Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Die Rabattschlacht oder: wie wir uns selber devaluieren. / Discount battle or: how we devaluate ourselves

 

Cornelius Holtorf "Archaeology is a brand"

Cornelius Holtorf “Archaeology is a brand”

Anlass für diesen Post ist ein Erlebnis das ich neulich auf Arbeit hatte. Ich arbeite bei einem großen berliner Kulturveranstalter, der wie fast alle berliner Kulturveranstalter (zumindest im Bereich klassische Musik, Theater, Oper) Rabatte für Studenten anbietet. An diesem Tag kamen zwei nette junge Leute zu mir und kauften Karten für unser Kulturereignis. Sie bekamen sie zu einem sehr niedrigen Preis – sie waren ja Studenten. Der Preis lag ungefähr bei 90 % unter dem, was die Karte für einen “Normalkäufer” gekostet hätte. Als sie gingen, sah ich dass einer der beiden eine riesige Einkaufstüte trug – darin ein nagelneuer Karton mit Schuhen von Riccardo Cartillone. Ich besitze selber genau ein Paar dieser Schuhe & sie kosten eine niedrige 3-Stellige Summe – das Doppelte oder Dreifache dessen, was eine der besten Karten unserer Einrichtung kosten würde.

Ziemlich lange Einleitung – aber das war für mich der Anlass jetzt wirklich mal etwas zu diesem Thema zu sagen, bzw. einfach Fragen zu stellen. Fragen, zu denen ich nicht immer Antworten habe.

Kultur & Geisteswissenschaften sind ja immer wieder “zu teuer”. Angeblich möchten die Menschen nicht viel Geld für diese Dinge ausgeben, sei es für wissenschaftliche Forschung oder Kulturerlebnisse im klassischen Sektor (Freizeitparks, Zirkusse u.ä. ausgenommen). Es sei den Menschen nicht zu vermitteln, dass man hier soviel Geld bezahlen müsse, da sei kein Mehrwert erkennbar. Diese Argumente höre ich immer wieder auf der Arbeit von den Kollegen, die sich um die Preise kümmern. Mit einer gewissen Resignation, aber genauso stehen sie dann im Raum, die Aussagen. Statt einen vollen Preis bieten wir als Wissenschaftler und Kulturschaffende dann einen Rabatt an. Einen Preis “zum Anfüttern“, wie es auch gerne genannt wird. Wer einmal was für wenig Geld bekommen hat, wird beim nächsten Mal für die gleiche Qualität unserer Arbeit gerne mehr zahlen! So die Idee. Volontariat mit 800 € Monatslohn für Menschen mit Promotion? Aber gerne! Karten für 10,- € – aber sicher doch!

Wer auch nur ein einziges Marketingseminar besucht hat (ich hab das letztes Jahr mal online gemacht) stellt fest: zum Thema Rabatte gibt’s eine sehr sehr diverse Diskussion. Und das o.g. Argument ist sehr sehr kontrovers. Wenn es nämlich zu lange zu viele Rabatte gibt, dann kauft niemand mehr zum vollen, (auch nur halbwegs) gerechten Preis.

Menschen (nicht nur Studenten, sondern auch berufstätige Erwachsene), die bei mir aber Karten zu einem Spottpreis erwerben und noch nicht einmal ansatzweise darüber nachdenken mehr dafür auszugeben, haben offensichtlich überhaupt kein Problem damit, große Mengen Geldes für Konsumgüter auszugeben. Reisen, Schuhe, Häuser, Kleidung, Essen. Aber gerne doch, aber bitte sehr. Hochpreisig, qualitätsvoll.  Aber Kultur & Geisteswissenschaft – das kriegt man sicher günstiger. Da ist doch immer jemand, ders billiger macht. Nur Riccardo Cartillone oder Butter Lindner, die geben keine Rabatte auf ihre Qualitätsprodukte.

Vor einigen Monaten las ich das großartige Buch “Archaeology is a Brand” von Cornelius Holtorf.  Es dreht sich um die Rolle der Archäologie in der heutigen Gesellschaft, ihre Vermarktung und die Wurzeln dieser Faszination dafür. Hier möchte ich aber nur ein winziges Detail aufgreifen, das mich zunächst eher rätseln hat lassen: An den unteren Seitenecken taucht eine Zeichnung eines Männchens auf, der offensichtlich alte Töpfe anbietet. “Töpfe: 1 Pfund” liest man da. Über Seiten hinweg will niemand diese alten Dinger. Auf einmal setzt er den Preis herauf: 100 Pfund. Wenn man das ganze Buch durchgelesen hat, verkauft er seine Töpfe plötzlich für 100 Pfund und alle sind weg. Verkauft.

Das ist, in graphischer Form, eine Zusammenfassung dessen, was ich in der Realität immer wieder erlebe: wenn ich für meine Arbeit einen gerechten Betrag fordere und nicht die Hungerbeträge mancher Stipendienanbieter oder gratis Arbeit ausschließe – dann bekomme ich meist auch den geforderten Betrag und/oder mehr Respekt. Und genau dieses Phänomen erlebe ich auch in der Kultur. Für hochpreisige Angebote findet sich immer mehr Respekt.

Natürlich, da gibt’s jetzt ganz viele Gegenargumente. Zum Beispiel den Bildungsauftrag der Kultur & Wissenschaft. Oder das Dazusein-Haben auch für Menschen mit geringem Einkommen. Oder die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft von Wissenschaft und Kultur. Ich frage mich nur: warum müssen Geisteswissenschaft und Kultur für die Gesellschaft dasein, kriegen aber nix dafür? Oder nur nach langem Ringen und dann in minimaler Form? Der Bildungs- und Forschungsauftrag  werden auf die Rücken derer geladen, die sie ausführen. Sie werden dafür aber nicht honoriert, weder monetär noch emotional.*

Es ist nicht mehr vermittelbar, dass in unserer monetär geprägten Gesellschaft etwas, das wenig Geld kostet, AUCH einen Wert hat! Oder Bedeutung & Relevanz! Was wenig kostet – ist wenig wert. So der gesellschaftlich anerkannte Tenor, den man genauso vom Aldi in die Geisteswissenschaften übersetzen kann. Einen höheren, gerechten, Preis zu fordern sagt auch: ICH BIN ES WERT. Da kann man dem kapitalistischen System gegenüber stehen wie man will, es ist momentan doch so: Wer mehr kostet, bietet (gefühlt) mehr Qualität. Und bekommt mehr Respekt zurück.

Seit ein-zwei Jahren halte ich es ebenso wie Ricardo Cartillone. Meine qualitätsvolle Arbeit in den Geisteswissenschaften biete ich nur noch, wenn man mir dafür einen gerechten, meine Kosten deckenden UND ein Gehalt zahlenden Betrag anbietet. Das bedeutet, dass ich manche Dinge nicht mehr tue. Und mich auf manche Stipendien nicht mehr bewerbe. Es bedeutet, dass ich zurückstecke und meine wissenschaftliche Karriere nicht so verfolge wie es andere tun und stattdessen andere Arbeiten annehme. Gratis-Arbeiten nehme ich nur an wenn mir ein Thema wirklich am Herzen liegt und auch dann nur in geringem Umfang. Aber ich will es nicht mehr und ich kann es auch nicht mehr. Meine Familie & ich sollen von meiner Arbeit leben können.

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*Das kann man jetzt genauso auch in die Bildungsdebatte übertragen: auch hier wird ja nichts “geschaffen”. Nur junge Menschen werden geformt, für ihr Leben. Aber das zählt natürlich nichts, weswegen man Erzieher & Lehrer gerne bezahlen kann wie Tagelöhner.

Literatur zum Weiterlesen: http://artanddebt.org/artist-as-debtor/

ENGLISH VERSION

The reason for this post is something I experienced at work some time ago. I work for one of the big cultural institutions at Berlin, which offers (like almost very other big cultural player in this city) special discounts for students. At this particular day two young people came to buy tickets and paid a very verly low fee for them. They were students and thus the price was about 90 % lower than the regular price. When they went away I saw that they were carrying a big shopping bag, containing a brand new pair of shoes by Riccardo Cartillone. I own a pair of these and I can tell you that they cost about a low three-digit sum, two or three times the price of the best tickets of our institution, paying the regular price.

Now, that was a rather long introduction – but it was the trigger to say something about this topic, or at least to ask some questions. Questions, that I can´t always answer.

The Humanities and Cultural Sciences are always “too expensive”. Presumably people won´t pay money for these things, be it scientific investigations or cultural experiences in the classical sense (excluding circus, leisure parks and the like). Presumably it can´t be communicated to “the people” to pay so much money, because there is –presumably – no added value. These arguments are being put forth by many of my colleagues that are in charge of making prices. With some resignation, but just so, these statements are made. And instead of demanding the full price we as scientists or persons engaged in the cultural sector charge reduced fees. We offer dicsounts. A price “to bait” the public so that they come back and pay the full price next time beacuse we showed them the great value of our work. A person who bought something off us for a reduced price might come back the next time and give us a higher price. At least thats the idea. Voluntary service for people with a Ph.D. for 800 € / month? Sure! Tickets for 10,- € each? Definitely!.

If you attend just one tutorial on marketing (which I did online twice) learns: there is a big, a huge discussion involving discounts. And the argument above mentioned is being debated very very controversially. Because if you offer discounts too long, nobody´ll want to buy anything at the regular price.

People (not only students, working people as well) who buy tickets at a ridiculous price don´t think about paying just one cent more, but they obviously have no problem whatsoever with spending huge amounts of money on other goods. Travelling, shoes, houses, clothes, food. With pleasure! Please, let it be high quality, high price items! But culture and humanities – no, there is surely some discount to be had. There´s always somebody who will offer the same service for a lower price. But Riccardo Cartillone and Galerie Lafayette – they don´t offer discoutns on their high quality products.

Some months ago I read a fantstaic book by Cornelius Holtorf: “Archaeology is a Brand”. It centers on the role of archaeology in todays society, its marketing and the roots of popular fascination with archaeology. But the detail I want to present here is something that had me baffled for some time when reading the book. On the lower corners of the pages was the image of a small figur selling old pots. “Pots: 1 Pound” it reads. For pages and pages, nothing changes in this image. Suddenldy, the price is higher: “Archaeology: 100 Punds”! And when you finish the book, all pots have been sold – at 100 Punds each.

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That is, in a graphic form, a summary of something I experience again and again: when I charge a fair price for my work and not the ricidulous wages of some institutions or even work for free- that´s when I normally get the price I ask for and/or I get more respect. And its the same in the cultural sector. When something costs more, you get more respect for it. Of course, there are a lot of counterarguments. There is, p.e., the educational function of culture & humanities. Or the necessity to garantee the equal participation of people with low incomes at the cultural life of our society. But I do ask myself: why do we have to provide for the society but won´t get anything in return? Or only after insisting and long ardous battles and than there are only minimal amounts of money to be had? The educational function and the research assignments have been saddled on the people who are doing the works related to these functions. But they won´t be rewarded for it, either monetary nor emotionally.

Its difficult to place in our monetary society that something that doesn´t cost much money can although have value. Or relevance and meaning! If it costs little, its worth little. Thats common place in our society, and can be transferred directly from the supermarket to the Humanities. To charge a higher, a fair price, has another meaning to it, too: I AM WORTH IT. You may think about capitalism whatever you like, currently the situation reads like this: if you charge more, you are higher quality. And you get more respect. Since last year I act like Riccardo Cartillone. My high quality work at the Humanities is only to be had if I get an amount that covers my expenses AND includes a fair wage. That means, that I don´t do some things anymore. And there are grants that I don´t apply to anymore. It means that I don´t do as everybody else and offer myself at ridiculous wages, hoping to get a proper career someday. And I only do projects for free if I really love the topic. I won´t do it anymore and I can´t, either. My family & I should be able to live off my work. And I charge what is necessary for this aim.

Suggested Reading: http://artanddebt.org/artist-as-debtor/

 

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Rezension: D. Mölders & S. Wolfram (Hrsg.) “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie”

Der Waxmann Verlag war so freundlich mir ein Exemplar des 2014 erschienenen Sammelbandes “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie” zuzusenden, herausgegeben von Doreen Mölders & Sabine Wolfram. Vielen Dank an den Verlag, dass Sie auch Internetpublikationen als so wertvoll betrachten dass Sie mich kontaktieren! Aufgrund von Zeitbeschränkungen und der generell unbezahlten Arbeit für diesen Blog kann ich nicht immer alles rezensieren, was mir angetragen wird, sondern beschränke mich auf die Publikationen, die es mir wirklich wert sind. So auch im Fall dieses (es sei vorab gesagt!) großartigen Buches.

Alleine der Titel klang so, dass ich mir vorstellte hier gebündelte, aktuelle Informationen zu erhalten, in einer kurzen, übersichtlichen Fassung. Genau das Richtige um während einer wissenschaftlichen Arbeit kurz nachzuschlagen, weiterführende Literatur vorgeschlagen zu bekommen und einen ersten Eindruck eines Schlüsselbegriffes mitzunehmen. Soweit meine Idee. Dass die Reihe “Tübinger Archäologische Taschenbücher“, aus der das Buch stammt, von Manfred K.H. Eggert mit herausgegeben wird war ein zusätzlicher Pluspunkt, da ich seine Arbeiten generell sehr schätze. Da ich aber keine Deutschland-zentrierte Forscherin bin, sind mir die Diskurse und Ideen der Prähistorischen Archäologie zwar bekannt, aber ich bin nie ganz up to date, da Diskurse in Lateinamerika noch einmal andere sind als hierzulande. Dazu der fachspezifische und persönliche Forschungsfokus – schon ist man in vielen Debatten nur am Rande dabei, und nur in sehr wenigen wirklich drin. Um so wichtiger ist es zu wissen wo man fundierte, kurz gehaltene Informationen bekommen kann wenn man in ein Thema tiefer einsteigen will.

Als das Buch vor mir lag war schnell klar, dass es noch viel besser war als gedacht. Alleine die Liste der Autoren für die einzelnen Schlüsselbegriffe las sich für mich wie ein Who-is-Who aktueller Themen mit denen ich in den letzten ein-zwei Jahren immer wieder zu tun hatte:

Sebastian Brather, zum Thema Ethnos. Stefan Schreiber, zum  Thema Materielle Kultur. Stefanie Samida, Manfred K.H. Eggert, Cornelius Holtorf, Miriam Senecheau, Susan Pollock, Reinhard Bernbeck und Julia Koch, um nur die zu nennen von denen ich schon Publikationen kannte und schätzte. Auch die gewählten zentralen Schlüsselbegriffe bilden einen Mikrokosmos der momentanen Debatten in der archäologischen Forschung – und damit meine ich nicht nur die deutsche, sondern auch die englischsprachige und zum Teil auch die lateinamerikanische. Vieles davon deckte sich mit Themen, die hier im Blog schon öfter auftauchten: “Archäologie und Kunst”, “Archäologie und Öffentlichkeit”, “Archäologie und Politik”. “Materielle Kultur”, “Postkoloniale Archäologie”, “Strukturalismus”, “Kulturbegriff”. “Lebensbilder”, “Landschaftsarchäologie”, “Ethnos”. Dazu die eher klassischen, von mir erwarteten: “Analogie”, “Archäologie(n)”, “Klassifikation”, “Gräberanalyse”, “Typologie”, “Weltsystem”, “Stratigraphie” und so weiter. Also wichtige, grundlegende methodische Begriffe und dazu Themen, die von vielen mitdenkenden Menschen und Wissenschaftlern dieser Tage immer wieder besprochen werden. Insgesamt eine großartige Auswahl von 57 Themen und Schlüsselbegriffen.

Jeder einzelne wird von einem, in Einzelfällen auch zwei, Autoren bearbeitet und auf 3-4 Seiten kurz vorgestellt. Am Ende stehen 3-5 essentielle Literaturvorschläge, alle weiteren finden sich in einem extensiven Literaturverzeichnis am Ende des Buches, sodass auch noch mehr weiterführende Recherchen möglich sind, wenn man das gerne möchte.

Da ich das Buch gerne zeitnah besprechen wollte, gebe ich gerne zu dass ich nicht alle Beiträge gelesen habe, sondern eher die Hälfte. Davon bezog sich ein Großteil auf Themen, die interdisziplinäre und eher konfliktive Themen betreffen (“Postkoloniale Archäologie”, “Archäologie & Medien”, etc.). Aber auch eher sehr fachspezifische wie “Typologie”,  “Zentralort” oder “Weltsystem” waren dabei. Jeder Schlüsselbegriff wird zunächst kurz (im Bezug auf die Archäologie und ihre Nachbarwissenschaften oder für sich allein) definiert, dann historisch aufgearbeitet und am Ende in einer kurzen kritischen Betrachtung zusammengefasst. Die Texte sind durchdrungen mit kritischen Bewertungen der jeweiligen forschungsgeschichtlichen Nutzung des Begriffes oder des Beziehungsgeflechtes (wenn es z.B: um Themen wie “Archäologie und …..” geht) und enthalten immer wieder weiterführende Literaturangaben zu zentralen Werken die mit dem Begriff in Beziehung stehen sowie auf andere Schlüsselbegriffe im Buch selber, sodass man kreuzlesen kann.

Obwohl ich sonst sehr kritisch bin, ist es mir schwergefallen an diesem Buch etwas Negatives zu finden. Natürlich erlaubt es die Kürze der Beiträge nicht, besonders intensive detaillierte Auseinandersetzungen mit den Begriffen anzubieten – das ist ja auch nicht das Anliegen. Manchmal wollte ich mehr wissen, mehr lesen, mehr erfahren – aber die Autor/in bot eben einen kurzen Anschnitt des Themas und kein ganzes Buch dazu. Das ist auch gut so, denn meine Zeit erlaubt es eigentlich nicht zu jedem Begriff ein ganzes Buch zu lesen. 3-4 Seiten sind dagegen perfekt! Was mich an manchen Stellen etwas störte war die Konzentration von Leseempfehlungen auf Publikationen des Autors selber. Allerdings kam dies nur selten vor und konnte durch Blättern im Literaturverzeichnis am Ende auch umgangen werden – immerhin werden dort alle genannten Publikationen noch einmal aufgelistet.

Ein weiterer positiver Punkt für mich war die Bezugnahme auf Schlüsselbegriffe der englischsprachigen Archäologie, die mittlerweile auch nach Deutschland hinübergreifen. In vielen Texten kamen auch die englischen Schlüsselbegriffe vor, sodass ein schneller Einblick in diese Debatten ebenfalls möglich ist.

Prinzipiell ist es also ein großartiges Buch, das viele Themen aufgreift die absolut notwendig sind und den Blick schärft für ihre historische Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge mit politischen, sozialen oder interdisziplinären Gegebenheiten. Gleichzeitig ist es ein Grundlagenbuch das jedem Studenten der Archäologie eine kurze Einführung in essentielle Begriffe des Faches anbietet, ohne dabei langatmig oder verschwurbelt daher zu kommen. Kurze Erklärung, kurzer Kontext, kurze Zusammenfassung + Literatur. Punkt. Und daher anders als die anderen Einführungswerke in die Prähistorische Archäologie der letzten 15 Jahre, die ich zwar auch mag, aber die eben genau dieses Kurze meist nicht bieten. Oder die zwar eine Einführung bieten, aber interdisziplinäre Themen rauslassen oder nur kurz angehen. Gerade diese finde ich aber immens wichtig weil sie die Lebenswirklichkeit des Faches mitbestimmen. Insofern finde ich gerade die Zusammenstellung der Themen immens wichtig und genau richtig. Wir müssen wissen was eine Typologie ist, aber wir sollten uns auch mit dem Thema “Archäologie und Medien” befasst haben – wenigstens am Rande! Diese Mischung von fachinternen Begriffen und in die Gesellschaft hinüberreichenden Themen ist es, die dieses Buch für mich absolut herausragen lässt.

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie