Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Update on Language of Things

Well, I have been away, doing a kind of fieldwork in Bolivia (and, as I have been financed, it has to been mentioned that this was due to the Deutsche Altamerika Stiftung). During four weeks, I could tour old sites “of mine”, get another look at the local museum, and reanalyze a lot of sherds.

Although this may seem a bit dry and not very exciting, there is nothing like a good sherd when it comes to getting information! In this case, this was even truer when I had the opportunity to see a lot of sherds from a colleague (www.arqueologiadetarija.jimdo.com ) and realizing that there are absolutely fascinating regional micro-changes in an otherwise totally similar ceramic style. We will have to work on this, but it was absolutely worth the effort, the 22-hour-flight, the trip through a lot of customs at the airports.

And now, back in Berlin, I will attend this blog, too. So stay tuned, there is more to come! Meanwhile, check out the work of my colleague!

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Stipendien suchen & finden: der Stifterverband und die Deutsche Altamerika-Stiftung / Searching for grants: Stifterverband and the Foundation for Ancient America

Die Promotion gedeiht so leise vor sich hin. Aufgrund verschiedener privater und beruflicher Verpflichtungen geht es eher im Tempo von Herrn zu Guttenberg, dessen berühmten Satz: “in mühevollster Kleinarbeit!” ich definitiv in Anspruch nehmen darf. Und im Rahmen dieser Arbeit wurde auch bald klar, dass ein Teil des Keramikmaterials, auf dem die Arbeit hauptsächlich basiert, noch einmal erweitert analysiert werden müsste.

Da ich vier Wochen Urlaub und das Kind Ferien hat, lag es nahe, diese Analyse wiederum am Aufbewahrungsort des Materials in Südamerika durchzuführen. Geht ja auch nicht anders. Da so eine Reise für 2 Personen, Unterkunft, Essen, und auch ein Gehalt für diese Arbeit teuer sind, schaute ich mich nach Stipendien hierfür um. Und fand zunächst das Deutsche Stiftungszentrum, dessen Homepage eine Art “Glocke” bildet, unter der sich viele kleinere Stiftungen vereinigt haben. Ichvermute mal: um Zeit & Kosten zu sparen und so effizienter zu arbeiten. Unter dem Dach des Stifterverbandes befindet sich auch eine kleinere Stiftung, die Altamerika-Stiftung, die sich meinem Orchideenfach, der Altamerikanistik, verschrieben hat. Obwohl ihre Informationen eher spärlich gehalten sind, habe ich beobachtet, dass sie etwa zu der Inka-Ausstellung in Stuttgart beigetragen haben und auch sonst sind sie recht aktiv.

Da der Stifterverband und die Stiftung selber vielerlei in offensichtlich kleinen Rahmen bearbeiten, ist der Kontakt hier nicht so schnell wie bei großen Organisationen wie etwa der Gerda-Henkel-Stiftung oder gar dem DAAD. Trotzdem hatte ich am Ende genügend, wenn auch recht generell gehaltenen Informationen um ein ca. 8-seitiges Projekt samt Kostenplan einreichen zu können. Flug- und Hotelkosten beruhten auf Angaben aus dem Internet, Verpflegungskosten auf täglichen Pauschalen. Auch Kinderbetreuung und ein Stipendium, also eine Art Gratifikation für meine eigene Arbeit, kamen hinein. Sollte man die Kinderbetreuung, überhaupt die Kosten für die Reise des Kindes abrechnen? Ich habe lange darüber nachgedacht und mich am Ende dafür entschieden. Ich arbeite seit über 10 Jahren in meinem Fach und glaube, es ist an der Zeit meine persönlichen Lebensumstände auch in Projekten nicht mehr zu verschweigen. Jeder von uns hat eigene Voraussetzungen: Single – oder nicht / Mutter – oder nicht / Festangestellt – oder nicht. Da ich mein Kind aus unterschiedlichsten Gründen mitnehmen muss, gibt es tatsächlich hohe Nebenkosten. Andererseits arbeite & publiziere ich auch mit Kind und Vollzeitjob und habe das Gefühl, alles was möglich ist auch in diese Promotion zu stecken. Dann sollte ich diese Lebensumstände auch berücksichtigen wenn ich ein Projekt einreiche.

Sollte man sich selbst ein Stipendium einschreiben, wenn man schon Flug, Essen und Unterkunft beantragt: ich denke ja. Allein aus Gründen der Ethik sollte Arbeit bezahlt werden – und zwar nicht über Kost & Logis. Meine mittlerweile hoch spezialisierte Arbeit, die ich auch immer wieder anderen zugänglich mache, darf auch honoriert werden. Also: auch ein Stipendium gehört dazu. Also reichte ich das Projekt dementsprechend ein und bekam tatsächlich, zwei Monate später – eine Zusage. Nun ging alles sehr schnell. Zusage per Email, offzieller Brief per Post. Formulare um das Geld anzufordern und abzurechnen. Und ein nun sehr schneller, persönlicher Kontakt mit den zuständigen Mitarbeiterinnen des Stifterverbandes. Vielen Dank nochmal, freundliche Mitarbeiterinnen!

Und ich werde nun im Hochsommer einen vierwöchigen Arbeitsaufenthalt im Museum antreten. Scherben, Scherben, Scherben! Ich freu mich! Endlich werde ich eine Teilanalyse durchführen können die dringend nötig ist und auf die ich mich schon lange vorbereite. Übrigens, und laut Stifitungsregeln: Gefördert von der Altamerika-Stiftung!

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ENGLISH VERSION

My Ph.D. is growing and prospering. Although I am advancing in a rather slowly fashion due to different personal and job-related reasons, well, yes, its growing. And in the course of this work, it became clear that some part of the ceramic material that forms the foundation of this Ph.D. has to be re-analyzed.

As I have a 4-week-vacation in summer and my child, too, will have its vacations, I thought about re-analyzing the material where it is currently stored: in South America. And because a journey for two people, hotel, accommodation and the like, as well as a salary for myself has its costs, I was looking for a grant for this trip. And found the Deutsches Stiftungszentrum (German Fund Centre, in my translation), which acts as a tool to work more efficiently and less costly for all these foundations. The home page is something like an umbrella for different small foundations, among them the Deutsche Altamerika Stiftung (German Foundation for Ancient America), whose goal is the aid for scientific projects concerned with the archaeology, history or anthropology of the Americas. Although their informations were somewhat sparse, I saw their sponsorship for the exhibition Inka in Stuttgart, March 2014 and got the impression that thea are actively promoting our field of study.

As the Stifterverband and the foundation itself are working on a rather small scale compared to the „big fish“ like the Foundation Gerda Henkel or the German Academic Exchange Service (DAAD), the communication with them was a bit slower. But in the end I got enough information to deliver and 8-page-paper on the project, including a cost budget. This included the costs of hotel and transportation (as got from the internet), and even the costs of child care and a salary (grant) for my own work that I will be delivering. I thought a long time about putting the costs of child care in the cost budget, and even the costs of the journey, accommodation etc. of the child. But in the end, I decided to do it. I am working for 10 years in my field of study, and in the meantime I came to believe that it is okay to include our personal conditions into a budget plan. Why should we hide these important details of our life, such as a child? And if there is no other option than to take a child with us when we are working, then it should be included in the budget!

And should there be a salary for myself, when transportation, hotel and the like are already covered? Yes, there should. Because my highly specialized work, that has been presented to other people as well, deserves a salary. So, this grant belongs to the budget plan as well.

I filed the project and, two months later – got a positive answer. I will be funded! From then on, everything went quite quick. The acceptance via email, the details via letter and the forms to get the money and the accounts. And a very personal contact with the ladies from the office (Thanks, Ladies!).

So, I will be in Latin America in summer, working for 4 weeks in a museum, analyzing sherds. That’s so great! At last, I will be able to do a partly analysis that is so important to me!

Oh, and by the way and according to the rules of the foundation: it will be funded by the Altamerika-Stiftung!

 

 

 


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DAAD-Stipendien für Archäologen / Financing archaeological research via the German Academic Exchange Service

Heute soll es um eine eher grundsätzliche Erfahrung gehen: das Beantragen von Stipendien beim DAAD. In den letzten Jahren hat sich hier einiges geändert und meine Google-Recherche ergab, dass es sehr wenige konkrete Erfahrungsberichte zu diesem Thema gibt. Hier soll es um Folgendes gehen:

das Jahresstipendium für Promotionsstudenten, zu dem man beim DAAD jedes Jahr zu zwei Stichtagen Projekte einreichen kann.

Der DAAD als “weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern” (s. www.daad.de) finanziert verschiedenste Projekte und Finanzierungsanfragen auf allen Ebenen für Wissenschaft (im weitesten Sinne) im Ausland – vom Bachelor bis zum Postdoc. Und in diesem Sinne war er auch Ansprechpartner für mich und einen mir nahe stehenden Archäologen um unsere Projekte finanzieren zu lassen. Als in Deutschland lebende Personen waren für uns die “Infos für Deutsche” entscheidend.

Seit der letzten erfolgreichen Bewerbung unsererseits vor 7 Jahren hat sich hier einiges geändert!

Zunächst: Die Projekte und alle zugehörigen Unterlagen werden nur noch elektronisch über das DAAD-Portal entgegengenommen, lediglich die Gutachten folgen per Post. Zu den zwei Stichtagen im Frühjahr und im Herbst kann man also sein Projekt, DAAD-Onlineformular, Gutachten, Lebenslauf, Publikationsliste etc. einreichen.

Zweitens: Altersgrenzen gibt es beim DAAD nicht mehr, ebenfalls etwas das sich in den 7 Jahren geändert hat. Eine sehr positive Entwicklung, denn die Altersgrenze “30 Jahre”, die es früher gab, hätte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heute heißt es, dass der DAAD abwägt ob die zu erwartende Leistung und die Zukunft des Projektes und des Antragstellers in Bezug zur Finanzierung steht. Das ist eine dehnbare Formulierung, die kein Alter voraussetzt, sondern eben eine gute Leistung. Bravo!

Ebenfalls wichtig ist die Tatsache, dass der DAAD nicht nur deutsche Staatsbürger fördert, sondern ihnen in Deutschland lebende ausländische Staatsbürger unter bestimmten Bedingungen gleichstellt. Hierzu gehören z.B. Familienangehörige oder Kinder deutscher Staatsbürger oder in Deutschland lebender ausländischer Staatsbürger mit Aufenthaltserlaubnis, Menschen die seit 4 Jahren in Deutschland leben und eine Niederlassungserlaubnis haben, Asylbewerber u.a. Hier der Link zu den Details des Bewerberkreises. Da in unserem Fall einige dieser Sonderfälle zutrafen, konnte ein  Projekt eingereicht werden.

Wichtig war wohl auf jeden Fall, dass das Projekt in unserem Fall nicht nur die archäologische Forschung abdeckt, sondern auch einen großen Anteil von Vermittlungsarbeit in Schulen und regionalen Einrichtungen beinhaltet sowie die Tatsache, dass die Ergebnisse langfristig lokal und regional zur Verfügung stehen sollen und im besten Fall zur Entwicklung zukünftiger Projekte in der Region beitragen können.

Nach Einreichung der Dokumente fand eine erste Auswahl statt, wobei die Projekte durch den DAAD durchgesehen werden und eine Auswahl der Antragsteller in einem zweiten Schritt zu einem Auswahlgespräch eingeladen wird. Der Zeitraum zwischen Einreichung und Einladung betrug ca. 5 Wochen. Die Auswahlgespräche selber fanden ca. 7-8 Wochen nach Einreichung des Projektes statt und dauern ca. 20 Minuten. Ein Termin (Tag und Zeit) werden vorgegeben. Eine Kommission von 8 Personen, darunter Mitarbeiter des DAAD und Experten des jeweiligen Fachgebietes sowie Muttersprachler des gewählten Gastlandes bitten den Bewerber, die Relevanz und Durchführbarkeit seines Projektes kurz darzustellen und zu begründen. Nachfragen werden gestellt, Details besprochen.

Nach dem Auswahlgespräch stehen ca. 2 Wochen Wartezeit an, in denen eine Auswahl unter den Bewerbern getroffen wird. Dann erfolgt, ebenfalls über das DAAD-Portal die Benachrichtigung über Erhalt oder Nichterhalt des Stipendiums. In unserem Fall: Positiv!

Und interessanterweise verrät der DAAD mittlerweile auch, aus wievielen Bewerbern man ausgewählt wurde. Früher hätte mich das immer interessiert, die Information war aber nirgends zu erhalten. Jetzt steht sie direkt im Zusagebrief drin: Von 235 Bewerbern erhielten 53 Personen ein Stipendium – eine Quote von ca. 20 %. Ich finde es wichtig, den Bewerbern diese Rückmeldung zu geben, denn es ist doch etwas anderes, wenn ein Großteil aller Bewerbungen gefördert wird, oder eben nur 20 %, sodass man auch eine Idee davon bekommt wo man mit seinem Projekt qualitativ steht.

Unser Projekt wird also gefördert – und nächstes Jahr wird sehr arbeitsintensiv!

1b Pacajes

 

 

 

 

 

 

ENGLISH VERSION

Today I will write about an essential experience in archaeology: the search and application for grants. In this case I will write about a specific German institution: the DAAD, The German Academic Exchange Service. My google search showed that there are very few concrete experiences published about it, so this will be about

A 12-month-grant for Ph.D. candidates, which can apply two times a year presenting a project at the DAAD.

The DAAD as „the largest funding organisation in the world supporting the international exchange of students and scholars” (have a look at https://www.daad.de/portrait/wer-wir-sind/kurzportrait/08940.en.html) finances a wide range of different projects in the scientific world which have to do with some kind of research abroad from bachelor students up to post doc studies. In this sense, the DAAD was the first option to think about when it came to searching funds for a project for next year, directed by an archaeologist related directly to me. As we live in Germany, we had to apply following the rules of “Informations for Germans”.

Since our last succesful application 7 years ago much has changed !

First: all projects and their related documents have to be delivered electronically via the DAAD portal, only the expertises have to be delivered via mail. On two specific dates, projects can be presented to the DAAD, in spring and in autumn, submitting the project itself, the online form, the CV, a list of publications etc.

Second: there is no age limit anymore. This is something that has seriously changed in the last years, because 7 years ago the age limit was “30 years”. This would have put an end to our funding even before starting to apply. Now, there is no limit, only the statement that the DAAD will review the project and evaluate it in respect to the expected outcome, regardless of the age of the submitting person. That’s great because its not age that determines the future of your project but the sustainability of the project itself.

Also important is the fact that the DAAD is not only funding German citizens, but also foreign citizens who are living in Germany if they fall into some discrete categories. This applies to family members of children of German citizens or foreign citizens who live in Germany and have a residence permit and the like. Here´s the link to the detailed description of the included categories of foreign citizens who may apply to funding on equal footing with German citizens. As we fell into some of these categories, we filed our project.

What is essential is the fact that the project does not “only” cover archaeological investigation but that it provides a large part of communication and presentations at colleges and regional institutions, providing a large bulk of general and specific information for the regional and local population. The results of the project will be provided to the local people and will hopefully  help them to develop future projects on their own.

After filing all the required documents there is a first selection of projects who will be refused and others that will enter the second level. In this second step, selected applicants are invited to present themselves and their project directly at the DAAD. There is a period of roughly 5 weeks before getting this invitation or the letter of decline of the project. The interviews themselves take place about 7 to 8 weeks after the presentation of the project and last about 20 minutes. The candidate has to travel to Bonn, Germany, the head quarter of the DAAD, and present him/herself at a specific time. A group of eight people, among them fellow scientists, DAAD staff and an expert of your special field of investigation will ask questions about the relevance and viability of the project, about your motivation and the like. There will be further questions and details will have to be specified when needed.

After this interview there will be a time to wait for the final decision. Will you get the funding or not? Via the electronic portal the DAAD sends the negative or positive notifications about the fund. In our case it was: positive!

And it is interesting that the DAAD has started to give information about how many other persons applied together with you on the same funding option. That was a question I had harbored a long time with former funding some years ago, and now they have begun to be very specific about it. You will be informed in the acceptance letter that there were 235 applicants, but only 53 of them received the funding. That is about only 20 %! I think it´s important to give this kind of feedback to applicants because it offers the possibility to get an idea about where to locate your project on an scientific level. Although there may be different factors influencing the decision of the selection commission, I think it is always good to know with how many people you actually competed.

So – we got the funding and next year there will be a lot of work!


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Spezialisierung vs. Allrounder oder: Europa vs. Südamerika // Specialization vs. Allrounder or: Europe vs. South America

Immer öfter sehe ich im Fernsehen Reportagen, die uns Archäologen zeigen, wie wir – medial gesehen – GANZ neue Forschungsmethoden anwenden. Man sieht Archäologen beim Satellitenbild auswerten, beim DNA-Erforschen, beim Zeichnen von Keramik mittels Computern.  Auch der Coursera-Kurs von dem neulich die Rede war, zeigt wieviele Spezialisten natürlich in einem Projekt zusammenarbeiten und welche Arbeiten man auslagert um möglichst gute Ergebnisse zu erhalten: sämtliche Analysen (Keramik, Stein, Knochen), viele statistische Arbeiten, nicht-invasive geologische Forschungen, etc. Es gibt sehr viele Spezialisten, die nötig sind um eine archäologische Arbeit aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten und zu interpretieren. Soweit – sogut, nur: dieses Bild stimmt nur für einen kleineren Teil der archäologischen Welt. Und zwar für Europa und Nordamerika und vielleicht noch für Gebiete die seit Jahrhunderten erforscht werden, wie etwa Ägypten.

Meine eigene Erfahrung ist jedoch völlig diametral zu diesen. Obwohl ich in Deutschland studiert habe, konnte mein Orchideenfach mir kaum praktische Archäologiekenntnisse vermitteln. Dazu musste ich mich im Nebenfach in die Ur- und Frühgeschichte einschreiben, wo ich aus Zeitgründen weniger Kurse belegen konnte als ich gewollt hätte. Meine praktische Erfahrung stammt aus Bolivien, wo ich in verschiedenen Projekten Grabungs- und Analyseerfahrung sammelte.

Und dort gelten völlig andere Regeln. In gut 90 % der dortigen Projekte ist man als Archäologe für Prospektion, Grabung und Analyse der Keramik zuständig. Möglichst auch noch für die Steinartefakte. Lediglich Knochen (tierische und menschliche) werden durch Spezialisten analysiert – wenn man sich die Dienste leisten kann und vorausgesetzt, der Einzige im Land Verfügbare hat Zeit. Zeichnungen und geographische Karten werden ebenfalls vom zuständigen Archäologen erstellt, eventuell (mit etwas Glück) unter Mitarbeit der geographischen Fakultät einer Universität. Luftbilder werden ebenfalls von ihm ausgewertet.

Als ich begonnen habe, in diesen bolivianischen Projekten auch größere Aufgaben zu übernehmen oder schließlich eigene Projekte zu leiten, gab es weder finanzielle noch personelle Kapazitäten um Aufgaben auszulagern. Von der Planung bis zur Keramikanalyse und dem Zeichnen und Fotografieren für die Publikation wurde alles durch eine Hand ausgeführt. Natürlich bleiben dabei viele spezielle Wissensmöglichkeiten auf der Strecke. Oft wählen wir beschreibende Methoden, um nicht durch falsche Analysen das Interpretationsbild zu verzerren. So habe ich seit Jahren einen beschreibenden Ansatz in der Keramikanalyse gewählt, da die Analyse mit einer Lupe mit 10 X und wenigen geologischen Kenntnissen dazu führt, dass man möglichst gut beschreiben sollte – um dann ausgewählte Stücke vielleicht zum Dünnschliff z.B. nach Argentinien weiterzuleiten (was ein größeres bürokratisches Vorgehen verlangt), sofern das möglich ist. Da man aber bis dahin auch publizieren und kommunizieren muss, beschränke ich mich auf beschreibende Ansätze. “Weiße weiche Einschlüsse” hilft da mehr als die selbst verzapfte Aussage “Quarzeinschlüsse” wenn man sich nicht sicher ist.

Wir beschränken uns auch bei der Beschreibung von Steinartefakten auf sichtbare Merkmale, da von einer Analyse von Mikrospuren noch nicht einmal ansatzweise ausgegangen werden kann und eine solche Analyse auch nicht viel Sinn machen würde, wenn man noch nicht mal weiß was in 50 Kilometer Entfernung an Steinartefakten vorliegt. Unsere Publikationen bilden das ab, was man als “Grundlagenforschung” beschreiben könnte. Wir betreten Gebiete, die noch nie einen Archäologen gesehen haben. Das hat auch Vorteile – man sieht manchmal unglaubliche Dinge und Funde. Und die Nachteile: wir sind darauf angewiesen, selber soviel wie möglich machen zu können. Denn Zeit, Geld und Personal lassen es gar nicht zu, dass man einige der anliegenden Aufgaben abgibt.

Heute werden auch in Südamerika viele neue Labore gebaut, die sich ausschließlich etwa mit der Analyse von Steinartefakten beschäftigen. Ist schön, sieht super aus und die Studenten finden es spektakulär. Aber: ist das wirklich sinnvoll? Wenn 80 % eines Landes noch nicht einmal ansatzweise archäologisch dokumentiert sind? Wäre es nicht wichtiger, rauszugehen und zu forschen? Zu prospektieren, zu sondieren, zu graben. Zu analysieren und zu publizieren. Die Mikroanalyse der 50 Steinabschläge aus Fundort XY? Bringen vielleicht interessante Ideen zum Gebrauch der Artefakte an diesem einen Ort. Der sehr wahrscheinlich als erforschter “Leuchtturm” in einem 1000 Kilometer-Umkreis steht. Besser wäre es doch eventuell, diese Ressourcen in flächendeckende Forschung zu stecken, bevor die umliegenden Fundorte weggepflügt sind oder unter der neuen Straße verschwinden.

Europa ist, wie es Manfred Eggert einmal sagte “so gut erforscht, dass nur noch quantitative Sprünge, aber keine qualitativen mehr zu erwarten sind“. Da ist eine Spezialisierung logische Folge, denn sie weitet das Untersuchungsgebiet aus. Schade ist aber, dass die Medien dies darstellen als wäre es die generelle archäologische Realität – es ist aber nur eine Momentaufnahme eines kleinen Teiles der archäologischen Welt.

English Version

Increasingly, there are documentals on TV that show an archaeological reality that uses (at last in the media´s view) completely new methods of investigation. I have seen archaeologists studying aerial photographs, I have seen them “deciphering the DNA” of Oetzi, I have seen them drawing ceramic sherds with and on laptops. At the Coursera course that I have recently presented there has been special emphasis on the team work that archaeologists do. How necessary it is to include a lot of specialists: on bones, on ceramics, on lithics, on flotation, for statistical works, for non invasive geological investigation etc. There are so many specialists that are necessary to get an archaeological investigation going and, over all, going on successfully. This may be true – but only for a certain part of the archaeological world: for Europe, North America and maybe some of the regions of the world which have a long term history of archaeological investigation, such as Egypt.

But my own experience is so far from this, so diametrally opposed that I wanted to write about it, at least here. Although I studied in Germany, my field of study didn´t offer any practical archaeological skills, so I had to inscribe to courses from other studies. Anyway, I spent my vacations mostly in Bolivia, where I was gathering practical experiences on excavation and analysis in archaeological projects. And the rules were completely different from the ones I learned at my university in central Europe. As an archaeologist, you are responsible for the survey, excavation and analysis of ceramic and (if possible) lithic material. Only bones are an exception to the rule and are submitted to specialists for their analysis. But this applies only if you have enough funds to pay some specialist for this analysis or if the only specialist available in the country has time to do it. You do all the drawings and most of the maps, if you are lucky there is some faculty of Geography involved in the project so you may get assistance on that field. The analysis of aerial photo is also the duty of the archaeologist and not of some external specialist.

So when I began to participate in these bolivian projects on a larger scale and, at last, to direct my own projects, there were no resources to rely on, there were no funds to get specialists involved. From planning the project to getting the ceramics analyzed, from photographing the finds to drawing finds for publication – it was all done by one person. Logically, you will only get somewhat fragmentary results this way. The specialists knowledge can never be replaced!  And so we select more descriptive methods in order to avoid wrong itnerpretations. This is in my case especially true for ceramic analysis, because the analysis of sherds with a 10 % augmented device and limited geological knowledge is not comparable to a thin section done by a specialist. This will maybe be done in our case if we get the funds and the permits to ship some sherds to Argentina. But you have to be able to communicate your finds and even publish them before it ever comes to sending this samples, so a sentence like: ”the sherd has white smooth inclusions” is more helpful than bloating out about Quarz inclusiosns when maybe they could also be – volcanic glass, p.e.

IN the case ot lithic artifacts we remit ourselves to a mere description and documentation because a micro analysis is completely out of thinking. And what would be the sense of doing these analysis if you don´t know what you may be finding in a 50 kilometer radius? Our publications show what may be called “basic investigation”. We investigate regions that haven´t been documented before. And there are advantages and disadvantages to this. You see sometimes incredible things and this makes you feel special. But we are absolutely pressed to do as many aspects of archaeological work by ourselves as we can. Because the restrictions of time, money and people impede that you delegate parts of your work.

Today, there are many new labs being funded in South America. There may be, p.e., laboratories working especially on lithic micro wear. That’s great and the students love it. But is it really meaningful? If you have a big section of a country not even remotely known in archaeological terms, wouldn’t it be better to investigate first? Document what´s left? Wouldn’t it be important to go out and do field work instead of investigating on the microscopical scale in a lab? To publish what´s out there? If you have the micro analysis of say, 50 lithics or sherds from a particular site and you publish these data when there are no other data available for a whole region of 1000s of km² – then how relevant are these data you got from the laboratory? I aprt form the idea that it would be preferable to invest the scarce funds archaeology gets in regional investigations and afterwards go for the special analysis. And this should be done before these regions have been covered by roads and houses or the archaeological sites have been destroyed by agricultural activities.

Europe has been, as Manfred Eggert once said, “so intensily archaeologically investigated that we can only expect quantitative leaps, but no qualitative ones.” For this reason, a specialization is a logical outcome because these are the fields where we may expect new data and new ideas. But I regret the fact that this picture is the one that the media present as a overall reality. It is not – it is only the partial reproduction of the archaeological world.