Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Art & Archaeology III: Das Große im Kleinen und die Fühlbarkeit des Vergangenen

Sprache der Dinge: "Scherben" Museum der Dinge

Sprache der Dinge: “Scherben” Museum der Dinge

 

Heute der nächste Teil von “Kunst & Archäologie“. In letzter Zeit bin ich auf einige Ausstellungen gestoßen, die sich auf künstlerische Art mit dem Thema “Krieg” beschäftigen. Mit Archäologie hängen diese Ausstellungen meiner Meinung nach insofern zusammen dass sie den Krieg in einer Alltagssituation wieder “heraufbeschwören”, mit fragmentarischer materieller Kultur – ähnlich der die wir bei archäologischen Projekten finden und analysieren. Materielle Kultur als Erinnerungs- und Emotionsansatz, sozusagen.

Die Ausstellung “Scherben” im Museum der Dinge ist zunächst einmal eine der wechselnden Kunstinstallationen, die das Museum als Kontrapunkt und Gegensatz zur Dauerausstellung bietet. Hier möchte ich die Ausstellung aber noch einmal getrennt betrachten, denn auch außerhalb dieses Kontextes fand ich sie aus verschiedensten Gründen faszinierend.

Scherben” (hier ein Link zur Beschreibung im berliner Tagesspiegel) besteht aus verschiedenen runden und eckigen Tischen auf denen sorgsam mit Spots beleuchtete Scherben liegen – Fundstücke aus den berliner Trümmerbergen, die wir heute als Parks und Naherholungsgebiete kennen. In völliger Stille und dunklem Ambiente. Die beiden Künstler Sonya Schönberger und Christof Zwiener haben diese Stücke dort gesucht und gefunden und nun liegen sie hier: in Reihen auf Tischen, die wie Esstische wirken. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: einer Präsentation von vollständigen, aber verrosteten und kaputten Objekten wie Lampen oder Schreibmaschinen, im Verband mit einem Foto aus den späten 1940er Jahren: Menschen schauen sich Porzellangeschirr an, das in einem provisorischen Laden in einer Ruine verkauft wird.

Der zweite Teil besteht aus den genannten Scherben in Reih und Glied, deren ruhige, dunkle Präsentation in völliger Stille mich in den Bann zog. Während die vollständigen Objekte in einem hellen Kontext auf weißem Stoff wie ganz besondere, ausgewählte Dinge dargeboten werden und viel Licht auf sie fällt, sind die einzelnen Scherben auf den Tischen in ihrer Masse gefangen – gleichzeitig ist jede besonders, denn die Reihung gibt jeder ihren eigenen Platz. Es ihre Fragmentierung, die den Effekt des Fehlens hervorruft – als hätten hier Menschen Dinge verlassen. Die Präsentation auf Esstischen wirkt, als wäre das Geschirr nur zerschlagen worden, aber diese Dinge hatten einmal ein Heim. Sie gehörten zum Alltag, sie wurden vermutlich oft benutzt – jetzt sind sie nur noch Scherben.

Ganz ähnlich mit der Ausstellung “ausgegraben” von derkleinenfraubraun: auch hier werden Dinge, Objekte, Fragmente, als Stellvertreter der Ganzen angenommen. Ihre Berührbarkeit, ihre noch heute mögliche Zugänglichkeit und Erreichbarkeit machen das Fremde, Vergangene greifbar. So wie bei “Scherben” die Objekte von noch heute frei zugänglichen Arealen stammen, sind die Knöpfe von derkleinenfraubraun auf allen Flohmärkten such- und erwerbbar. Ganz im Unterschied zur Archäologie, deren Objekte, auch fragmentarisch, in den Museen und Archiven verschwinden, und deren Sammeln durch Nicht-Archäologen als negativ betrachtet wird  (hier ein wunderbarer Artikel von Jutta Zerres bei Archaeologik hierzu, oder auch ein recht frischer Artikel von Raimund Karl: “Unseres? Deins? Meins?”). Hier, in diesem Kontext der neueren und neuesten Geschichte, sind Archäologie und Emotion ganz öffentlich verbunden. Objekte sind zugänglich, sie stehen für Menschen, die uns selbst noch zeitlich nah stehen, deren Zeit wir zu kennen und zu verstehen glauben. Tun wir das wirklich?

Und genau hier liegt für mich eben doch der Bezug zur Archäologie. Zwar betrachten wir als Archäologen Scherben und Fragmente zunächst einmal als wissenschaftliche Objekte, die uns Informationen über Herstellung, Kontext, Nutzung geben können. Und Objekte mit mehren hundert oder gar tausend Jahren Alter betrachten wir anders als Scherben, die wir in einem Park finden können und deren Alter sicher nicht mehr als 50-60 Jahre beträgt. Warum eigentlich? Auch diese Frage stellt sich hier, ganz im Verbund mit Fragen zur Abgrenzung von Archäologie und Ethnologie. Wann ist etwas archäologisch? Wann ist es bewahrenswert? Wann ist es sammelnswert? Ab wann ist etwas “Wissenschaft”?

Aber was in der Archäologie sehr selten zum Zuge kommt und doch die Faszination unserer Arbeit ausmacht ist ja dieses: dass all diese Scherben aus den Grabungen und Begehungen eben AUCH von Menschen gemacht wurden. Ihr Kontext, soweit wir ihn erfahren können, macht sie zu Zeugen einer Epoche. Und genau das ist auch das Anliegen der Künstler: materielle Fragmente der Vergangenheit als Zeugen und Emotions-/ Denk-Trigger. Aber eben nicht nur das: sie stehen auch ganz konkret immer für Personen. Unbekannte, die sie hergestellt haben und deren Leben und Fühlen uns fremd ist und bleiben wird. Die schiere Masse der Objekte in den archäologischen Labors, v.a. bei Scherben oder Steinabschlägen, lässt uns das häufig vergessen. Wir denken an Analysen, Chemie, Alter, Dekoration, wir denken an unterliegende Symbolsysteme. Trotzdem sind sie von Menschen gemacht, die bei der Herstellung in einem Kontext lebten, der uns verborgen bleibt. Ihre Gedanken und Gefühle sind für uns nicht mehr nachvollziehbar.

Und: die Scherben, die wir als Archäologen bearbeiten, werden so gut wie nie ausgestellt. Warum eigentlich nicht? Archäologische Museen zeigen ganze Gefäße, nicht das Klein-Klein der Analyse. Bei “Scherben” und “ausgegraben” bekommen Fragmente eine Plattform, ein Gesicht, und ihre Fragmentierung zeigt vor allem eines: welche Masse von Objekten da aus der Vergangenheit auf uns kommt. Und wieviel Persönlichkeit diese Dinge und Fragmente besitzen. Die hier beschriebenen Ausstellungen öffnen die Augen für die Frage nach der Persönlichkeit der Dinge, nach ihrer Beziehung zu uns und nach unseren Gefühlen die mit diesen Dingen bewusst oder unbewusst verbunden sind. Genau das, was archäologische Materialien auch mit uns tun. Der Bezug zum Krieg macht es nur noch eindringlicher, weil Tod und Zerstörung, uns bekanntes Leid damit verbunden sind. Die Emotionen, die diese Stellvertreter-Dinge da aufwühlen sind dann noch eimal intensiver und machen den Blick noch schärfer für die fühlbare Relevanz der Dinge.

ENGLISH VERSION

Today the next part of „Art & Archaeology“ is due! In the last months I have encountered different expositions that have been artistically related to the theme of “war and remembrance” – the link to archaeology came through the connection to material culture and its representation in the fragments – as related to the fragmentary material culture encountered by archaeologists.

The exposition “Sherds” at the Museum of Things was one of the alternating artistic expositions that frame the permanent exposition of the museum and serve as a counterpoint and contrast to it. In this article I would like to regard this temporary exposition in its own regard, because it was fascinating on its own.

Shards“ (see the link to the exposition in a Berlin newspaper here) consisted of multiple tables, equipped with meticulously aligned spots that shine on the shards that have been laid out on the tables. Shards that come from the various “mountains of debris” (“Trümmerberge”) that can be found all over Berlin, dating from the late 1940ies and 1950ies when big parts of the city lied in ruins and all the detritus that couldn’t be used in any other way was transported away from the rebuilding areas to form real mountains in different parts of the central Berlin neighborhoods. Most of these mountains have now been converted into parks and are presently covered by woods and shrubs, and are used as recreation areas.

The artists Sonya Schönberger and Christoph Zwiener have walked these mountains, gathering shards and objects from the war time not unlike an archaeological survey. The exposition consists of two parts: one is the exhibition of broken fragments of china and ceramic, the other one is the presentation of still whole but completely corroded objects like lamps or typewriters. These objects are related to a photo behind them, showing people looking at china and everyday objects in a provisory shop that has been set up between ruins of buildings and mountains of debris.

The encountered fragments have been assembled on the tables at dark areas at the museum, and are presented in a quiet, peaceful way. The objects are lined up but not ordered in any recognizable way. The light resembles the warm shine of kitchen lamps, shining onto a family dinner table at a harmonious evening. And there they are: the fragments, presented in a formal, orderly way. They lay in the quiet light, silence surrounds them. The completed objects were presented on white linen, rather as jewels than like corroded waste, surrounded by a strong white light. The shards are quite the opposite: enclosed in their multitude, not one is able to stand out. And at the same time each one is unique because not one is like the other. It´s their fragmentation that creates an idea of absence: as if people had just left these tables and objects behind. The presentation on regular dining tables evokes thought of abandonment, too: china has been broken, but these plates and cups once had a home. They belonged to someone, they were used frequently – but now they are only fragments.

A similar exposition was presented at Gallery Kurt im Hirsch at Berlin-Prenzlauer Berg: „Excavated“ („Ausgegraben“) by diekleinefraubraun. Here, too, Things, Objects, Fragments, serve as representations of a whole. The artist shows photos of ordinary people, men, women, children, from the 1st and 2nd World War as well as from the war in former Jugoslavia in the 1990ies. These are combined with real buttons, the same as can be seen on the clothing of the people in the photos. The buttons are acquired on flee markets and serve as a possibility to touch the Past, feel it, make the alien, the Past tangible again. Just like „Shards“ they come from areas that are freely accesible today, they can be acquired or found everywhere with a bit of luck.

And that’s were the connection to archaeology chimes in: as archaeologists we see shards and fragments as scientific objects that can answer our questions on production, context, use. And objects that have 100 or even several 1000 years of antiquity are seen differently than objects that are just 50 or 60 years old. But why is that so? What´s the difference between these two groups of fragments? Which is the point when something gets “archaeological”? When is it worth collecting and preserving? When is something “scientific”?

Apart from these questions there is another point that seems to me worth mentioning: the fascination of archaeology with past objects. All the fragments encountered by us during survey, excavation or in the depots of museums have been made by men and women of the past. Their context, as far as its known to us, makes them a testimony of their time – and this is just the point that Schönberger and Zwiener are trying to get across, too: objects as reminders, objects as representants of past times, as emotional triggers.

In archaeology, objects found in archaeological investigations disappear into museum deposits and their collection by non-archaeologists is regards rather negatively by the scientific community (have a look at an excellent article by Jutta Zerres on this or in an interesting new article by Raimund Karl: “Ours? Yours? Mine? To whom do archaeological finds belong?” ). In the context of these expositions the scientific connection has been erased. The objects serve as emotional reminders, the represent people that we think we know – but do we know them? Is this not rather an idea that we entertain, instead of a real fact? World War II – this seems so near to us, just some 70 years away. But the fragments remind us that this time is also an alien period to us, just like the rather “alien” past of remote times.

And there is something quite intriguing to these objects: they are testimonies of their makers and users. They represent people that once touched these objects, unknown persons whose lives and work will always remain alien to us. The sheer mass of objects in the archaeological laboratory, especially when it comes to ceramics and lithics, makes us forget that they had a relation to actual people. We think of analysis, categories, chemistry, age, decoration. But they were made by persons that lived in a context that remains unknown to us.

And: the shards that we work on, are almost never on expositions. Museums show whole pots, not the pettiness of archaeological everyday work. In these expositions fragments are being shown in their own regard and their fragmentation represents the masses of things that are coming to us from a remote past. And the personality of these things. The expositions I wrote about open our eyes to questions on the personality of material things, their relation to us then and now and on our emotions that are related consciously or unconsciously with them. The objects or fragments presented in the exposition trigger questions and emotions that archaeological fragments do, too. It´s just the link to War that makes these fragments even more emotional and intriguing because we associate Death and Destruction with them, mirrored in the seemingly innocent everyday objects. The emotions that the contrast between the things and their context stirs up is even more intense and sharpen our view on the relevance of things.

Dank an Kleine Frau Braun für das Zur-Verfügung-Stellen der offiziellen Photos ihrer Ausstellung!

 

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Das Museum der Dinge, Berlin – A Museum of Things, Berlin

IMG_1363Das Museum der Dinge kam mir zu Ohren, als ich nach Materialität googelte und darüber nachdachte, welche Museen und Ausstellungen ich an einem seltenen, freien Tag besuchen wollte. Das Museum hat eine wunderbare Website, und ich war begeistert zu erfahren, dass es hier Dinge gab wie Dingpfleger, und dass das DING an sich, ganz losgelöst von seinen Kontexten, offensichtlich hier im Mittelpunkt steht. Alleine die Bezeichnung “Ding” statt “Objekt” in der Dichotomie zum “Subjekt” – das ist doch eine Aussage! Grund genug also für einen Besuch im reellen, gar nicht virtuellen Museum in Berlin-Kreuzberg. Einmal alleine, im Oktober 2013, und dann zusammen Anfang März 2014 mit einer ganzen Gruppen von Mitstreiterinnen* aus dem Kurs “Vermitteln und Kuratieren” der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (dazu demnächst mehr hier). Ich danke daher den Kolleginnen, v.a. für die sehr anregende Diskussion NACH dem Ausstellungsbesuch, die mir einige Fragen beantwortete und mein Verständnis für dieses eher ungewöhnliche Museum schärfte.

Das Museum der Dinge befindet sich in einem Gebäude der Oranienstraße, und ist nur nach Treppensteigen in den 3. Stock erreichbar. Ein altes Gebäude, gedacht für Büros und Werkstätten im 19. Jahrhundert, gefliester Hinterhof. Empfangen werden wir in einem hellen, weißen, sonnigen Raum – der Kasse und dem Museumsshop, voll mit ausgewählten schlichten Designerstücken an Geschirr und Büchern. Dieses Museum bildet den Ausleger des Werkbundarchives, einer Vereinigung die sich mit den materiellen Hinterlassenschaften des seit den 00er Jahren des 20. Jahrhunderts tätigen Deutschen Werkbundes  beschäftigt. Dessen Hauptaufgabe lag in der aestethischen Erziehung der Massen, und einer Reformbewegung gegen die industrielle Massenfertigung von Alltagsprodukten.

Das Museum als Außendarstellung des Werkbundarchives bietet zunächst eine Einführung in die Ideen und Aufgaben des Werkbundes UND des Werkbundarchives und hat seine Dauerausstellung in zwei visuelle Teile untergliedert: ein an der Wand entlang laufendes “Offenes Depot”, in dem Alltags-Dinge aller Art nach verschiedensten Kategorien in Holzschränken hinter Glastüren zusammengestellt gezeigt werden: Dinge so unterschiedlicher Kategorien wie “Imitieren & Zitieren”, “Alltag 1930er und 40er Jahre”, aber auch Farben oder Regionen (“DDR-BRD”). Die Schränke, die den Rahmen für die Objekte bilden ziehen sich fast endlos hin, sicher 50 – 60 Meter nach hinten in einem schlauchartigen, engen Raum. Voll mit Objekten aller Art, Hauptsache Alltag und Hauptsache Industriegut.

In dazu rechtwinklig stehenden Vitrinen befindet sich die Schausammlung, die, grob gesagt, einen Überblick über die Aktivitäten des Werkbundes ab 1907 bis in die 1970er Jahre bietet, immer mit Beispielobjekten des Werkbundes als auch der als “Gegenstück” empfundenen Alltagsware, z.B. besonders kitschiger oder hässlicher Dinge. Unterbrochen nur von kleinen “Objektinseln”, an denen besonders große Dinge frei stehen. Und von einem Vortragssaal, der leer und offen in der Mitte des Museums liegt.

Ein Manko des Museums ist in jedem Fall die extrem ausführliche Betextung. Nur der allerinteressierteste Besucher mit viiiiel Zeit dürfte in der Lage sein, sich ALLE Texte durchzulesen, denn an jeder Schauvitrinen hängt ein zweispaltiger, langer Erklärungstext – in Deutsch. Auch der Einführungtext in der Nähe der Kasse ist, obwohl unglaublich informativ, so lang dass der Besucher in Spalte 1 bereits etwas ermüdet. Sinnvoller ist da die “Übe-Vitrine”, die einen visuellen Überblick darüber bietet, wie man das Museum am besten erkunden kann um es zu verstehen und maximale Information mitzunehmen.

Zu den langen Texten kommt die reine Überfülle an Dingen. Sie führt dazu, dass viele der anwesenden Besucher eben nicht den Text lesen, sondern sich durch die Masse der Objekte fortspülen lassen in ein Nirwana des Erinnerns. “Schau mal, das hatte Tante Erna!” und “Guck hier, wie früher zuhause!” waren die meist gehörten Sätzen von Besuchern und auch der Tenor des Gästebuches. Natürlich sind diese Objekte, die ohne ihren ursprünglichen Nutzungs- und Kultur-Kontext dargebracht werden, ein wunderbares Transportmittel in unsere Vergangenheit. Aber der Werkbund möchte ja eigentlich soviel mehr: erziehen, den Sinn schärfen, uns etwas erklären und nicht zuletzt ändern. Das ist in diesem Museum nicht spürbar. Obwohl die Menge der Objekte uns auch anregt, sie selber zu ordnen, Prinzipien zu finden nach denen dies möglich wäre!

Beide Möglichkeiten wären also gegeben: sowohl das ungenierte Stöbern und Fühlen als auch das intellektuelle Begreifen – allerdings bei der Überfülle von Text mit eingien Schwierigkeiten. Trotzdem begreifen viele dieses Museum wohl v.a. als Erinnerungsvehikel und lassen sich von der Dinglichkeit und Sinnlichkeit der Dinge forttragen. Fortgesetzt wird diese Idee eigentlich konsequent im Museumsshop, dessen wunderschöne, ausgesuchte Dinge wie die Fortsetzung der Ausstellung wirken – nur dass es hier die besonders designten und nicht die kitschigen, als “bekämpfenswert” geltenden Dinge sind, die dominieren und erworben werden können.

Was ich jedoch wirklich besonders am Museum der Dinge schätze, ist das Kommentieren der Dauerausstellung durch wechselnde Kunstinstallationen. In diesem Fall war es “Scherben” von Sonya Schönberger und Christof Zwiener. Diese Installationen bieten einen Gegensatz zu der geschlossenen, sanft und warm ausgeleuchteten, größtenteils nur hinter Glas sichtbaren Ausstellung, denn hier sind Objekte direkt offen sichtbar, wenn auch nicht berührbar. Sie sind durch Spots angeleuchtet und wirken wie kostbare Fragmente. Ihre Darstellung im Rahmen einer Ausstellung bildet einen Kontrapunkt zur Dauerausstellung – sichtbar bereits in ihrer Präsenz am beginn und am Ende der Dauerausstellung. Diese Dinge wirken alleine schon durch ihre Darstellung und Ausleuchtung wie Schätze – gar nicht wie die zusammengestellten Massen an Alltagsobjekten im Rest des Raumes. Sie erzählen von Zeit und Geschichte, sie haben einen Kontext: den des Krieges. Und sie zeigen ihn durch Rost, durch Fragmente. Sie verkörpern praktisch die Zeitlichkeit der Objekte, ihre Verletzlichkeit.

Prinzipiell ist es so, dass Website und Ausstellung total miteinander konkurrieren, sogar die Ausstellungsflyer wirken anders als dann die Ausstellung an sich. Es ist so, als wären sie fast gegeneinander konzipiert. Während auf der Website immer wieder von den Kontexten, der Nutzung der Dinge die Rede ist, wird dieser Aspekt ind er Ausstellung selbst ganz nach hinten gestellt. Auch das Design von Ausstellung einerseits und Website, Flyern und Verkaufsraum im Museum andererseits sehten sich wirklich fast diametral gegenüber. Hier die Masse der Dinge, obwohl geordnet doch überbordend – dort die geordnete, einzeln hervorgehobene Präsenz eines oder weniger, ausgewählter Objekte. Sehr seltsam. Dementsprechend waren die Erwartungen von einigen von uns (mich selbst eingeschlossen) nach Besichtigung der Website ganz andere als dann durch das Museum tatsächlich erfüllt werden konnten.

Insgesamt denke ich aber, dass das Museum der Dinge einen neuen Blick auf Dinge ermöglicht, abseits üblicher Ausstellungsrhetoriken. Das Ding in einem eher in der Masse kontextualisierten Zusammenhang, geordnet nach ganz unterschiedlichen, nicht immer klar nachvollziehbaren Kriterien – das zeigt, wie vielfältig wir Dinge sehen, interpretieren und einordnen. Es gibt dem Ding einen Stand, der nicht auf seinem soziokulturellen Kontext beruht, sondern eher auf seiner Dinglichkeit an sich. Auch wenn Form, Funktion und Dekoration natürlich Ausdruck eines gesellschaftlich-technischen Kontextes sind, ist dieser Kontext im Museum der Dinge auf ein Minimum reduziert. Es geht eben nicht um die Gesellschaft dahinter, vielmehr wird versucht, das Ding AN SICH zu betrachten. Sicherlich ist das schwierig, und man könnte jetzt auch viel dazu sagen, dass Ding und Kontext semiotisch verbunden sind. Trotzdem interessiert mich dieser Ansatz sehr, weil er dem entspricht, das wir häufig im Alltag tun: wir sehen das Ding einfach als Ding, als Nutz-Gegenstand, nicht als museales Objekt.

*Dank an (in alphabetischer Reihenfolge): Yella Hoepfner, Astrid Lembcke-Thiel, Hanne Leßau, Eva Lusch und Dörte Wiegand!

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The Museum of Things came to my knowledge when I was googling on „materiality“, thinking about which museums and expositions to visit on one of my sparse free days. The Museum has a wonderful homepage, and I was delighted to learn that they have even a category for supporters to be a “caretaker of a thing” and that the THING (maybe the English “entity” would be a better translation”) free of its context is being at the center of their concept. The very idea of using the word “entity” or “Thing” instead of “object” and its implied dichotomy to “subject” is a statement in itself! So, there were enough reasons to visit the real museum of things, once by myself in October, and than again in March 2014 with a bunch of colleagues* from an upgrade training course called “Communicating and Curating”, offered by the Federal Academy of cultural Education in Wolfenbüttel (but I will do a post on this later on). I would like to thank my colleagues from the course for the lively debate and ideas after visiting the museum together, a moment that provided me with important input for this post.

The Museum of Things is located in a building in the Oranienstrasse, Berlin – Kreuzberg, and can only be reached after quite a flight of stairs up to the third story. Its an old building, originally thought to be used for offices, workshops and factories in the 19th century. We are welcomed into a sunny, bright, white room, the counter and gift shop of the museum which is filled with carefully selected, beautifully designed objects. The museum itself is the showroom of the Werkbundarchiv, a association which is curating the material belongings of the German Werkbund, which has been active since 1900, focusing on the aesthetical education of the working classes, including a reformative movement against industrial mass production of everyday products.

The Museum as the external presentation of the Werkbundarchiv offers an introduction of the ideas and goals of the Werkbund and the Werkbundarchive right at the entrance of the museum. The permanent exhibition has been divided into tow sections: one is an Open Depot, presenting objects of everyday life of very different categories in wooden cabinets with glass doors on the long side of the hall. The entities are being sorted by very different and not always consistent categories, such as: “Imitating and Citing”, “Everyday Life in the 1930 and 1940ies” but also sorting by color or region of use (GDR/ BRD). The cabinets drag on and on, it seems like an endless line of things and things, and yet other things. The cabinets are just full with objects of every kind, the important part is that its about everyday life and that its mass production.

Opposed to this Open Depot there is the exposition of the things that regard directly the Werkbund and its ideas. These are presented in a rather chronological order, beginning roughly about 1900 and going on up to 1970 or 1980. These things are objects crafted following the Werkbund ideas or just the opposite of these: Kitsch. The cabinets that are presenting these things are only interrupted by islands of open space that present big objects related to the exposition. And, there is a big vacant space right in the middle of the museum that is being used for special opportunities.

I felt that one of the worse parts of this museum was definitely the texts that are being offered. Only the most interested visitor should be able to read ALL these texts, often with double columns. These texts are at every cabinet and offer such a mass of information that you won’t be able to read it all. Even the introductory text to the museum is so long that most visitors stop about halfway and prefer to go on visiting the museum itself. It´s better to have a look at the “introductory cabinet” which explains visually how the museum has been structured and how you may visit in order to get most of the information.

The long texts are accompanied by a over abundance of things. This leads to the fact that most visitors are being swept away by the mass of objects that leads to a Nirvana of remembrance. “Look, this is what Aunt Bertie always had!” and “Look, that’s just like home back than!” were the sentences that I heard from most visitors talking between themselves and it’s the most popular comment in the guest book as well. Of course, these objects presented without its original context of use and culture are a wonderful medium of transportation back to the times when we were young, back to our past. But the Werkbund has goals, that are so different from being a mere time machine! They want(ed) to educate people about aesthetics, sharpening mind and view, explain and change. That’s just not present in this Museum, even if the objects are insisting that you systematize them, that you invent some kind of order principles.

In the end, the museum offers both possibilities to explore its expositions: the one based on searching and feeling, a rather emotional approach, and the intellectual one (although this is rather hindered by the multitude of texts). Although both are possible, most visitors rely on the emotional approach, using the display of things as a vehicle to memories, letting themselves get swept away by the memories which come with all these every day objects. This idea has been consequently translated into the gift shop where absolutely beautiful things are on sale for everyone. One could almost think that this gift shop is like an extension of the exposition.

But what I really love about the Museum of Things is the comments on the permanent exhibition with changing temporal expositions or “art installations” as they are called by the museum itself. This time, in March 2014, it was “Sherds” by Sonya Schönberger and Christof Zwiener. These installations are presented in a way that is completely opposed to the crowded, warmly lit open depots with their wooden and glass cabinets. The installations offer one object a time; they are directly visible, even touchable. They have been illuminated by especially positioned spot lights, they seem like precious fragments. Their presentation on the beginning and the end of the permanent exposition seems like a commentary. They seem to be treasures, so unlike the everyday things in the rest of the rooms. They tell tales of time and history, they evoke a context: war. And they show their context through rust and fragmentation, through their woundedness. They are the perfect display of the action of time on artefacts.

Generally speaking, permanent and temporal expositions compete against each other. Even the printed flyers seem to present a different museum. While the website and the flyer talk about the context of things, concentrating on their former use, this aspect is being almost completely neglected in the museum itself. The design of the exhibition and the website and flyer, and even the gift shop, seem to be almost diametrically opposed to each other. On the one hand the multitude of things in a crowded environment – on the other hand the organized objects on the web, presented as treasured unique specimens. After we saw this presentation, the expectations were completely different from the reality at the exposition.

ON the whole I think that the Museum of Things offers a new perspective on things (artefacts), aside from the usual rhethorics of expositions. The thing in relation to the crowd of things that surround us, organized by very diverse criteria – that shows how many perspectives on things exist, how we interpret and arrange them. It offers the artefact a standing that is unrelated to its sociocultural context, but is rather  based on the its thing-ness, its essence.

Even understanding form, function and decoration as the expressions of a societal-technological context, this context has been reduced dramatically in the Museum of Things. This exposition is decidedly NOT focused on the society that produced and used a thing. It’s about the thing as itself, and that’s per se a difficult situation to start with. There would be much to say about the almost semiotic relation between a thing and its context – at least from my perspective. But nevertheless, this idea is fascinating because it has so much to do with our every day approach to things: we perceive them as objects, as a thing to use, and not as a museum object.

  • Thanks to (in alphabetical order): Yella Hoepfner, Astrid Lembcke-Thiel, Hanne Leßau, Eva Lusch und Dörte Wiegand!

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Kunst & Archäologie: wechselseitige Inspirationen. / Art & Archaeology: mutual inspirations.

Vor vielen Jahren sah ich einmal eine kurze Reportage über eine Ausstellung in der Schweiz. Ihr Konzept war für mich derart großartig, dass ich sie nie vergessen konnte und mit ihr hier eine Reihe von Posts eröffnen möchte, die sich mit dem Thema Kunst & Archäologie beschäftigen werden.

Kunst & Archäologie gehen ja in vielen Universitäten immer noch zusammen, v.a. im englischsprachigen Raum ist ein “Art & Archaeology Department” an den Universtitäten gang und gäbe. Kunst und Kunstgeschichte gehen natürlich mit der Archäologie, v.a. der Klassischen Archäologie, Hand in Hand, aber das ist hier nicht das Thema. Mir geht es in den Posts dieser Reihe um die Zusammenarbeit und Inspiration von Archäologie und Kunst. Welche Gedankenexperimente Archäologie und archäologische Funde auslösen, die dann wieder zu Kunst werden. Und welche Gedanken diese Kunst wiederum für den Archäologen anstoßen kann. In gewissem Sinne ist auch der Post über Rachel Whiteread´s “House” in dieser Reihe zu sehen. “Kunst” ist für mich die Möglichkeit, durch eine Fokussierung in einem Kunstwerk einen konzentrierten Blick auf Facetten meines Lebens zu erhalten und so mich selbst, mein Leben und meine Kultur in einem neuen Kontext begreifen zu können. Im besten fall so etwas Neues über mich und meine Umgebung zu lernen.

Hier soll es heute jedoch um eine Ausstellung gehen, die Kunst und Archäologie in einer Weise miteinander verband, die hochgradig relevant gewesen sein dürfte für die Selbstwahrnehmung der Besucher und unsere Vorstellungen von Alltäglichkeit, Kunst und Kulturgut hinterfragte. Es handelte sich um eine Ausstellung von Marcel Biefer im Museum Zug im Jahr 2000, die heutiges Alltagsgut und prähistorisches Alltagsgut miteinander verband und damit die unterliegenden Konzepte beider in Frage stellte. 1Hier ein Foto aus der Ausstellung: archäologische Töpfe und heutige (weitere Bilder auf Biefers Homepage http://www.biefer.com/index.php geben einen guten Eindruck von seinem Werk und dieser Ausstellung im Besonderen). Sowohl das Museum Zug als auch die Arbeiten Marcel Biefers zeigen, wie sehr Ethnologie, Kunst, Archäologie und Museum miteinander verschmelzen und sich befruchten können.

Gerade die Ausstellung heutiger, “alltäglicher” Materialität in einer Vitrine bzw. generell im Museumskontext öffnet den Blick für die Konzepte, die wir mit prähistorischer Materialität verbinden. Was macht ein Ding zu einem musealen Ding, zu einem wert geschätzten Ausstellungsstück? Das Buch “Museologie-knapp gefasst” definiert das folgendermaßen: “Die musealen Ojekte werden indes nicht nur als originale Elemente einer Wirklichkeit selegiert. Sie dienen vor allem als Belege für gesellschaftliche Werte. Deshalb stehen sie im Musealkontext nicht als Ikonen oder Dinge an sich, sondern als Schlüssel zur Erkenntnis und Verstehen.”. Was unterscheidet dann die Töpfe aus der Steinzeit von den Konservendosen der Neuzeit? Welche Ideen stülpen wir den alten Objekten über, die wir neuen Objekten (noch?) absprechen? Ist Alter an sich schon ein Wert? Seltenheit?

In Verbindung mit neuzeitlichen Dosen stellt sich doch die Frage: welchen “Wert”, welche Bedeutung hatten die steinzeitlichen Töpfe für die mit ihnen lebenden Menschen? Waren sie nicht auch ein alltägliches Alltagsgut? Etwas das man schätzte, aber eher in Bezug auf seine Funktionalität und Bequemlichkeit, nicht aber im Sinne heutigen musealen oder wissenschaftlichen Wertschätzens? Und was sagt das über unsere Ideen als Archäologen bezüglich Alltagsgütern vergangener Zeiten? Sollten wir uns nicht bewusst sein, dass, wenn diese vergangenen Dinge für uns ein Mittel zum Verständnis vergangener Gesellschaften sind, das Gleiche auf heutige Dinge genauso anwendbar ist?

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Als Exkurs muss man sagen, dass dies zu Fragen führt, die viele Archäologen bei der Feldarbeit und danach beschäftigen: wie definiere ich ein Kulturgut? Was ist ein Artefakt? Was tue ich mit neuzeitlichen Funden? Wie wende ich theoretisches Wissen um die Definition in einer konkreten Situation im Feld an? Wie werde ich auch meinen Möglichkeiten der Sammlung, Dokumentation, Aufbewahrung gerecht, wo setze ich Grenzen?

Gerade in meiner Studienregion, Südamerika, endet die Vorgeschichte in der Vorstellung der Archäologen oft genug einfach mit der Ankunft der Spanier. Die kolonialzeitliche Archäologie ist ein relativ neuer Zweig der lateinamerikanischen Archäologie und viele Archäologen dokumentieren Fundorte mit kolonialzeitlichem Material nur wenig oder gar nicht. In jedem Fall aber ist das Kapitel “Kolonialzeit” in Monographien das Kürzeste. Sicher hängt das mit der historisch gewachsenen Wahrnehmung vorspanischer Gesellschaften zusammen, die sich nur langsam ändert. Und auch in Europa wird die Frage neuzeitlichen “modernen” Kulturgutes in der archäologischen Forschung wohl zunehmend verfolgt und diskutiert.

Nun ist das Ausstellen zeitgenössischer, vermutetermaßen alltäglicher Dinge nichts unbedingt Neues, denn verschiedene Museen nutzen und nutzten die Spannung zwischen dem Konzept “Museum=Kulturgut=Hochkultur” und der Ausstellung alltäglicher Gegenstände, um heutige Wertevorstellungen zu verdeutlichen und gleichzeitig zu hinterfragen. So etwa im new yorker Sheila C. Johnson Design Center: Masterpieces of Everyday New York: Objects as a story.  Oder im berliner Museum der Dinge als: “Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks.” Im Zusammenhang mit archäologischen Objekten jedoch war es mir noch nicht begegnet. Und gerade hier entsteht eine starke Reibung, denn neben inherenten Ideen unserer Zeit zum Thema “Museum und Museumsobjekt” werden ja auch andere Kategorien unseres heutigen Lebens offen gelegt: Vergänglichkeit und Kontinuität zum Beispiel. Oder das Wort “Wegwerfgesellschaft”, das gerade im Zusammenhang mit dem Konservendosen aufkommen kann. Auch Umwelt und Umweltschutz könnten dazu gehören wenn heutige Materialien wie Plastik und Metall im alltäglcihen Gebrauch klar machen, wie sehr wir jetzt auf nicht oder nur sehr langsam abbaubare Materialien zurückgreifen. Und: prähistorische Menschen, die ja als Hersteller und Nutzer hinter den ausgestellten Dingen stehen, können einem plötzlich sehr nahe sein, wenn man sieht dass der Eimer, der in der eigenen Wohnung dient, als Form und Gefäß schon vor 3000 Jahren so im Einsatz war – nur aus einem anderen Material. Das Nebeneinanderstellen beider Gefäße verdeutlicht das geradezu übermäßig.

Aber auch, und das ist nun sicher wieder eine sehr archäologische Sicht: das Thema Typologie. Stellt man unsere Gebrauchsgegenstände, gerade alltägliche wie Töpfe, Eimer etc., neben prähistorische, so wird klar, dass unsere archäologischen Typologiekonzepte tatsächlich Realitäten beschreiben die durch 1000ende von Jahren aktuell bleiben. Die Frage stellt sich jedoch: inwieweit werden sie von uns den Dingen aufgestülpt? Inwieweit passen Theorie und Realität zueinander? Typologie-Entwickler haben sich seit Jahrzehnten hierzu den Kopf zerbrochen und immer kleinere Einheiten erstellt um ein Ding möglichst perfekt zu beschreiben und zuzuordnen. Und doch: inwieweit spielt hier unsere eigene Ideenwelt mit hinein? Und inwieweit sind immer kleinteiligere Typologien anwendbar, wenn Zeit und Geld sehr begrenzt, die Fundquantität jedoch sehr groß ist? Dies wird jedoch Thema eines kommenden Blogposts sein, deshalb verweise ich nur auf ein interessantes Buch zum Thema Typologie.

Heute aber, zum Thema Kunst & Archäologie, möchte ich einfach sagen, dass diese Ausstellung tatsächlich Türen öffnet zu neuen Ideen. Das Museum Zug, das ich nur über seinen Internetauftritt & Facebook kenne, stellt Vermittlung von Geschichte ganz weit nach vorne, bereits im Namen: Museum für Urgeschichte(n). Zusammen mit den Arbeiten von Marcel Biefer eine hoch konzentrierte Vermittlungsmöglichkeit, die Geschichte in unser Leben transportiert und es relevanter denn je macht.

Achtung: alle Photos werden mit Erlaubnis des Künstlers publiziert.

Ausgewählte Literatur: 

Typologien? : W. Adams & E. Adams (2007): Archaeological Typology and Practical Reality: A dialectical Approach. Cambridge University Press

Kritik zur Ausstellung “Masterpieces of everyday New York”: http://www.theatlanticcities.com

Waidacher, Friedrich, 2005: Museologie – knapp gefasst. UTB. 

Targa, Juan Garcia, 2009: Arqueologia Colonial Latinoamericana (BAR Series)

Zur Gegenüberstellung schriftlicher Quellen und archäologischer Daten: A. Alzate Gallego: La Arqueologia colonial como herramienta para contrastar la historia escrita. 

Zu einer interessanten kleinen Einführung zu “Kunst” siehe auch Wikipedia.

Klavs Randsborg, 2003: The making of Early Scandinavian History: material Impressions. In M. Hardt, C. Lübke & D. Schorkowitz (Hrsg.): Inventing the Past in North Central Europe, S. 50-69, Frankfurt /Main: Lang.

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ENGLISH VERSION:

Many years ago, I saw a TV trailer about an exposition in Switzerland. Its concept was so extraordinary that I could never forget it and I want to use it as a starting point for a series of posts about art & archaeology.

Art & Archaeology can be found at  many universities where an “Art & Archaeology Department” is usually exists, at least in English speaking countries. Logically, art and art history are going hand in hand with archaeology in many ways but that’s not the topic here. I would like to focus on the cooperation and mutual inspiration that link art and archaeology in different ways. Archaeology and archaeological finds can be inspiring in many ways to art while this (and other) art works are thought provoking in turn to archaeologists. In a sense, the post about Rachel Whiteread can be seen in this context. “Art” means to me a possibility to focus on certain facets of my life and to be able to see myself, my life and culture in a new context or even to understand something completely new about it.

Today´s post is about an exposition that linked art and archaeology in a highly relevant way regarding the autoperception of the visitor and our ideas on the everyday, art and cultural goods. It’s an exposition that Marcel Biefer featured in the year 2000 at the Museum Zug in Switzerland. Here, everyday contemporary objects like plastic buckets and past objects of everyday life (as ceramic vessels) were presented side by side. This co-presentation resulted in an undermining of concepts we might have harbored towards both of them. A photo from this exhibition shows it – you may have a look at other photos at the website of Marcel Biefer (http://www.biefer.com/index.php) which offer a representative impression of his work and the exhibition in particular. The Museum Zug as well as the works of Marcel Biefer show how archaeology, anthropology, art and museum can be potentially intertwined and linked, creating new, fructiferous ideas.

It was especially the exhibition of everyday materiality in a museological context that opened up the possibility to grasp the underlying unconscious concepts we use to focus on prehistoric materiality. What is it that makes an object a museological object, transforming it to a valued exhibition object? The book “Museologie – knapp gefasst” (“A short introduction to museology”- translation mine) defines it as follows (translation mine): “Museological objects are not being selected as original elements of a reality. They work as proofs of societal values. That is why they are not presented in a museum context as icons but as a key to perception and understanding.” So what makes the difference  between a neolithic vessel and the contemporary can? Which ideas are we imposing on ancient objects, which we are (for now?) denying contemporary, new objects? Is age a value? Rareness?

Connecting ancient objects to contemporary ones raises the question of what value, which meaning did ancient vessels have for the people who made and used them? Were they everyday objects? Something that was valued in relation to its use and functionality, but not in the sense of todays scientific or museological value? And what does this say about our ideas as archaeologists in relation to everyday objects of past times? Shouldn’t we be aware that our perception of past objects as keys to understanding past societies could be applied in the same way to our contemporary materiality?

As an excursus I would like to add that this leads to the question that many archaeologists face before, during and after fieldwork: how can I define a cultural asset? What is an artifact? What is my relation to contemporary finds? How do I use theoretical knowledge of these definitions during fieldwork reality? How can I put these into relation to the (economic and spatial) possibilities of collection, documentation, custody? What are my limitations?

Especially in Southamerica, my study region, prehistory ends at the arrival of the Spaniards in 1536 – at least in the minds of most archaeologists. Colonial archaeology is a relatively new phenomenon in Latinamerican Archaeology and many archaeologists document colonial (16th-17th century) or republican sites (18th century) only to a limited extend or not at all. In any case, the chapter on the “Colonial Era” is always the shortest in any monograph I know. I am sure that this is connected to the historical development of the perception of prehispanic societies which is changing and expanding only gradually – but at least it´s changing. In Europe, too, the question regarding the modern era and its cultural goods is being debated in archaeological investigations.

Getting back to the main theme of this post – the exhibtion of contemporary, presumably everyday objects is nothing new. It has been presented in museums before and was used to highlight and question the tension between the contemporay idea of museum= cultural assets = high culture and the presentation of everyday materiality. This was the case at the Sheila C. Johnson Design Center, New York: Masterpieces of Everyday New York: Objects as a story.   or at the Museum der Dinge (Museum of Things) in Berlin:  “Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks.”. But I hadn´t seen anything like that in an archaeological context before. And its here that, in my opinion, a tension is created that centers on the inherent contemporary ideas concerning Museums and museum objects as well as categories of our contemporary life. These comprise continuity and change, for one thing, or the fugacity of cultural ideas for another. The term “throwaway society“ could pop up looking at the cans and ceramics in the photo. Another one could be environment and environmentalism seeing that materials like plastic and metal have replaced perishable materials like ceramics in our contemporary lifestyle. And: prehistoric people, the makers and users of the past objects, can feel very close to us when you notice that the plastic vessel you may have in your flat has just the same shape as a ceramic vessel you see in the museum. Form and Function did serve people 3000 years ago – and they do it now, too. Presenting both vessels side by side puts a finger on this.

And it leads to another, rather archaeological question: typology. When you present basic commodities of our own time together with past ones it becomes clear that our ideas on typology haven’t changed, but have been roughly the same for some thousand years now. Typology describes past realities as well as contemporary ones. And so you may ask yourself: How do reality and typology interrelate? What about the discussion on form and function? In the end: Do objects impose their typology on us, rather than the other way round?

I´d like to end this post on Art & Archaeology with a praise of this exhibition that opened the doors of perception. The Museum Zug, known to me only from their website, is putting the presentation of history on the top of their list, and show this even in their name: Museum for Prehistory(ies). In combination with the works of Marcel Biefer this was a highly concentrated presentation of past times into our contemporary world and makes it relevant to each of us.

Please note: all photos shown here are published with permission of the artist.

Selected Literature:

Typologies? : W. Adams & E. Adams (2007): Archaeological Typology and Practical Reality: A dialectical Approach. Cambridge University Press

Critics to the exhibition “Masterpieces of everyday New York”: http://www.theatlanticcities.com

Waidacher, Friedrich, 2005: Museologie – knapp gefasst. UTB. 

Targa, Juan Garcia, 2009: Arqueologia Colonial Latinoamericana (BAR Series)

An article about the combination of written colonial sources and archaeological finds:  A. Alzate Gallego: La Arqueologia colonial como herramienta para contrastar la historia escrita. 

An interesting introduction on “Art”:  siehe auch Wikipedia.

Klavs Randsborg, 2003: The making of Early Scandinavian History: material Impressions. In M. Hardt, C. Lübke & D. Schorkowitz (Eds.): Inventing the Past in North Central Europe, S. 50-69, Frankfurt /Main: Lang.