Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

Slawenburg Raddusch sprachederdingeblog


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Freiluftmuseum Slawenburg in Raddusch / Spreewald! – The Slavic Fort of Raddusch in the

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Als das Wetter noch gut war, waren wir mit dem Sohn im Spreewald. Auf der Suche nach Freiluftmuseen hatte dieses mich bestochen: kurze Anfahrt aus Berlin, direkt an einer Bahnstrecke, landschaftlich schön, man kann rundherum wandern und ein Hotel gibts auch. Also perfekte Voraussetzungen für ein verlängertes Wochenende inklusive Rumhängen im Freiluftmuseum. Und über die Slawen weiß ich ebenfalls nicht sehr viel – gerade mal eben dass sie in Brandenburg einwanderten als die Germanen weg waren. Wissensstand: die Pflichtvorlesung Eisenzeit vor 15 Jahren und der Besuch des Brandenburgischen Landesmuseums letztes Jahr. Also, nicht sehr viel.

Die Slawenburg in Raddusch: wiedererbaut nahe einem Kohletagebau, in dessen Umgebung sie ursprünglich lag und wo sie auch ausgegraben wurde. Dann mit Europäischen Fördergeldern wiedererrichtet und zwar so, dass sie einerseits Platz bietet für ein Museum der Archäologie der Lausitz sowie auch für Events, ein Restaurant und einen Museumsshop. Wie das geschafft wurde? Indem man den Innenraum des Ringwalles einfach höhlen-/tunnelartig baut! Die Konstruktion aus Beton & Stahl und den dazugehörigen originalen “Verputzmaterialien” aus Lehm, Holz & Flechtwerk bietet in ihrem Inneren einerseits einen riesigen runden Platz für Events aller Art, der bei unserem Besuch leer war. Im Inneren des Ringwalles dann das Museum, der Museumsshop und das Restaurant. Auf jeden Fall auch ganz großartig ist jedoch das Drumherum der Burg: eine riesige Fläche voller Gras, Wiese, mehreren kleinen Spielplätzen, Picknickmöglichkeiten im Gras und einem Zeit-Wanderpfad. Umgeben von einem sehr hohen Zaun und einem riesigen Tor wirkt es jedoch von außen ebenso burg-artig wie die Burg selbst.

Ich weiß nicht, wieviele Touristen hierhin kommen. Der Parkplatz deutet an: viele. Auch Busse. Die Burg liegt in direkter Nähe der Autobahn und wird auch überall für Autofahrer ausgesschildert. Fußgänger wie wir laufen die letzten 15 Minuten auf einer asphaltierten Zufahrtsstraße – ohne Fußweg, ohne Pfad. Das ist so mittelschön.

Nachdem wir die Tore durchschritten haben, laufen wir über Kiesweg zur Burg. Riesig erhebt sie sich in der Landscahft, wir haben sie schon aus mehreren hundert Metern Entfernung gesehen. Ein riesiges, rundes, erdfarbenes Ding in einer baumlosen Landschaft. Und natürtlich wollen wir zuerst mal ins Museum. Als wir eintreten empfängt uns vor allem Dunkelheit. Das ganze Museum ist ziemlich dunkel gehalten und beginnt mit einem Diorama von Slawen, die eine Burg bauen. Mit Dioramen habe ich eher Probleme, weil ich sie eher als beunruhigend empfinde, aber Kinder mögen sie ja generell ganz gerne. Lieber mochte ich schon das große Profil mit den verschiedenen Schichten, das aber von “nicht archäologischen” Besuchern meist niemanden anspricht, wenn nicht auch Objekte als “Eyecatcher” eingearbeitet sind.

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Dann geht es durch die Zeiten. Von den Jägern & Sammlern und ihren wenigen Hinterlassenschaften hin zu den Germanen, mit einem Ausflug ins Mittelalter. Was sich mir nicht ganz erschließt, ist die Aufteilung der Ausstellung. Sie beginnt mit dem Slawen-Diorama & einer computeranimierten Darstellung der Burgkonstruktion in ihren verschiedenen Phasen. Dann kommt jedoch das Mittelalter? Und erst dann beginnts mit der Altsteinzeit und schreitet zeitlich vorwärts? Dazwischen ein kleiner Ausflug zur Gründung der Fokuszentren brandenburgischer Archäologie “Zentrale Archäologische Orte“? Und noch ein kleiner Ausflug in die Braunkohlenarchäologie und warum und wann hier gegraben wurde? Äh, ja. Das war zwar für mich als Archäologin spannend, aber so mitten in der Ausstellung und unvermittelt habe ich niemanden gesehen, der sich das sonst angeschaut hätte.

=> Ganz generell möchte ich auch zwischenschieben dass zwar das Projekt Zentrale Archäologische Orte spannend klingt, aber auf der Website dazu wird leider überhaupt nicht klar, warum man als Nicht-Archäologe dahin gehen sollte. Die Texte klingen, als hätte sie ein Spezialist für die Lausitzer Kultur verfasst und wieso man das als Tourist besuchen sollte, wird gar nicht angesprochen. Dafür erfahren wir: “Ohne konkreten Hinweis und notwendige Erklärungen findet und erkennt aber kaum ein Laie diese, häufig in der Landschaft verborgenen, archäologischen Fundplätze.” Hm, naja. Die Slawenburg zumindest kann man ja auch als Laie ziemlich gut in der Landschaft erkennen. Und dass die letzte “Aktuelle Veranstaltung” vom Mai 2013 ist, ist auch nicht so toll. Danke fürs Zuhören. <=

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Nun gut. Ansonsten muss ich sagen, dass abgesehen von der leicht verwirrenden Ausstellungskonzeption ich die Darstellung an sich sehr schön fand. Sie war an vielen Stellen interaktiv, enthielt Elemente zum Ausruhen wie etwa Filme mit passenden Sitzgelegenheiten (leider keine Normalität in vielen Museen in denen man Filmchen stehend betrachten darf) und Überraschungsmomente wie etwa die in den Boden eingelassenen Grabkontexte mit Keramiken und Knochen oder kleine Videos in den Vitrinen. Und generell bin ich auch eine Freundin der Ausstellung von Funden in ihrer unübersichtlichen Menge wie etwa bei Keramiken am Ende der Ausstellung oder den ausgestellten Steinfunden, bei denen der Fokus darauf lag, die Entwicklung vom Rohmaterial hin zum fertigen Mikrolith zu zeigen. Die Masse der Dinge regt dazu an, sie mental irgendwie zu ordnen und zwingt einen zum Beschäftigen! Für Menschen, die sich mit dem Thema aber gar nicht auskennen (wovon man ja erst einmal ausgehen muss) ist der Aufbau wirklich verwirrend. Und ob der Sohn verstanden hat, dass hier verschiedene Themen und Zeiten besprochen werden, das möchte ich ganz stark bezweifeln.

 

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Nach dem Besuch des Museums endet man ja (wie meistens) im Museumsshop. In dfiesem Fall ein wirklich schöner, gut ausgestatteter Shop mit nem Haufen Kinder-Spielzeug genauso wie wissenschaftliche Publikationen, Steinzeit-Kochbüchern und Schmuck. Postkarten, Magneten und speziell für Raddusch hergestellte “Überraschungstüten” mit slawenzeitlichem Spielzeug zum Selberbauen. Wunderschön!

Was mich jedoch an der Burg immer wieder in Nachdenken stürzte war, dass die mediale Präsentation (Hinweistafeln an den Straßen, am Bahnhof, Internetauftritt, Karten, Magnete, etc.) sehr professionell gestaltet ist. Es ist sehr touristisch, teaser-artig. Ebenso wie die Burg selbst. Auf den Hinweistafeln erfährt man immer wieder, wer hier alles gefördert hat: die EU; das Landesdenkmalamt, etc. Immer wieder ist von Projekte, Weiterntwicklungen, Förderungen die Rede. Ganz viele große, großartige Worte. Dann aber fallen Dinge ins Auge wie die sehr leere Außenfläche – und man erfährt auf den Tafeln, dass hier ein Slawendorf wiedererstehen sollte, denn natürlich stand die Burg nicht so im luftleeren Raum. Da scheint aber seit Jahren nichts mehr gesehen zu sein! Oder die Zentralen Archäolgoischen Orte. Medial im Netz groß und schön aufgezogen – aber man sieht dann nichts davon. Das lässt eine Diskrepanz zwischen Vermittlung und Realität erwachsen. Ist hier die Förderung abgebrochen? Sind Dinge auf dem Weg (wie etwa hier bei transform )? Es wirkt so, als solle hier etwas werden – aber es wird gerade nichts. Als wäre man irgendwo auf der Mitte steckengeblieben. Ein schönes Beispiel für die Diskrepanz zwischen Wort & Realität ist etwa der (übrigens sehr hübsche!) Spielplatz auf dem Außengelände der Burg. Zitat der Homepage: “Ein großer Spielplatz greift das Thema „Burgenbau“ auf – ein monumentaler Stier, das Wappentier der Niederlausitz, zieht einen Eichenstamm zur Burg. Wagen verlieren ihre Räder, welche als originelle Spielelemente weiter genutzt werden.” Der Spielplatz ist eigentlich eher klein, und dass er thematisch zur Burg passt, geht völlig verloren da nirgendwo vor Ort darüber informiert wird. Aber im Netz klingts erstmal großartig!

Diese Diskrepanz ist typisch für den Auftritt der Burg & der hier angekündigten Porjekte und der Realität vor Ort (wobei der Besuch wirklich schön war! Nur wurde medial irgendwie viel mehr Erwartung geweckt als dann gestillt werden konnte). Vielleicht bin ich auch zu sehr Wissenschaftlerin und habe einen Blick für die Projektentwürfe mit vielen vielen Teasern und Vesprechungen und dann auf die reelle Einlösung des Ganzen, das ja oft an der Realität der Forschungssituation vor Ort scheitert. Oder an der Finanzierung. Oder einfach an der Zeit.

ENGLISH VERSION

When the weather was still fine, we went tot he Spreewald with our 7-year-old. Looking for open-air-museums had got me to the Slavic fort of Raddusch, about an hour in train from Berlin. And I don’t know anything about the archaeological Slavs, well, if we don’t count my introductory course in German Prehistory about 15 years ago. I knew that they went into Brandenburg County when the Germanic tribes moved out during the Migration period, but that was that. So my knowledge was limited.

The Slavic Fort at Raddusch has been re-erected near an abandoned surface mining where it was originally located and excavated in the 1990ies. It has been re-erected with money from the European Union and offers space for a museum of the Archaeology of Lusatia as well as for events, a restaurant and a gift shop. How did they do this? Just be tunneling the circular earthwork that is the exterior of the fort. And the tunnel provides space for every one of these diverse uses. The hill fort is done in Steel and clad in clay and brushes, giving it an appearance that may be near to the original fort. Inside the ring wall there´s an immense open space, used in the original fort as a place for storage in times of need and war, together with a well for access to drinking water. And the surroundings of the fort offer wide grassy spaces with opportunities to rest, have a pick nick, playgrounds and more information on the place and its development in prehistoric times. All of this is surrounded by a massive fence and a gate, giving the whole area a rather fort-like appearance.

I don’t know how many tourists get there in an average day. The parking lot suggests that there may be many of them. The fort is very near to a highway and there are signs everywhere announcing the Slavic Fort. As we got there on foot, we had to walk the last 15 minutes on an asphalted access road without any implements for a pedestrian which was rather unattractive.

Once past the enormous gate, we walk on a sandy path up to the fort. It´s enormous and has been visible for the last 20 minutes of our walk outside. It loomed in the distance – a gigantic, earth-colored circular building in a tree-less landscape. Once we got there, we wanted to have a look at the museum first and got inside. It´s dark. The whole of the museum is rather dark – that’s because it´s inside the earthwork and because the exhibition works with this darkness. Right at the beginning, there´s a diorama of Slavic people constructing the fort and a big excavation profile with various meters of length, showing the findings at the dig. But that’s something that only seems to appeal to me but to nobody else. It´s not an eye-catcher for anybody without an archaeological background.

After we passed the profile, we dive into the times. From hunters & gatherers up to the Germanic tribes, with a little sidekick in the Middle Ages. What I didn’t understand was the disposition of the exhibition. It begins with a Slavic diorama, and then you get something on the Middle Ages and than back to the Paleolithic. Right in the middle, there´s an excursion on the foundation for “centers of Brandenburg archaeology” (“Central Places”). Than there´s an excursion in the archaeology of open mining with information on when why and where there were digs in this region. Okay….that MAY be of interest to me as an archaeologist, but in this exposition and without connection to the surrounding objects, I didn’t see anybody else having a look at it.

Besides, I would like to mention that the project on “Central Archaeological Places” sounds quite interesting. But the website doesn’t mention why I should visit them if I’m not an archaeologist with a more or less instilled interest for archaeological sites. The texts are like something a specialist in his/her study would write for a scientific public and why should visit it as a tourist doesn’t even get mentioned. On the other hand, the side tells us: “Without any concrete clues and necessary explanations a layman will certainly not be able to trace these hidden archaeological sites in the landscape” (translation mine). Well, ok, at least for the Slavic fort that’s not true, looming like a giant in space. And its also not very inspiring that the last event regarding these “Central Archaeological Places” was at May 2013. But that’s another topic.

Let´s get back to the Fort. Aside from the eclectic disposition of the objects, I liked the museum because it provided diverse forms of presentation of the items: there where places to rest and watch a film, there were objects immersed in the ground that can be seen through glass – spectacular especially for grave contexts complete with ceramics and bones. And there were little videos in the showcases, showing how objects looked in their original contexts or how they were worn or used. And I generally like the exposition of a lot of artifacts in one sole showcase, be it stone implements or pots. Especially the lithics were making you think a lot because they were ordered from raw materials up to complete microliths and other instruments. But for people not accustomed to these presentations and ways of thinking, the exposition seems rather difficult. And I doubt very much that our son understood something about this presentation at all.

After our visit tot he museum we went tot he gift shop. That was a really nice experience with a lot of lovingly selected gadgets, books, scientific publications and jewelry. My favorite were the paper bags with DIY-toys from the Slavic age!

But what made me think a lot was the media presentation of the fort. There were road signs, gigantic photos at the train station, a homepage, cards and so on, which had been designed extremely professional. Its very touristic, like a teaser. And the same applies to the fort itself. You get constant information on who and when the project oft he hill fort had been funded: by the European Union, the German state, you are constantly reminded that there will be ramifications of the current fort into a bigger, more expanded version of it. But when you have a closer look you notice that the empty space around the fort is thought to have a reconstruction of the Slavic village that once surrounded it – and nothing has been done on it. The Central Archaeological Places are being presented spectacularly at the WWW – but there´s nothing real about it. There´s a difference between presentation and reality. Is there no funding anymore? Were there other problems? Are things under way (like on this page at transform)? It seems that there are things to come – but they weren’t realized yet. Like if something got stucked in the middle of nowhere.

There have been expectations created by the media before visiting – and they couldn’t be entirely satisfied with the actual visit. Maybe I think too much as a scientific here, and have developed a sensibility for projects that are being grandly announced but not entirely realized. Maybe that’s due to financiation. Or to the current political situation. I don’t know, but it left me with a rather strange feeling about the Slavic Fort of Raddusch.

 

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Mein erstes Freilichtmuseum: Das Slawendorf in Brandenburg / Havel

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An einem sonnigen Herbstwochenende beschlossen wir, die eine Stunde von Berlin nach Brandenburg / Havel zu fahren um uns dort das Archäologische Landesmuseum und das Freilichtmuseum Slawendorf anzuschauen. Heute Teil 1: das Slawendorf.

Eigentlich stand das Slawendorf nur zufällig auf dem Plan, denn in Brandenburg nur so zwei Tage rumzuschlendern war uns doch etwas zu wenig. Was gibt es also noch? Gleich auf der Seite brandenburg.de wird das Slawendorf bei den Museen genannt. Ein Freilichtmuseum? Warum nicht! Das ist sicher auch etwas für Kinder, denn unser Fünfjähriger war auch dabei.

Am sonnigen Nachmittag liefen wir also los: das Slawendorf soll mitten in der Stadt auf einer Freifläche an der Havel liegen. Unser GPS leistete gute Dienste, denn gross ausgeschildert war es nicht. Gerade als es hiess: “In fünf Minuten sind Sie da!”, entdeckte ich ein Schild das nach links zeigte und angab: “Slawendorf 3 Minuten“. Wir liefen und liefen – vom Slawendorf sahen wir nur eine Palisade und Eingänge an denen stand: Hier kein Besuchereingang. Und wir waren nicht die Einzigen denen es so ging, denn am Ende fanden wir uns zu zehnt hilflos an einer Stelle der Palisade und niemand hatte einen Eingang entdecken können. Da Einlass aber nur von 13 bis 17 Uhr ist, und dann nur zur vollen Stunde, wurde es langsam etwas eng. Ein letzter Versuch brachte uns dann über einen riesigen Parkplatz an der Euthanasie-Gedenkstätte (die wir mit dem Kind ausgelassen haben) vorbei zum Slawendorf.

Drinnen empfing uns zunächst eine Art Mitelalteratmosphäre, mit Schenkwirt, Karren und Ähnlichem. Und eine freundliche Dame, die nach Sichtung unserer Gruppe bat, eine Kinderführung draus machen zu dürfen, denn es waren mehr Kinder als Erwachsene. Kein Problem, aber gerne! Zwar hatte ich heimlich ein bisschen gehofft, dass wir da alleine durchlaufen und alles erforschen könnten, aber warum nicht auch mal eine Führung ausprobieren! Und wie sich herausstellte, war die Führung eine sehr gute Idee.

Hinter dem Palisadenzaun erstreckte sich eine völlig andere Welt. Grubenhäuser und Häuser aus verschiedenen slawischen Siedlungsperioden, ein Rundling (slawisches Runddorf) und ein Gassendorf sowie eine slawische Handwerkersiedlung. Alle Häuser liebevoll nachgebaut und für – uns als Archäologen immens spannend – man hatte zum Beispiel auch wunderbar didaktisch etwas verschiedene Phasen der Verputzung einer Flechtzaunwand sichtbar gelassen. Verschiedene Häuser besassen verschiedene Böden, aus Bohlen, aus gestampftem Lehm. Sehr angenehm fand ich auch die Bepflanzung mit hauptsächlich archäologisch nachgewiesenen Pflanzen und Bäumen.

Jedes Haus war einem bestimmten Handwerk “gewidmet“, dem Bauern, dem Töpfer, dem Schmied etc. So erfuhren wir in jedem Haus etwas Anderes, wurden aber auch immer wieder auf die zeitlichen Besonderheiten der einzelnen Gebäude hingewiesen. Auch ein abgebranntes, überwuchertes Haus war zu sehen, es diente als Anschauungsmaterial für die Regeln der Slawengötter – und als Forschungsobjekt der Experimentellen Archäologie in Bezug auf die Überwucherung und den Zerfall eines slawischen Holzhauses unter freiem Himmel. Über das Thema Experimentelle Archäologie hätte ich gerne noch etwas mehr erfahren, aber – Kinderführung eben, da war nicht so viel Zeit für abstrakte Fragen. An einzelnen Tagen gibt es auch direkt die Bewohner der Häuser bei ihren Verrichtungen zu sehen, sicherlich auch sehr spannend. Als wir da waren, war aber gerade das gesamte Dorf leer. Verständlich, da sich das Museum hauptsächlich über Ehrenamtliche Helfer hält.

Die Führung war für Kinder und Erwachsene informativ und liebevoll gestaltet, die Möglichkeit fast alles anzufassen und zu beklettern war natürlich von grossem Vorteil für die Kinder, aber auch für uns. Spinnwirtel, Gefässe, Schwerter, Felle, alles war zu befühlen und so viel direkter erklärbar. Eine ganze Stunde wurde wir durch das Dorf geführt, das sich mir sicherlich auch nicht ohne Erklärungen so erschlossen hätte. Archäologe hin oder her, die deutsche Vorgeschichte ist nicht mein Gebiet und mein weniges Wissen hätte hier nicht weit gereicht.

Laut Google gibt es in Brandeburg und Mecklenburg-Vorpommern verschiedene Slawendörfer, eines ist sogar mit einem großen archäologischen Museum versehen. Viele führen das Wort “archäologisch” im Titel. Das in Brandenburg eher nicht, es entstand wohl (laut seiner Website) als Projekt der Arbeitsbeschaffung und scheint bis heute vor allem ehrenamtlich versorgt zu werden. Daher tragen auch verschiedene Angebote des Slawendorfes den Titel “Zeitreise Brandenburg” in der Überschrift. Verschiedenste “Erlebnis Geschichte”-Angebote rund um Brandenburg / Havel bringen den Besuchern Vergangenes näher – wenn auch auf eine, sagen wir mal, etwas vereinfachte Art vielleicht. Die Führung im Slawendorf war erfreulicherweise kaum vereinfacht, sondern schlicht nur kindgerecht.

Ein Fokus des Dorfes liegt darauf, auch touristische Aktivitäten anzubieten, vom Slawenmarkt bis zur nächtlichen Lichterführung, vom Familienfest auf dem zu mietenden Slawenboot bis zur Auszeit vom Alltags-Stress im nachgebauten Slawenhaus. Viele Möglichkeiten für das Dorf zusätzlich Geld zu verdienen und wirklich schöne Ideen! Ein Besuchermagnet scheint das Dorf jedoch (leider) nicht zu sein – wir waren 10, die nächste Gruppe 6 Personen. Da es aber mein erstes Freiluftmuseum war, weiß ich nicht wieviel Besucher sich sonst so auf einem Freiluftmuseum “herumtreiben”. Ich fand es jedenfalls wunderbar, auch und gerade durch die Abgeschiedenheit und relative Leere. Es gab einem die Möglichkeit, sich so ein wenig in ein slawisches Dorf hineinzuversetzen. Auch unser Sohn war begeistert, es war auf jeden Fall eine tolle Sache für ihn und er hat noch viel davon erzählt. Zwar ist er durch uns Archäologeneltern auch vorbereitet, aber auch für ihn gibt es natürlich spannende und weniger spannende archäologische Dinge. Das Freilichtmuseum war zusammen mit der liebevollen Kinderführung auf jeden Fall ein Highlight!

http://en.wikipedia.org/wiki/Rundling

ENGLISH VERSION

On a sunny autumn weekend we decided to drive to Brandenburg/Havel, a little city located about one hour from Berlin. Brandenburg offers the Regional Archaeological Museum of Brandenburg and an open air museum named “Slavic village”. Today we start with part I: the Slavic village.

The Slavic village had appeared on our list only by chance, because I wasn´t too sure how to spend two days in a little city like Brandenburg. Just sightseeing? That’s not enough, so what more does the internet offer us when visiting Brandenburg? Right on the main site of Brandenburg.de the Slavic village is introduced as a museum. An open air museum? I´ve never been to one, so why not! And surely this is also something children would like, so our five-year-old would have something out of this trip, too.

On a sunny afternoon we walked to the slavic village which is supposedly right at the center, too, to be found directly at the river Havel which flows through Brandenburg. Our GPS was doing us a good service but when we were only 5 minutes away, I saw a sign that read: “Slavic village: 3 minutes”. So we turned that way and kept on walking – without ever seeing the village. At some point we reached a palisade and entrances that read: NOT FOR PUBLIC USE”. So we went on and on and we were not the only ones searching for the entrance to the village. There were about 10 people gathered on a parking lot outside the village, looking for a way to get in. The fact that the village only opens from 1 to 5 pm and only accepts visitors in groups on the full hour didn’t help much, we had only 5 minutes left to get there. Giving it a last try, we found the entrance behind still another gigantic parking lot right beside the memorial to the euthanasia victims during Hitler´s reign (a memorial which we decided to skip because of our child).

Entering the site we were received by an slightly medieval atmosphere, complete with an innkeeper, cart and the like. And a really nice lady which greeted us and, after reviewing our group, asked us if we would mind if she made it a children´s tour as there were much more children than adults in our group. Well, that’s perfect with us! To be honest, I had hoped for a little more solitude, even a visit without a guide to have a look at everything, but why not doing a tour as well. And it turned out to be a wonderfully organized tour!

Passing the gate in the palisade, we entered a completely different world. Pit houses (semi subterranean houses) and houses from different periods of the Slavic population of Brandenburg were to be seen, all erected according to finds from different Slavic sites all over Brandenburg. They were located in the form of a Rundling (circular village) and a Slavic craftsmen settlement. All the houses had been rebuilt with much love for the details and were fascinating to us as archaeologists, as well as to the other visitors without any archaeological background. At some points, f.e., the walls had been left partly exposed so we could see the different stages of finishing a wattle and daub wall, or you could see different types of floors in the houses, made from stone, wood or mud. Very interesting was that the plants and trees at the site were mainly those which are also reportedly known to have grown in Brandenburg of the time of the slavs.

Every house had been dedicated to a different craft, so there was a house of the farmer, of the ceramist, of the blacksmith, etc. In every house we were told different details about everyday life, but at the same time we were told about the chronological differences of the different houses and how they related to the different periods of Slavic occupation in Brandenburg. There was also a burned down house which had been left for the experimental archaeologists to rot and to document the rotting process. Moreover, it served as a lesson about the rules of the Slavic gods. I would have liked to leran more about the experimental arcaheology section of the open air museum, but well – you have to pay your time to a children’s tour and there was not much time left for other (more adult) questions. On certain days the houses are populated by the craftsmen they represent and you may see them “in action”, baking bread, making pots, etc. When we were there, there was nobody around except us and the guide, but I thinkg that’s understandable in an open air museum that works mainly on a voluntarily basis.

The tour itself had been presented in an informative and loving way for children and adults, and included the possibility to enter the houses, climb them, to touch almost everything and experiment many facets oft he village in a very direct way. Swords, pots and the like – it could be touched and felt and was integrated into the tour as a moment of experimenting these almost forgotten sensations like the feeling of burned clay or a straw mattress. The tour lasted one hour and it was good to have been part of it. Many details would not have become clear to me, despite my archaeological background. If you´re not an expert on slvaic archaeology, you won´t grasp the chronological differences between one house and another.

According to Google, there are quite a lot of these slavic villages in Brandenburg and also the neighbor state of Mecklenburg-Vorpommern in the North. One of them even features a big archaeological museum associated with it. And many present the word “archaeological” in their title. The one in Brandenburg does not, it originated according to its website as a form of creating work in Brandenburg and seems to be maintained mainly be voluntary work. Many of the activities offered at the village are bound to a site named “Zeitreise Brandenburg” (time travel Brandenburg) and include a lot of activities presenting the (pre)history of Brandenburg in a, lets say, slightly simplified way.

One focus of the village lies on touristical activities like a Slavic market, a night-time tour, family feasts on the Slavic boats on the river Havel or even a break from everyday stress having a vacation in a Slavic house. Many possibilities to make some money – although judging form our experience there don´t seem to be too many visitors at the village. Well, it was my first open air museum, so maybe a group of 6-10 people is a rather good average but I am lacking comparisons with other museums. We really liked it, especially for the fascinating atmosphere and quiet it dissipated. A wonderful occasion to dive into a past moment. Our son was truly fascinated and talked about it a lot. Although he is already prepared by us for the fascination of archaeology, this was clearly a highlight for him as well, especially with the children´s tour!