vor einiger Zeit begann ich auf Coursera einen Kurs zum Thema Universal Heritage. Da lagen schon mehrere gute Kurse zum Thema Vorgeschichte, Museum etc. hinter mir: Natürlich Archaeologys Dirty Little Secrets der unglaublichen Sue Alcock der Brown University und die MOMA-Moocs “Art & Inquiry. Museum Teaching Strategies for your Classroom” , zum Beispiel.

Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage” wurde von der Sapienza Universität Rom angeboten und versprach eine Einführung zum Thema Heritage und Archäologie in der heutigen Zeit sowie das Erlernen digitaler Techniken in Forschung und Bewahrung archäologischer Funde. Das klang mehr als verlockend, denn geht es nicht darum, uns als Wissenschaft neu zu positionieren, eine Stellungnahme anzubieten zum Thema Geschichte, Vorgeschichte, Relevanz? Und das alles in einem MOOC! Großartig. Ich war dabei. Und dachte an Themen wie Indigene Archäologien, Heritage für alle, das Zugangs- und Bestimmungsrecht über Geschichte und die Debatten darüber, was Heritage sein sollte und wo die Grenzen liegen – sei es in Deutschland wie im Fall der dresdner Brücke oder vielleicht in Lateinamerika wo Heritage auch eine Frage von Abstammung und Recht ist.

Leider stellte sich bereits sehr schnell heraus, dass es hier nicht um die brennenden Eisen der Geschichtswissenschaften gehen würde. Ein älterer Professor brachte statisch sitzend und besonders langsam sprechend sowie unterlegt mit powerpointartigen Photos echte Gemeinplätze zum Thema Heritage vor. Schon die Einführungswoche mit dem Thema Was ist Archäologie, wo kommt sie her etc. zeigte, dass ich meine wenige Zeit eventuell doch anders verbringen sollte als mit diesem Seminar. Denn in diesem Kurs kamen gleich am Anfang Aussagen wie diese: “Archäologische Objekte können nie eine Aussage an sich sein”. Ach, tatsächlich? Objekte sind also stumme Zeugen, denen nur der Archäologe etwas entlocken kann? Ich glaube, ich habe die letzten Jahre einfach die falschen Bücher zum Thema Materialität gelesen. Dass Objekte und Materialität ein ganz eigenes, mit dem unseren verwobenes “Leben” haben – ich dachte, DAS wäre mittlerweile ein Gemeinplatz. Ist es aber wohl nicht. Deshalb möchte ich hier noch einmal Leseempfehlungen aussprechen:

Hahn, H.-P., 2014: Materielle Kultur. Eine Einführung. Reimer Verlag.

Hodder, I., 2012: Entangled. (Habe hier drüber geschrieben.)

Hodder, I. (Hrsg), 2011: The Meanings of Things.Material culture and symbolic expression. Revised edition. Routledge.

Oder, wenn es ganz schnell gehen soll, gerne auch nur die wenigen Seiten in der letzten Auflage von Eggerts “Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden.”, 2012, Seite 305 – 318.

Wer Materielle Kultur als schweigendes Zeugnis ansieht, bei dem kann auch Heritage und all die komplexen Fragen hierbei nicht wirklich schwierig vorkommen. Logisch, oder? Da restauriert man und gibt es zurück an die Menschheit. Fertig ist die Laube! (Entschuldigung, ich verkürze und pointiere natürlich.)

Ganz ähnlich, aber auch ganz anders erging es mir mit dem MOOC zu Paläoanthropologie, der schick gemacht und sehr spannend war. Reisen nach Südafrika, in Labore, viele Interviews mit Forschern zum Thema und besonders wichtig, wie ich fand: WARUM machen diese Menschen, diese Forscher, das? Warum haben sie sich dafür entschieden, wie sind sie dazu gekommen und warum sind sie dabei geblieben? Brennende Fragen, denn sie rühren ja an das Grundthema von Wissenschaft: Warum mache ich das? Warum nehme ich viel Arbeit, und ja, auch Entbehrungen auf mich? Es war sehr spannend, Intervierws dazu zu hören. Mit Wissenschaftlern, mit Studierenden.

Wie sich in den Interviews herausstellte, war der Abenteuerfaktor ein großes Thema. Dass es so toll wäre, rund um die Welt zu reisen und spannende Dinge zu tun. Und ich bin mir ganz sicher, dass das für uns alle ein großer Faktor ist. Aber es gibt auch andere Gründe. Gründe, die unsere Forschung für viele Menschen zu einem Thema machen (können). Gerade bei der Erforschung der ersten Menschen steckt soviel drin! Hier kam es leider sehr wenig zur Sprache, bzw. es wurde wenig nachgefragt und hinterfragt. Ebenso wie das möglicherweise kontroverse Thema „Nordamerikanische Forschung in einem afrikanischen Land“. Interviewt wurden nämlich fast ausschließlich weiße, nordamerikanische Forscher. Die dann in Südafrika eine Forschung durchführen. Also, selbst als Laie würde ich sagen, da steckt einiges an Konfliktpotential drin, selbst wenn man mal Themen wie Kreationismus und Bibelgläubigkeit oder Koranfestigkeit außer acht lässt, die sicher auch kontroverse Debatten zum Thema „Hominiden“ bieten.

Ich war doch erstaunt war, dass diese Themen komplett ausgespart wurden. Das war allerdings auch schon bei ADLS aufgefallen und ich frage mich: lassen die Universitäten hier Themen aus? Gibt es Themen, die ausgespart werden, weil sie zu kontrovers sind? Oder ist es eine Art Selbstzensur der beteiligten Wissenschaftler? Wer als Forscher*in in Ägypten, Jordanien, der Karibik zu tun hat, dem glaube ich nicht, dass da keine Erfahrungen sind. Und Meinungen. Diskurse.

Und darum finde ich mittlerweile: MOOCs und Archäologie – unbedingt. Bitte! Viel davon, in verschiedensten Facetten! Aber bitte, nicht die schwierigen, kontroversen Fragen aussparen. Finanzierungen, Streits um Deutungshoheit, all das sollte auch mal vorkommen dürfen. Hier möchte ich ganz deutlich sagen, dass ich es immer wieder und immer noch sehr wichtig finde, dass wir auch diese Themen, die sich ja aus unserer Geschichte und Forschungsgeschichte ergeben, auch angehen. Dass wir sie erwähnen und die momentan dazu im Raum stehenden kontroversen Ideen erklären und weiterführen. Das ist unangenehm und es kann sehr sehr anstrengend sein – gerade wenn die Gegenseite, Laien, indigene Gruppen, werauchimmer, darauf auch kontrovers antworten und tatsächlich eine MEINUNG zu unserer Forschung haben. Aber genau darum geht es: um Kommunikation. Und das ist keine Einbahnstraße.

MOOCs zum Thema Archäologie und angrenzenden Gebieten in den letzten 12-15 Monaten:

Sapienza University of Rome on Coursera: Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage

University of Buckingham on Iversity: Stonehenge.

ZEIT-Akademie: Archäologie

University of Wisconsin on Coursera: Human Evolution: Past and Future.

Brown University on Coursera: Archaeology´s Dirty Little Secrets

 ENGLISH VERSION

Some time ago, I started a course on the topic of Universal Heritage at Coursera. This was at a point when  I had already passed through several good MOOCs on the topic of prehistory, museums and archaeology.: of course Archaeologys Dirty Little Secrets of the incredible Sue Alcock of Brown University, and the MOMA-Moocs “Art & Inquiry. Museum Teaching Strategien for your classroom”.

This specific MOOC, “Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage”, was presented by the Sapienza University of Rome and promsied to be an introduction on the topic of Heritage and Archaeology in modern times as well as tools for learning digital techniques in the investigation and preservation of archaeological finds. That sounded very promising. All these topics together in one MOOC: Heritage, preservation, techniques, prehistory. What came to my mind was: Indigenous Archaeology, Heritage for everybody, the access and interpretation of Prehistory and the debates about what heritage exactly is and what it could or should be. And what its limits are – be it in Germany in the case of the bridge in Dresden or maybe in Latinamerica where Heritage includes questions of descendance and birthright.

Unfortunately, I never made it to the “technical” section of the MOOC because the first sessions started with an introduction held by an elderly professor who stated, slowly speaking and with a background of powerpoint-y photos such common place enunciations about arcaheology and heritage that I decided to leave it right there. Because of phrases like: “Archaeological objects can never be a statement in themselves”. Oh, really? Objects are silent witnesses, then, and only an archaeologist might get something out of them? It seems that I´ve read the wrong books on materiality lately. That objects and materiality lead their own life, intertwined with ours, I thought that would be common place. Seems, it is not. And who sees material culture as silent witness, perceives heritage and all the complex issues associated with it as one simple thing: restaure it (HOW? WHY?), give it back (To WHOM?) – and that´s it! (I am sorry, I really DO abbreviate here.).

Similarly, although in a different way, was the experience with the MOOC on Paleoanthropology, offered by the University of Wisconsin, that was very well made and included a wide range of fascinating topics. Travelling to South Africa, visits to excavations, interviews with actual paleoanthropologists! Information on the evolution of humans! Laboratory time! And, what impressed me most was: the MOOC put an emphasis on personal experiences. Why do all these people work as paleoanthropologists? What lead them to choose this career? Why did they go on? Arduent questions because they touch the bases of scientific research: Why do I do this? Why do I spend so much time and energy on it? It was absolutely fascinating to go through these interviews with scientists and students. In the end, it turned out that the “adventure factor” was a major topic for all of them. That it´s so great to travel round the wourld and do exciting, adventurous things. And I am sure that this is a major thing for all of us. But there area other reasons as well. Reasons that (can) make our investigation a relevant topic to many other people. And the evolution of humanity is such a fascinating topic! But I would have been happy to see other subjects covered as well.

In all these interviews, as in all other MOOCs as well, controversial topics were ignored. This focus on rather “pleasant” topics in a MOOC has been present in every single one of them. Controversial subjects are being left out completely. Is this part of the official idea of doing a MOOC? Are the universities involved or is it the scientists themselves that exclude these topics in order to create a more “harmonious” MOOC? I assume that investigators working in countries like Egypt, Jordan, South Africa or the Caribbean have some opinions on controversial archaeological subjects in their study regions?! There have to be experiences, opinions, discourses? And that is why I came to think about MOOCs and Archaeology as a complicated subject.

Archaeology & MOOCs – great! But please, don´t exclude controversial topics. Let´s be more open about the subjects that concern scientists and other people alike. Let´s face difficult questions on participation as well, not only the nicer, more adventurous subjects. Problems of financiation, the power and access to interpretation – all these should have their own space in the MOOCs as well, among others. These topics, that accompany Archaeology for as long as it exists should have a right to appear and to be discussed in MOOCs. Especially there, because of their open and interactive online nature! Why don´t discuss the controversial ideas as well as the “harmonious” ones? Yes, this can be more unpleasant and time consuming than just talking about our latest adventure in the jungle, but it may be more fructiferous, as well. Many people have opinions on archaeology. And we can learn how to listen to them and interact. Because this is the point: communication! This is not a One-Way Road.

MOOCs on Archaeology and similar topics in the last 12-15 months, partially covered in this blog:

Sapienza University of Rome on Coursera: Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage

University of Buckingham on Iversity: Stonehenge.

ZEIT-Akademie: Archäologie

University of Wisconsin on Coursera: Human Evolution: Past and Future.

Brown University on Coursera: Archaeology´s Dirty Little Secrets

 

 

 


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Das Neue Akropolis-Museum in Athen / The New Acropolis Museum at Athens

New Acropolis Museum sprachederdingeblog

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Eigentlich wollte ich ja über das Museum etwas später schreiben, sozusagen meine Athener Erfahrungen erstmal sacken lassen. Da aber vor einigen Tagen neue Bewegung in den Fall der Elgin-Marbles gekommen ist, ist es vielleicht ganz schön, dieses Museum vorzuziehen und hier gleich einzubinden. Immerhin wurde es ja hauptsächlich deshalb gebaut, um den Parthenon-Friesen, die heute im British Museum ausgestellt sind und um 1820 nach Großbritannien kamen, eine neue/alte Heimat zu bieten.

Das Neue Akropolis-Museum hat auf jeden Fall zwei Seiten. Eine ist die politische. Die andere die museologische. Und beide gehen Hand in Hand, was eine Beschreibung nicht einfacher macht!

Als politische Forderung der Rückgabe der Parthenon-Friese (auch bekannt als Elgin Marbles im eher englischsprachigen Raum) beruht auf der Annahme, die Friese wären von Lord Elgin unrechtmäßig nach Großbritannien ausgeführt worden (zusammengefasst etwa hier letzthin beschrieben). Andererseits beharrt das British Museum darauf, dass die Ausfuhr und auch der spätere Ankauf durch das Museum rechtmäßig waren, da es hierfür Dokumente geben soll (hier in kurzer Form dargestellt). Ich möchte hier gar nicht einsteigen, denn weder bin ich in der Diskussion wirklich kundig, noch gibt es hierfür den Platz. Eine schöne, längere Einführung zu diesem sehr kontroversen Thema findet sich im Buch “Loot” von Sharon Waxman, das ich hier schon einmal vorgestellt habe, neuere Entwicklungen kann man  im Internet unter dem Stichwort “Parthenonfries Rückgabe” (oder ähnlich) sehen.

Auf jeden Fall geht es hier nur vordergründig um die Frage ob Friese (un)rechtmäßig ausgeführt wurden – eigentlich geht es um Fragen von Kolonialismus. Ähnliches geschieht seit Jahren mit dem Fall Nofretete in Berlin, in dem auch immer wieder Debatten angestoßen werden, die eigentlich auf Dokumenten und rechtlichen Fragen beruhen, die eigentlichen (post)kolonialen Fragen aber außen vor lassen.

Aber eigentlich ging es ja nun um das Museum an sich. Sichtbar ist das Museum bereits, wenn man am Parthenon steht und auf die XXXX Seite Athens hinunterblickt. Gleich hinter dem Dionysos-Theater findet sich das Museum, ein heller, gläserner Bau. Kommt man dem Gebäude näher, sieht man vor allem eines: der Eingang ist vertieft, darüber erhebt sich ein verglastes Gebäude, dessen oberster Stock fast völlig einsehbar ist. Selbst von draußen sind die Stücke des Parthenons-Frieses, Repliken, etc. schemenhaft erkennbar. Unter den Füßen sieht man die Ausgrabungsstätten der Umgebung der Akropolis zwischen 500 vC  – 700 nC, die, so wie sie sind, ins Museum integriert wurden und später begehbar sein sollen. Bislang liegen sie einem zu Füßen.

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Da übrigens das Museum Fotos nur an sehr ausgewählten Orten erlaubt, sei hier auf die Website verwiesen, die viele Fotos anbietet. Meine Fotos stammen von den Außenbereichen. Und noch ein kurzes Wort zu Familien & Kindern. Zwar war ich in diesem Museum alleine, es gibt aber mehrere Kinderecken, spezielle Kinderführungen und Kinderinformationen. Familien erhalten wohl einen speziellen Familien-Pack am Eingang, mit Gadgets für Familien mit Kindern. Mein Favorit war die nachgebaute Akropolis aus Legosteinen!

Auf jeden Fall: Dieses Museum ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort der Einkehr in die klassische Welt, so wie Griechenland und die Besucher sie sich wünschen. Räumlich so großzügig geschnitten dass selbst die vielen Besucher sich verlaufen und man sich alleine, ungestört fühlt, in ruhiger Betrachtung der Statuen, Keramiken, Friese. Ein unglaublich schönes Gefühl, gerade wenn der Blick aus den Glasfronten immer wieder gegenüber auf die Akropolis fällt, deren Parthenon die gleiche Ausrichtung und Größe hat wie das oberste Stockwerk des Museums. Der Genius Loci ist hier zuhause.

Mein Studium der Klassischen Archäologie dauerte nur 2 Semester und endete aufgrund der Sinnlosigkeit von Diskussionen über die Handhaltung zerbrochener Statuen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir die Irrelevanz dieses Studienfaches für mich selbst damals klar wurde. Trotzdem übt die Antike, das Aufkommen der Demokratie und die griechischen Stadtstaaten immer noch eine Faszination aus, die vielleicht auch kulturell bedingt ist. Akropolis und Neues Akropolis-Museum waren also ein Magnet in Athen und ich habe die verständlichen, nicht zu langen, aber auch nicht zu kurzen Texte genossen, die mir Überblick über die einzelnen Phasen der Entwicklung der Akropolis und des alten Griechenlands im Allgemeinen boten. Ich mochte die Statuen, die Keramiken, die wunderbare Beleuchtung. Sei es im Tageslicht, durch die riesigen Glaswände, oder im Aufgang bei eher weichem Licht für die Keramiken. Helle, weiße Oberflächen wiederholen die Idee der weißen Antike, so überholt diese auch sein mag. Und dieses Weiß schafft eine helle, ruhige Atmosphäre.

Innerhalb des Museums gibt es insgesamt 3 Stockwerke, die die verschiedenen Areale der Akropolis wie auch die unterschiedlichen zeitlichen Phasen abbilden, sei es in Keramik oder den Statuen. während es im Treppenaufgang um die Akropolis und ihre einzelnen Areale geht, ist der erste Stock vor allem der archaischen Akropolis mit ihren Dutzenden von Korai (Votivstatuen junger Frauen) gewidmet. Der Zwischenstock birgt einen der beiden Museumsshop, das Café, die Karyatiden und Informationen zum Parthenon.

Der oberste, dritte, Stock ist ganz den Parthenonfriesen gewidmet, denn das Parthenon ist hier architektonisch nachgebildet, sodass man sowohl die inneren wie auch die äußeren Friese in der Größe und Aufrichtigen sieht wie es auf dem Parthenon der Fall wäre, das sich hinter dem Fenster auf der Akropolis erhebt. Idee war hier, die – zurückbekommenen ?! – Teile der Friese wieder einzufügen sodass das Parthenon im Museum praktisch aufersteht. Da dies aber nicht der Fall ist, hat man sich bislang mit den Originalen beholfen, die in Athen verblieben sind sowie mit einigen Repliken. Viele Paneele bleiben auch einfach leer. Ihnen gegenüber immer wieder die Möglichkeit zu sitzen, zu schauen. Einzelne Statuen und Infotafeln geben weitere Informationen zum Parthenon, dem Stil, einzelnen Details, der Nachvollziehung dargestellter Szenen, die ja teilweise nur noch schemenweise sichtbar sind.

Wer um diese Galerie im 3. Stock herumwandert, bekommt jedoch hauptsächlich eine gefühlte Idee davon, wie es gewesen sein mag, im alten Athen das Parthenon zu betreten und sich dort aufzuhalten. Es ist ein großartiges Gefühl, und das sage ich jetzt als klassisch recht unbeschlagener Mensch, der sich einfach der Schönheit und dem Genius Loci hingibt. Ich kann keine Analysen zu den Statuen liefern, ich kenne auch nicht alle mythischen Geschichten dahinter. Und ich habe keinen Audioguide. Ich laufe einfach nur ganz in Ruhe um die Galerie herum. Innen und außen in der Galerie, betrachte die vorhandenen oder nicht vorhandenen Paneele und sinniere über die Geschichte. Es ist ein sehr besonderes Museum mit einem besonderen Gefühl.

Obwohl ich im Museum keine explizite Information zum Thema der Rückgabefrage gefunden habe, machen die Paneele in der obersten Galerie sehr deutlich, was hier fehlt. Auch der zweite Besuch gab keine Informationen darüber her, ob und wie hier mit dem Thema der Rückgabe des Frieses umgegangen wird. Auch die offiziellen Bücher im Museumsshop konzentrieren sich auf die Objekte, und nehmen keinen Bezug auf Politisches. Wer nichts über die politische Seite der Akropolis weiß, wird hier nicht informiert, es geht schlicht und ergreifend um das Klassische Athen. Und das wird hier auf wunderbar gestaltete Weise wieder lebendig.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

Legomodell der Akropolis – New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

ENGLISH VERSION

Actually, I wanted to write about this museum a little bit later on, lets say when my Athenian experiences settled down a bit. But as there have been movements in the case of the Elgin Marbles in the last few days, I decided to do it right away. Because the New Acropolis Museum was built to house the whole of the Parthenon Frieze (the parts being currently in Britain also known as Elgin Marbles) and to offer a new home of all of the frieze in Greece. So, the New Acropolis Museum definitely has two sides to it: a political. And a museological. Both go hand in hand, which doesn´t help when describing this beautiful museum.

The political claim of restituting the Elgin Marbles is based on the assumption that these were taken away by Lord Elgin on an illegal basis to Great Britain in the 19th century (see a short version of the events here). On the other hand, the British Museum refuses this claim on the basis of the legality of the export and later buying of the marbles by the museum because of certain legal documents presented at that time (have a look at this part of the discussion here). I don’t want to take sides in that, I have no deep knowledge of the case, nor is this the place to do it. If you´d want to have a longer, more detailed introduction to it, have a read at the part of “Loot” of Sharon Waxman that deals with the Elgin Marble – topic. Newer developments are avaibale at the internet.

Anyway, the question of the friezes coming back to Greece and if they were exported illegally in the first place is a rather superficial question. Actually, the question(s) and the debate(s) are on colonialism. Similar things are happening around the topic of Nofretete in Berlin, where claims of restitutions are being issued on a rather regular basis. Based on legal documents, these also draw on post(colonial) questions, that are being left out in the legal debate.

But, this blog post was to be on the museum itself, which is visible even from the Acropolis. If you’re standing at the Parthenon you can devise it on the other side, directly behind the theatre of Dionysos. Its a building in light color, with a lot of glass, and when you come nearer you’ll see that it is partially subterranean. But even from the outside you can make out parts of the Parthenon frieze inside, you may see parts of statues, or replicas. Below your feet is a glass floor through which you can see the excavations of the surroundings of the Acropolis from 500 BC up to 700 AD and at some point, when the excavations are complete and the whole subterranean area has been conservated, you ´ll may visit these excavations – by now they’re only visible form above.

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Something on the side: the museum unfortunately allows to make photos only in very restricted and selected areas, so all my photos are from the outside buildings. You may have a look at the website, which offers nice photos of the museum. And a short aside to the topic of families and children: I went alone this time, but I was informed that families get a special family-pack at the entrance with educational gadgets and the like. Different children’s areas exist, together with quiet reading areas. There are special informations for children, children tours – and I liked the lego model of the Acropolis best!

In any case: this museum is more than a “Museum”. Its a location of contemplation of the classical world, such as Greece and the visitors would like it to be. Spatially, the museum is so large that even huge amounts of visitors find sufficient space and you may feel alone, undisturbed in your quiet gazing at statues, ceramics, friezes. I went to the museum twice, on Friday evening and sunday afternoon, and even with masses of people going there on sunday it had a quiet quality to it, mainly based on the high ceilings and the overall spatial disposition of its rooms and galleries. Its a wonderful feeling to be there, especial when your view is diverted every now and then to the acropolis right across the street, looming up high in an greek sky of pure blue. Through large glass panes the Parthenon itself is visible, showing the same size and orientation as the top floor of the museum. Genius Loci is at home here.

My studies of Classical Archaeology only went on for a year and that has been some time ago. They ended because of what I felt was the senselessness of ongoing debates in class about the original disposition of a hand of broken statues and the like. I must admit that the relevance of these details never got to me – I am more fond of actual interpretation of data, be they from excavations, surveys or analysis. But nevertheless, Antiquity, the rising of European democracy and the greek city states radiate a fascination which may be culturally induced but work nevertheless. In me and many other people! The Acropolis and the New Acropolis Museum thus were one of my main sights to be seen in Athens and I rather indulged in the not too short – not too long information texts the Museum offers on the development of the Acropolis, especially in Archaic and Classical times. I admit, I just liked the statues, the ceramics, the wonderful lighting. If its in daylight, through massive glass panes, or in the entrance ramp in a soothing light with the ceramics. White, translucent surfaces keep up our idea of the White Antiquity, as outdated as that may be. And white creates a clear, quiet atmosphere.

After getting an introduction to the surroundings of the Acropolis via the excavations below your feet, you’ll be informed on the Acropolis and the Sanctuary of the Nymph, with a side dish of Athenian Marriage in classical times. Another sector of the entrance ramp offers information on Greek everyday life. And while the first floor is entirely dedicated to the archaic Korai (early votive statues) and early Acropolis, the second floor holds a cafe, a museum shop, a reading area and the Karyatides. The top floor is dedicated to the Parthenon, as we know it by now – the classical one.

So, the top floor, dedicated to the Parthenon friezes, has been remodeled to match the Parthenon. You can see whatever´s left of the friezes in the same size and orientation as the Parthenon itself up in the Acropolis would have been. The inner and outer friezes (their replica or even blank spaces) are presented in a way that corresponds to the original, antique disposition. The whole idea of this floor was to include the friezes now in London and other parts of the world so that the visitor may get an idea of the original Parthenon – as this is not the case and may parts of the frieze remain abroad, replicas have been filled in in some areas, others stay just blank. Single statues on the side and additional information is offered to give more information on the Parthenon itself, the styles, several details of the frieze and so on.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

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Whoever wanders in this gallery, gets a feeling of how it my have been to enter the Parthenon in classical times and to stay there. Its a wonderful feeling  – and I say this mainly as a person with no scientifically induced feelings towards Antiquity. But even so, you can feel the beauty, the genius loci. I couldn’t analyze the statues in any archaeological or art historical way, I don’t know all the mythical histories behind their stories. I don’t use an audioguide. I just walked along, sat down, gazed, wandered again. Again and again I contemplated the panels and thought about history. I may gaze up to the Acropolis and then around me again. This is a very special museum with a very very special feeling to it.

Although I couldn’t find any information on display concerning the restitution debate, the panels in the Parthenon gallery just make it clear what is lacking here. Even a second visit didn’t reveal any written information on this sensible topic. And the books at the museum shop offer “only” architectural and art historical information. If you don’t know anything on the political side of this museum and its objects you won’t get to know it here. It´s about Classical Athens. And this comes alive in this museum in a wonderful way.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

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Heute: Archäologie & Popkultur? Archaeologik schreibt dazu!

Heute möchte ich gerne einen Artikel des Blogs Archaeologik weiterverlinken, denn das Thema “Archäologie & Popkultur”, Archäologie als Marke etc. sind ein großes Thema, über das wir zumindest mal nachdenken sollten!
Rainer Schreg hat dazu großartig gebloggt:  http://archaeologik.blogspot.de/2015/04/archaologie-im-dienst-von-pop-kultur.html

Und übrigens: Rainer Schreg spricht auf der DFUG-Tagung zum ähnlichen Thema. http://archaeologik.blogspot.de/2015/04/schafft-sich-die-offentlichkeit-eine.html


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Die Rabattschlacht oder: wie wir uns selber devaluieren. / Discount battle or: how we devaluate ourselves

 

Cornelius Holtorf "Archaeology is a brand"

Cornelius Holtorf “Archaeology is a brand”

Anlass für diesen Post ist ein Erlebnis das ich neulich auf Arbeit hatte. Ich arbeite bei einem großen berliner Kulturveranstalter, der wie fast alle berliner Kulturveranstalter (zumindest im Bereich klassische Musik, Theater, Oper) Rabatte für Studenten anbietet. An diesem Tag kamen zwei nette junge Leute zu mir und kauften Karten für unser Kulturereignis. Sie bekamen sie zu einem sehr niedrigen Preis – sie waren ja Studenten. Der Preis lag ungefähr bei 90 % unter dem, was die Karte für einen “Normalkäufer” gekostet hätte. Als sie gingen, sah ich dass einer der beiden eine riesige Einkaufstüte trug – darin ein nagelneuer Karton mit Schuhen von Riccardo Cartillone. Ich besitze selber genau ein Paar dieser Schuhe & sie kosten eine niedrige 3-Stellige Summe – das Doppelte oder Dreifache dessen, was eine der besten Karten unserer Einrichtung kosten würde.

Ziemlich lange Einleitung – aber das war für mich der Anlass jetzt wirklich mal etwas zu diesem Thema zu sagen, bzw. einfach Fragen zu stellen. Fragen, zu denen ich nicht immer Antworten habe.

Kultur & Geisteswissenschaften sind ja immer wieder “zu teuer”. Angeblich möchten die Menschen nicht viel Geld für diese Dinge ausgeben, sei es für wissenschaftliche Forschung oder Kulturerlebnisse im klassischen Sektor (Freizeitparks, Zirkusse u.ä. ausgenommen). Es sei den Menschen nicht zu vermitteln, dass man hier soviel Geld bezahlen müsse, da sei kein Mehrwert erkennbar. Diese Argumente höre ich immer wieder auf der Arbeit von den Kollegen, die sich um die Preise kümmern. Mit einer gewissen Resignation, aber genauso stehen sie dann im Raum, die Aussagen. Statt einen vollen Preis bieten wir als Wissenschaftler und Kulturschaffende dann einen Rabatt an. Einen Preis “zum Anfüttern“, wie es auch gerne genannt wird. Wer einmal was für wenig Geld bekommen hat, wird beim nächsten Mal für die gleiche Qualität unserer Arbeit gerne mehr zahlen! So die Idee. Volontariat mit 800 € Monatslohn für Menschen mit Promotion? Aber gerne! Karten für 10,- € – aber sicher doch!

Wer auch nur ein einziges Marketingseminar besucht hat (ich hab das letztes Jahr mal online gemacht) stellt fest: zum Thema Rabatte gibt’s eine sehr sehr diverse Diskussion. Und das o.g. Argument ist sehr sehr kontrovers. Wenn es nämlich zu lange zu viele Rabatte gibt, dann kauft niemand mehr zum vollen, (auch nur halbwegs) gerechten Preis.

Menschen (nicht nur Studenten, sondern auch berufstätige Erwachsene), die bei mir aber Karten zu einem Spottpreis erwerben und noch nicht einmal ansatzweise darüber nachdenken mehr dafür auszugeben, haben offensichtlich überhaupt kein Problem damit, große Mengen Geldes für Konsumgüter auszugeben. Reisen, Schuhe, Häuser, Kleidung, Essen. Aber gerne doch, aber bitte sehr. Hochpreisig, qualitätsvoll.  Aber Kultur & Geisteswissenschaft – das kriegt man sicher günstiger. Da ist doch immer jemand, ders billiger macht. Nur Riccardo Cartillone oder Butter Lindner, die geben keine Rabatte auf ihre Qualitätsprodukte.

Vor einigen Monaten las ich das großartige Buch “Archaeology is a Brand” von Cornelius Holtorf.  Es dreht sich um die Rolle der Archäologie in der heutigen Gesellschaft, ihre Vermarktung und die Wurzeln dieser Faszination dafür. Hier möchte ich aber nur ein winziges Detail aufgreifen, das mich zunächst eher rätseln hat lassen: An den unteren Seitenecken taucht eine Zeichnung eines Männchens auf, der offensichtlich alte Töpfe anbietet. “Töpfe: 1 Pfund” liest man da. Über Seiten hinweg will niemand diese alten Dinger. Auf einmal setzt er den Preis herauf: 100 Pfund. Wenn man das ganze Buch durchgelesen hat, verkauft er seine Töpfe plötzlich für 100 Pfund und alle sind weg. Verkauft.

Das ist, in graphischer Form, eine Zusammenfassung dessen, was ich in der Realität immer wieder erlebe: wenn ich für meine Arbeit einen gerechten Betrag fordere und nicht die Hungerbeträge mancher Stipendienanbieter oder gratis Arbeit ausschließe – dann bekomme ich meist auch den geforderten Betrag und/oder mehr Respekt. Und genau dieses Phänomen erlebe ich auch in der Kultur. Für hochpreisige Angebote findet sich immer mehr Respekt.

Natürlich, da gibt’s jetzt ganz viele Gegenargumente. Zum Beispiel den Bildungsauftrag der Kultur & Wissenschaft. Oder das Dazusein-Haben auch für Menschen mit geringem Einkommen. Oder die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft von Wissenschaft und Kultur. Ich frage mich nur: warum müssen Geisteswissenschaft und Kultur für die Gesellschaft dasein, kriegen aber nix dafür? Oder nur nach langem Ringen und dann in minimaler Form? Der Bildungs- und Forschungsauftrag  werden auf die Rücken derer geladen, die sie ausführen. Sie werden dafür aber nicht honoriert, weder monetär noch emotional.*

Es ist nicht mehr vermittelbar, dass in unserer monetär geprägten Gesellschaft etwas, das wenig Geld kostet, AUCH einen Wert hat! Oder Bedeutung & Relevanz! Was wenig kostet – ist wenig wert. So der gesellschaftlich anerkannte Tenor, den man genauso vom Aldi in die Geisteswissenschaften übersetzen kann. Einen höheren, gerechten, Preis zu fordern sagt auch: ICH BIN ES WERT. Da kann man dem kapitalistischen System gegenüber stehen wie man will, es ist momentan doch so: Wer mehr kostet, bietet (gefühlt) mehr Qualität. Und bekommt mehr Respekt zurück.

Seit ein-zwei Jahren halte ich es ebenso wie Ricardo Cartillone. Meine qualitätsvolle Arbeit in den Geisteswissenschaften biete ich nur noch, wenn man mir dafür einen gerechten, meine Kosten deckenden UND ein Gehalt zahlenden Betrag anbietet. Das bedeutet, dass ich manche Dinge nicht mehr tue. Und mich auf manche Stipendien nicht mehr bewerbe. Es bedeutet, dass ich zurückstecke und meine wissenschaftliche Karriere nicht so verfolge wie es andere tun und stattdessen andere Arbeiten annehme. Gratis-Arbeiten nehme ich nur an wenn mir ein Thema wirklich am Herzen liegt und auch dann nur in geringem Umfang. Aber ich will es nicht mehr und ich kann es auch nicht mehr. Meine Familie & ich sollen von meiner Arbeit leben können.

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*Das kann man jetzt genauso auch in die Bildungsdebatte übertragen: auch hier wird ja nichts “geschaffen”. Nur junge Menschen werden geformt, für ihr Leben. Aber das zählt natürlich nichts, weswegen man Erzieher & Lehrer gerne bezahlen kann wie Tagelöhner.

Literatur zum Weiterlesen: http://artanddebt.org/artist-as-debtor/

ENGLISH VERSION

The reason for this post is something I experienced at work some time ago. I work for one of the big cultural institutions at Berlin, which offers (like almost very other big cultural player in this city) special discounts for students. At this particular day two young people came to buy tickets and paid a very verly low fee for them. They were students and thus the price was about 90 % lower than the regular price. When they went away I saw that they were carrying a big shopping bag, containing a brand new pair of shoes by Riccardo Cartillone. I own a pair of these and I can tell you that they cost about a low three-digit sum, two or three times the price of the best tickets of our institution, paying the regular price.

Now, that was a rather long introduction – but it was the trigger to say something about this topic, or at least to ask some questions. Questions, that I can´t always answer.

The Humanities and Cultural Sciences are always “too expensive”. Presumably people won´t pay money for these things, be it scientific investigations or cultural experiences in the classical sense (excluding circus, leisure parks and the like). Presumably it can´t be communicated to “the people” to pay so much money, because there is –presumably – no added value. These arguments are being put forth by many of my colleagues that are in charge of making prices. With some resignation, but just so, these statements are made. And instead of demanding the full price we as scientists or persons engaged in the cultural sector charge reduced fees. We offer dicsounts. A price “to bait” the public so that they come back and pay the full price next time beacuse we showed them the great value of our work. A person who bought something off us for a reduced price might come back the next time and give us a higher price. At least thats the idea. Voluntary service for people with a Ph.D. for 800 € / month? Sure! Tickets for 10,- € each? Definitely!.

If you attend just one tutorial on marketing (which I did online twice) learns: there is a big, a huge discussion involving discounts. And the argument above mentioned is being debated very very controversially. Because if you offer discounts too long, nobody´ll want to buy anything at the regular price.

People (not only students, working people as well) who buy tickets at a ridiculous price don´t think about paying just one cent more, but they obviously have no problem whatsoever with spending huge amounts of money on other goods. Travelling, shoes, houses, clothes, food. With pleasure! Please, let it be high quality, high price items! But culture and humanities – no, there is surely some discount to be had. There´s always somebody who will offer the same service for a lower price. But Riccardo Cartillone and Galerie Lafayette – they don´t offer discoutns on their high quality products.

Some months ago I read a fantstaic book by Cornelius Holtorf: “Archaeology is a Brand”. It centers on the role of archaeology in todays society, its marketing and the roots of popular fascination with archaeology. But the detail I want to present here is something that had me baffled for some time when reading the book. On the lower corners of the pages was the image of a small figur selling old pots. “Pots: 1 Pound” it reads. For pages and pages, nothing changes in this image. Suddenldy, the price is higher: “Archaeology: 100 Punds”! And when you finish the book, all pots have been sold – at 100 Punds each.

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That is, in a graphic form, a summary of something I experience again and again: when I charge a fair price for my work and not the ricidulous wages of some institutions or even work for free- that´s when I normally get the price I ask for and/or I get more respect. And its the same in the cultural sector. When something costs more, you get more respect for it. Of course, there are a lot of counterarguments. There is, p.e., the educational function of culture & humanities. Or the necessity to garantee the equal participation of people with low incomes at the cultural life of our society. But I do ask myself: why do we have to provide for the society but won´t get anything in return? Or only after insisting and long ardous battles and than there are only minimal amounts of money to be had? The educational function and the research assignments have been saddled on the people who are doing the works related to these functions. But they won´t be rewarded for it, either monetary nor emotionally.

Its difficult to place in our monetary society that something that doesn´t cost much money can although have value. Or relevance and meaning! If it costs little, its worth little. Thats common place in our society, and can be transferred directly from the supermarket to the Humanities. To charge a higher, a fair price, has another meaning to it, too: I AM WORTH IT. You may think about capitalism whatever you like, currently the situation reads like this: if you charge more, you are higher quality. And you get more respect. Since last year I act like Riccardo Cartillone. My high quality work at the Humanities is only to be had if I get an amount that covers my expenses AND includes a fair wage. That means, that I don´t do some things anymore. And there are grants that I don´t apply to anymore. It means that I don´t do as everybody else and offer myself at ridiculous wages, hoping to get a proper career someday. And I only do projects for free if I really love the topic. I won´t do it anymore and I can´t, either. My family & I should be able to live off my work. And I charge what is necessary for this aim.

Suggested Reading: http://artanddebt.org/artist-as-debtor/

 


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Rezension: D. Mölders & S. Wolfram (Hrsg.) “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie”

Der Waxmann Verlag war so freundlich mir ein Exemplar des 2014 erschienenen Sammelbandes “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie” zuzusenden, herausgegeben von Doreen Mölders & Sabine Wolfram. Vielen Dank an den Verlag, dass Sie auch Internetpublikationen als so wertvoll betrachten dass Sie mich kontaktieren! Aufgrund von Zeitbeschränkungen und der generell unbezahlten Arbeit für diesen Blog kann ich nicht immer alles rezensieren, was mir angetragen wird, sondern beschränke mich auf die Publikationen, die es mir wirklich wert sind. So auch im Fall dieses (es sei vorab gesagt!) großartigen Buches.

Alleine der Titel klang so, dass ich mir vorstellte hier gebündelte, aktuelle Informationen zu erhalten, in einer kurzen, übersichtlichen Fassung. Genau das Richtige um während einer wissenschaftlichen Arbeit kurz nachzuschlagen, weiterführende Literatur vorgeschlagen zu bekommen und einen ersten Eindruck eines Schlüsselbegriffes mitzunehmen. Soweit meine Idee. Dass die Reihe “Tübinger Archäologische Taschenbücher“, aus der das Buch stammt, von Manfred K.H. Eggert mit herausgegeben wird war ein zusätzlicher Pluspunkt, da ich seine Arbeiten generell sehr schätze. Da ich aber keine Deutschland-zentrierte Forscherin bin, sind mir die Diskurse und Ideen der Prähistorischen Archäologie zwar bekannt, aber ich bin nie ganz up to date, da Diskurse in Lateinamerika noch einmal andere sind als hierzulande. Dazu der fachspezifische und persönliche Forschungsfokus – schon ist man in vielen Debatten nur am Rande dabei, und nur in sehr wenigen wirklich drin. Um so wichtiger ist es zu wissen wo man fundierte, kurz gehaltene Informationen bekommen kann wenn man in ein Thema tiefer einsteigen will.

Als das Buch vor mir lag war schnell klar, dass es noch viel besser war als gedacht. Alleine die Liste der Autoren für die einzelnen Schlüsselbegriffe las sich für mich wie ein Who-is-Who aktueller Themen mit denen ich in den letzten ein-zwei Jahren immer wieder zu tun hatte:

Sebastian Brather, zum Thema Ethnos. Stefan Schreiber, zum  Thema Materielle Kultur. Stefanie Samida, Manfred K.H. Eggert, Cornelius Holtorf, Miriam Senecheau, Susan Pollock, Reinhard Bernbeck und Julia Koch, um nur die zu nennen von denen ich schon Publikationen kannte und schätzte. Auch die gewählten zentralen Schlüsselbegriffe bilden einen Mikrokosmos der momentanen Debatten in der archäologischen Forschung – und damit meine ich nicht nur die deutsche, sondern auch die englischsprachige und zum Teil auch die lateinamerikanische. Vieles davon deckte sich mit Themen, die hier im Blog schon öfter auftauchten: “Archäologie und Kunst”, “Archäologie und Öffentlichkeit”, “Archäologie und Politik”. “Materielle Kultur”, “Postkoloniale Archäologie”, “Strukturalismus”, “Kulturbegriff”. “Lebensbilder”, “Landschaftsarchäologie”, “Ethnos”. Dazu die eher klassischen, von mir erwarteten: “Analogie”, “Archäologie(n)”, “Klassifikation”, “Gräberanalyse”, “Typologie”, “Weltsystem”, “Stratigraphie” und so weiter. Also wichtige, grundlegende methodische Begriffe und dazu Themen, die von vielen mitdenkenden Menschen und Wissenschaftlern dieser Tage immer wieder besprochen werden. Insgesamt eine großartige Auswahl von 57 Themen und Schlüsselbegriffen.

Jeder einzelne wird von einem, in Einzelfällen auch zwei, Autoren bearbeitet und auf 3-4 Seiten kurz vorgestellt. Am Ende stehen 3-5 essentielle Literaturvorschläge, alle weiteren finden sich in einem extensiven Literaturverzeichnis am Ende des Buches, sodass auch noch mehr weiterführende Recherchen möglich sind, wenn man das gerne möchte.

Da ich das Buch gerne zeitnah besprechen wollte, gebe ich gerne zu dass ich nicht alle Beiträge gelesen habe, sondern eher die Hälfte. Davon bezog sich ein Großteil auf Themen, die interdisziplinäre und eher konfliktive Themen betreffen (“Postkoloniale Archäologie”, “Archäologie & Medien”, etc.). Aber auch eher sehr fachspezifische wie “Typologie”,  “Zentralort” oder “Weltsystem” waren dabei. Jeder Schlüsselbegriff wird zunächst kurz (im Bezug auf die Archäologie und ihre Nachbarwissenschaften oder für sich allein) definiert, dann historisch aufgearbeitet und am Ende in einer kurzen kritischen Betrachtung zusammengefasst. Die Texte sind durchdrungen mit kritischen Bewertungen der jeweiligen forschungsgeschichtlichen Nutzung des Begriffes oder des Beziehungsgeflechtes (wenn es z.B: um Themen wie “Archäologie und …..” geht) und enthalten immer wieder weiterführende Literaturangaben zu zentralen Werken die mit dem Begriff in Beziehung stehen sowie auf andere Schlüsselbegriffe im Buch selber, sodass man kreuzlesen kann.

Obwohl ich sonst sehr kritisch bin, ist es mir schwergefallen an diesem Buch etwas Negatives zu finden. Natürlich erlaubt es die Kürze der Beiträge nicht, besonders intensive detaillierte Auseinandersetzungen mit den Begriffen anzubieten – das ist ja auch nicht das Anliegen. Manchmal wollte ich mehr wissen, mehr lesen, mehr erfahren – aber die Autor/in bot eben einen kurzen Anschnitt des Themas und kein ganzes Buch dazu. Das ist auch gut so, denn meine Zeit erlaubt es eigentlich nicht zu jedem Begriff ein ganzes Buch zu lesen. 3-4 Seiten sind dagegen perfekt! Was mich an manchen Stellen etwas störte war die Konzentration von Leseempfehlungen auf Publikationen des Autors selber. Allerdings kam dies nur selten vor und konnte durch Blättern im Literaturverzeichnis am Ende auch umgangen werden – immerhin werden dort alle genannten Publikationen noch einmal aufgelistet.

Ein weiterer positiver Punkt für mich war die Bezugnahme auf Schlüsselbegriffe der englischsprachigen Archäologie, die mittlerweile auch nach Deutschland hinübergreifen. In vielen Texten kamen auch die englischen Schlüsselbegriffe vor, sodass ein schneller Einblick in diese Debatten ebenfalls möglich ist.

Prinzipiell ist es also ein großartiges Buch, das viele Themen aufgreift die absolut notwendig sind und den Blick schärft für ihre historische Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge mit politischen, sozialen oder interdisziplinären Gegebenheiten. Gleichzeitig ist es ein Grundlagenbuch das jedem Studenten der Archäologie eine kurze Einführung in essentielle Begriffe des Faches anbietet, ohne dabei langatmig oder verschwurbelt daher zu kommen. Kurze Erklärung, kurzer Kontext, kurze Zusammenfassung + Literatur. Punkt. Und daher anders als die anderen Einführungswerke in die Prähistorische Archäologie der letzten 15 Jahre, die ich zwar auch mag, aber die eben genau dieses Kurze meist nicht bieten. Oder die zwar eine Einführung bieten, aber interdisziplinäre Themen rauslassen oder nur kurz angehen. Gerade diese finde ich aber immens wichtig weil sie die Lebenswirklichkeit des Faches mitbestimmen. Insofern finde ich gerade die Zusammenstellung der Themen immens wichtig und genau richtig. Wir müssen wissen was eine Typologie ist, aber wir sollten uns auch mit dem Thema “Archäologie und Medien” befasst haben – wenigstens am Rande! Diese Mischung von fachinternen Begriffen und in die Gesellschaft hinüberreichenden Themen ist es, die dieses Buch für mich absolut herausragen lässt.

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie


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Mini-Museum oder Die Vergangenheit im Getränkemarkt./ Mini-Museum or: History at the Corner Shop

Wann ist ein Museum eigentlich ein Museum? Wenn es mehrere Räume hat? Oder viele Besucher? Oder dauerhaft in der sozialen Gemeinschaft verankert ist? Die ICOM sagt ja: “Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ (ICOM 2006). Ein Ausstellunghaus hingegen: Haus, das im Wesentlichen auf eine eigene Sammlung verzichtet, aber auch keine Verkaufsausstellungen veranstaltet.” Gedenkstätten? Und was ist mit Folgendem:

Im berliner Stadtteil Friedrichshain gibt es ein “Museum”, dass eigentlich nur aus drei Billy-Regalen besteht und das mitten im Getränkemarkt aufgebaut ist. Dort steht es seit Jahr und Tag und jeder Besucher/Käufer kommt dran vorbei. Viele bleiben stehen, schauen, fragen etwas zu den Objekten. Friedrichshain liegt im Osten der Stadt, also im ehemals sozialistischen Gebiet der DDR. Und der Besitzer des Getränkemarktes hat hier Objekte ausgestellt, die nur ein einziges Merkmal eint: sie alle stammen aus der DDR und gehören zur Alltags-Welt dieses vergangenen Staates. Von der Brause (aka Limonade) bis zum Radio ist einiges vertreten und auf Nachfrage erzählte er mir, das alles hätten ihm Kunden vorbeibracht, die Ausstellung ist also im Wachsen begriffen. Warum aber stellt er das hier alles aus? Was ist der Zweck davon und was die Motivation, das alles abzustauben und zu erweitern? Der Besitzer sagte einfach nur: “Wir hatten die Sachen zuhause und denn ham die Kunden da immer ooch ma wat mitjebracht! Und nu steht dit ehm hier!”.

Kleine Museen, wie etwas die Heimatstube in Raddusch, oder eben die drei Billy-Regale im Getränkemarkt gehören ganz sicher zu den “Wilden Museen” *. Ein Museum der Kleinen Leute. Hier steht das Objekt nur für sich, es wird nicht abgegrenzt, es ist kein Bild, Symbol für irgendetwas (Janelli 2012: 28). Nein, es soll uns einfach nur erinnern an etwas das war. Das so nicht mehr existiert, aber in uns noch weiterlebt. Ganz ohne Beschriftung und Erklärung sprechen hier die Dinge für sich selbst. für manche als Erinnerungs-Jogging, für andere als exotisches Ding aus vergangenen Zeiten ohne jegliche Verbindung zu einem selbst. Hier kommen Menschen ins Gespräch – darüber was das für Dinge sind, wofür sie benutzt wurden. Sie erzählen einander davon, wie schwer es war diese Dinge zu bekommen in der sozialistischen Planwirtschaft.

Es ist eine sehr lebendige Sache, so ein Minimuseum im Getränkemarkt. Und es ist nicht so konsumbasiert wie andere Ausstellungen in Einkaufszentren, und auch nicht effektheischend. Es ist eher eine Erinnerung und ein Gesprächsgrund. Lebendige Geschichte – für den, der sich darauf einlassen will.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.

Museum im Getränkemarkt - Sprache der Dinge Blog

Museum im Getränkemarkt – Sprache der Dinge Blog

Foto 3 Foto 2ENGLISH VERSION

When is a Museum a Museum? Is there a minimum size? Or a minimum amount of visitors? Or does it have to be permanently linked to its surrounding society? The ICOM says: “A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.” (ICOM 2007). What about “exhibition buildings” that don’t have their own collections but exhibit? And what about memorial places – “A memorial is a structure built in order to remind people of a famous person or event.”? And what about the following:

In the Berlin neighborhood of Friedrichshain, there’s a museum that consists mainly of three shelves that are placed directly in a small super market. It has been there for some years and every day visitors / clients come along and have a look at it while buying drinks and alcohol. Many of them stop for a minute and start chatting about the things at display, talking to each other, asking the proprietor about his collection or just remembering events related to these objects in their own lives. Friedrichshain is located at the Eastern part of Berlin and belonged to the former socialist GDR. And the proprietor has on display objects from GDR-times. They all belonged to the everyday life of this lost state: starting with lemonade bottles and up to radios there’s almost everything on display and when I asked him how the things got here and if they belonged to him, he told me that clients had started to bring these things over and are still doing it. The collection is growing. But why does he exhibit these objects? What´s his motivation? Where does the energy to preserve these things come from, to look after them and have them cleaned all the time? The only answer I got was: “Well, we had these things at home, then we put them here, the clients started to bring other things around and now they are just here!”.

Small museums, as the typical local museum consisting of one or two small rooms crammed with objects collected by a mostly private person, or these three shelves at the supermarket belong surely to what is called “Wild Museums” or “amateur museums”. Its ” a museum for ordinary people”*. Here, the object represents itself, its not a symbol or a an image of something. It just is itself, reminding us of personal events or memories. Reminding us of something that doesn’t exist anymore – without any explanation the objects speak for themselves, raise questions or curiosity. It´s like memorizing for some people or being an exotic object for others. People get to talk to each other contemplating the objects, because these represent so many different, personal ideas. At the supermarket, people talk about how difficult it was to buy these objects in socialist times, relating very personal stories to strangers. Others wonder about the design or function. Anyway, they make people talk.

It’s a very animated thing, this little museum at the supermarket. And its not centered on consuming things, like the exhibitions in shopping malls and it doesn’t want to get your attention no matter what. Its just living history and living memory. For anybody who likes to join.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.


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INKA: Könige der Anden im Lindenmuseum Stuttgart. /INCA: Kings of the Andes at Lindenmuseum, Stuttgart.

INKA Könige der Andes Sprache der Dinge blog

INKA Könige der Andes Sprache der Dinge blog

Zugegeben, die Ausstellung “INKA – Könige der Anden” in Stuttgart endete am 15.3.2014 – jetzt ist schon äääähh….. Oktober 2014. Woran man sieht wielange Dinge manchmal im Blog liegenbleiben, aus Zeitmangel. Trotzdem möchte ich diese Ausstellung noch einmal besprechen. Erstens ist sie bis zum November 2014 noch in Rosenheim zu sehen und zweitens kamen da bei mir einige Gedanken auf, die ich hier dann doch noch teilen möchte.

Beworben wurde diese Ausstellung als “einmalig”, “die größte in Europa“, sie war eine Landesausstellung des Landes Baden-Württemberg und entstammte dem renommierten Lindenmuseum. Und da das Thema tatsächlich mein Thema ist, war klar, dass ich sie sehen wollte. Und als allererstes fand ich dazu den Kuratoren-Ausstellungstrailer auf Youtube. Ganz sicher bin ich dem Thema Inka persönlich involviert und nicht ganz objektiv, aber im Großen und Ganzen liegt mir einfach am Herzen dass man vermittelt warum Archäologie gesellschaftliche Relevanz besitzt. Warum so eine riesige (aka: auch teure) Ausstellung gesellschaftlich Sinn macht, mal ganz abgesehen von der Schönheit der Objekte und dem Abenteuerfaktor Archäologie.

Der Kuratorentrailer bot vor allem eins: Die Indiana-Jonesierung der Archäologie. Man sei “in die Magazine hinabgestiegen und habe dort staubige Kisten gefunden“. In denen hätte man “unglaubliche Objekte entdeckt”, die man nun in der Ausstellung sehen kann. Undsoweiter. Aha. Ich verstehe die Faszination der Objekte im Depot. Auch ich bekomme zugegebenermaßen schwitzige Hände wenn ich mit archäologischen Objekten arbeite – einfach vor positiver Aufregung. Es ist also durchaus schön, dass man da Objekte entdecken kann – aber welche Bedeutung haben die Objekte denn für uns heute? Was zeigen sie uns, wie verbinden sie uns und die Inka miteinander?
Die Inka waren einer der größten “Staaten” auf amerikanischem Boden vor der Ankunft der Spanier. Ihre durchaus als kolonialistisch zu bezeichnende Eroberungspolitik führte bei den unterworfenen Gruppen zu ganz unterschiedlichen Reaktionen, von Gewalt und Gegengewalt inklusive kompletter Umsiedlung ethnischer Gruppen und Ausrottung, bis zur Aneigung inkaischer Kultur als Ausdruck der Anpassung und, besonders spannend, die Aneignung bestimmter inkaischerKulturelemente zur Verfolgung eigener Gruppeninteressen unter und NACH der inkaischen Herrschaft – also schon zur Zeit der spanischen Eroberung und daran anschließend auch der spanischen Herrschaft. Die Inka und ihr Dunstkreis bieten also reichlich Anknüpfungspunkte für sehr moderne, globalisierte Konzepte und Ideen in unserer eigenen Gesellschaft. Um die ging es jedoch weder in dem Trailer noch in der Ausstellung. Der Titel ist Programm, denn “Könige der Anden” könnte auch anders sein, wenn der Fokus der Austellung anders wäre. “Die andinen Kolonisatoren” etwa, oder: “Heimat & Provinz” oder was auch immer. Aber Könige bedeutet eben auch: Herrschaft. Elite. Und elitäre Objekte – und genau das gibts ja dann auch zu sehen.

Denn die Ausstellung präsentiert hauptsächlich einen schön gemachten, mit wunderbaren Objekten ausgestatteten Überblick über die Kultur der Inka: wo kamen sie her, wie lebten sie, wie eroberten sie andere Gebiete, wie starben sie. Gold, Textilien, Keramik, Bilder. Schöne Fotos andiner Landschaften. Aha-Effekte wenn man lernt dass die Kartoffel aus den Anden stammt. Wer Ausstellungen besucht, vergleicht sich ja oft unwillkürlich mit den dargestellten Gruppen oder Objekten. Vor allem Dinge der Alltagskultur führen automatisch zu Vergleichen. “Die waren weiter entwickelt als andere in Brasilien, die Inka!” oder, bei Mumienbündeln:  “Da sind doch Tote drin! Wir tun unsre einfach in die Erde und die konservieren die!” – so in diesem Sinne waren etwa Kommentare in der Ausstellung.Für Kinder gab es einen kleinen Raum zum Spielen und ansonsten vieles zum Staunen: die Nachbildung einer Inka-Mumie auf einer Sänfte etwa. Und viel viel Gold. Wie man sich das eben so vorstellt, so spektakulär und hübsch …. so war es dann auch. Keine Überraschungen, es sei denn man zählt Schönheit als Überraschung.

Über Synkretismus, Aneignung, politische Nutzung von Objekten ging es nur im letzten Teil, in dem die spanische Kolonialisierung im Vordergrund stand. Wie brachte die Gruppe der Inka als Ethnie sich hier ein? Welche Konflikte entstanden? Wie wurden diese materiell umgesetzt und dargestellt? Diese Themen hätte ich mir definitiv auch für die vorspanische Zeit gewünscht denn hier wirkt es als wäre das eine Sache die erst bei Ankunft der Europäer auftritt. Aber auch die Zeit vor den Spaniern war geprägt von der Verhandlung von Machtstrukturen und Synkretismus. Und: das sind Themen die uns heute in unserer globalisierten Welt absolut betreffen. So wie es war, blieb die große Konfliktivität und Aktualität inkaischer Kultur auf der Strecke. Konfliktivität, die sich (wie etwa in den Videofilmchen am Ende der Ausstellung sichtbar) bis in die öffentliche Perzeption der Andenstaaten heute durchzieht, eine unglaubliche Aktualität!

Ganz am Ende, kurz vor dem Verlassen der Ausstellung, da gab es auch so etwas wie Relevanz: nämlich was die Inka den Menschen in den Anden heute bedeuten. Als Vorfahren, als Erbe, als Name, als Kultur. Da war alles dabei, vom Landarbeiter bis zur deutschen Restaurantbesitzerin. Ein ganzes Spektrum von Meinungen. Als Filmformat dargeboten, zog es unglaublich viele Besucher in den Bann, man saß endlos auf Bänken. Und schaute den Kurzinterviews zu. Hier schien auf was wirklich die Bedeutung der Inka ist: nämlich ihr Name heute. Was verbinden die Menschen damit, wer identifiziert sich hiermit und warum? Die Inka sind etwas wie die “Vorfahren” der Peruaner von heuet geworden, zumindest im öffentlichen Bewusstsein. Aus genau dem gleichen Grund identifizieren sich etwa Bolivianer gerade NICHT mit den Inka sondern anderen vorspanischen Gruppierungen und verstehen die Inka häufig als eine Art frühe Kolonisatoren ihres heutigen Nationalstaates. Diese Art ganz konkreter Bedeutungen von Geschichte in der heutigen Zeit fehlen jedoch in der wunderschönen Ausstellung. Dabei wäre doch gerade das ein spannender, auf uns bezogener Aspekt: wie wirkt denn Geschichte auf uns? Ws ziehen wir darum wie instrumentalisieren wir sie? Und nicht nur die “anderen”?

Aber die Aktualität des Themas “Inka” wurde bis auf die Kurzfilme nicht angesprochen. Das europäische Publikum erfährt hier Schönes, Spektakuläres, Informatives. Aber keine

Konflikte. Das ist auch bequem, und hübsch – und sehr sehr schade.

Literaturvorschläge:

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.

 

1b Pacajes

 

 

 

 

 

 

ENGLISH VERSION

Okay, I admit that the exhibition „INCA – Kings of the Andes“ finished in march 2014 in Stuttgart, and now its already….. hm…. Well, October 2014. That shows how long some things stay in this blog without being published. But I would like to write about it, anyway. Because the exhibition can still be seen at Rosenheim until November 2014 and because it stirred thought that I have been harboring for some time, and I would like to share them, even after 7 months waiting to publish them.

The exhibition was marketed as “unique”, the “biggest in Europe” and it was an exhibition on a federal basis, meaning that it had an official impact. Hosted by the famous Lindenmuseum Stuttgart, “INCA” affected my very own investigations. This was MY topic and I was eager to see it. The first thing I found on the web concerning the exhibition was a trailer on YouTube, presenting an interview with the curators of the exhibition. And to be frank: I am NOT being objective on this exhibition because I am so involved in this subject of investigation that I just cant stay on the objective side. And by and large there are issues about archaeology that are important to me and these concern mainly the social relevance of archaeology. And why an enormous (and this means: costly, too) exhibition should focus on relevance as well, and not only on the beauty of the objects it presents and the “adventure of Archaeology”.

The trailer offered one thing, mainly: Archaeology as Indiana Jones. There are sentences like: “we went down to the depots and discovered dusty boxes”. In them, there were “found incredible objects” that can now be seen in the exhibition. Well. Aha. OK. I fully understand the fascination of objects ion the depot. And I admit of getting sweaty hands when working with archaeological objects because I am so excited to do this work. So, it´s great that you can “discover” objects there – but what´s the meaning of these objects for todays life? I mean: when you strip away the scientific or artistic fascination about them??? What do they tell us about the Inca and about ourselves?

The Inca were one of the biggest states on American soil before the arrival of the Spaniards. Their politics of expansion and the colonialist behavior caused very different reactions in the conquered regions, that ranged between violence, counter-violence and the extinction and re-settlement of whole ethnic groups and the appropriation of Inca culture as a means of adaptation. One of the most fascinating chapters of incaic colonization was the use of incaic material cultural elements by local groups in order to pursue their OWN agenda, participating in structures of power through the adoption of certain incaic elements during and AFTER the Inca rule, when Spanish colonization was a major threat to previous pre-Hispanic order. But this was no issue in the trailer nor in the exhibition. The title “INCA – kings of the Andes” shows what this is about, even when it could have been something completely different. What about: “Andean colonisators”? Or: “Home & Province”? But „Kings“ mean: Rulers. Elite. And: elitist obejcts, and of these there was plenty.

Because the exhibition shows mainly a wonderful, beautiful overview of Inca development and culture: Where did they come from, who were they, how did they live, how did they die, what did they conquer? Gold, textiles, ceramics, pictures. Wonderful photos of Andean landscapes. If one visits an exhibition, you often compare objects to your own culture, mainly if they touch themes of everyday culture. So these were some of the commentaries I heard at the exhibition: “They were so much superior to these Brazilian stuff, these Inca!” or, on mummies: “Oh look! They stuffed their dead in there! We put them into the earth and they preserved them!”. For children there was room to play and many objects to marvel on: mummy replicas, and gold gold gold… just as you imagine the Inca Empire – that´s how it was presented. No questions, no surprises; if you don’t count beauty as a surprise.

There was nothing to learn about syncretism, the appropriation or political use of objects. Only in the last section of the exhibition, when it came to the Spanish conquest, syncretism came along. Great, but: it seems that this is something that only went on with the encounter of Europeans and South Americans. And that’s just not true, because the negotiation of power structures was as pre-Hispanic as anything. So, I would have LOVED to see these issues included into the ore-Hispanic sections! And these are issues that border on our own globalized world as well! Inca culture in all its regional aspects is so very very up-to-date! But that’s no issue here. Conflictivity as seen on some videos at the end of the exposition, its so incredibly present until today!

Right on the end, before leaving the exposition, there was something like relevance: videos presented the views of todays residents of the Andes on the Inca. As ancestors, as heritage, as a name and as a culture. And there were many different people: from farm workers to German restaurateurs. A whole bunch of opinions! Offered as videos, it fascinated a lot of people, so everybody was seated on benches viewing these for some time. And that was the moment were relevance was almost palpable: the impact of the Inca today. What do people think about it today? What´s the relevance of Inca to them? Why do they identify with the Inca or why not? The Inca have always been perceived as something as the ancestors of todays Peruvians. And that is, f.e., the reason why Bolivians would NEVER see them as ancestors because they perceive the Inca as some early colonization of their current nation state. They see their ancestors in other prehispanic groups and use them as a political tool to explore their history and future. This tangible aspect of Inca culture TODAY would have deserved much more space in the exhibition. As it was, it was nice. But are these no relevant questions: what does history mean to us? Why do we use it, instrumentalize it? But that was no issue at „INCA“. The European public is not to be bothered with these complicated questions. The museum offered a beautiful, nice exhibtion. But please: no conflicts. That´s really nice – and really unfortunate.

Suggested reading for starters: 

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.