Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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“Alltag Einheit” im Deutschen Historischen Museum Berlin / “Unification” at the German Historical Museum Berlin

Direkt nach der Eröffnung war ich da: “Alltag Einheit”, die neue Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin. Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, dass mich Ausstellungen dieses Themas fast magisch anziehen (etwa hier zur “Bösen DDR”, hier zum “Alltag DDR” oder hier zum “Museum im Getränkemarkt”!): ich bin einfach gespannt, wie ein Teil meiner Geschichte ins Museum kommt. Und ich versuche wirklich, objektiv in der Beschreibung zu bleiben – aber es funktioniert nicht immer. “Alltag Einheit” – ist das der Gegenpart zu Alltag DDR” in der Kulturbrauerei? Die Ausstellungsdesign lässt es fast vermuten, eine konkrete Korrelation oder Information hierzu fand ich aber nicht.

Zuallererst: In der Sonderaustellung darf man keine Fotos machen. So was mag ich ja gar nicht. Warum soll ich im Museum keine Fotos machen? Ist das Ausstellungsdesign urheberrechtlich geschützt? Nein, wie das DHM mir über Twitter antwortet (@DHMBerlin), sind die Leihgaben der Grund hierfür. Diese dürfen auch Rechtsgründen (?) nicht fotografiert werden. Gerade bei dieser Ausstellung besonders schade, denn sie war dermaßen auf Mitmachen und Selbst Erleben gepolt, dass Fotos machen und mit den Objekten und Installationen interagieren nur logisch gewesen wäre. Sogar eine Fotochallenge gibt es, bei der man Fotos von der “eigenen” Einheits-Erfahrung auf Twitter mit nem speziellen Hashtag posten kann (#meineeinheit mit @DHMBerlin).

Nun aber zur Ausstellung selbst! Generell: hier wird es wirr. Nämlich sowohl in der Ausstellung, in der ich keinen klaren Rundgang fand,  sondern viele, miteinander verbundene und dann wieder abgegrenzte Areale zu verschiedenen Themenbereichen, was zum Konzept gehörte. Aber auch in der Werbung für diese Ausstellung. Diese hat nämlich folgendes, erklärtes Ziel laut der Homepage des DHM: sie “thematisiert den Alltag der Vereinigung und die Erfahrungen der Menschen sowie den in seiner Dimension historisch einmaligen Wandel des gesamten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gefüges der Gesellschaft in der früheren DDR ebenso wie die damit einhergehende Veränderung der alten Bundesrepublik.”. Großes Thema und: die Ausstellung will also Ost und West einbeziehen. Deshalb ja auch “Alltag Einheit“. De fakto ist es aber so, dass sie zwar sehr viele Aspekte und unterschiedliche Sichtweisen der Einheit abdeckt (und dies wird durch den Ausstellungsaufbau absolut fantastisch/plastisch umgesetzt) – diese aber eigentlich ausschließlich aus Sicht der Ostdeutschen. Ich konnte jetzt nicht wirklich Bereiche finden, in denen die westdeutschen Erfahrungen tatsächlich dargestellt worden wären – außer in den Informationstafeln, auf denen häufig auch über westdeutsche Erfahrungen mit der Einheit zu lesen war. In den Objekten und Installationen fand ich aber eigentlich – fast nichts. Ich fragte mich, ob die Einheitserfahrung für Westdeutsche wohl weniger einschneidend war? Und deshalb weniger ausstellbar?

Dafür durfte ich ganz viele Dinge selber machen. Zum Beispiel mein persönliches “Einheits”-Wort aufschreiben oder aufsprechen. Ich durfte in kopierten Akten blättern und mir Filme angucken. Ich durfte interaktiv Informationen zu besetzten Häusern im Berlin der frühen 1990er Jahre anschauen. Ich konnte Musik hören. Man konnte und sollte also eine große Menge mitmachen, und ich weiß nicht, wie sich das Ganze für jemanden anfühlt, der nicht direkt in Berlin lebte, in den 1990er Jahren. Für mich war es eher wie ein persönliches “Berlin 1995”-Revival. Denn die Objekte, die Fotos, die ausgewählten Themenbereiche beziehen sich zu einem Großteil auf Berlin und Umgebung. Wie war denn die Einheit in, sagen wir mal, Groß-Kleinkleckersdorf West und Groß-Kleinkleckersdorf Ost? Änderte sich da etwas? Was? Hierzu gibts nur wenige Informationen wie etwa die Auszüge der spektakulären Fotoreihe mit Aufnahmen von – allerdings wiederum aus dem Osten stammenden –  Menschen im Jahr 1990, 1995 (?) und nochmal zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Fotos sind übrigens generell eine große Sache. Fotos der Einheit, der Menschen, der Veränderungen. Die oben angesprochene Foto-Challenge. Dafür aber: weniger Objekte. Ganz viel läuft hier über Abbildungen, vielleicht auch weil die Veränderungen im Gefüge der Gesellschaft sich häufig einfacher über Fotos als über Objekte abbilden lassen? Absolut faszinierende Themen wie “unterschiedliche Alltagskulturen” (Zitat einer Texttafel) und Unterschiede im Denken und Handeln werden nur sehr sehr kurz und schemenhaft in den längeren Texttafeln angesprochen. Dabei ist es doch gerade das, was diese Zeit charakterisiert. Hier prallen Welten, Denkwelten, aufeinander. Das ist kaum Thema.

Im Großen und Ganzen ist der riesige Umbruch der Wendezeit also nur sehr flach abbildbar. Fotos transportieren hier viele der damals vorherrschenden Emotionen, aber das ganze Ausmaß ist eigentlich in einer Ausstellung kaum darstellbar. Es ist eine Ausstellung, wie gemacht für einen ersten Eindruck. Das große Mitmach-Potenzial und die vielen kleinen Themenbereiche bieten sich dafür an, eine Idee davon zu erhalten, wie es gewesen sein könnte. Aber viele der großen Themen sind außen vor, der Fokus liegt auf dem, was halbwegs “anfassbar”, erfassbar ist.

 UNification - Alltag Einheit DHM BerlinDas einzige Photo, bevor die Museumwärterin mahnte….Installation zu “Meinem persönlichen Einheits-Wort”. Ohne Leihgaben im Bild!

ENGLISH VERSION

Directly after the opening I decided to go and have a look at it: the new Special Exhibition at the German Historical Museum: “Unification. German Society in Transition“. It may be common knowledge by now that I am interested in these topics and that there were a lot of expositions visited so far (read about it here: “Good GDR – Bad GDR”, “Everyday Life at the GDR”, “Museum at the Cornershop”). I am curious how a part of my own past is being displayed in museums. And I really try to be an objective observer. I really do try! But I don´t always succeed. “Unification” (“Everyday Life during the Unification” as its German title traduces literally) – is this the counterpart to “Everyday Life in the GDR”, the exposition visited in Berlin some time ago? The exposition design and the title made me wonder about it, but I couldn´t find any precise information about it.

And, in the first place: you can´t take photos in this exposition of the German Historical Museum. I don´t like that… why shouldn´t I take photos? Is there a copyright to the exhibition design? As the Museum let me know via Twitter (@DHMBerlin)n this is due to the fact that the exposition uses lenders for many objects. Unfortunate for this exposition, because it was particularly focussed on participation and experiencing. So interacting with objects and istallations by taking photos would have been logical – for me, at least. There is even a “Photo challenge” associated with the exposition where you may twitter your own special unification photo unter der the hashtag #meineeinheit.

But now to the exposition itself. Generally speaking: its getting a little bit confused. In the exposition where I couldn´t find any clear way to wander around but many interconnected and separated areas on different topics, which makes sense regardin the obejctive of the exhibition – as well as in the marketing of the exposition. The marketing claims the following goal: “Everyday life in the union and the experiences of the people are the focus of the exhibition “Unification. German society in transition”. It deals with the transformation, historically unique in its dimension, of the entire political, economic, social and cultural structure of society in the former GDR as well as the concomitant changes in the old Federal Republic.” Ok, so the goal is to show both Germanies, East and West. That´s why it´s called “German Society in Transition” and not “GDR Society in Transition”. But actually, although many aspects of the life during the unification process are being covered, these are mainly focussing on East German perspectives.  I wasn´t able to find areas that focussed concretely on West german perspectives on Unification, apart maybe from some comments and explanations in the information tables. But in the actual objects or installations I found – almost nothing. I wonder if the experience of unification was maybe less important to West germans? Or less “apt” for an exhibition?

But on the other hand I was allowed to do a lot of things on my own. Writing down my “personal unification word”, for example. I could scroll through copies of official documents and watch movies and documentaries. I could interact virtually with informations on squatted houses in East Berlin in the early 1990ies. I could listen to music… in the end, you could participate and interact with a lot of things in this exposition and I don´t know how this feels for somebody who didn´t live in Berlin at this specific time, say between 1990 and 1996. For me, personally, this was like a “Berlin 1995 revival”. Because the objects, most of them photos and the selected topics focussed mainly on Berlin and the surrounding areas. How was the Unification experienced in, lets say, in some small village in East and West? Were there changes? And what? There are very few informations on this – including the absolutely spectactular photograhy series of (again: East) German people visited in 1990, 1995 and the beginning of the new century.

Photos are definitely the big thing ath this exposition. Photos of the Unification, of the People, of the changes. And the above mentioned photo challenge. But few objects, comparatively. Is this because changes can be made more “experiencable” therough phpotos, transporting emotions than through “mere” objects? Many of the topics, fascinating as they are, are only addressed in the information tables. Topics like “different cultures of everyday life”, differences in perepction and acting as they developed over a 40 year span living in different political systems and societies are totally fascinating and were mentioned in the information text. But – they were not really visible in the objects or instalaltions. And this is just what characterizes this fascinating time of changes: Universes of Thoughts collide, East and West germans realized how different their mutual perceptions of objects, words, events, were. It differentiated them and let to a development of a new cultural identity, mostly still influenced by the former German states. That´s not a topic in the exhibition, though.

Generally speaking, the huge changes of the time of Unification can only be made visible in a small way. Photos transport many emotions that were prevalescent in 1989-1990 but the whole amount of change, emotions, personal and social developments is impoosible to represent at an exhibition. Or so it seems visiting this specific exposition. Its an exhibition that is great to get an idea of how things were, at that time. The big potential of participation and the many small areas and subjects are clearly apt to give you an overview of the huge changes that were happening during these 1-2 years. But the big issues are left out, the focus lies on the things that can be presented in a “museum way”.

 

 

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Twitter & Archäologie: eine Inspiration! / TWitter & Archaeology: an inspiration!

zu Beginn:

Ich bin immer wieder total erschlagen davon, was archäologie-mäßig bei Twitter stattfindet. Meine Twitter-Timeline  im Rahmen von Archäologie & Museen ist derart aktiv, und zwar deutsch – und englischsprachig, dass sie mich manchmal tatsächlich überfordert. Sie ist aktiver als meine “normale” Timeline mit Menschen, denen ich eher auf privater Ebene folge & gefolgt werde!

Obwohl die deutschen Archäologen im Netz je eher weniger präsent sind, zumindest wenn man es mit dem englisch-sprachigen Raum vergleicht, sind doch auf Twitter einige zu finden, wie etwa @PreinfalkFritz oder @juliabudka. Viele von ihnen teilen Artikel & Veranstaltungsankündigungen, aber auch private Fragen zur Arbeit oder Updates zu ihren Projekten. Das Vernetzen mit Kollegen, wie es hier von John Lowe  bei Can you dig it? dargestellt wird, findet auch statt, allerdings in einem geringeren Maße. Liegt das auch daran, dass momentan noch wenige deutsche Archäologen bei Twitter unterwegs sind? Möglich. Ich würde mir definitiv wünschen, dass auch mehr persönlicher Kontakt auftaucht.

Im Museumsbereich ist die Lage noch interessanter. Hier wird gewittert was das Zeug hält, sei es von Kongressen, #tweetups oder von der Arbeitsfront an sich. Blogeinträge werden angekündigt, besprochen, bewertet. Fotos fliegen hin & her (mein Favorit der letzten Wochen: #museumofselfies , auch zu sehen als Gruppe hier bei Tumblr !).

Hier zwei Beispiele zu #museumofselfies:

 

Was aber tatsächlich ein Knaller ist, ist die Relevanz die Twitter mittlerweile für meine eigene Arbeit hat. Über das Teilen kostenloser Artikel, habe ich nun schon mehrere Texte gefunden, die für meine Keramikanalysen & -interpretation absolut relevant sind. Das v.a. dank des spektakulären @OpenAccessArch , dessen Tweets immer wieder Open-Access-Artikel enthalten, Konferenzankündigen & Calls for Papers.

Auf der anderen Seite ist es so möglich, Konferenzen gerade im Museumswesen ziemlich gut live per Twitter mitzuerleben, und so zumindest eine Idee davon zu erhaschen, welche Themen gerade aktuell sind & wie die Diskussionen laufen. Letztes Beispiel hier war etwa der Hashtag #museumbabel der gleichnamigen Konferenz des Senckenberg-Museums in Frankfurt/Main. Das ist für mich eine wunderbare Möglichkeit dabeizusein, obwohl weder mein Job noch meine Zeit es zulassen, soviel Konferenzen zu besuchen wie ich möchte!

Twitter ist also so etwas wie mein persönliches Information-Update für jeden Tag. Zwar gibt es neue Kontakte und neue Ideen, aber hauptsächlich bleibt es doch bei der Informationsbeschaffung. Ich meine das gar nicht negativ, denn was hier stattfindet, lässt mich trotz einer momentanen Arbeit außerhalb der Archäologie dabei bleiben, zuhören, mitmachen. Relevanz von Twitter fürs Arbeitsleben? Definitiv! Und es ist eine Inspiration!

ENGLISH VERSION

To start with: The TRUTH ON STONEHENGE!

Over and over again I have been overwhelmed by the archaeological activities on Twitter. My TimeLine on archaeology & museums is even more active than the private one I maintain on the side! Posts in English & German keep coming in at all times of the day and in a quantity that is simply overburdening my capacities.

Although German archaeologists are rather under-represented at Twitter and the net in general, especially when comparing with the English speaking world, there are some of them on Twitter. Many of them are sharing articles & data on conferences, but also private opinions about their work and projects. Networking with colleagues as has been described by John Lowe on can you dig it? has been rather sparse until now in my case but it has occurred occasionally. It seems that the German archaeological sphere still relies heavily on personal contact than on virtual presentations. So my Twitter network is mainly British…

In the museum area, things are even more agile. Twitter is constantly used, be it at congresses, with #tweetups from museums or directly from work. Blog posts are being announced, shared and commented, pictures get viral (my personal favorite has been #museumofselfies that can be found on tumblr as well!)

 

But was has come as a real surprise to me has been the relevance Twitter has acquired for my own work. The sharing of open access articles has led to the discovery of various texts that have proved more than relevant for my ceramic analysis and interpretation. That’s mainly due to the spectacular @OpenAccessArch but also thanks to a lot of like minded people out there that are sharing their own work.

On the other hand it has been possible for me to follow conferences, especially in the museum sphere, on Twitter. This allows me to get a glimpse of the current main themes and discussions even when its impossible for me to attend the conferences!

This way, twitter has become something like my personal information update on archaeology and museology every day. There are new contacts and new ideas and overall: new information for me to use and consider. That’s the best opportunity to stay tuned in a field I currently can´t give as much time to as I would like. So, is twitter relevant for my working life? Definitely! And its an inspiration!