Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Rezension: D. Mölders & S. Wolfram (Hrsg.) “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie”

Der Waxmann Verlag war so freundlich mir ein Exemplar des 2014 erschienenen Sammelbandes “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie” zuzusenden, herausgegeben von Doreen Mölders & Sabine Wolfram. Vielen Dank an den Verlag, dass Sie auch Internetpublikationen als so wertvoll betrachten dass Sie mich kontaktieren! Aufgrund von Zeitbeschränkungen und der generell unbezahlten Arbeit für diesen Blog kann ich nicht immer alles rezensieren, was mir angetragen wird, sondern beschränke mich auf die Publikationen, die es mir wirklich wert sind. So auch im Fall dieses (es sei vorab gesagt!) großartigen Buches.

Alleine der Titel klang so, dass ich mir vorstellte hier gebündelte, aktuelle Informationen zu erhalten, in einer kurzen, übersichtlichen Fassung. Genau das Richtige um während einer wissenschaftlichen Arbeit kurz nachzuschlagen, weiterführende Literatur vorgeschlagen zu bekommen und einen ersten Eindruck eines Schlüsselbegriffes mitzunehmen. Soweit meine Idee. Dass die Reihe “Tübinger Archäologische Taschenbücher“, aus der das Buch stammt, von Manfred K.H. Eggert mit herausgegeben wird war ein zusätzlicher Pluspunkt, da ich seine Arbeiten generell sehr schätze. Da ich aber keine Deutschland-zentrierte Forscherin bin, sind mir die Diskurse und Ideen der Prähistorischen Archäologie zwar bekannt, aber ich bin nie ganz up to date, da Diskurse in Lateinamerika noch einmal andere sind als hierzulande. Dazu der fachspezifische und persönliche Forschungsfokus – schon ist man in vielen Debatten nur am Rande dabei, und nur in sehr wenigen wirklich drin. Um so wichtiger ist es zu wissen wo man fundierte, kurz gehaltene Informationen bekommen kann wenn man in ein Thema tiefer einsteigen will.

Als das Buch vor mir lag war schnell klar, dass es noch viel besser war als gedacht. Alleine die Liste der Autoren für die einzelnen Schlüsselbegriffe las sich für mich wie ein Who-is-Who aktueller Themen mit denen ich in den letzten ein-zwei Jahren immer wieder zu tun hatte:

Sebastian Brather, zum Thema Ethnos. Stefan Schreiber, zum  Thema Materielle Kultur. Stefanie Samida, Manfred K.H. Eggert, Cornelius Holtorf, Miriam Senecheau, Susan Pollock, Reinhard Bernbeck und Julia Koch, um nur die zu nennen von denen ich schon Publikationen kannte und schätzte. Auch die gewählten zentralen Schlüsselbegriffe bilden einen Mikrokosmos der momentanen Debatten in der archäologischen Forschung – und damit meine ich nicht nur die deutsche, sondern auch die englischsprachige und zum Teil auch die lateinamerikanische. Vieles davon deckte sich mit Themen, die hier im Blog schon öfter auftauchten: “Archäologie und Kunst”, “Archäologie und Öffentlichkeit”, “Archäologie und Politik”. “Materielle Kultur”, “Postkoloniale Archäologie”, “Strukturalismus”, “Kulturbegriff”. “Lebensbilder”, “Landschaftsarchäologie”, “Ethnos”. Dazu die eher klassischen, von mir erwarteten: “Analogie”, “Archäologie(n)”, “Klassifikation”, “Gräberanalyse”, “Typologie”, “Weltsystem”, “Stratigraphie” und so weiter. Also wichtige, grundlegende methodische Begriffe und dazu Themen, die von vielen mitdenkenden Menschen und Wissenschaftlern dieser Tage immer wieder besprochen werden. Insgesamt eine großartige Auswahl von 57 Themen und Schlüsselbegriffen.

Jeder einzelne wird von einem, in Einzelfällen auch zwei, Autoren bearbeitet und auf 3-4 Seiten kurz vorgestellt. Am Ende stehen 3-5 essentielle Literaturvorschläge, alle weiteren finden sich in einem extensiven Literaturverzeichnis am Ende des Buches, sodass auch noch mehr weiterführende Recherchen möglich sind, wenn man das gerne möchte.

Da ich das Buch gerne zeitnah besprechen wollte, gebe ich gerne zu dass ich nicht alle Beiträge gelesen habe, sondern eher die Hälfte. Davon bezog sich ein Großteil auf Themen, die interdisziplinäre und eher konfliktive Themen betreffen (“Postkoloniale Archäologie”, “Archäologie & Medien”, etc.). Aber auch eher sehr fachspezifische wie “Typologie”,  “Zentralort” oder “Weltsystem” waren dabei. Jeder Schlüsselbegriff wird zunächst kurz (im Bezug auf die Archäologie und ihre Nachbarwissenschaften oder für sich allein) definiert, dann historisch aufgearbeitet und am Ende in einer kurzen kritischen Betrachtung zusammengefasst. Die Texte sind durchdrungen mit kritischen Bewertungen der jeweiligen forschungsgeschichtlichen Nutzung des Begriffes oder des Beziehungsgeflechtes (wenn es z.B: um Themen wie “Archäologie und …..” geht) und enthalten immer wieder weiterführende Literaturangaben zu zentralen Werken die mit dem Begriff in Beziehung stehen sowie auf andere Schlüsselbegriffe im Buch selber, sodass man kreuzlesen kann.

Obwohl ich sonst sehr kritisch bin, ist es mir schwergefallen an diesem Buch etwas Negatives zu finden. Natürlich erlaubt es die Kürze der Beiträge nicht, besonders intensive detaillierte Auseinandersetzungen mit den Begriffen anzubieten – das ist ja auch nicht das Anliegen. Manchmal wollte ich mehr wissen, mehr lesen, mehr erfahren – aber die Autor/in bot eben einen kurzen Anschnitt des Themas und kein ganzes Buch dazu. Das ist auch gut so, denn meine Zeit erlaubt es eigentlich nicht zu jedem Begriff ein ganzes Buch zu lesen. 3-4 Seiten sind dagegen perfekt! Was mich an manchen Stellen etwas störte war die Konzentration von Leseempfehlungen auf Publikationen des Autors selber. Allerdings kam dies nur selten vor und konnte durch Blättern im Literaturverzeichnis am Ende auch umgangen werden – immerhin werden dort alle genannten Publikationen noch einmal aufgelistet.

Ein weiterer positiver Punkt für mich war die Bezugnahme auf Schlüsselbegriffe der englischsprachigen Archäologie, die mittlerweile auch nach Deutschland hinübergreifen. In vielen Texten kamen auch die englischen Schlüsselbegriffe vor, sodass ein schneller Einblick in diese Debatten ebenfalls möglich ist.

Prinzipiell ist es also ein großartiges Buch, das viele Themen aufgreift die absolut notwendig sind und den Blick schärft für ihre historische Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge mit politischen, sozialen oder interdisziplinären Gegebenheiten. Gleichzeitig ist es ein Grundlagenbuch das jedem Studenten der Archäologie eine kurze Einführung in essentielle Begriffe des Faches anbietet, ohne dabei langatmig oder verschwurbelt daher zu kommen. Kurze Erklärung, kurzer Kontext, kurze Zusammenfassung + Literatur. Punkt. Und daher anders als die anderen Einführungswerke in die Prähistorische Archäologie der letzten 15 Jahre, die ich zwar auch mag, aber die eben genau dieses Kurze meist nicht bieten. Oder die zwar eine Einführung bieten, aber interdisziplinäre Themen rauslassen oder nur kurz angehen. Gerade diese finde ich aber immens wichtig weil sie die Lebenswirklichkeit des Faches mitbestimmen. Insofern finde ich gerade die Zusammenstellung der Themen immens wichtig und genau richtig. Wir müssen wissen was eine Typologie ist, aber wir sollten uns auch mit dem Thema “Archäologie und Medien” befasst haben – wenigstens am Rande! Diese Mischung von fachinternen Begriffen und in die Gesellschaft hinüberreichenden Themen ist es, die dieses Buch für mich absolut herausragen lässt.

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

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Mini-Museum oder Die Vergangenheit im Getränkemarkt./ Mini-Museum or: History at the Corner Shop

Wann ist ein Museum eigentlich ein Museum? Wenn es mehrere Räume hat? Oder viele Besucher? Oder dauerhaft in der sozialen Gemeinschaft verankert ist? Die ICOM sagt ja: “Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ (ICOM 2006). Ein Ausstellunghaus hingegen: Haus, das im Wesentlichen auf eine eigene Sammlung verzichtet, aber auch keine Verkaufsausstellungen veranstaltet.” Gedenkstätten? Und was ist mit Folgendem:

Im berliner Stadtteil Friedrichshain gibt es ein “Museum”, dass eigentlich nur aus drei Billy-Regalen besteht und das mitten im Getränkemarkt aufgebaut ist. Dort steht es seit Jahr und Tag und jeder Besucher/Käufer kommt dran vorbei. Viele bleiben stehen, schauen, fragen etwas zu den Objekten. Friedrichshain liegt im Osten der Stadt, also im ehemals sozialistischen Gebiet der DDR. Und der Besitzer des Getränkemarktes hat hier Objekte ausgestellt, die nur ein einziges Merkmal eint: sie alle stammen aus der DDR und gehören zur Alltags-Welt dieses vergangenen Staates. Von der Brause (aka Limonade) bis zum Radio ist einiges vertreten und auf Nachfrage erzählte er mir, das alles hätten ihm Kunden vorbeibracht, die Ausstellung ist also im Wachsen begriffen. Warum aber stellt er das hier alles aus? Was ist der Zweck davon und was die Motivation, das alles abzustauben und zu erweitern? Der Besitzer sagte einfach nur: “Wir hatten die Sachen zuhause und denn ham die Kunden da immer ooch ma wat mitjebracht! Und nu steht dit ehm hier!”.

Kleine Museen, wie etwas die Heimatstube in Raddusch, oder eben die drei Billy-Regale im Getränkemarkt gehören ganz sicher zu den “Wilden Museen” *. Ein Museum der Kleinen Leute. Hier steht das Objekt nur für sich, es wird nicht abgegrenzt, es ist kein Bild, Symbol für irgendetwas (Janelli 2012: 28). Nein, es soll uns einfach nur erinnern an etwas das war. Das so nicht mehr existiert, aber in uns noch weiterlebt. Ganz ohne Beschriftung und Erklärung sprechen hier die Dinge für sich selbst. für manche als Erinnerungs-Jogging, für andere als exotisches Ding aus vergangenen Zeiten ohne jegliche Verbindung zu einem selbst. Hier kommen Menschen ins Gespräch – darüber was das für Dinge sind, wofür sie benutzt wurden. Sie erzählen einander davon, wie schwer es war diese Dinge zu bekommen in der sozialistischen Planwirtschaft.

Es ist eine sehr lebendige Sache, so ein Minimuseum im Getränkemarkt. Und es ist nicht so konsumbasiert wie andere Ausstellungen in Einkaufszentren, und auch nicht effektheischend. Es ist eher eine Erinnerung und ein Gesprächsgrund. Lebendige Geschichte – für den, der sich darauf einlassen will.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.

Museum im Getränkemarkt - Sprache der Dinge Blog

Museum im Getränkemarkt – Sprache der Dinge Blog

Foto 3 Foto 2ENGLISH VERSION

When is a Museum a Museum? Is there a minimum size? Or a minimum amount of visitors? Or does it have to be permanently linked to its surrounding society? The ICOM says: “A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.” (ICOM 2007). What about “exhibition buildings” that don’t have their own collections but exhibit? And what about memorial places – “A memorial is a structure built in order to remind people of a famous person or event.”? And what about the following:

In the Berlin neighborhood of Friedrichshain, there’s a museum that consists mainly of three shelves that are placed directly in a small super market. It has been there for some years and every day visitors / clients come along and have a look at it while buying drinks and alcohol. Many of them stop for a minute and start chatting about the things at display, talking to each other, asking the proprietor about his collection or just remembering events related to these objects in their own lives. Friedrichshain is located at the Eastern part of Berlin and belonged to the former socialist GDR. And the proprietor has on display objects from GDR-times. They all belonged to the everyday life of this lost state: starting with lemonade bottles and up to radios there’s almost everything on display and when I asked him how the things got here and if they belonged to him, he told me that clients had started to bring these things over and are still doing it. The collection is growing. But why does he exhibit these objects? What´s his motivation? Where does the energy to preserve these things come from, to look after them and have them cleaned all the time? The only answer I got was: “Well, we had these things at home, then we put them here, the clients started to bring other things around and now they are just here!”.

Small museums, as the typical local museum consisting of one or two small rooms crammed with objects collected by a mostly private person, or these three shelves at the supermarket belong surely to what is called “Wild Museums” or “amateur museums”. Its ” a museum for ordinary people”*. Here, the object represents itself, its not a symbol or a an image of something. It just is itself, reminding us of personal events or memories. Reminding us of something that doesn’t exist anymore – without any explanation the objects speak for themselves, raise questions or curiosity. It´s like memorizing for some people or being an exotic object for others. People get to talk to each other contemplating the objects, because these represent so many different, personal ideas. At the supermarket, people talk about how difficult it was to buy these objects in socialist times, relating very personal stories to strangers. Others wonder about the design or function. Anyway, they make people talk.

It’s a very animated thing, this little museum at the supermarket. And its not centered on consuming things, like the exhibitions in shopping malls and it doesn’t want to get your attention no matter what. Its just living history and living memory. For anybody who likes to join.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.


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Humboldt-Box & Spree Side Gallery an der Spree /

Mit der Humboldt-Box verhält es sich so: sie steht seit Jahr und Tag an dem Ort, an dem ja irgendwann in den nächsten Jahren das Humboldt-Forum errichtet sein soll, mitsamt all den außereuropäischen Kulturen, die dann ins geplante Museum einziehen sollen. Solange das aber noch nicht so ist, hält die Humboldt-Box als Infocenter die Fahne hoch. Leider habe ich es noch nie geschafft tatsächlich reinzugehen, aber immerhin kann ich den Twitteraccount der Humboldt-Box (@HumboldtBox) und den Facebook-Account (Humboldt-Box Berlin) wirklich empfehlen. Angenehm aufbereitete, informative und personalisierte Daten im Tagestakt.

Und an einem lauen Sommerabend hatte ich immerhin aber Zeit, im Vorbeigehen auch eines der neueren Projekte der Humboldt-Box anzusehen: die Spree Side Gallery entlang/im Bauzaun an der Spree. Beworben am Beginn als Beispiel für menschliches Miteinander, kultureller Dialog und historische Reflektion (s.Foto 2), hatte ich mir schon Einiges erwartet. Denn der Baugrund des Humboldt-Forums war in den Jahren vor Baubeginn für einige schöne Überraschungen gut, darunter eine temporäre Ausstellungs-Intervention im Rahmen der 775-Jahr-Feier Berlins. Dem Ganzen den Namen “Spree Side Gallery” zu verpassen schien da etwas vermessen, immerhin evoziert dies ja doch die East Side Gallery und damit einen der fünf meist besuchten Orte Berlins (lt. Eigenwerbung), an dem Kunst im öffentlichen Raum (nämlich den Resten der berliner Mauer) seit über 25 Jahren für stetige Besucherzahlen und eine konkrete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sorgt.

Denn dann hängen in der Realität dort an der “Spree Side Gallery” eben einfach große Fotos von Menschen unter dem Obertitel “Jung und Alt“. Menschen aus aller Welt, eben Alte und Junge. Manchmal auf einem Foto vereint, z.B. auf einer Parkbank sitzend oder als Familie. Manchmal für sich. Ohne Kontext, nur mit einer kurzen Bildunterschrift á la “Junge Frau, Ost-Berlin, 1962”. Oder ähnlich.

Da reißt auch eines meiner Lieblingszitate von Humboldt nicht mehr: “Die gefährlichste Weltanschauung ist die der Leute, die die Welt nicht angeschaut haben”. Der QR-Code (s. Foto) leitet mich lediglich auf die Seite des Humboldt-Forums, auf der sofort aufs Spendenkonto verwiesen wird (und: auf einen meiner Museums-Lieblinge, das wirklich faszinierende Humboldt-Lab).

Am Ende bleiben also: irgendwie beliebige, recht nette Fotos an einem recht lauschigen Ort an der Spree. Das könnt ihr doch besser!

Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie Spree Side Gallery

Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie
Spree Side Gallery


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ENGLISH VERSION

Its the following with the Humboldt-Box: its standing for years now right on the site where in the future the new Humboldt-Forum will open its doors. The forum which will eventually be the home to the extra-european collections of what is now the Ethnological Museum Dahlem (Berlin). But until this day comes, the Humboldt Box is acting as a placeholder, offering information on the future museum, the ancient (destroyed and now being re-erected) castle oín the centre of Berlin and the like. I haven’t been able to visit the box – and I know its a shame! But at least I am enjoying and recommending their twitter and Facebook account! Have a look at: @HumboldtBox and Humboldt-Box Berlin! Its full of fresh, almost daily updated information.

At least, on a sunny summer evening, I had the time to visit something announced as: Spree Side Gallery, supposedly being a photo exhibition alongside the river Spree right beneath the Humboldt Box, centered on themes like human interaction, cultural dialogue and historical reflection (see photo 2). I was expecting a lot because the site of the Humboldt Forum had been a playground for a lot of innovative and interesting temporal open air and public exhibitions! The mere naming of “Spree Side Gallery” evoked the image of the most famous “East Side Gallery” in berlin, one of the five most visited touristic spots in Berlin (at least according to the information of the official East Side Gallery homepage). This space is open to public art in a connection to the last remnants of the Berlin wall.

Unfortunanely, my expectations were too high. The Spree Side Gallery ultimately consisted in big photographies of different people, young and old, from different cultural backgrounds, shown interacting or on their own. Without context, only indicating things like: “Young Woman, East Berlin, 1962”, or the like. Even one of my favorite phrases of Humboldt quoted on the posters couldn’t make things any better: “The most dangerous worldview (Weltanschauung) is the one of people who have never seen the world”. The QR code on the exhibitions only directed me to the homepage of the Humboldt Forum, linking me directly to a request to donate. No further information on the exhibition, the photos, the background. Only, a little bit further down, a link to one of my favorite spots for exhibitions in the last years: the Humboldt Lab.

But in the end, this exhibitions is like something rather lukewarm, nice but arbitrary photos on a nice place at the river Spree. I am sure that you can do better than that!

Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie Spree Side Gallery

Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie
Spree Side Gallery


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Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie Spree Side Gallery

Sprache der Dinge Humboldt-Box-Galerie
Spree Side Gallery

 


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Kunst & Archäologie II: Mumienglanz. Ahnen, Kolonisierung & Raub. Art & Archaeology II: the brilliance of mummies. Ancestors, colonization and robbery.

In der peruanischen Botschaft in Berlin gab es vor einigen Monaten eine Ausstellung namens “Mumienglanz“. Das Plakat an der Tür glänzte derart golden, das es mich fast magisch anzog und da Mumien, Kunst und die künstlerische Vereinigung der Mumien mit all ihren komplexen Konzepten im Kontext heutiger Kunst mich interessierten, ging ich rein. Von der peruanischen und kubanischen Botschaft im Maria-Reiche-Saal der Botschaft ko-veranstaltet, ist die Künstlerin Nancy Torres Kubanerin, und die Ausstellungseröffnung wurde von der kubanischen Botschaft kurz kommuniziert.  “Mumienglanz” verbindet die unterliegenden Konzepte andiner Mumien mit der Ausraubung derselben durch die Spanier – ein Thema, mit dem die meisten Archäologen und Historiker der Region vertraut sind und das nicht nur ein kolonialzeitliches, sondern auch ein aktuelles Problem ist. Trotzdem dreht sich die Ausstellung nicht nur um diese recht nahe liegenden Punkte. Man kann vielmehr Parallelen ziehen zwischen der Ausraubung der Mumien, der vorspanischen Gräber und ihrer Beigaben im Allgemeinen und der kolonialen Ausraubung der gesamten Ressourcen der Anden und der andinen Bewohner im Allgemeinen. Wenn man zum Beispiel der Argumentation folgt, dass der Berg Potosí in den barocken Bilderkanen der Anden eine Darstellung der Jungfrau Maria und damit der (vereinfacht gesagt: Erdgöttin) Pachamama ist, könnte man auch den Bergbau und die immensen abtransportierten Silbermengen als den Raubbau an einem als menschlich empfundenen Körper hierein interpretieren. Diese Interpretation des Berges ist zwar nicht unumstritten aber doch weit verbreitet.

Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, ausgehend von den geleerten Mumien, Vergleiche ziehen zur Zerstörung des Glaubens an die Vorfahren selber, und den komplizierten und überaus komplexen Prozess der Aneignung, Überschreibung und Neu-Orientierung des Ahnenglaubens mit dem neuen, christlichen Glauben*. Eine Interpretation, die auch kurz in Irina Podgorny´s Katalogtext anklingt. Mumien sind in Südamerika und besonders den Anden seit dem Formativum (etwa Chinchorro, den ersten sesshaften Gesellschaften Chiles) verbreitet, ich selbst habe ja hier einmal über das Museo de Arqueologia de Alta Montaña  geschrieben*.

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Im Gegensatz zum ersten Teil von “Kunst & Archäologie”, der sich mit der Frage nach der sublimen strukturellen Typologisierung von Alltagsgegenständen beschäftigte und eine Brücke baute zwischen dem “Vergangenen” und dem “Heutigen”, geht es in Nancy Torres´ Ausstellung eher um eine politische Aussage, gebunden an vorspanische, also archäologische, Kontexte und Techniken. Laut der Künstlerin und ihren Katalogen arbeitet Frau Torres konkret mit archäologisch belegten Techniken und bindet dabei andine kulturelle Ideen zu Sterblichkeit und Vorfahren ein. Die Mumie als als Stellvertreter-Objekt par exellence für “Archäologie” und “Vergangenes”, verbunden auch mit Angst, Faszination und Terror v.a. in westlichen Kulturen, wird hier übersetzt in eine Anklage gegenüber dem Verschwinden und dem Ausrauben der Vorfahren. Kulturell ist die Wahrnehmung von Mumien sehr utnerschiedlich, in diesem Fall stehen Mumien auch stellvertretend für das Indigene, Alte, Vergangene, Ursprüngliche, auch in einem gewissem Sinne für das “Gute”. Die Gleichsetzung von Mumien mit der vorspanischen Zeit setzt diese Zeitspanne vor der Ankunft der spanischen Eroberer in ein eher positives Licht, und bezieht sich damit auf die Idee der mit dem “Damals” verbundenen “Natürlichkeit” und Ausgeglichenheit wenn es um die Ausbeutung von Rohstoffen geht. Gleichzeitig konzentriert die aufgerissene Mumie die ganze Dramatik des durch die Kolonisierung und den damit verbundehnen Transformationsprozess ausgelösten Risses durch die Zeit und die andine Gesellschaft. Die Transformation der eigenen (jetzt “indigen” genannten) Identität und der Konflikt mit den neu eingeführten kulturellen Werten lässt sich durch das Auf- und Herausreißen der Mumien gut visualisieren.
Ich durfte Nancy Torres persönlich kennenlernen und tatsächlich ist ihre Motivation für die Werke zunächst die Suche nach Identität, übersetzt in die Ideen der Konzeptkunst. Obwohl wir uns von ganz verschiedenen Seiten ihren Werken näherten, war der Ausdruck, die Essenz die Gleiche: die Mumien bilden eine Verbindung in die Vergangenheit, indem sie das Thema der Vorfahren aufgreifen, Wurzeln aufzeigen und symbolisieren und gleichzeitig unsere vielschichtigen Ideen über Vergangenheit, das Zusammentreffen von Kulturen und über Dominanz und Kolonialisierung thematisieren. Unsere Ideen, die genauso vielschichtig sind wie die Mumien, deren diverse Lagen aus Stoff, Objekten, Masken und Knochen immer wieder neue Details offenbaren je länger man sie anschaut. Die Personen in den Mumienbündeln sind nur teilweise sichtbar, nur Teile ihrer Knochen und Schädel. Der Rest ist verdeckt von Stoffen, Masken, Objekten. Dinge, die die Identität der Menschen in den Bündeln überlagern. Und Dinge, die von uns, ihren Nachfahren, dort deponiert wurden und werden.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

Alle Fotos: Nancy Torres.

Version en Español

La Embajada del Perú ofreció hace unos meses una exposición llamada „Brillo de Momias“ (“Mumienglanz” en Aleman). El afiche en la puerta brillaba tan dorado que no pude resistir y tuve que entrar. El tema de Momias, Arte y la conexión de ambos en una exposición de arte, contemplando todas las fascinantes facetas culturales e históricas me fascinaron. La exposición fue presentada por la Embajada de Cuba y del Peru, dando espacio a las obras de la artista cubana Nancy Torres en la sala Maria Reiche de la Embajada Peruana.

“Brillo de Momias” combina los conceptos de las momias andinas prehispánicas con el tema del robo de las mismas y su ajuar por parte de los españoles desde la conquista de los Andes en el año 1532.  Este es tambien un tema continuamente debatido entre arqueólogos e historiadores que trabajamos en los Andes, ya que este robo y tambien la veneración de los muertos (antropológicamente hablando: “Los Antiguos”) sigue siendo un tema muy presente en la región. Es especialmente el robo de las momias y sus ajuares que presenta un tema de mayor índole ya que este se trata hoy como un crimen, no solo religioso sino penal. Sin embargo, la exposición no tocaba esta continuidad del robo de las momias y sus ajuares en el pasado y hoy. Mas bien, las obras exploran las paralelas entre el robo de las momias y sus supuestas riquezas en el pasado y el robo, hoy llamado explotación, de los recursos naturales de los Andes y sus habitantes por parte de los Europeos desde el siglo XVI hasta hoy en día.

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Las momias sudamericanas y especialmente las andinas son un fenómeno de largo aliento, conocidos desde el formativo (las primeras sociedades sedentarias) en los Andes, p.e. en la cultura de Chinchorro del Norte de Chile. Las momias incaicas por el otro lado son un eterno tema de debate y de estudio, como mencioné hace unos meses en mi entrada sobre el Museo de Arqueologia de Alta Montaña en Salta, Argentina. En las creencias prehispanicas, el cuerpo momificado y venerado de los ancestros se vuelve parte del medio ambiente, se convierte en una parte del mundo que rodea a sus descendientes. La analogia entre el cuerpo humano y el medio ambiente se plasma en el objeto de la momia.

Para entender la sobreposicion de personajes miticos y detalles geograficos (que para el ojo europeo se considerarían como simples “objetos”) podriamos seguir p.e. la argumentación de entender el Cerro Rico de Potosi como representación de la Virgen Maria en los canones visuales baruecos. Esto lo relaciona a la vez con la representación de la Diosa Tierra, Pachamama, – esta interpretación del cerro es muy comun, aunque debatida – y abre la posibilidad de interpretar la explotación minera del cerro y sus vetas de plata como el robo a un cuerpo casi humano. Por el otro lado sería posible relacionar las momias vaciadas que vemos en la exposición, con la extirpación de las creencias prehispánicas en los antepasados y sus dioses en general, contemplando el proceso sumamente complejo de apropiación, sobreposición y re-orientación entre las creencias prehispánicas y las católicas*. Una interpretación que se discierne tambien por un momento en el catálogo de la exposición, escrito por Irina Podgorny.

Al contrario de la primera entrada en este blog acerca de “Arte & Arqueología” y que tocaba los temas de la tipologizacion sublime y estructural de objetos cotidianos, construyendo un puente entre “el Pasado” y “el Hoy”, el trabajo de Nancy Torres presenta mas bien un enunciado casi político, relacionado con contextos y técnicas prehispánicos y por lo tanto arqueológicos. Segun el catálogo Nancy Torres trabaja con técnicas arqueológicamente probadas e integra ideas culturales andinas acerca de ancestros y mortalidad. La momia como un objeto representante por excelencia que plasma “Arqueología” y el “Pasado”, tambien relacionado con miedo y terror, se traduce en sus obras como una acusación de la desaparición y el robo de los ancestros. La percepción de las momias responde a patrones culturales complejos, sin embargo en este caso se les entiende como como representantes de lo indigena, lo antiguo, lo pasado, lo “original”, en cierto sentido hasta lo “bueno” y “puro”. La equivocación de las momias con el tiempo prehispánico los relaciona tambien con una perecepción positiva de este momento histórico antes de la llegada de los europeos y los traduce a la supuesta “naturalidad” y el equilibrio entre los humanos y su medio ambiente – la momia se vuelve un simbolo de un “tiempo sin mal“. Al mismo tiempo el vientre fisurado y vaciado de las momias de Nancy Torres puede ser entendido como simbolo del desfase colonial con todo el drama implicado. Con el proceso de transformación cultural y la ruptura temporal y cultural en el tiempo y la sociedad andina. La transformación de la identidad propia (ahora llamada “indígena”) y el conflicto con los nuevos valores culturales se simboliza en el objeto de la momia con su vientre abierto, desgarrado y vacio.

Tuve el placer de conocer a Nancy Torres personalmente y resultaba que su motivacion para sus obras es la busqueda de las raices de la identidad – latinoamericana si se lo puede llamar asi, entendiendo a las momias como un simbolo primordial de lo indigena, del pasado “originario”. Ella transforma la busqueda por las identidadas compartidas  usando las ideas del arte conceptual y aunque  nos acercamos a sus obras de puntos de partida muy diferentes, resultó que llegabamos a una esencia comun en la interpretacion de las mismas: las momias sirven como puente hacia el pasado, integrando el tema de los antepasados, simbolizando las raices comunes y al mismo tiempo identificando nuestras ideas multiples sobre el pasado, el enceuntro de diferentes culturas y sobre dominancia y colonizacion. Nuestra ideas que son tan multiples y complejas como las diferentes capas de las momias cuyas capas de telas, objetos, mascaras y huesos dejan ver cada vez nuevos detalles, cuanto mas se los mira. Las personas en los fardos son solo prcialmente visibles, mostrando partes de sus huesos y craneos. El resto esta cubiert por sus ajuares y las telas que los envuelven. Objetos, cosas que solapan sus identidades primordiales. Y que fueron puestos por nosotros, sus descendientes.

ENGLISH VERSION

The Embassy of Peru at Berlin had an exposition some months ago. It was called “The Brillance of Mummies” (“Mumienglanz” in German) and its announcement on the doors of the Embassy shimmered golden all over. I just had to see what these mummies were about. The idea of connecting mummies, art and all the complex concepts in contemporary art attracted me instantly. So I went to see the exposition which had been co-organized by the Cuban and the Peruvian Embassy in the hall “Maria Reiche” in the Embassy of Peru, featuring the work of Nancy Torres, a Cuban artist. “The Brilliance of Mummies” relates the underlying concepts on Andean mummies with the robbing of the mummies on part of the Spaniards after their arrival in Peru. That is something most of the archaeologists and historian working in the Andes are aware of and its also a very contemporary problem because looting and grave robbery continue to be an ongoing phenomenon in the whole area. But the exhibition doesn’t center only on the aspects of robbery although it’s a central one. Instead, there are parallels between the colonial history of robbery of the mummies and grave looting, the prehispanic graves and their grave goods in general, the exploitation of resources in colonial and modern times and the exploitation of the Andean population in general. To put an example: if you follow the interpretation (not undebated but highly popular) of the Potosí mountain as a representation of the Virgin Mary and of the earth Goddess (Pachamama) alike in some baroque paintings, you may interpret silver mining and the exploitation of silver in this mountain as the direct exploitation of an almost human body.

It’s a highly complex theme, symbolized in the treatment of the prehispanic dead, many of them converted into mummies by their cultures and climate alike.

On the other hand there is the option to draw parallels between the void mummies and the destruction of the beliefs in ancestors and the complex processes of adaptation, overwriting and re-orientation of the beliefs in ancestors with the new Christian religion*. That’s an interpretation to be found in Irina Podgorny´s catalogue on the exposition. Mummies are a recurrent phenomenon in the Andes since as early as the Formative period (i.e. in the Chinchorro Culture in the first sedentary societies of Northern Chile) and I have been writing myself on complex issue of exhibiting Inca Mummies in this blog* when it came to the Museum of High Andean Archaeology in Salta. (And there are a lot more, just google “Mummies Peru” and you will get quite a lot of information…).

In contrast to the first part on „Art & Archaeology“ in this blog when the issue was about the sublime structural typology of everyday objects and building a fragile bridge between past and present, Nancy Torres´ exposition is a rather political issue, relating to prehispanic (i.e. archaeological) contexts and techniques. Nancy Torres works with prehispanic techniques while creating the mummies and connects thus Andean cultural ideas about death, mortality and ancestors to her work. The mummy as a representation of “Archaeology” and “The Past”, related to fear, fascination and terror alike in Western Cultures, is being translated into an accusation of the disappearance and the robbery of the ancestors. Culturally, the perception of mummies can be very complex and varied; in this Andean case the mummies represent aspects of the perceived positivity of the prehispanic past, too: the Indigenous, the Old, The Pure, the Past, the Aboriginal and Natural, in some sense even “The Good”. The equalization of mummies with the prehispanic past associates this period before the arrival of the Spaniards with rather positive ways of thought, relating with ideas of “the natural ancient times” and the balance between nature and human being regarding the exploitation of resources in these culturally perceived “Past times”.

At the same time, the open belly oft he mummy exemplifies everything about the dramatic process of European colonization and the processes of transformation associated with it. There is a gap between the prehispanic and the colonial time and this gap divides the whole Andean society. The transformation of the own (now called “indigenous”) identity and the conflict with newly introduced cultural values is being portrayed in the bodies of the mummies ripped open, the cultural gap visualized by the robbed prehispanic golden goods flowing out of their bellies.

I am very glad to have met Nancy Torres personally and it turned out that her motivation for these works had been the quest for identity, translated into the ideas of conceptual art. Although we parted from very different points we reached the same interpretative essence: the mummies are a bridge to the past, taking up the theme of ancestors, showing cultural roots and symbolizing at the same time our multilayered ideas on the Past, the encounters of cultures and on dominance and colonization. Our multilayered ideas are being visualized in the mummies, whose various layers of fabrics, objects, masks and bones offer new details every time you look at them. The persons in the mummy bundles are only partially visible, showing parts of bone and skull. The rest is being hidden by textiles, masks, objects. Objects that superpose the identity of the person behind them. Object that have been placed and are still being placed  in the bundles by ourselves, their descendants.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

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Auf den Spuren der Irokesen – Martin Gropius-Bau Berlin – On the trails of the Iroquois

English: Ely S. Parker, Native American civil ...

English: Ely S. Parker, Native American civil engineer (Photo credit: Wikipedia)

Die Ausstellung der Bundeskunsthalle Auf den Spuren der Irokesenist nun endlich in Berlin. Schon als ich im Sommer in Bonn war, wollte ich sie mir anschauen, aber die Zeit war zu knapp. Eine Ausstellung mit einem echten nachgebauten Langhaus!

Das Langhaus ist leider nicht mitgereist, wohl aber der ganze Rest der Ausstellung. Das Langhaus findet sich aber sowohl als Videoinstallation wieder als auch in der Wandverkleidung aus holzartigen (?) Verschalungen. Diese dienen gleichzeitig dazu, Informationstafeln anzubieten, womit wir beim ersten grossen Plus dieser Ausstellung wären: sie funktioniert perfekt ohne Audioguide. Wie bereits erwähnt, ich mag Audioguides nicht und bevorzuge eigentlich das eigene Erfahren der Ausstellungen ohne gleichzeitigen Kommentar. Das funktioniert hier bestens, erstens wegen der grossartigen wenn auch kurz gehaltenen Informationen an den Wänden, die einen Überblick über die grosse Thematik eines Raumes geben, andrerseits wegen der tollen ausführlichen Informationen zu jedem einzelnen Objekt. Hier gibts keine Täfelchen a la “Keramik, 5000 v.C.”. Hier gibt es zu jedem Objekt reichlich Informationen, die kurz, knapp, aber nicht verkürzt wiedergegeben werden. Genau die richtige Menge, fand ich, nicht zu kurz, nicht zu lang. Und: die Informationen an den Wänden und an den Objekten ergänzen sich. Man kann auch nur die an den Wänden lesen oder nur die an den Objekten und es funktioniert immer noch.
Prinzipiell orientiert sich die Ausstellung an einer chronologischen Ordnung der Geschichte der Irokesen, ausgehend von den archäologischen Funden vor der Ankunft der Europäer und dem Ursprungsmythos der Irokesen selber. Verwirrenderweise werden allerdings diese ersten Momente der irokesen teilweise mit modernen gegenständen illustriert, hier hätte ihc mir etwas informatione zum warum gewünscht. Ausgespart wurde hier auch – sehr elegant allerdings – die Diskussion um die vielen Interpretationen der irokesischen Keramikfunde, die meines Wissens seit langem einen Fokus der US-amerikanischen Archäologie bilden und zum Teil bis ins Detail erforscht, interpretiert und diskutiert wurden. Dies wurde mit der Einfügung des irokesischen Ursprungsmythos umgangen, der auch gleich zu einem grossen Thema der Ausstellung überleitet: die Integration zeitgenössischer irokesischer Kunst (immer vorbildlich mit Angaben zum Künstler und Entstehungskontext). Eine grossartige Idee, die sich durch die gesamte Ausstellung zieht. In fast allen Räumen finden sich moderne Kunstwerke von Irokesen, die eine Aussage des Raumes untermalen. Sei es die Auseinandersetzung mit den Weißen, der Ursprungsmythos oder die Thematisierung des Landraubes im 19. Jahrhundert durch bestimmte Verträge. – es gibt zu den meisten Themen Kunstwerke, die diese beleuchten, intepretieren, fokusieren. Und die neben den historischen Objekten ganz selbstverständlich gezeigt werden und diese in einen bestimmten Kontext stellen – das Vergangene ist hier immer noch lebendig, es berührt die Nachfahren der damaligen Menschen bis heute. Ein Aspekt, den wir nur zu gerne vergessen, weil er anstrengend und konfliktiv sein kann. Hier wird er ganz selbstverständlich integriert.

Das Gleiche gilt für die Integration moderner Bezüge durch die gesamte Ausstellung hindurch. Ob zu den Frauenrechten, die in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts die Rolle der Frau bei den Irokesen aufgriffen, ob bei den Verweisen auf die heutige Nutzung von Objekten, Riten u.ä. – immer wieder werden Bezüge in andere Zeitmomente geschlagen, die wiederum auf die grosse Aktualität der Vergangenheit verweisen.

Eine ebenfalls wunderbare Idee war die Zusammenstellung einzelner Objektgruppen in Sondervitrinen, sodass man einen zeitlichen Überblick über die Entwicklung etwa von Korbflechterei oder Silberarbeiten gewinnen konnte. Leider fehlte eine solche Vitrine zum Objektbereich Wampum, der immer wieder in der gesamten Ausstellung auftauchte. Wampumgürtel als schriftlich-bildliche Darstellung von Verträgen und Absprachen sind immens wichtig und die Perlen aus denen sie gefertigt wurden, sind ein eigenes Studienobjekt. Um so mehr hätte ich mir eine kurze Einführung zu diesen Objekten gewünscht. Auch der Saal zu den ersten Sammler irokesischer Objekte im 19. Jahrhundert, Morgan und Ely Parker, blieb mir etwas unklar. Hier wurde mir einfach nicht klar, was die Aussage sein sollte: gab es einen Bezug zum Aufleben der Ethnologie, des Rückbezuges auf die indianische Bevölkerung? Was war der Antrieb dieser Sammler? Hier fehlte mir viel viel Information. Allerdings war das der einzige Punkt, an dem es mir so ging.

Generell ist “Auf den Spuren der Irokesen” eine Ausstellung die absolut zu Recht soviel tolle Kritiken erhalten hat. Die sechs Stämme der Irokesen werden als eigenständige Einheiten dargestellt, die den Lauf der Geschichte mitbestimmt haben und ihm nicht einfach nur unterworfen waren, wie es so gerne dargestellt wird, wenn es um indigene Völker geht. Hier gibt es Selbstbestimmung, eigene Entscheidungen, die sich manchmal als gut, manchmal als schwierig erweisen. Die Irokesen als Produkt ihrer Zeit und als Mitbestimmer ihrer Zeiten, das ist für mich der Hauptpunkt dieser Ausstellung.

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ON the trails of the Iroquois.

ENGLISH VERSION

The exposition of the Bundeskunsthalle On the trails of the Iroquois“ has finally arrived at Berlin! When I was at Bonn in July, I already wanted to see this spectacular exposition that included the replica of an Iroquoian longhouse. But my time was limited and I gave up on it.

But now, in Berlin, I tried again. The longhouse has not been transferred to Berlin, but the whole rest of the exposition has! And you may find traces of the longhouse in a video installation and in the wooden panels that line the walls of the exposition. These serve to present background information, which leads to the first positive theme I would like to mention: the exposition doesn’t need necessarily to be visited with an audioguide. You may well do it on your own (as I prefer, personally), discovering a whole world of information displayed in thematic order and according to the interest of the visitor. There are short, rather general information about the general theme of each hall, and specific, detailed information at every object. There are no things like: “Ceramic, 5000 BC” that leave the visitor with no idea what to think. Here, you will find diverse information, that have been shortened for reading but don’t lack the most essential facts about any given object and its context. Its more: the information at the walls and the objects complement each other. You may read either one or both and it still works!

Basically, the exposition follows an chronological order of the development of the Iroquois history, starting with archaeological finds before the arrival of the Europeans and the origin myth of the Iroquois. It may be a little bit confusing that these years have been documented partly with modern objects that illustrate the use and variety of objects that have been assumed to be used by the Iroquois but haven’t been documented archaeologically? At least, that’s the idea I got when I saw that some of the objects dated from the first years of the 20th century instead of 1600. Why have they been chosen, are there no archaeological objects, or are they too fragile? It would have been nice to comment on this topic, but nevertheless I have to admit that by using these objects and referring to the origin myth of the Iroquois (illustrated by contemporaneous Iroquois art) the exhibition omits rather elegantly the long and arduous discussions about the archaeological findings of the Iroquois past – a long discussion based mainly on ceramic findings.

Moreover, the origin myth builds a bridge to a main theme of the exhibition: the inclusion of contemporary Iroquois art into the exposition in order to illustrate different points of Iroquois history and meanings. All artworks are presented with data regarding the artist and/or the context of their making and they are present in all spaces of the exhibition – ranging from the conflicts with white settlers and explorers, the origin myth or when it comes to the often illegal contracts that were drawn between the Iroquois and white settlers and politician in the 19th century. The artworks focus on these themes; they give them a sharp edge, interpret and offer a specific Iroquois angle of view. Their position between and related to historic objects makes these objects come alive again because their past is not PAST, it´s still present in the mind of the people. This is an aspect that we almost like to forget when it comes to the descendants of indigenous groups because it can be stressing and uncomfortable. In this exposition it has been included right into the concept.

The same is true for the integration of modern references throughout the whole exhibition. If it comes to women´s rights which have been highlighting the position of women in the Iroquois society since the 19th century or references to rituals and objects – there are many bridges that have been build between past and present, highlighting the omnipresence of Iroquois lifestyle and thinking in modern American society. The past is not a dead thing in this exhibition – it presents its contemporary links at every moment and almost every object.

Something I liked very much was the idea to gather groups of objects in special show cases so that you may get an idea of the development of this object group through time. There was basketry and silver jewelry. I missed such a show case with Wampum, obviously one of the most important objects in Iroquois history, and many times present at the exhibition. Showing its development in the last 300 years would have been a wonderful extension to the exhibition! Wampum as a figurative-written device to transmit information on contracts and meetings were obviously an immensely important object, judging by the many wampum displayed in the exposition and their continuous mention in the texts. The pearls they are made of have been an object of study for years, too. After gathering these data all around the exposition I would have loved more focused information about these objects far more!

Another detail I didn’t get quite clear was the part on the first “professional” collectors of Iroquois objects in the 19th century, Lewis Henry Morgan and Ely Parker. Was there a link to the development of the field of anthropology at this time and if so, what was this link? Was there something like a “return to Indian roots”-movement? And if so, what was it like? What were the intentions of these collectors? I would have loved to have more data to answer these questions. But to be honest, this was the only moment when I would have liked the exposition to provide more data and information.

Generally speaking, “On the trails of the Iroquois” is an exposition that deserves all the positive critics it received. The six tribes of the Iroquois are presented as independent units that shaped the course of history for them and have not been simply submitted to it. The notion of the indigenous people as mere objects of history´s course is nothing you will find here. Here you will encounter self-determination, decisions that have proofed positive or negative in the long run, but which are nevertheless decision taken by protagonists, not objects. The Iroquois as a product of their time and as decision makers of their time – that’s the main point of this exposition for me.

 


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Kunst & Archäologie: wechselseitige Inspirationen. / Art & Archaeology: mutual inspirations.

Vor vielen Jahren sah ich einmal eine kurze Reportage über eine Ausstellung in der Schweiz. Ihr Konzept war für mich derart großartig, dass ich sie nie vergessen konnte und mit ihr hier eine Reihe von Posts eröffnen möchte, die sich mit dem Thema Kunst & Archäologie beschäftigen werden.

Kunst & Archäologie gehen ja in vielen Universitäten immer noch zusammen, v.a. im englischsprachigen Raum ist ein “Art & Archaeology Department” an den Universtitäten gang und gäbe. Kunst und Kunstgeschichte gehen natürlich mit der Archäologie, v.a. der Klassischen Archäologie, Hand in Hand, aber das ist hier nicht das Thema. Mir geht es in den Posts dieser Reihe um die Zusammenarbeit und Inspiration von Archäologie und Kunst. Welche Gedankenexperimente Archäologie und archäologische Funde auslösen, die dann wieder zu Kunst werden. Und welche Gedanken diese Kunst wiederum für den Archäologen anstoßen kann. In gewissem Sinne ist auch der Post über Rachel Whiteread´s “House” in dieser Reihe zu sehen. “Kunst” ist für mich die Möglichkeit, durch eine Fokussierung in einem Kunstwerk einen konzentrierten Blick auf Facetten meines Lebens zu erhalten und so mich selbst, mein Leben und meine Kultur in einem neuen Kontext begreifen zu können. Im besten fall so etwas Neues über mich und meine Umgebung zu lernen.

Hier soll es heute jedoch um eine Ausstellung gehen, die Kunst und Archäologie in einer Weise miteinander verband, die hochgradig relevant gewesen sein dürfte für die Selbstwahrnehmung der Besucher und unsere Vorstellungen von Alltäglichkeit, Kunst und Kulturgut hinterfragte. Es handelte sich um eine Ausstellung von Marcel Biefer im Museum Zug im Jahr 2000, die heutiges Alltagsgut und prähistorisches Alltagsgut miteinander verband und damit die unterliegenden Konzepte beider in Frage stellte. 1Hier ein Foto aus der Ausstellung: archäologische Töpfe und heutige (weitere Bilder auf Biefers Homepage http://www.biefer.com/index.php geben einen guten Eindruck von seinem Werk und dieser Ausstellung im Besonderen). Sowohl das Museum Zug als auch die Arbeiten Marcel Biefers zeigen, wie sehr Ethnologie, Kunst, Archäologie und Museum miteinander verschmelzen und sich befruchten können.

Gerade die Ausstellung heutiger, “alltäglicher” Materialität in einer Vitrine bzw. generell im Museumskontext öffnet den Blick für die Konzepte, die wir mit prähistorischer Materialität verbinden. Was macht ein Ding zu einem musealen Ding, zu einem wert geschätzten Ausstellungsstück? Das Buch “Museologie-knapp gefasst” definiert das folgendermaßen: “Die musealen Ojekte werden indes nicht nur als originale Elemente einer Wirklichkeit selegiert. Sie dienen vor allem als Belege für gesellschaftliche Werte. Deshalb stehen sie im Musealkontext nicht als Ikonen oder Dinge an sich, sondern als Schlüssel zur Erkenntnis und Verstehen.”. Was unterscheidet dann die Töpfe aus der Steinzeit von den Konservendosen der Neuzeit? Welche Ideen stülpen wir den alten Objekten über, die wir neuen Objekten (noch?) absprechen? Ist Alter an sich schon ein Wert? Seltenheit?

In Verbindung mit neuzeitlichen Dosen stellt sich doch die Frage: welchen “Wert”, welche Bedeutung hatten die steinzeitlichen Töpfe für die mit ihnen lebenden Menschen? Waren sie nicht auch ein alltägliches Alltagsgut? Etwas das man schätzte, aber eher in Bezug auf seine Funktionalität und Bequemlichkeit, nicht aber im Sinne heutigen musealen oder wissenschaftlichen Wertschätzens? Und was sagt das über unsere Ideen als Archäologen bezüglich Alltagsgütern vergangener Zeiten? Sollten wir uns nicht bewusst sein, dass, wenn diese vergangenen Dinge für uns ein Mittel zum Verständnis vergangener Gesellschaften sind, das Gleiche auf heutige Dinge genauso anwendbar ist?

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Als Exkurs muss man sagen, dass dies zu Fragen führt, die viele Archäologen bei der Feldarbeit und danach beschäftigen: wie definiere ich ein Kulturgut? Was ist ein Artefakt? Was tue ich mit neuzeitlichen Funden? Wie wende ich theoretisches Wissen um die Definition in einer konkreten Situation im Feld an? Wie werde ich auch meinen Möglichkeiten der Sammlung, Dokumentation, Aufbewahrung gerecht, wo setze ich Grenzen?

Gerade in meiner Studienregion, Südamerika, endet die Vorgeschichte in der Vorstellung der Archäologen oft genug einfach mit der Ankunft der Spanier. Die kolonialzeitliche Archäologie ist ein relativ neuer Zweig der lateinamerikanischen Archäologie und viele Archäologen dokumentieren Fundorte mit kolonialzeitlichem Material nur wenig oder gar nicht. In jedem Fall aber ist das Kapitel “Kolonialzeit” in Monographien das Kürzeste. Sicher hängt das mit der historisch gewachsenen Wahrnehmung vorspanischer Gesellschaften zusammen, die sich nur langsam ändert. Und auch in Europa wird die Frage neuzeitlichen “modernen” Kulturgutes in der archäologischen Forschung wohl zunehmend verfolgt und diskutiert.

Nun ist das Ausstellen zeitgenössischer, vermutetermaßen alltäglicher Dinge nichts unbedingt Neues, denn verschiedene Museen nutzen und nutzten die Spannung zwischen dem Konzept “Museum=Kulturgut=Hochkultur” und der Ausstellung alltäglicher Gegenstände, um heutige Wertevorstellungen zu verdeutlichen und gleichzeitig zu hinterfragen. So etwa im new yorker Sheila C. Johnson Design Center: Masterpieces of Everyday New York: Objects as a story.  Oder im berliner Museum der Dinge als: “Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks.” Im Zusammenhang mit archäologischen Objekten jedoch war es mir noch nicht begegnet. Und gerade hier entsteht eine starke Reibung, denn neben inherenten Ideen unserer Zeit zum Thema “Museum und Museumsobjekt” werden ja auch andere Kategorien unseres heutigen Lebens offen gelegt: Vergänglichkeit und Kontinuität zum Beispiel. Oder das Wort “Wegwerfgesellschaft”, das gerade im Zusammenhang mit dem Konservendosen aufkommen kann. Auch Umwelt und Umweltschutz könnten dazu gehören wenn heutige Materialien wie Plastik und Metall im alltäglcihen Gebrauch klar machen, wie sehr wir jetzt auf nicht oder nur sehr langsam abbaubare Materialien zurückgreifen. Und: prähistorische Menschen, die ja als Hersteller und Nutzer hinter den ausgestellten Dingen stehen, können einem plötzlich sehr nahe sein, wenn man sieht dass der Eimer, der in der eigenen Wohnung dient, als Form und Gefäß schon vor 3000 Jahren so im Einsatz war – nur aus einem anderen Material. Das Nebeneinanderstellen beider Gefäße verdeutlicht das geradezu übermäßig.

Aber auch, und das ist nun sicher wieder eine sehr archäologische Sicht: das Thema Typologie. Stellt man unsere Gebrauchsgegenstände, gerade alltägliche wie Töpfe, Eimer etc., neben prähistorische, so wird klar, dass unsere archäologischen Typologiekonzepte tatsächlich Realitäten beschreiben die durch 1000ende von Jahren aktuell bleiben. Die Frage stellt sich jedoch: inwieweit werden sie von uns den Dingen aufgestülpt? Inwieweit passen Theorie und Realität zueinander? Typologie-Entwickler haben sich seit Jahrzehnten hierzu den Kopf zerbrochen und immer kleinere Einheiten erstellt um ein Ding möglichst perfekt zu beschreiben und zuzuordnen. Und doch: inwieweit spielt hier unsere eigene Ideenwelt mit hinein? Und inwieweit sind immer kleinteiligere Typologien anwendbar, wenn Zeit und Geld sehr begrenzt, die Fundquantität jedoch sehr groß ist? Dies wird jedoch Thema eines kommenden Blogposts sein, deshalb verweise ich nur auf ein interessantes Buch zum Thema Typologie.

Heute aber, zum Thema Kunst & Archäologie, möchte ich einfach sagen, dass diese Ausstellung tatsächlich Türen öffnet zu neuen Ideen. Das Museum Zug, das ich nur über seinen Internetauftritt & Facebook kenne, stellt Vermittlung von Geschichte ganz weit nach vorne, bereits im Namen: Museum für Urgeschichte(n). Zusammen mit den Arbeiten von Marcel Biefer eine hoch konzentrierte Vermittlungsmöglichkeit, die Geschichte in unser Leben transportiert und es relevanter denn je macht.

Achtung: alle Photos werden mit Erlaubnis des Künstlers publiziert.

Ausgewählte Literatur: 

Typologien? : W. Adams & E. Adams (2007): Archaeological Typology and Practical Reality: A dialectical Approach. Cambridge University Press

Kritik zur Ausstellung “Masterpieces of everyday New York”: http://www.theatlanticcities.com

Waidacher, Friedrich, 2005: Museologie – knapp gefasst. UTB. 

Targa, Juan Garcia, 2009: Arqueologia Colonial Latinoamericana (BAR Series)

Zur Gegenüberstellung schriftlicher Quellen und archäologischer Daten: A. Alzate Gallego: La Arqueologia colonial como herramienta para contrastar la historia escrita. 

Zu einer interessanten kleinen Einführung zu “Kunst” siehe auch Wikipedia.

Klavs Randsborg, 2003: The making of Early Scandinavian History: material Impressions. In M. Hardt, C. Lübke & D. Schorkowitz (Hrsg.): Inventing the Past in North Central Europe, S. 50-69, Frankfurt /Main: Lang.

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ENGLISH VERSION:

Many years ago, I saw a TV trailer about an exposition in Switzerland. Its concept was so extraordinary that I could never forget it and I want to use it as a starting point for a series of posts about art & archaeology.

Art & Archaeology can be found at  many universities where an “Art & Archaeology Department” is usually exists, at least in English speaking countries. Logically, art and art history are going hand in hand with archaeology in many ways but that’s not the topic here. I would like to focus on the cooperation and mutual inspiration that link art and archaeology in different ways. Archaeology and archaeological finds can be inspiring in many ways to art while this (and other) art works are thought provoking in turn to archaeologists. In a sense, the post about Rachel Whiteread can be seen in this context. “Art” means to me a possibility to focus on certain facets of my life and to be able to see myself, my life and culture in a new context or even to understand something completely new about it.

Today´s post is about an exposition that linked art and archaeology in a highly relevant way regarding the autoperception of the visitor and our ideas on the everyday, art and cultural goods. It’s an exposition that Marcel Biefer featured in the year 2000 at the Museum Zug in Switzerland. Here, everyday contemporary objects like plastic buckets and past objects of everyday life (as ceramic vessels) were presented side by side. This co-presentation resulted in an undermining of concepts we might have harbored towards both of them. A photo from this exhibition shows it – you may have a look at other photos at the website of Marcel Biefer (http://www.biefer.com/index.php) which offer a representative impression of his work and the exhibition in particular. The Museum Zug as well as the works of Marcel Biefer show how archaeology, anthropology, art and museum can be potentially intertwined and linked, creating new, fructiferous ideas.

It was especially the exhibition of everyday materiality in a museological context that opened up the possibility to grasp the underlying unconscious concepts we use to focus on prehistoric materiality. What is it that makes an object a museological object, transforming it to a valued exhibition object? The book “Museologie – knapp gefasst” (“A short introduction to museology”- translation mine) defines it as follows (translation mine): “Museological objects are not being selected as original elements of a reality. They work as proofs of societal values. That is why they are not presented in a museum context as icons but as a key to perception and understanding.” So what makes the difference  between a neolithic vessel and the contemporary can? Which ideas are we imposing on ancient objects, which we are (for now?) denying contemporary, new objects? Is age a value? Rareness?

Connecting ancient objects to contemporary ones raises the question of what value, which meaning did ancient vessels have for the people who made and used them? Were they everyday objects? Something that was valued in relation to its use and functionality, but not in the sense of todays scientific or museological value? And what does this say about our ideas as archaeologists in relation to everyday objects of past times? Shouldn’t we be aware that our perception of past objects as keys to understanding past societies could be applied in the same way to our contemporary materiality?

As an excursus I would like to add that this leads to the question that many archaeologists face before, during and after fieldwork: how can I define a cultural asset? What is an artifact? What is my relation to contemporary finds? How do I use theoretical knowledge of these definitions during fieldwork reality? How can I put these into relation to the (economic and spatial) possibilities of collection, documentation, custody? What are my limitations?

Especially in Southamerica, my study region, prehistory ends at the arrival of the Spaniards in 1536 – at least in the minds of most archaeologists. Colonial archaeology is a relatively new phenomenon in Latinamerican Archaeology and many archaeologists document colonial (16th-17th century) or republican sites (18th century) only to a limited extend or not at all. In any case, the chapter on the “Colonial Era” is always the shortest in any monograph I know. I am sure that this is connected to the historical development of the perception of prehispanic societies which is changing and expanding only gradually – but at least it´s changing. In Europe, too, the question regarding the modern era and its cultural goods is being debated in archaeological investigations.

Getting back to the main theme of this post – the exhibtion of contemporary, presumably everyday objects is nothing new. It has been presented in museums before and was used to highlight and question the tension between the contemporay idea of museum= cultural assets = high culture and the presentation of everyday materiality. This was the case at the Sheila C. Johnson Design Center, New York: Masterpieces of Everyday New York: Objects as a story.   or at the Museum der Dinge (Museum of Things) in Berlin:  “Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks.”. But I hadn´t seen anything like that in an archaeological context before. And its here that, in my opinion, a tension is created that centers on the inherent contemporary ideas concerning Museums and museum objects as well as categories of our contemporary life. These comprise continuity and change, for one thing, or the fugacity of cultural ideas for another. The term “throwaway society“ could pop up looking at the cans and ceramics in the photo. Another one could be environment and environmentalism seeing that materials like plastic and metal have replaced perishable materials like ceramics in our contemporary lifestyle. And: prehistoric people, the makers and users of the past objects, can feel very close to us when you notice that the plastic vessel you may have in your flat has just the same shape as a ceramic vessel you see in the museum. Form and Function did serve people 3000 years ago – and they do it now, too. Presenting both vessels side by side puts a finger on this.

And it leads to another, rather archaeological question: typology. When you present basic commodities of our own time together with past ones it becomes clear that our ideas on typology haven’t changed, but have been roughly the same for some thousand years now. Typology describes past realities as well as contemporary ones. And so you may ask yourself: How do reality and typology interrelate? What about the discussion on form and function? In the end: Do objects impose their typology on us, rather than the other way round?

I´d like to end this post on Art & Archaeology with a praise of this exhibition that opened the doors of perception. The Museum Zug, known to me only from their website, is putting the presentation of history on the top of their list, and show this even in their name: Museum for Prehistory(ies). In combination with the works of Marcel Biefer this was a highly concentrated presentation of past times into our contemporary world and makes it relevant to each of us.

Please note: all photos shown here are published with permission of the artist.

Selected Literature:

Typologies? : W. Adams & E. Adams (2007): Archaeological Typology and Practical Reality: A dialectical Approach. Cambridge University Press

Critics to the exhibition “Masterpieces of everyday New York”: http://www.theatlanticcities.com

Waidacher, Friedrich, 2005: Museologie – knapp gefasst. UTB. 

Targa, Juan Garcia, 2009: Arqueologia Colonial Latinoamericana (BAR Series)

An article about the combination of written colonial sources and archaeological finds:  A. Alzate Gallego: La Arqueologia colonial como herramienta para contrastar la historia escrita. 

An interesting introduction on “Art”:  siehe auch Wikipedia.

Klavs Randsborg, 2003: The making of Early Scandinavian History: material Impressions. In M. Hardt, C. Lübke & D. Schorkowitz (Eds.): Inventing the Past in North Central Europe, S. 50-69, Frankfurt /Main: Lang.


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The Whole Earth – und das Haus der Kulturen der Welt.

Deutsch: Haus der Kulturen der Welt

Deutsch: Haus der Kulturen der Welt (Photo credit: Wikipedia)

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Das Haus der Kulturen der Welt als Platz für zeitgenössische Kunst, sei es Film, Musik, Malerei, Plastik, Installation, und laut Eigenaussage auch als “”Forum für aktuelle Diskussionen”, hat seinen ganz eigenen Ruf in Berlin. Und seit dem Beginn diesen Jahres steht das HKW unter dem Leitmotiv des Anthropozän-Projekts. Das alleine weckte schon meine Aufmerksamkeit, denn die Veränderung der Umwelt durch den Menschen und damit der Begriff des Anthropozän ist auch für mich als Archäologin interessant. Sicher, das Anthropozän soll erst ab ca. 1800 n.C. einsetzen, zu dem Zeitpunkt an dem ein erhöhter Ausstoß von CO2 nachweisbar ist. Aber ich denke, dass “Anthropozän” auch im Rückblick ab dem ersten Auftreten des Menschen ein Begriff ist, den man zumindest überdenken sollte. Kritik und Gegenvroschläge werden etwa von den Autoren des Sammelbandes “Deep History” (Shryock, A. & Smail, D.: Deep History. The Architecture of Past & Present.) formuliert, die das Anthropozän als eine zu kurzsichtige Theorie der Ausbeutung der uns umgebenden Ökosysteme sehen, eher gerichtete auf die kapitalistische Idee der Ausbeutung als der von den Autoren favorisierten Sicht eines wechselseitigen Bedingens und Beeinflussens über Jahrmillionen hinweg. Ähnlich würde ich das ebenfalls sehen und vielleicht wäre diese Sichtweise auch für die Macher des Anthropozän-Projekts interessant gewesen wäre? Aus geologischer Hinsicht zum Anthropozän ist z.B. auch dieser Blogeintrag von geoberg.de interessant und lesenswert!

Jedenfalls, das Anthropozän-Projekt des HKW. Obwohl die ersten Aktionen und Ausstellungen innerhalb dieses Rahmens mich nicht bewegten hinzugehen, war das bei “The Whole Earth – Kalifornien und das Verschwinden des Außen” anders. Die Verbindung zwischen dem Whole Earth Catalog und den verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Strömungen jener Zeit und ihre EInflüsse bis ins Jahr 2013 klangen so spannend, dass ein Besuch nötig wurde. Es war knapp 1 1/2  Jahre nach meinem letzten Besuch, damals bei der Ausstellung “Das Potosí-Prinzip – Wie können wir das Lied des Herrn in einem fremden Land singen?“. Hier war der Anlass die Verbindung zwischen Potosí, einer der faszinierendsten Städte Lateinamerikas in der Kolonialzeit, den soziopolitischen Veränderungen die Potosí zeitigte und den postkolonialen und globalisierten Diskursen unserer Zeit.

Beide Ausstellungen waren vom Titel und Konzept her extrem spannend, da sie Bögen spannen zwischen historischen Geschehnissen und heutigen Situationen und Diskursen. Genau das ist das, was ich mir für Ausstellungen wünsche: die Integration zeitgenössischer Werke und Objekte in eine Ausstellung, sodass Denk-Bögen geschlagen werden können, die wiederum zu neuen Anregungen und Ideen führen. Prinzipiell faszinierend und spannend! Ähnlich war aber bei beiden Ausstellungen auch, dass die Konzeption den Besucher extrem fordert.

The Whole Earth baute Brücken zwischen den politischen, sozialen und künstlerischen Strömungen der 60er und 70er Jahre und entwarf so ein Gesellschaftbild der USA zwischen ca. 1960-1979. Auf der anderen Seite widmete sich die Ausstellung heutigen Auswirkungen dieser Strömungen, gab damit Einblicke in die Pop-Rock-Geschichte, die Geschichte des (Dokumentar-)Filmes, die Entstehung den Ausbau des Internets und damit der virtuellen Vernetzung und Globalisierung, der Ausbeutung der Umwelt und noch einem Haufen anderer Punkte. Ich sage “einen Haufen”, da sich das Konzept nicht wirklich erschloss (zumindest nicht für mich und meinen ebenfalls archäologisch geprägten Begleiter). Das begann schon beim Eintritt in die Ausstellungshalle, die man aus architektonischen Gegebenheiten heraus vom einem erhöhten Standpunkt aus betritt. Noch bevor man also “drin” ist, sieht man die Ausstellung sozusagen von oben. Und wenn ich dann mehr oder weniger ungeordnet wirkend(?) positionierte Stellwände sehen, die vor Infotafeln und Zeichungen und Fotos, Kopfhörern und anderem nur so strotzen OHNE mir aber einen Hinweis darauf zu geben wo ich am besten beginnen könnte, dann ist das schwierig für mich. Immerhin war das Thema sehr komplex und die Ausstellung vom Informationsgehalt her so groß, dass ein Durchlesen und vor allem : ERFASSEN all dieser Informationen den ganzen Tag beansprucht hätte. Wir hatten aber nicht den ganzen Tag, sondern maximal 3 Stunden. In so einem Fall hilft es mir weiter, wenn der Ausstellungsmacher mir die Möglichkeit gibt, eine Kurz- und eine Langzeitversion zu wählen. Prinzipiell bin ich eine große Befürworterin von Hintergrundinformationen und eine Gegnerin von Texten a la “Gefäß, ca. 900 n.C.” – aber ich freue mich sehr, wenn ich die Möglichkeit habe, den Ausstellungsbesuch meinen zeitlichen Notwendigkeiten anzupassen.

Das ging hier nicht. Man brauchte eigentlich alle Informationen eines bestimmten Unterpunktes – man hätte nur bestimmte Unterpunkte (=Stellwände) auslassen können. Was wir am Ende auch taten – aber wie kriegt man heraus welche Wände einem wichtig wären und welche nicht? Richtig, kann man eigentlich nicht, ohne sich nicht DOCH einzuarbeiten. So blieb die Ausstellung trotz all der faszinierenden Verbindungen und Links und weiterführenden Ideen irgendwie in der Distanz. Sie war einfach zu groß und unübersichtlich und so informationsgeladen, dass man nicht wirklich die Möglichkeit hatte, um sich wirklich auf etwas einzulassen. Und wenn ich zuviel Input vor mir sehe und gleichzeitig weiss dass ich von Vornherein nicht genug Zeit haben werde – dann macht mein Kopf schnell zu. Am Ende gingen wir nach Hause und hatten einiges über Popmusik, das Arpanet, Vietnam und die Hippiebewegung gelernt. Dazu noch einige Bröckchen über Jefferson Airplane und Umweltverschmutzung. Herausstechend für mich war jedoch die Videoarbeit von Nabil Ahmed, genannt Radical Meteorology. Sie zwang einen praktisch dazu, sich Zeit zu nehmen und sich auf die mit Musik unterlegten Bilder einzulassen. Faszinierend und Fragen aufwerfend.

Alles andere – war nur noch verschwommen wahrnehmbar. Übrigens: die nächste Ausstellung, die ich im HKW besuchen möchte, heisst After Year Zero: es geht um die Historiografie Afrikas. Ich bin gespannt ob sie ähnlich konzeptioniert sein wird.

Die Infotafeln in der Ausstellung: reich betextet und bebildert,,,,,

ENGLISH VERSION

The Haus der Kulturen der Welt (maybe this could be translated as: Cultures of the World Building) in Berlin is, according to their website “a place for international contemporary arts and a forum for current developments and discourse”. And it has its own position in the Berlin art and museum scene. Since the beginning of this year, the Haus der Kulturen der Welt is offering expositions and conferences on the subject of the so-called “anthropocene project”. This got my attention because the change of the environment through mankind and thus the development of the term “anthropocene” has been of interest to me as an archaeologist. Sure, according to the theory the anthropocene starts rather recently aournd 1800 a.C., when there are proofs of an elevated level of CO2 due to human influences on the environment. But in my opinion, the term “anthropocene” should at least be thought to be applied since the first interaction of humans and their environment. A critique and counter proposal of the term and the underlying concepts can be found in: “Deep History. The Architecture of Past and Present”, edited by Andrew Shryock and Daniel Smail (2012). The authors of this volume see the term of the anthropocene as a rather short sighted capitalist theory, centered on the exploitation of the ecosystems. They favor a view of humans and ecosystems interacting and influencing each other mutually over millions of years. A view that would be favored by myself, too, and which would have complemented nicely the proposals of the anthropocene project? By the way, in a geological sense this blog post by geoberg.de on the term “anthropocene” might be of interest, too.

But okay, let´s get back to the beginning: the anthropocene project at Haus der Kulturen der Welt. Although the first expositions of 2013 didn´t got my full attention, there was an exposition called “The Whole Earth. California and the Disappearance of the Outside”. The link between the Whole Earth Catalog and the different sociopolitical currents of the sixties and seventies in the United States and their influence on our time sounded so interesting that I decided to go and have a look for myself. It was about one year after my last visit to the Haus der Kulturen der Welt, which had been for visiting the exposition: “The Potosí principle” which centered on one of the most fascinating cities of colonial Latin America, Potosí, the sociopolitical changes and impulses this city produced and their impact on the postcolonial and globalized discourses of contemporary times.

Both expositions had something in common: title and concept sounded extremely exciting, and they tried to tie together past and present, building bridges of thought and ideas using (contemporary) art and a lot of information. So, that sounded really great because it´s just what I admire in an exposition! But I have to admit that both expositions also shared another characteristic: their concepts really demanded a lot of time and concentration.

The concept of „The Whole Earth“ looks for the links between the political, social and artistic currents of the sixties and seventies and tries to develop a picture of the society of the United States in the years between 1960 and 1979. On the other hand, the exposition explores contemporary results of these currents and had a look at the evolution and development of pop and rock music, the history of (documentary) cinema, the evolution of the internet and thus the virtual networks and globalization in general, the exploitation of the environment and a bunch of other things. I say “a bunch” because the concept presented a problem to me (and to my archaeologically trained companion, too). It started at entering the exposition because you enter the hall from “above” due to architectural reasons. So, the first thing you see is an overview of the exposition and all you see is a lot of movable walls which are full (and I mean FULL) of written information, photos, drawings, pictures, videos, head sets and other things. But one thing lacks: an indication where to start. That presented a problem because it was obvious that the exposition was really complex and there was so much information to be read and things to be seen, that it was clear that we couldn’t do all this in the three hours we had to spend. In that case I would be really grateful to the curators to provide the visitor with some indication about where to start or where to go or to offer some kind of short route and long route – anything to orientate oneself. We didn´t have all day to stay, it was only a few hours and I would have liked to get a maximum out of these few hours. Normally, I am in favor of a lot of information but I am also happy to get the possibility to adjust the exposition route to my temporal necessities.

That wasn’t possible here. You needed really all the information of a certain theme of the exposition – and to get them, you had to read everything. You could have skipped some of the movable walls, but how to determine which one to skip and which not? You had to get an overview of every single one – and had to read everything again. That meant that the exposition despite its fascinating theme, links and ideas stayed at a distance somehow. It was too big and too confusing and so overwhelmingly informative that there was no possibility to get deeper in touch with some of the themes. That resulted in the feeling that all the themes stayed somehow blurred. So when we went home, it was with new information about pop music, the Arpanet, Vietnam and the hippie movement. A little bit about Jefferson Airplane and environmental pollution, too. But apart from these things we both remember nothing. Ah, wait – there was the work of Nabil Ahmed, named “Radical Meteorology”. A video installation including music and sounds which attracted us both and more or less urged us to watch it all. A fascinating work on environmental catastrophes and their sociopolitical consequences.

By the way – I will try the next exposition at the Haus der Kulturen der Welt. It´s named “After Year Zero” and will touch on historiography of Africa after 1945 and the subsequent colonial and postcolonial discourses. I am looking forward to it!

Literature cited:

Shryock, A. & Smail, D. (Ed.). 2012: Deep History. The Architecture of Past & Present. University of California Press.