Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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MOOC & Archäologie? Ja! aber…. / MOOC´s and Archaeology? Yes! but….

Vor einiger Zeit begann ich auf Coursera einen Kurs zum Thema Universal Heritage. Da lagen schon mehrere gute Kurse zum Thema Vorgeschichte, Museum etc. hinter mir: Natürlich Archaeologys Dirty Little Secrets der unglaublichen Sue Alcock der Brown University und die MOMA-Moocs “Art & Inquiry. Museum Teaching Strategies for your Classroom” , zum Beispiel.

Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage” wurde von der Sapienza Universität Rom angeboten und versprach eine Einführung zum Thema Heritage und Archäologie in der heutigen Zeit sowie das Erlernen digitaler Techniken in Forschung und Bewahrung archäologischer Funde. Das klang mehr als verlockend, denn geht es nicht darum, uns als Wissenschaft neu zu positionieren, eine Stellungnahme anzubieten zum Thema Geschichte, Vorgeschichte, Relevanz? Und das alles in einem MOOC! Großartig. Ich war dabei. Und dachte an Themen wie Indigene Archäologien, Heritage für alle, das Zugangs- und Bestimmungsrecht über Geschichte und die Debatten darüber, was Heritage sein sollte und wo die Grenzen liegen – sei es in Deutschland wie im Fall der dresdner Brücke oder vielleicht in Lateinamerika wo Heritage auch eine Frage von Abstammung und Recht ist.

Leider stellte sich bereits sehr schnell heraus, dass es hier nicht um die brennenden Eisen der Geschichtswissenschaften gehen würde. Ein älterer Professor brachte statisch sitzend und besonders langsam sprechend sowie unterlegt mit powerpointartigen Photos echte Gemeinplätze zum Thema Heritage vor. Schon die Einführungswoche mit dem Thema Was ist Archäologie, wo kommt sie her etc. zeigte, dass ich meine wenige Zeit eventuell doch anders verbringen sollte als mit diesem Seminar. Denn in diesem Kurs kamen gleich am Anfang Aussagen wie diese: “Archäologische Objekte können nie eine Aussage an sich sein”. Ach, tatsächlich? Objekte sind also stumme Zeugen, denen nur der Archäologe etwas entlocken kann? Ich glaube, ich habe die letzten Jahre einfach die falschen Bücher zum Thema Materialität gelesen. Dass Objekte und Materialität ein ganz eigenes, mit dem unseren verwobenes “Leben” haben – ich dachte, DAS wäre mittlerweile ein Gemeinplatz. Ist es aber wohl nicht. Deshalb möchte ich hier noch einmal Leseempfehlungen aussprechen:

Hahn, H.-P., 2014: Materielle Kultur. Eine Einführung. Reimer Verlag.

Hodder, I., 2012: Entangled. (Habe hier drüber geschrieben.)

Hodder, I. (Hrsg), 2011: The Meanings of Things.Material culture and symbolic expression. Revised edition. Routledge.

Oder, wenn es ganz schnell gehen soll, gerne auch nur die wenigen Seiten in der letzten Auflage von Eggerts “Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden.”, 2012, Seite 305 – 318.

Wer Materielle Kultur als schweigendes Zeugnis ansieht, bei dem kann auch Heritage und all die komplexen Fragen hierbei nicht wirklich schwierig vorkommen. Logisch, oder? Da restauriert man und gibt es zurück an die Menschheit. Fertig ist die Laube! (Entschuldigung, ich verkürze und pointiere natürlich.)

Ganz ähnlich, aber auch ganz anders erging es mir mit dem MOOC zu Paläoanthropologie, der schick gemacht und sehr spannend war. Reisen nach Südafrika, in Labore, viele Interviews mit Forschern zum Thema und besonders wichtig, wie ich fand: WARUM machen diese Menschen, diese Forscher, das? Warum haben sie sich dafür entschieden, wie sind sie dazu gekommen und warum sind sie dabei geblieben? Brennende Fragen, denn sie rühren ja an das Grundthema von Wissenschaft: Warum mache ich das? Warum nehme ich viel Arbeit, und ja, auch Entbehrungen auf mich? Es war sehr spannend, Intervierws dazu zu hören. Mit Wissenschaftlern, mit Studierenden.

Wie sich in den Interviews herausstellte, war der Abenteuerfaktor ein großes Thema. Dass es so toll wäre, rund um die Welt zu reisen und spannende Dinge zu tun. Und ich bin mir ganz sicher, dass das für uns alle ein großer Faktor ist. Aber es gibt auch andere Gründe. Gründe, die unsere Forschung für viele Menschen zu einem Thema machen (können). Gerade bei der Erforschung der ersten Menschen steckt soviel drin! Hier kam es leider sehr wenig zur Sprache, bzw. es wurde wenig nachgefragt und hinterfragt. Ebenso wie das möglicherweise kontroverse Thema „Nordamerikanische Forschung in einem afrikanischen Land“. Interviewt wurden nämlich fast ausschließlich weiße, nordamerikanische Forscher. Die dann in Südafrika eine Forschung durchführen. Also, selbst als Laie würde ich sagen, da steckt einiges an Konfliktpotential drin, selbst wenn man mal Themen wie Kreationismus und Bibelgläubigkeit oder Koranfestigkeit außer acht lässt, die sicher auch kontroverse Debatten zum Thema „Hominiden“ bieten.

Ich war doch erstaunt war, dass diese Themen komplett ausgespart wurden. Das war allerdings auch schon bei ADLS aufgefallen und ich frage mich: lassen die Universitäten hier Themen aus? Gibt es Themen, die ausgespart werden, weil sie zu kontrovers sind? Oder ist es eine Art Selbstzensur der beteiligten Wissenschaftler? Wer als Forscher*in in Ägypten, Jordanien, der Karibik zu tun hat, dem glaube ich nicht, dass da keine Erfahrungen sind. Und Meinungen. Diskurse.

Und darum finde ich mittlerweile: MOOCs und Archäologie – unbedingt. Bitte! Viel davon, in verschiedensten Facetten! Aber bitte, nicht die schwierigen, kontroversen Fragen aussparen. Finanzierungen, Streits um Deutungshoheit, all das sollte auch mal vorkommen dürfen. Hier möchte ich ganz deutlich sagen, dass ich es immer wieder und immer noch sehr wichtig finde, dass wir auch diese Themen, die sich ja aus unserer Geschichte und Forschungsgeschichte ergeben, auch angehen. Dass wir sie erwähnen und die momentan dazu im Raum stehenden kontroversen Ideen erklären und weiterführen. Das ist unangenehm und es kann sehr sehr anstrengend sein – gerade wenn die Gegenseite, Laien, indigene Gruppen, werauchimmer, darauf auch kontrovers antworten und tatsächlich eine MEINUNG zu unserer Forschung haben. Aber genau darum geht es: um Kommunikation. Und das ist keine Einbahnstraße.

MOOCs zum Thema Archäologie und angrenzenden Gebieten in den letzten 12-15 Monaten:

Sapienza University of Rome on Coursera: Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage

University of Buckingham on Iversity: Stonehenge.

ZEIT-Akademie: Archäologie

University of Wisconsin on Coursera: Human Evolution: Past and Future.

Brown University on Coursera: Archaeology´s Dirty Little Secrets

 ENGLISH VERSION

Some time ago, I started a course on the topic of Universal Heritage at Coursera. This was at a point when  I had already passed through several good MOOCs on the topic of prehistory, museums and archaeology.: of course Archaeologys Dirty Little Secrets of the incredible Sue Alcock of Brown University, and the MOMA-Moocs “Art & Inquiry. Museum Teaching Strategien for your classroom”.

This specific MOOC, “Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage”, was presented by the Sapienza University of Rome and promsied to be an introduction on the topic of Heritage and Archaeology in modern times as well as tools for learning digital techniques in the investigation and preservation of archaeological finds. That sounded very promising. All these topics together in one MOOC: Heritage, preservation, techniques, prehistory. What came to my mind was: Indigenous Archaeology, Heritage for everybody, the access and interpretation of Prehistory and the debates about what heritage exactly is and what it could or should be. And what its limits are – be it in Germany in the case of the bridge in Dresden or maybe in Latinamerica where Heritage includes questions of descendance and birthright.

Unfortunately, I never made it to the “technical” section of the MOOC because the first sessions started with an introduction held by an elderly professor who stated, slowly speaking and with a background of powerpoint-y photos such common place enunciations about arcaheology and heritage that I decided to leave it right there. Because of phrases like: “Archaeological objects can never be a statement in themselves”. Oh, really? Objects are silent witnesses, then, and only an archaeologist might get something out of them? It seems that I´ve read the wrong books on materiality lately. That objects and materiality lead their own life, intertwined with ours, I thought that would be common place. Seems, it is not. And who sees material culture as silent witness, perceives heritage and all the complex issues associated with it as one simple thing: restaure it (HOW? WHY?), give it back (To WHOM?) – and that´s it! (I am sorry, I really DO abbreviate here.).

Similarly, although in a different way, was the experience with the MOOC on Paleoanthropology, offered by the University of Wisconsin, that was very well made and included a wide range of fascinating topics. Travelling to South Africa, visits to excavations, interviews with actual paleoanthropologists! Information on the evolution of humans! Laboratory time! And, what impressed me most was: the MOOC put an emphasis on personal experiences. Why do all these people work as paleoanthropologists? What lead them to choose this career? Why did they go on? Arduent questions because they touch the bases of scientific research: Why do I do this? Why do I spend so much time and energy on it? It was absolutely fascinating to go through these interviews with scientists and students. In the end, it turned out that the “adventure factor” was a major topic for all of them. That it´s so great to travel round the wourld and do exciting, adventurous things. And I am sure that this is a major thing for all of us. But there area other reasons as well. Reasons that (can) make our investigation a relevant topic to many other people. And the evolution of humanity is such a fascinating topic! But I would have been happy to see other subjects covered as well.

In all these interviews, as in all other MOOCs as well, controversial topics were ignored. This focus on rather “pleasant” topics in a MOOC has been present in every single one of them. Controversial subjects are being left out completely. Is this part of the official idea of doing a MOOC? Are the universities involved or is it the scientists themselves that exclude these topics in order to create a more “harmonious” MOOC? I assume that investigators working in countries like Egypt, Jordan, South Africa or the Caribbean have some opinions on controversial archaeological subjects in their study regions?! There have to be experiences, opinions, discourses? And that is why I came to think about MOOCs and Archaeology as a complicated subject.

Archaeology & MOOCs – great! But please, don´t exclude controversial topics. Let´s be more open about the subjects that concern scientists and other people alike. Let´s face difficult questions on participation as well, not only the nicer, more adventurous subjects. Problems of financiation, the power and access to interpretation – all these should have their own space in the MOOCs as well, among others. These topics, that accompany Archaeology for as long as it exists should have a right to appear and to be discussed in MOOCs. Especially there, because of their open and interactive online nature! Why don´t discuss the controversial ideas as well as the “harmonious” ones? Yes, this can be more unpleasant and time consuming than just talking about our latest adventure in the jungle, but it may be more fructiferous, as well. Many people have opinions on archaeology. And we can learn how to listen to them and interact. Because this is the point: communication! This is not a One-Way Road.

MOOCs on Archaeology and similar topics in the last 12-15 months, partially covered in this blog:

Sapienza University of Rome on Coursera: Recovering the Humankind´s Past and Saving the Universal Heritage

University of Buckingham on Iversity: Stonehenge.

ZEIT-Akademie: Archäologie

University of Wisconsin on Coursera: Human Evolution: Past and Future.

Brown University on Coursera: Archaeology´s Dirty Little Secrets

 

 

 


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“Alltag Einheit” im Deutschen Historischen Museum Berlin / “Unification” at the German Historical Museum Berlin

Direkt nach der Eröffnung war ich da: “Alltag Einheit”, die neue Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin. Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, dass mich Ausstellungen dieses Themas fast magisch anziehen (etwa hier zur “Bösen DDR”, hier zum “Alltag DDR” oder hier zum “Museum im Getränkemarkt”!): ich bin einfach gespannt, wie ein Teil meiner Geschichte ins Museum kommt. Und ich versuche wirklich, objektiv in der Beschreibung zu bleiben – aber es funktioniert nicht immer. “Alltag Einheit” – ist das der Gegenpart zu Alltag DDR” in der Kulturbrauerei? Die Ausstellungsdesign lässt es fast vermuten, eine konkrete Korrelation oder Information hierzu fand ich aber nicht.

Zuallererst: In der Sonderaustellung darf man keine Fotos machen. So was mag ich ja gar nicht. Warum soll ich im Museum keine Fotos machen? Ist das Ausstellungsdesign urheberrechtlich geschützt? Nein, wie das DHM mir über Twitter antwortet (@DHMBerlin), sind die Leihgaben der Grund hierfür. Diese dürfen auch Rechtsgründen (?) nicht fotografiert werden. Gerade bei dieser Ausstellung besonders schade, denn sie war dermaßen auf Mitmachen und Selbst Erleben gepolt, dass Fotos machen und mit den Objekten und Installationen interagieren nur logisch gewesen wäre. Sogar eine Fotochallenge gibt es, bei der man Fotos von der “eigenen” Einheits-Erfahrung auf Twitter mit nem speziellen Hashtag posten kann (#meineeinheit mit @DHMBerlin).

Nun aber zur Ausstellung selbst! Generell: hier wird es wirr. Nämlich sowohl in der Ausstellung, in der ich keinen klaren Rundgang fand,  sondern viele, miteinander verbundene und dann wieder abgegrenzte Areale zu verschiedenen Themenbereichen, was zum Konzept gehörte. Aber auch in der Werbung für diese Ausstellung. Diese hat nämlich folgendes, erklärtes Ziel laut der Homepage des DHM: sie “thematisiert den Alltag der Vereinigung und die Erfahrungen der Menschen sowie den in seiner Dimension historisch einmaligen Wandel des gesamten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gefüges der Gesellschaft in der früheren DDR ebenso wie die damit einhergehende Veränderung der alten Bundesrepublik.”. Großes Thema und: die Ausstellung will also Ost und West einbeziehen. Deshalb ja auch “Alltag Einheit“. De fakto ist es aber so, dass sie zwar sehr viele Aspekte und unterschiedliche Sichtweisen der Einheit abdeckt (und dies wird durch den Ausstellungsaufbau absolut fantastisch/plastisch umgesetzt) – diese aber eigentlich ausschließlich aus Sicht der Ostdeutschen. Ich konnte jetzt nicht wirklich Bereiche finden, in denen die westdeutschen Erfahrungen tatsächlich dargestellt worden wären – außer in den Informationstafeln, auf denen häufig auch über westdeutsche Erfahrungen mit der Einheit zu lesen war. In den Objekten und Installationen fand ich aber eigentlich – fast nichts. Ich fragte mich, ob die Einheitserfahrung für Westdeutsche wohl weniger einschneidend war? Und deshalb weniger ausstellbar?

Dafür durfte ich ganz viele Dinge selber machen. Zum Beispiel mein persönliches “Einheits”-Wort aufschreiben oder aufsprechen. Ich durfte in kopierten Akten blättern und mir Filme angucken. Ich durfte interaktiv Informationen zu besetzten Häusern im Berlin der frühen 1990er Jahre anschauen. Ich konnte Musik hören. Man konnte und sollte also eine große Menge mitmachen, und ich weiß nicht, wie sich das Ganze für jemanden anfühlt, der nicht direkt in Berlin lebte, in den 1990er Jahren. Für mich war es eher wie ein persönliches “Berlin 1995”-Revival. Denn die Objekte, die Fotos, die ausgewählten Themenbereiche beziehen sich zu einem Großteil auf Berlin und Umgebung. Wie war denn die Einheit in, sagen wir mal, Groß-Kleinkleckersdorf West und Groß-Kleinkleckersdorf Ost? Änderte sich da etwas? Was? Hierzu gibts nur wenige Informationen wie etwa die Auszüge der spektakulären Fotoreihe mit Aufnahmen von – allerdings wiederum aus dem Osten stammenden –  Menschen im Jahr 1990, 1995 (?) und nochmal zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Fotos sind übrigens generell eine große Sache. Fotos der Einheit, der Menschen, der Veränderungen. Die oben angesprochene Foto-Challenge. Dafür aber: weniger Objekte. Ganz viel läuft hier über Abbildungen, vielleicht auch weil die Veränderungen im Gefüge der Gesellschaft sich häufig einfacher über Fotos als über Objekte abbilden lassen? Absolut faszinierende Themen wie “unterschiedliche Alltagskulturen” (Zitat einer Texttafel) und Unterschiede im Denken und Handeln werden nur sehr sehr kurz und schemenhaft in den längeren Texttafeln angesprochen. Dabei ist es doch gerade das, was diese Zeit charakterisiert. Hier prallen Welten, Denkwelten, aufeinander. Das ist kaum Thema.

Im Großen und Ganzen ist der riesige Umbruch der Wendezeit also nur sehr flach abbildbar. Fotos transportieren hier viele der damals vorherrschenden Emotionen, aber das ganze Ausmaß ist eigentlich in einer Ausstellung kaum darstellbar. Es ist eine Ausstellung, wie gemacht für einen ersten Eindruck. Das große Mitmach-Potenzial und die vielen kleinen Themenbereiche bieten sich dafür an, eine Idee davon zu erhalten, wie es gewesen sein könnte. Aber viele der großen Themen sind außen vor, der Fokus liegt auf dem, was halbwegs “anfassbar”, erfassbar ist.

 UNification - Alltag Einheit DHM BerlinDas einzige Photo, bevor die Museumwärterin mahnte….Installation zu “Meinem persönlichen Einheits-Wort”. Ohne Leihgaben im Bild!

ENGLISH VERSION

Directly after the opening I decided to go and have a look at it: the new Special Exhibition at the German Historical Museum: “Unification. German Society in Transition“. It may be common knowledge by now that I am interested in these topics and that there were a lot of expositions visited so far (read about it here: “Good GDR – Bad GDR”, “Everyday Life at the GDR”, “Museum at the Cornershop”). I am curious how a part of my own past is being displayed in museums. And I really try to be an objective observer. I really do try! But I don´t always succeed. “Unification” (“Everyday Life during the Unification” as its German title traduces literally) – is this the counterpart to “Everyday Life in the GDR”, the exposition visited in Berlin some time ago? The exposition design and the title made me wonder about it, but I couldn´t find any precise information about it.

And, in the first place: you can´t take photos in this exposition of the German Historical Museum. I don´t like that… why shouldn´t I take photos? Is there a copyright to the exhibition design? As the Museum let me know via Twitter (@DHMBerlin)n this is due to the fact that the exposition uses lenders for many objects. Unfortunate for this exposition, because it was particularly focussed on participation and experiencing. So interacting with objects and istallations by taking photos would have been logical – for me, at least. There is even a “Photo challenge” associated with the exposition where you may twitter your own special unification photo unter der the hashtag #meineeinheit.

But now to the exposition itself. Generally speaking: its getting a little bit confused. In the exposition where I couldn´t find any clear way to wander around but many interconnected and separated areas on different topics, which makes sense regardin the obejctive of the exhibition – as well as in the marketing of the exposition. The marketing claims the following goal: “Everyday life in the union and the experiences of the people are the focus of the exhibition “Unification. German society in transition”. It deals with the transformation, historically unique in its dimension, of the entire political, economic, social and cultural structure of society in the former GDR as well as the concomitant changes in the old Federal Republic.” Ok, so the goal is to show both Germanies, East and West. That´s why it´s called “German Society in Transition” and not “GDR Society in Transition”. But actually, although many aspects of the life during the unification process are being covered, these are mainly focussing on East German perspectives.  I wasn´t able to find areas that focussed concretely on West german perspectives on Unification, apart maybe from some comments and explanations in the information tables. But in the actual objects or installations I found – almost nothing. I wonder if the experience of unification was maybe less important to West germans? Or less “apt” for an exhibition?

But on the other hand I was allowed to do a lot of things on my own. Writing down my “personal unification word”, for example. I could scroll through copies of official documents and watch movies and documentaries. I could interact virtually with informations on squatted houses in East Berlin in the early 1990ies. I could listen to music… in the end, you could participate and interact with a lot of things in this exposition and I don´t know how this feels for somebody who didn´t live in Berlin at this specific time, say between 1990 and 1996. For me, personally, this was like a “Berlin 1995 revival”. Because the objects, most of them photos and the selected topics focussed mainly on Berlin and the surrounding areas. How was the Unification experienced in, lets say, in some small village in East and West? Were there changes? And what? There are very few informations on this – including the absolutely spectactular photograhy series of (again: East) German people visited in 1990, 1995 and the beginning of the new century.

Photos are definitely the big thing ath this exposition. Photos of the Unification, of the People, of the changes. And the above mentioned photo challenge. But few objects, comparatively. Is this because changes can be made more “experiencable” therough phpotos, transporting emotions than through “mere” objects? Many of the topics, fascinating as they are, are only addressed in the information tables. Topics like “different cultures of everyday life”, differences in perepction and acting as they developed over a 40 year span living in different political systems and societies are totally fascinating and were mentioned in the information text. But – they were not really visible in the objects or instalaltions. And this is just what characterizes this fascinating time of changes: Universes of Thoughts collide, East and West germans realized how different their mutual perceptions of objects, words, events, were. It differentiated them and let to a development of a new cultural identity, mostly still influenced by the former German states. That´s not a topic in the exhibition, though.

Generally speaking, the huge changes of the time of Unification can only be made visible in a small way. Photos transport many emotions that were prevalescent in 1989-1990 but the whole amount of change, emotions, personal and social developments is impoosible to represent at an exhibition. Or so it seems visiting this specific exposition. Its an exhibition that is great to get an idea of how things were, at that time. The big potential of participation and the many small areas and subjects are clearly apt to give you an overview of the huge changes that were happening during these 1-2 years. But the big issues are left out, the focus lies on the things that can be presented in a “museum way”.

 

 


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Das Neue Akropolis-Museum in Athen / The New Acropolis Museum at Athens

New Acropolis Museum sprachederdingeblog

New Acropolis Museum sprachederdingeblog

Eigentlich wollte ich ja über das Museum etwas später schreiben, sozusagen meine Athener Erfahrungen erstmal sacken lassen. Da aber vor einigen Tagen neue Bewegung in den Fall der Elgin-Marbles gekommen ist, ist es vielleicht ganz schön, dieses Museum vorzuziehen und hier gleich einzubinden. Immerhin wurde es ja hauptsächlich deshalb gebaut, um den Parthenon-Friesen, die heute im British Museum ausgestellt sind und um 1820 nach Großbritannien kamen, eine neue/alte Heimat zu bieten.

Das Neue Akropolis-Museum hat auf jeden Fall zwei Seiten. Eine ist die politische. Die andere die museologische. Und beide gehen Hand in Hand, was eine Beschreibung nicht einfacher macht!

Als politische Forderung der Rückgabe der Parthenon-Friese (auch bekannt als Elgin Marbles im eher englischsprachigen Raum) beruht auf der Annahme, die Friese wären von Lord Elgin unrechtmäßig nach Großbritannien ausgeführt worden (zusammengefasst etwa hier letzthin beschrieben). Andererseits beharrt das British Museum darauf, dass die Ausfuhr und auch der spätere Ankauf durch das Museum rechtmäßig waren, da es hierfür Dokumente geben soll (hier in kurzer Form dargestellt). Ich möchte hier gar nicht einsteigen, denn weder bin ich in der Diskussion wirklich kundig, noch gibt es hierfür den Platz. Eine schöne, längere Einführung zu diesem sehr kontroversen Thema findet sich im Buch “Loot” von Sharon Waxman, das ich hier schon einmal vorgestellt habe, neuere Entwicklungen kann man  im Internet unter dem Stichwort “Parthenonfries Rückgabe” (oder ähnlich) sehen.

Auf jeden Fall geht es hier nur vordergründig um die Frage ob Friese (un)rechtmäßig ausgeführt wurden – eigentlich geht es um Fragen von Kolonialismus. Ähnliches geschieht seit Jahren mit dem Fall Nofretete in Berlin, in dem auch immer wieder Debatten angestoßen werden, die eigentlich auf Dokumenten und rechtlichen Fragen beruhen, die eigentlichen (post)kolonialen Fragen aber außen vor lassen.

Aber eigentlich ging es ja nun um das Museum an sich. Sichtbar ist das Museum bereits, wenn man am Parthenon steht und auf die XXXX Seite Athens hinunterblickt. Gleich hinter dem Dionysos-Theater findet sich das Museum, ein heller, gläserner Bau. Kommt man dem Gebäude näher, sieht man vor allem eines: der Eingang ist vertieft, darüber erhebt sich ein verglastes Gebäude, dessen oberster Stock fast völlig einsehbar ist. Selbst von draußen sind die Stücke des Parthenons-Frieses, Repliken, etc. schemenhaft erkennbar. Unter den Füßen sieht man die Ausgrabungsstätten der Umgebung der Akropolis zwischen 500 vC  – 700 nC, die, so wie sie sind, ins Museum integriert wurden und später begehbar sein sollen. Bislang liegen sie einem zu Füßen.

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Da übrigens das Museum Fotos nur an sehr ausgewählten Orten erlaubt, sei hier auf die Website verwiesen, die viele Fotos anbietet. Meine Fotos stammen von den Außenbereichen. Und noch ein kurzes Wort zu Familien & Kindern. Zwar war ich in diesem Museum alleine, es gibt aber mehrere Kinderecken, spezielle Kinderführungen und Kinderinformationen. Familien erhalten wohl einen speziellen Familien-Pack am Eingang, mit Gadgets für Familien mit Kindern. Mein Favorit war die nachgebaute Akropolis aus Legosteinen!

Auf jeden Fall: Dieses Museum ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort der Einkehr in die klassische Welt, so wie Griechenland und die Besucher sie sich wünschen. Räumlich so großzügig geschnitten dass selbst die vielen Besucher sich verlaufen und man sich alleine, ungestört fühlt, in ruhiger Betrachtung der Statuen, Keramiken, Friese. Ein unglaublich schönes Gefühl, gerade wenn der Blick aus den Glasfronten immer wieder gegenüber auf die Akropolis fällt, deren Parthenon die gleiche Ausrichtung und Größe hat wie das oberste Stockwerk des Museums. Der Genius Loci ist hier zuhause.

Mein Studium der Klassischen Archäologie dauerte nur 2 Semester und endete aufgrund der Sinnlosigkeit von Diskussionen über die Handhaltung zerbrochener Statuen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir die Irrelevanz dieses Studienfaches für mich selbst damals klar wurde. Trotzdem übt die Antike, das Aufkommen der Demokratie und die griechischen Stadtstaaten immer noch eine Faszination aus, die vielleicht auch kulturell bedingt ist. Akropolis und Neues Akropolis-Museum waren also ein Magnet in Athen und ich habe die verständlichen, nicht zu langen, aber auch nicht zu kurzen Texte genossen, die mir Überblick über die einzelnen Phasen der Entwicklung der Akropolis und des alten Griechenlands im Allgemeinen boten. Ich mochte die Statuen, die Keramiken, die wunderbare Beleuchtung. Sei es im Tageslicht, durch die riesigen Glaswände, oder im Aufgang bei eher weichem Licht für die Keramiken. Helle, weiße Oberflächen wiederholen die Idee der weißen Antike, so überholt diese auch sein mag. Und dieses Weiß schafft eine helle, ruhige Atmosphäre.

Innerhalb des Museums gibt es insgesamt 3 Stockwerke, die die verschiedenen Areale der Akropolis wie auch die unterschiedlichen zeitlichen Phasen abbilden, sei es in Keramik oder den Statuen. während es im Treppenaufgang um die Akropolis und ihre einzelnen Areale geht, ist der erste Stock vor allem der archaischen Akropolis mit ihren Dutzenden von Korai (Votivstatuen junger Frauen) gewidmet. Der Zwischenstock birgt einen der beiden Museumsshop, das Café, die Karyatiden und Informationen zum Parthenon.

Der oberste, dritte, Stock ist ganz den Parthenonfriesen gewidmet, denn das Parthenon ist hier architektonisch nachgebildet, sodass man sowohl die inneren wie auch die äußeren Friese in der Größe und Aufrichtigen sieht wie es auf dem Parthenon der Fall wäre, das sich hinter dem Fenster auf der Akropolis erhebt. Idee war hier, die – zurückbekommenen ?! – Teile der Friese wieder einzufügen sodass das Parthenon im Museum praktisch aufersteht. Da dies aber nicht der Fall ist, hat man sich bislang mit den Originalen beholfen, die in Athen verblieben sind sowie mit einigen Repliken. Viele Paneele bleiben auch einfach leer. Ihnen gegenüber immer wieder die Möglichkeit zu sitzen, zu schauen. Einzelne Statuen und Infotafeln geben weitere Informationen zum Parthenon, dem Stil, einzelnen Details, der Nachvollziehung dargestellter Szenen, die ja teilweise nur noch schemenweise sichtbar sind.

Wer um diese Galerie im 3. Stock herumwandert, bekommt jedoch hauptsächlich eine gefühlte Idee davon, wie es gewesen sein mag, im alten Athen das Parthenon zu betreten und sich dort aufzuhalten. Es ist ein großartiges Gefühl, und das sage ich jetzt als klassisch recht unbeschlagener Mensch, der sich einfach der Schönheit und dem Genius Loci hingibt. Ich kann keine Analysen zu den Statuen liefern, ich kenne auch nicht alle mythischen Geschichten dahinter. Und ich habe keinen Audioguide. Ich laufe einfach nur ganz in Ruhe um die Galerie herum. Innen und außen in der Galerie, betrachte die vorhandenen oder nicht vorhandenen Paneele und sinniere über die Geschichte. Es ist ein sehr besonderes Museum mit einem besonderen Gefühl.

Obwohl ich im Museum keine explizite Information zum Thema der Rückgabefrage gefunden habe, machen die Paneele in der obersten Galerie sehr deutlich, was hier fehlt. Auch der zweite Besuch gab keine Informationen darüber her, ob und wie hier mit dem Thema der Rückgabe des Frieses umgegangen wird. Auch die offiziellen Bücher im Museumsshop konzentrieren sich auf die Objekte, und nehmen keinen Bezug auf Politisches. Wer nichts über die politische Seite der Akropolis weiß, wird hier nicht informiert, es geht schlicht und ergreifend um das Klassische Athen. Und das wird hier auf wunderbar gestaltete Weise wieder lebendig.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

Legomodell der Akropolis – New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

ENGLISH VERSION

Actually, I wanted to write about this museum a little bit later on, lets say when my Athenian experiences settled down a bit. But as there have been movements in the case of the Elgin Marbles in the last few days, I decided to do it right away. Because the New Acropolis Museum was built to house the whole of the Parthenon Frieze (the parts being currently in Britain also known as Elgin Marbles) and to offer a new home of all of the frieze in Greece. So, the New Acropolis Museum definitely has two sides to it: a political. And a museological. Both go hand in hand, which doesn´t help when describing this beautiful museum.

The political claim of restituting the Elgin Marbles is based on the assumption that these were taken away by Lord Elgin on an illegal basis to Great Britain in the 19th century (see a short version of the events here). On the other hand, the British Museum refuses this claim on the basis of the legality of the export and later buying of the marbles by the museum because of certain legal documents presented at that time (have a look at this part of the discussion here). I don’t want to take sides in that, I have no deep knowledge of the case, nor is this the place to do it. If you´d want to have a longer, more detailed introduction to it, have a read at the part of “Loot” of Sharon Waxman that deals with the Elgin Marble – topic. Newer developments are avaibale at the internet.

Anyway, the question of the friezes coming back to Greece and if they were exported illegally in the first place is a rather superficial question. Actually, the question(s) and the debate(s) are on colonialism. Similar things are happening around the topic of Nofretete in Berlin, where claims of restitutions are being issued on a rather regular basis. Based on legal documents, these also draw on post(colonial) questions, that are being left out in the legal debate.

But, this blog post was to be on the museum itself, which is visible even from the Acropolis. If you’re standing at the Parthenon you can devise it on the other side, directly behind the theatre of Dionysos. Its a building in light color, with a lot of glass, and when you come nearer you’ll see that it is partially subterranean. But even from the outside you can make out parts of the Parthenon frieze inside, you may see parts of statues, or replicas. Below your feet is a glass floor through which you can see the excavations of the surroundings of the Acropolis from 500 BC up to 700 AD and at some point, when the excavations are complete and the whole subterranean area has been conservated, you ´ll may visit these excavations – by now they’re only visible form above.

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Something on the side: the museum unfortunately allows to make photos only in very restricted and selected areas, so all my photos are from the outside buildings. You may have a look at the website, which offers nice photos of the museum. And a short aside to the topic of families and children: I went alone this time, but I was informed that families get a special family-pack at the entrance with educational gadgets and the like. Different children’s areas exist, together with quiet reading areas. There are special informations for children, children tours – and I liked the lego model of the Acropolis best!

In any case: this museum is more than a “Museum”. Its a location of contemplation of the classical world, such as Greece and the visitors would like it to be. Spatially, the museum is so large that even huge amounts of visitors find sufficient space and you may feel alone, undisturbed in your quiet gazing at statues, ceramics, friezes. I went to the museum twice, on Friday evening and sunday afternoon, and even with masses of people going there on sunday it had a quiet quality to it, mainly based on the high ceilings and the overall spatial disposition of its rooms and galleries. Its a wonderful feeling to be there, especial when your view is diverted every now and then to the acropolis right across the street, looming up high in an greek sky of pure blue. Through large glass panes the Parthenon itself is visible, showing the same size and orientation as the top floor of the museum. Genius Loci is at home here.

My studies of Classical Archaeology only went on for a year and that has been some time ago. They ended because of what I felt was the senselessness of ongoing debates in class about the original disposition of a hand of broken statues and the like. I must admit that the relevance of these details never got to me – I am more fond of actual interpretation of data, be they from excavations, surveys or analysis. But nevertheless, Antiquity, the rising of European democracy and the greek city states radiate a fascination which may be culturally induced but work nevertheless. In me and many other people! The Acropolis and the New Acropolis Museum thus were one of my main sights to be seen in Athens and I rather indulged in the not too short – not too long information texts the Museum offers on the development of the Acropolis, especially in Archaic and Classical times. I admit, I just liked the statues, the ceramics, the wonderful lighting. If its in daylight, through massive glass panes, or in the entrance ramp in a soothing light with the ceramics. White, translucent surfaces keep up our idea of the White Antiquity, as outdated as that may be. And white creates a clear, quiet atmosphere.

After getting an introduction to the surroundings of the Acropolis via the excavations below your feet, you’ll be informed on the Acropolis and the Sanctuary of the Nymph, with a side dish of Athenian Marriage in classical times. Another sector of the entrance ramp offers information on Greek everyday life. And while the first floor is entirely dedicated to the archaic Korai (early votive statues) and early Acropolis, the second floor holds a cafe, a museum shop, a reading area and the Karyatides. The top floor is dedicated to the Parthenon, as we know it by now – the classical one.

So, the top floor, dedicated to the Parthenon friezes, has been remodeled to match the Parthenon. You can see whatever´s left of the friezes in the same size and orientation as the Parthenon itself up in the Acropolis would have been. The inner and outer friezes (their replica or even blank spaces) are presented in a way that corresponds to the original, antique disposition. The whole idea of this floor was to include the friezes now in London and other parts of the world so that the visitor may get an idea of the original Parthenon – as this is not the case and may parts of the frieze remain abroad, replicas have been filled in in some areas, others stay just blank. Single statues on the side and additional information is offered to give more information on the Parthenon itself, the styles, several details of the frieze and so on.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

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Whoever wanders in this gallery, gets a feeling of how it my have been to enter the Parthenon in classical times and to stay there. Its a wonderful feeling  – and I say this mainly as a person with no scientifically induced feelings towards Antiquity. But even so, you can feel the beauty, the genius loci. I couldn’t analyze the statues in any archaeological or art historical way, I don’t know all the mythical histories behind their stories. I don’t use an audioguide. I just walked along, sat down, gazed, wandered again. Again and again I contemplated the panels and thought about history. I may gaze up to the Acropolis and then around me again. This is a very special museum with a very very special feeling to it.

Although I couldn’t find any information on display concerning the restitution debate, the panels in the Parthenon gallery just make it clear what is lacking here. Even a second visit didn’t reveal any written information on this sensible topic. And the books at the museum shop offer “only” architectural and art historical information. If you don’t know anything on the political side of this museum and its objects you won’t get to know it here. It´s about Classical Athens. And this comes alive in this museum in a wonderful way.

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70 Jahre Kriegsende: Berlin integriert 1945 ins Heute. / 70 years after the end of WWII: Berlin integrates 1945 into today.

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In den letzten Tagen (seit dem 21. April) tauchten sie auf: Stellwände, riesig an prominenten, touristisch überlaufenen Stellen Berlins: vor dem Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz. Und auch woanders. Und dann noch als Plakat in der U-Bahn und wo man sonst so eben vorbeikommt. Ganz in Übereinstimmung mit vielen anderen Gelegenheiten, zu denen Berlin seine Geschichte sehr prominent in den Alltag integriert (etwa hier oder hier beschrieben), sind auch diese Open-Air-Ausstellungen eine Möglichkeit, sich mit der Geschichte der eigenen oder der besuchten Stadt auseinanderzusetzen.

Großformatig zeigen die Macher der Erinnerungsaktion zum 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8.5.2015 Bilder eben dieser Plätze im Mai 1945. Steht man direkt davor, ist es ein Zeitfenster – denn drumherum steht das, was da eben heute so steht: Restauriertes, neu Gebautes. Man schaut genauso in die Vergangenheit wie jemand, der im Mai 1945 an eben dieser Stelle vorbeigekommen wäre. Sieht man die großformatigen Plakate etwa in der U-Bahn setzt der Effekt ein, den ich bereits in “Geschichte allerorten” beschrieben habe: man denkt als Berliner an die Plätze so wie man sie heute kennt und immer wieder besucht.

Wie etwa hier beschrieben wird, ist diese Iniative von verschiedenen berliner Kulturprojekten organisiert, darunter die Berliner Unterwelten, Gedenkorte, Museen, etc. thematisch geordnet an den unterschiedlichen Ausstellungsorten. Die offizielle Internetpräsenz Berlins gibt mehr Auskunft zu den einzelnen Aspekten der Open-Air-Ausstellungen und auch zum intensiven Rahmenprogramm rund um den 8.5., getragen von Lesungen, Festakten, Führungen, Filmreihen und anderem.

Im Großen und Ganzen sind diese öffentlich zugänglichen Erinnerungsmomente eine wunderbare Sache. An einem Festakt nehmen nur sehr wenige Menschen teil, und meist sind es Politiker oder hochrangige Menschen, Zeitzeugen. Das wars dann auch. Geschichte geht uns aber alle an und bezieht sich auch auf uns alle. Wir alle machen Geschichte – deshalb sollte Erinnerung auch etwas sein, das uns allen zugänglich ist. Die Ausstellungs- und Programmreihe Berlins zum Jahrestag des Kriegsendes (in der DDR als “Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus” bekannt) ist ein gutes Beispiel hierfür.

 

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ENGLISH VERSION

In the last days, since the 21st of April, huge movable photo walls have appeared at the most popular places of Berlin: at the Brandenburg Gate, at the Potsdamer Platz and other touristic places. Other, slightly smaller versions of these photo walls can be seen at metro stations and other locations you will pass regularly when living in or visiting Berlin. Accordantly to other opportunities when Berlin integrated its own history into everday life (such as here and here), these open air expositions are a possibility to remember the history of your own city – or the city your visiting.

At huge photo walls the organizators of this commemoration campaign of the end of the Second World War at May 8th 1945 show photos of how these samne places looked like in May 1945. When you are standing right in front of them, its like looking into a window into history: you are seeing what a passer-by in 1945 would have seen when standing at the same place as you, right now. And around you, there´s what today is: new or restorated buildings. If you look at the photos at the metro, you´ll be experiencing the effect that I described in “History at every pace“: as an inhabitant of Berlin you´ll compare inconsciously the places as you know them now with the photo.

As has been written here, the campaign has been organized by different cultural projects of Berlin, memorial places, museums, associations. The photo walls follow a thematically organized order, and the official Berlin website offers more information on the different aspects of these open air expositions and the intensive framework program associated with them at the days right before the 8th of may.

generally speaking, these “open access”-remembrance opportunities are something that I favour very much. At a ceremonial act there are only very few people involved: mainly politicians, contemprary witnesses and the like. And thats it. But History is something concerning all of us and embraces all of us. We all MAKE History – and thats why all of us should have the chance to participate in the remembrance of History. The exhibitions and framework programs evolving around the 70 years of the end of WWII in Berlin are an example of how you can get this right.

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Heute: Archäologie & Popkultur? Archaeologik schreibt dazu!

Heute möchte ich gerne einen Artikel des Blogs Archaeologik weiterverlinken, denn das Thema “Archäologie & Popkultur”, Archäologie als Marke etc. sind ein großes Thema, über das wir zumindest mal nachdenken sollten!
Rainer Schreg hat dazu großartig gebloggt:  http://archaeologik.blogspot.de/2015/04/archaologie-im-dienst-von-pop-kultur.html

Und übrigens: Rainer Schreg spricht auf der DFUG-Tagung zum ähnlichen Thema. http://archaeologik.blogspot.de/2015/04/schafft-sich-die-offentlichkeit-eine.html


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Geschichte allerorten / History at every pace

Natürlich sind alle Orte, die wir betreten, mit Geschichten durchzogen. Diese Alltäglichkeit von Geschichte führt ja dazu, dass wir uns heimisch fühlen, wenn es positive Geschichten sind – oder unangenehm wenn es negative Geschichten sind, seien es nun persönliche oder gesellschaftliche. Allerdings denken wir nicht alltäglich daran, sondern haben eher ein Gefühl, gerade wenn es sich um Alltagsorte handelt die wir oft betreten und deren Alltäglichkeit dazu führt, dass wir sie eher als Statisten und Bühnenbild wahrnehmen und nicht als Ding an sich.

Museen sind ja Stätten, die den Alltagsobjekten die Möglichkeit geben als Symbol über sich selbst “hinauszuwachsen” oder, umgekehrt, einen Anstoß für eigene Geschichten zu geben. Aber Landschaften, Gebäude, Straßenzüge – das sind keine Dinge die ins Museum passen. Ihre Alltäglichkeit und das Immer-Da-Sein machen sie fast unsichtbar.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder gesehen, wie Landschaften, Gebäude, Straßenzüge aus dieser Alltäglichkeit herausgenommen werden – und zwar durch Abbildungen, Fotos, Zeichnungen, die genau diese in anderen Zeiten zeigen. Soweit ich weiß, ist das in Berlin häufig zu finden, und auch an anderen Orten habe ich es schon gesehen.

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Fotos von dem Ort, an dem man gerade steht, vor 30, 60, 100, 300 Jahren – immer verbunden mit der Frage, die dann ganz automatisch aufgeht: was war anders? Der Geist vergleicht, sieht auf die Unterschiede in Architektur und Technik. Wer noch etwas geschichtsbegeisterter ist, kann eventuell sogar politische oder gesellschaftliche Ereignisse zu den Jahreszahlen unter den Bildern assoziieren. Das Besondere daran ist, finde ich, dass diese Abbildungen aber nicht in einem musealen Raum gezeigt werden, den wir mit einer bestimmten Erwartungshaltung betreten, sondern wie in unserer medialen Gesellschaft üblich “einfach so”, nebenher. Als Begleitung auf dem Weg, beim Warten auf die Bahn, auf die grüne Ampel.

Ausstellungen an Bauzäunen sind ja seit mehreren Jahren ein Dauerbrenner, Google zeigt hierfür mehr als 6 Seiten Einträge. Bauzäune in allen Formen und Farben, meist als “temporäre Ausstellung” genutzt. Mit Künstlern, Infos, Fotos, Geschichte, Werbung. Der Bauzaun als Gratis-Werbe- & Infofläche aller Art ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Und einmal hatte ich hier schon über die Zwischen-Ausstellung mit historischen Portraitfotos am Bauzaun des neuen berliner Schlosses berichtet (Spree Side Gallery), auch der seit Jahren bestehende Bauzaun der neuen U-5 in Berlin ist ein gutes Beispiel dafür. Reklamefläche in groß, gefüllt mit Infos, Unterhaltung und historischen Fakten.

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Im Gegensatz zu den Ausstellungen am Bauzaun sind historische Abbildungen  etwa an einer U-Bahn-Station oder einer Hauswand eine dauerhafte Einbettung in die Umgebung. Die Pressestelle der BVG sagte auf Anfrage dazu: “Auf den denkmalgeschützten Bahnhöfen werden, in Abstimmung mit der Denkmalbehörde, die Werbetafeln durch historische Abbildungen ersetzt. Die Auswahl der Fotos bezieht sich auf das nahe Umfeld der Bahnhöfe und soll einen Bezug zu dem heutigen Stadtbild und dem historischen Stadtbild herstellen.” ich würde mal sagen: es funktioniert! Und diese Bilder führen dazu, dass Menschen kurz innehalten und einen Gedanken daran verschwenden was früher war, sich kurz oder auch länger zeitlich, geschichtlich verorten. Kinder stellen Fragen dazu, Erwachsene lassen sich in der Zeit treiben. Viele schauen auf das offensichtlich Andere: Pferdekutschen, andere Kleidung, andere Häuser. Andere sehen die Ähnlichkeiten, stellen fest dass manche Gebäude die gleichen geblieben sind. Dass man vielleicht gerade direkt davor steht, vor dem einzigen noch originalen Gebäude einer 200 Jahre alten Abbildung. Es ist eine kleine Chance, sich selber im Lauf der Zeit zu verorten. Darüber nachzudenken was war und was ist – und was eventuell sein wird.

Auch wenn historische Abbildungen vielleicht nur eine mediale Berieselung sind und keine Sache, die man wirklich jetzt “erziehungstechnisch” einsetzt – der Effekt ist doch vorhanden. Wir denken nach. Ein Anfang!

Historische Photos Berolinahaus Berlin Alexanderplatz sprachederdinge blog

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ENGLISH VERSION

Of course, every place we step on is laden with history. This ubicuity of history is what makes us del “at home” at certain places, when its positive histories we are associating with a given place – and makes us feel uncomfortable if these histories are negative ones, be they personal or concerning the whole society. But we are not constantly thinking of this history surrounding  us, especially when we are confronted with everyday places that we wander every day. this prosaicness makes us think of history as a stage setting or an extra. And not as the THING it actually is.

Museums are places that offer the possibility to present everyday objects as symbols. In this context they can be “more” than just themselves, they can offer the opportunity to get our own history in a context. But landscapes, buildings, streets – these are no objects that would fit into any museum. Their prosaicness and their “Being – continually – there” make them almost invisible to the everyday eye.

In the last years there have been several times that I saw how landscapes, buildings, streets, have been removed from this ubiquity  – using paintings, photographies and drawings that show just these landscapes or buildings in other, past times. as far as I know this is a recurring phenomenon at Berlin and I´ve seen it at other cities as well. Images of the places that you are standing right now: images from 30, 60, 100, 300 years ago.

and theres a question that rises almost automatically: what was different then? Our mind starts comparing: differences in architecture, people, fashion. If you are even more interested in history you might even associate some political or societal events with the dates mentioned at the images. The special thing about this is, that these are not part of a museal presentation of objects, they are not part of some surrounding where you are supposed to learn something, to get educated. Rather, they are just with us, accompanying us at a moment when we are waiting for the lights to change to green, for the metro to arrive.

Expositions at building fences are a major thing for some years now, German Google has more than 6 pages of entries on this topic. Building fences in every form and shape and color, mostly being used as “temporary expositions”. They sport artists, information, photos, advertising. The building fence as a free place for information and advertisement – that has been common knowledge for some years now. And I even mentioned the temporary exposition of photographies at the building site for the New Berlin CAstle (Spree Side Gallery) – the building fence of the new metro in the centre of Berlin is another excellent example. Advertisement for the building, the architect, filled with photos and information on the history of the place.

But on the contrary to these examples historical images in a metro station or at a building are being constant. They accompany us for a much longer time frame. And they make people stop, think things over, get them to locate themselves in the river of history, have a look at their position in order to other centuries. You may stop for some seconds or for a longer time. Children ask about the things they see at the image, adults drift dreamily through the times. Many look at the obvious: the buildings that changed  – or not. That maybe you are standing just in front of the only remaining building of the image. Its an opportunity to see yourself as related to past and future. To think about what was and what may be. And even when historical images could count as “only” a new form of media and not something you use to educate people – its the same thing. We start to think, and thats always a good start.

 


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Ich Mann – du Frau. Gender in der Archäologie im Archäologischen Museum Colombischlössle Freiburg. / Me man – You woman. Gender in Archaeology at the Archaeological Museum COlombischlössle.

Ich Mann - Du Frau Colombischloessle sprachederdingeblog

Mann? Frau? Und: warum Mann oder Frau? “Ich Mann – Du Frau” im Colombischloessle. sprachederdingeblog

Großartigerweise habe ich es tatsächlich geschafft, die Ausstellung zu besuchen bevor sie wieder schließt. Aber wichtig: sie ist verlängert worden! Bis zum 17. Mai 2015! Deshalb gleich hierzu Anfang der Rat: Besuchen Sie diese kleine, feine Ausstellung. Kein Zögern, die Reise lohnt sich.

Das Archäologische Museum Colombischlössle in Freiburg im Breisgau, ist ein wunderbarer, kleiner, luftiger Bau mit einem lichtdurchfluteten inneren zentralen Treppenhaus, um das herum sich die Säle mit den Dauer- und Wechselausstellungen gruppieren. Klein, aber fein, deshalb sind es auch “nur” 1 Raum im Keller, 4 Räume im Erdgeschoss und noch einmal soviele im 1. OG. Die Größe hat aber nichts mit der Qualität zu tun. Heute und hier erstmal der Update zur Sonderausstellung “Ich Mann, du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?“, demnächst dann auch zur Dauerausstellung!

Die Sonderausstellung nimmt das gesamte Erdgeschoss ein und empfängt einen bereits neben dem Treppenaufgang mit rot-blau gestalteten Badezimmern. Inklusive Spiegeln, in denen man sich sehen kann. Bin ich eher der männlich, blau gehaltene Typ? Oder doch eher das süßliche Rot-Pink? Das ist aber auch das einzige Mal, in dem die Ausstellung diese Genderrollen vorführt. Denn die Ausstellung an sich verzichtet ganz bewusst auf farbliche Zuordnungen, die Wiederholung von Genderrollen und dergleichen, sondern fokussiert sich vor allem auf Eines: das Hinterfragen dieser Stereotypen. Und das macht sie so dezent, dass man erst einmal selber immer wieder in die typischen Mann-Frau-Zuschreibungen reinfällt, bevor ein kleiner Ausstellungstext, eine Frage an der Wand oder eine schlichte Information einen zurückholt und aufzeigt, dass man gerade selber das gemacht hat, was man typischerweise meistens macht: Dinge zuordnen. In Schemata, die uns anerzogen sind und uns seit Jahren begleiten.

Gehalten ist die lichtdurchflutete Ausstelung in den Farben hellbeige. Texte werden auf einem rot-blau-gemusterten Grund gegeben, der einen seltsam unzuschreibbaren Lila-Ton ergibt. Also genau im Sinne des “Nicht-Zuordnen-Könnens”! Und schon bevor dem Betreten des ersten Saales gibt eine kleine Texttafel Ausdruck davon, worum es hier geht. Gender-Zuschreibungen: sind sie “normal”? Zeitbeständig? Einfach “gegeben”? Oder entsprechen sie eben nicht vielmehr dem jeweiligen Jetzt, sind gesellschaftspolitisch gewollt und forciert?

Jeder Raum steht unter einem Motto, das an der Wand Aussagen trifft., wie etwa: Die Archäologie gibt den Objekten ein Geschlecht. Großartige Aussage, klar formuliert, und dazu eine Aussage, die einen stutzen klässt. die ARCHÄOLOGIE gibt den Objekten ein Geschlecht? Sind denn die Geschlechterrollen nicht fest und immer gegeben? Heißt das also, dass WIR daran beteiligt sind, dass diese Rollen vergeben werden? Aktiv? Also: wir könnten das auch anders machen? Nachdenken setzt ein.

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Die Ausstellungsstücke an sich werden erst einmal ganz neutral, ohne Zuschreibungen präsentiert. Vor hellem Grund, in kleinen Vitrinen. Schaut man sich die Objekte und Objektensembles an, merkt man selber wie man sich ein Bild dazu macht. Gold, Schmuck? Frauen! Falsch. Hier sind es mächtige goldene keltische Halsringe (torques) die von beiden Geschlechtern getragen werden. Zwei Grabensemble mit Skelett und Topf? Sicher Frauen! Nein – hier liegt der Teufel im Detail. Das Grab mit Topf und Knöpfen gehört der Frau, das mit Topf und Pfeilspitzen dem Mann. Und so geht es in jedem Raum, immer etwas themaitsch geordnet? Welche Objekte werden denn voin der Archäologie Männern & Frauen zugeordnet? Darum geht es im ersten Saal? Und was ist mit paläolithischen Figurinen, die swohl weiblich als auch männnlich sein können? Und was ist mit den Goldringen in Saal 3? Mit den Skeletten in Saal 4? Wer wird wie bestattet? Und vor allem, immer wieder: welche Rolle spielen die Archäolog*innen bei der Zuschreibung der Geschlechter aufgrund von Objekten? Natürlich können manche Stereotypen widerlegt werden, wenn weitere Wissenshcaften wie etwa die Anthropologie Skelette als weiblich/männlich identifizieren können und usneren Objektzuschreibungen damit widersprechen. Der Mann mit den beiden Kindern im Grab. Der Weber. Alles Dinge, die wir intuitiv erst einmal ganz anders eingeordnet hätten.

Problematisiert wird jedoch hier auch ganz stark, was geschieht, wenn einfach nur Objekte da sind. Objekte, denen WIR eine Rolle zusprechen. Objekte, die durch uns sprechen und Dinge sagen, die WIR als natürlich empfinden – nicht vielleicht jedoch ihre Nutzer in der Vergangenheit. Das wird immer wieder angesprochen und in Begleittexten auch ganz deutlich thematisiert. Wie etwa das Thema Visualisierungen: zeichnerische Rekonstruktionen zeigen häufig das, was der Zeichner als normal und üblich findet – nicht immer aber die Realität der Vergangenheit. Rollenzuschreibungen zeigen das, was der Ausgräber und Interpreteur als normal emofindet – nicht das, was die Menschen der Vergangenheit für ihre Lebensrealität hielten.

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Über die gesamte Ausstelung hinweg wird diese sehr einfache und hocheffektive Strategie durchgehalten. Objekte fordern unsere zuschreibung geradezu heraus – wer in sich hineinhört bekommt klare Antworten. Mann – Waffen. Frau – Schmuck. Selbst mit sensibilisiertem Auge gelingt es mir nicht, diese Zuordnungen nicht automatisch aufkommen zu lassen. Und durch die wirklich kurzen Texten an den Vitrinen und die längeren, eindeutigen, reflektierten Texte der Wandtafeln wird all das, was der Kopf automatisch produziert, in Frage gestellt.

Ich Mann – Du Frau” ist eine der besten Ausstellunge, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Nicht nur, weil sie eben diese Problematik sichtbar macht und Sterotypen des Sehens hinterfragt. Sondern auch, weil sie Probleme der Archäologie sichtbar macht. Wer trifft hier die Zuschreibungen? Warum? Wie dienen diese politischen und gesellschaftlichen Wünschen? Ganz klar haben es die Austellungsmacher hier gemacht: Archäologie ist keine neutrale Wissenschaft. Sie trifft Zuschreibungen, die gesellschaftspolitischen Einfluss haben. Die Ansprüche zementieren – oder diesen widersprechen können! Sie öffnet dem ublikum die Augen dafür, dass es an uns liegt, hier Einfluss zu nehmen. An uns als Wissenschaftler*innen und an uns als “Publikum” – wir alle können beeinflussen was und wie wir sehen und Rollen zuschreiben. In diesem Sinne war der letzte Raum auch die logische Fortsetzung der archäologischen Objekte: hier können an einem Baum Fotografien angefasst werden. Männer und Frauen schauen uns an, auf der ückseite ihrer Fotografien steht, wer sie sind und was sie machen. Das nette junge Mädchen eine Fallschirmjägerin? Der bärtige Herr ein Sozialarbeiter?

Und was schaut uns aus den Spiegeln an, die dazwischen hängen? Wir selbst. Wer sind wir und was machen wir selber aus unseren Rollen?

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Was ist meine Rolle? Ich Mann – du Frau. sprachederdingeblog

 ENGLISH VERSION

Let me have one thing clear before I start off: Its just great that I made it to this exposition! Before it ends! And, beware: its open till may 17th, so go there and visit. You wont regret it.

The Archaeological Museum Colombischloessle at Freiburg /Breisgau in South Germany is a wonderful, small, breezy building with a light-flooded inner staircase, around which all the rooms are situated. Its small but great – even if its “only” one room in the basement, 4 rooms at the ground floor and another four at the first floor, used for the permanent and non-permanent exhibitions. So, size is not a criterion for quality! Right here and today I´ll write about the non-permanent exhibition “Me man – you woman. Fixed role models since the beginning of time?” (“Ich Mann – du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?”), and at some later point I´ll also do something on the permanent exhibition as well.

The special exhibition can be seen in 4 rooms at the ground floor and welcomes you right next to the counter. There, you’ll be facing tow bathroom interiors, complete with tooth brush, cosmetics and mirrors where you may see yourself. Do you feel attracted to the blue, masculine version? Or rather the sweet little pink one? That´s the only point where gender roles are being simply „repeated“ at the exposition. All the other objects, texts, even the exhibition design are carefully aimed at challenging our present gender role models gently but forcefully. And a small text makes this clear, before you even enter the first room. There are no typical assignations of color, repetitions of gender roles and the like. The exhibition centers on the challenging of these culturally induced roles – and it does so very gently. You´ll be noticing that you automatically assigned gender roles when you look at the objects and the exposition will make you notice that you did. So, its YOU that’s assigning here. You are putting seemingly “neutral” objects into categories you yourself assign to them. Welcome to the patterns that you learned all your life – and now try to unravel them visiting this great exhibition.

The light-flooded rooms are designed in a rather neutral white, peppered with texts and sentences on violet ground, made out of minuscule red and blue squares. So: is it red – or is it blue? Can you name it? That’s right what the exhibition is all about. Why are you so sure of a color? Or of a gender role model? Are these assignations “always there”? Or have they been ascribed by us? Aren´t they rather socially induced, favored by political currents?

Every room has a motto that is displayed prominently at the wall: “Archaeology assigns a gender to objects”, for example. Great, clear statements that make you wonder: so, Archaeology assigns sex and gender? Are these roles not just a given thing that Archaeology “unearths”? Does this mean that we are implicated when it comes to these assignations? Do we have an active role? Which means: we can change these roles? Challenge them?

The objects themselves are being presented in small display cases, neutral and without any adscription of gender and sex. If you look at them, you assign gender automatically, based on your culturally educated mind. Gold, jewelry? Women! Wrong. These are celtic neck rings (torques), worn originally by men and women alike. Two burials with one pot each? Women! Wrong again. The details show that the skeleton with a pot and buttons is a woman, the one with a pot and arrowheads is a man. And so it goes on, every room shows one aspect of these adscriptions. Which objects are traditionally assigned to men and women by archaeologists and non-archaeologists? That’s the point in the first room. The second focusses on Paleolithic figurines that can be interpreted as men or women. In many cases the adscription can be at least doubted. And what about the neck rings in room 3? The burials in room 4? Who is being buried which way? Is a skeleton with weaving implements automatically a woman, displaying thus just our own gender adscriptions to certain tasks?

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And, above all: what’s the role of archaeologists in these adscriptions? Of course, some stereotypes can be challenged, especially when other disciplines have a hand in getting more details on the objects and the skeletons concerned. Many times I would have assigned gender roles automatically to all these objects and this is just the point: when there is only an object, just one find. In this case we almost automatically assign gender to this object and its use. The objects speak to us, but we can only understand their language when we assume that it’s the same cultural language as ours. And it may differ greatly from the cultural use of them in the past, in their original site and place. This dilemma is displayed in every room, again and again: The assignations of gender and sex are ours. Whether if it´s in scientific texts or visual reconstructions: we play our role in stabilizing our own gender roles and transporting them to the past. I´ve never in my life seen this problem publicly displayed. Short, poignant texts outline the influence of scientists in the adscription of gender roles to past cultures, thus consolidating our own gender roles. What we perceive as normal role models is being transported to the past, many times without any doubts. But is it not about the reality of the past instead of inducing our IDEA of the past?

The whole exhibition is focused on challenging these perceptions. And it does so with a highly simple and effective strategy: The objects challenge us to assign our gender roles automatically – if you listen to yourself you´ll always get clear answers by your unconscious. Weapons? – men! Jewelry, pots? – Women! Even with a certain sensitization I have not been able to prevent this automatic reaction to the objects. But the short text at the display cases and the longer ones at the walls show you that you´re simply wrong. Differents sciences are putting so many data together that stereotypic assginations are just not longer possible. But even with all these data, its our mind that assigns roles. Your mind played a trick and the reality has been totally different from your assumption.

Me Man – You Woman” has been one of the best exhibitions I’ve seen lately. Not only because it shows the problematic adscriptions of gender and makes clear how stereotypic our ideas and assignations are. But also, because it clarifies the problems of archaeology itself. Who makes these assignations? Why? How does this serve the current political and social backgrounds? The exhibition shows that archaeology is no neutral, nice science working in an ivory tower. Our doings affect how we all see the past – and if the past is a mere simple extension of the present or not. Archaeologists have a job that influences sociopolitical currents. We can go with the flow – or not. We can challenge gender role models – we as archaeologists and we as the public. This exhibition makes it very clear that its up the very one of us to take our choice. So, the last room of the exhibition is the clear statement of this active role everybody can have. It has only one object in it: a tree with many small photographies of ordinary people. On the back, there are the professions of these people, and they, as well as the whole exposition contradict our automatic perception of the person on front. The nice little woman – a former professional army parachutist? The man with the formal beard and suit – a social worker?

And what is it between these photos? Small mirrors. Look at one and you will see: yourself. Who are you and what role do you choose?

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