Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Rezension: D. Mölders & S. Wolfram (Hrsg.) “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie”

Der Waxmann Verlag war so freundlich mir ein Exemplar des 2014 erschienenen Sammelbandes “Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie” zuzusenden, herausgegeben von Doreen Mölders & Sabine Wolfram. Vielen Dank an den Verlag, dass Sie auch Internetpublikationen als so wertvoll betrachten dass Sie mich kontaktieren! Aufgrund von Zeitbeschränkungen und der generell unbezahlten Arbeit für diesen Blog kann ich nicht immer alles rezensieren, was mir angetragen wird, sondern beschränke mich auf die Publikationen, die es mir wirklich wert sind. So auch im Fall dieses (es sei vorab gesagt!) großartigen Buches.

Alleine der Titel klang so, dass ich mir vorstellte hier gebündelte, aktuelle Informationen zu erhalten, in einer kurzen, übersichtlichen Fassung. Genau das Richtige um während einer wissenschaftlichen Arbeit kurz nachzuschlagen, weiterführende Literatur vorgeschlagen zu bekommen und einen ersten Eindruck eines Schlüsselbegriffes mitzunehmen. Soweit meine Idee. Dass die Reihe “Tübinger Archäologische Taschenbücher“, aus der das Buch stammt, von Manfred K.H. Eggert mit herausgegeben wird war ein zusätzlicher Pluspunkt, da ich seine Arbeiten generell sehr schätze. Da ich aber keine Deutschland-zentrierte Forscherin bin, sind mir die Diskurse und Ideen der Prähistorischen Archäologie zwar bekannt, aber ich bin nie ganz up to date, da Diskurse in Lateinamerika noch einmal andere sind als hierzulande. Dazu der fachspezifische und persönliche Forschungsfokus – schon ist man in vielen Debatten nur am Rande dabei, und nur in sehr wenigen wirklich drin. Um so wichtiger ist es zu wissen wo man fundierte, kurz gehaltene Informationen bekommen kann wenn man in ein Thema tiefer einsteigen will.

Als das Buch vor mir lag war schnell klar, dass es noch viel besser war als gedacht. Alleine die Liste der Autoren für die einzelnen Schlüsselbegriffe las sich für mich wie ein Who-is-Who aktueller Themen mit denen ich in den letzten ein-zwei Jahren immer wieder zu tun hatte:

Sebastian Brather, zum Thema Ethnos. Stefan Schreiber, zum  Thema Materielle Kultur. Stefanie Samida, Manfred K.H. Eggert, Cornelius Holtorf, Miriam Senecheau, Susan Pollock, Reinhard Bernbeck und Julia Koch, um nur die zu nennen von denen ich schon Publikationen kannte und schätzte. Auch die gewählten zentralen Schlüsselbegriffe bilden einen Mikrokosmos der momentanen Debatten in der archäologischen Forschung – und damit meine ich nicht nur die deutsche, sondern auch die englischsprachige und zum Teil auch die lateinamerikanische. Vieles davon deckte sich mit Themen, die hier im Blog schon öfter auftauchten: “Archäologie und Kunst”, “Archäologie und Öffentlichkeit”, “Archäologie und Politik”. “Materielle Kultur”, “Postkoloniale Archäologie”, “Strukturalismus”, “Kulturbegriff”. “Lebensbilder”, “Landschaftsarchäologie”, “Ethnos”. Dazu die eher klassischen, von mir erwarteten: “Analogie”, “Archäologie(n)”, “Klassifikation”, “Gräberanalyse”, “Typologie”, “Weltsystem”, “Stratigraphie” und so weiter. Also wichtige, grundlegende methodische Begriffe und dazu Themen, die von vielen mitdenkenden Menschen und Wissenschaftlern dieser Tage immer wieder besprochen werden. Insgesamt eine großartige Auswahl von 57 Themen und Schlüsselbegriffen.

Jeder einzelne wird von einem, in Einzelfällen auch zwei, Autoren bearbeitet und auf 3-4 Seiten kurz vorgestellt. Am Ende stehen 3-5 essentielle Literaturvorschläge, alle weiteren finden sich in einem extensiven Literaturverzeichnis am Ende des Buches, sodass auch noch mehr weiterführende Recherchen möglich sind, wenn man das gerne möchte.

Da ich das Buch gerne zeitnah besprechen wollte, gebe ich gerne zu dass ich nicht alle Beiträge gelesen habe, sondern eher die Hälfte. Davon bezog sich ein Großteil auf Themen, die interdisziplinäre und eher konfliktive Themen betreffen (“Postkoloniale Archäologie”, “Archäologie & Medien”, etc.). Aber auch eher sehr fachspezifische wie “Typologie”,  “Zentralort” oder “Weltsystem” waren dabei. Jeder Schlüsselbegriff wird zunächst kurz (im Bezug auf die Archäologie und ihre Nachbarwissenschaften oder für sich allein) definiert, dann historisch aufgearbeitet und am Ende in einer kurzen kritischen Betrachtung zusammengefasst. Die Texte sind durchdrungen mit kritischen Bewertungen der jeweiligen forschungsgeschichtlichen Nutzung des Begriffes oder des Beziehungsgeflechtes (wenn es z.B: um Themen wie “Archäologie und …..” geht) und enthalten immer wieder weiterführende Literaturangaben zu zentralen Werken die mit dem Begriff in Beziehung stehen sowie auf andere Schlüsselbegriffe im Buch selber, sodass man kreuzlesen kann.

Obwohl ich sonst sehr kritisch bin, ist es mir schwergefallen an diesem Buch etwas Negatives zu finden. Natürlich erlaubt es die Kürze der Beiträge nicht, besonders intensive detaillierte Auseinandersetzungen mit den Begriffen anzubieten – das ist ja auch nicht das Anliegen. Manchmal wollte ich mehr wissen, mehr lesen, mehr erfahren – aber die Autor/in bot eben einen kurzen Anschnitt des Themas und kein ganzes Buch dazu. Das ist auch gut so, denn meine Zeit erlaubt es eigentlich nicht zu jedem Begriff ein ganzes Buch zu lesen. 3-4 Seiten sind dagegen perfekt! Was mich an manchen Stellen etwas störte war die Konzentration von Leseempfehlungen auf Publikationen des Autors selber. Allerdings kam dies nur selten vor und konnte durch Blättern im Literaturverzeichnis am Ende auch umgangen werden – immerhin werden dort alle genannten Publikationen noch einmal aufgelistet.

Ein weiterer positiver Punkt für mich war die Bezugnahme auf Schlüsselbegriffe der englischsprachigen Archäologie, die mittlerweile auch nach Deutschland hinübergreifen. In vielen Texten kamen auch die englischen Schlüsselbegriffe vor, sodass ein schneller Einblick in diese Debatten ebenfalls möglich ist.

Prinzipiell ist es also ein großartiges Buch, das viele Themen aufgreift die absolut notwendig sind und den Blick schärft für ihre historische Entstehungsgeschichte und Zusammenhänge mit politischen, sozialen oder interdisziplinären Gegebenheiten. Gleichzeitig ist es ein Grundlagenbuch das jedem Studenten der Archäologie eine kurze Einführung in essentielle Begriffe des Faches anbietet, ohne dabei langatmig oder verschwurbelt daher zu kommen. Kurze Erklärung, kurzer Kontext, kurze Zusammenfassung + Literatur. Punkt. Und daher anders als die anderen Einführungswerke in die Prähistorische Archäologie der letzten 15 Jahre, die ich zwar auch mag, aber die eben genau dieses Kurze meist nicht bieten. Oder die zwar eine Einführung bieten, aber interdisziplinäre Themen rauslassen oder nur kurz angehen. Gerade diese finde ich aber immens wichtig weil sie die Lebenswirklichkeit des Faches mitbestimmen. Insofern finde ich gerade die Zusammenstellung der Themen immens wichtig und genau richtig. Wir müssen wissen was eine Typologie ist, aber wir sollten uns auch mit dem Thema “Archäologie und Medien” befasst haben – wenigstens am Rande! Diese Mischung von fachinternen Begriffen und in die Gesellschaft hinüberreichenden Themen ist es, die dieses Buch für mich absolut herausragen lässt.

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

Schlüsselbegriffe der Prähistorischen Archäologie

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Mein liebstes Denkmal: E.T.A. Hoffmann / My favorite monument: writer E.T.A. Hoffmann.

In Berlin gibt es ein Denkmal. Es ist das für mich Schönste, was es gibt. Es ist lebendig. Es ist oft mit Blumen geschmückt. Oder mit anderen Kleinigkeiten. Es ist eine Erinnerung an die Phantasie, den Reichtum von Gedanken. Es ist die Büste E.T.A. Hoffmanns am Gendarmenmarkt. Hier hat er das Wort “Sekt” erfunden, hier war das Haus, aus dem “Des Vetters Eckfenster” auf den Gendarmenmarkt schaute. Nur 10 Minuten von hier ist das Nikolaiviertel, dessen Kirche in seinen Geschichten vorkommt. Aber hier wird er nicht nur mit einer Gedenktafel geehrt, die vermutlich seltsam jemand liest – nein, hier steht die Büste, die an ihn erinnert. Ein Werk der Künstlerin Carin Kreuzberg, dessen Original seit 1976 bereits an der Liebknecht-Brücke in der Nähe des Alexanderplatzes steht.

Sie ist ehrlich gesagt, recht klein. Und sie steht nicht prominent irgendwo auf dem Platz und hat ne Eisenkette drumrum. Nein, sein Denkmal ist auf Brusthöhe unter einem Fliederstrauch. Man kann sich ebenfalls drunterdrucken und ist mitten in der Stadt ein bisschen in einem Garten, für ein paar Momente wenigstens. Egal ob im Frühling, Sommer oder Winter – sein Denkmal ist immer draußen, in der Natur. So wie seine Helden, wie etwa im “Fremden Kind”.

Ein lebendiges Denkmal, so wie seine Geschichten. Ein wenig verwunschen und romantisch – so wie seine Geschichten. Schöner kann man nicht erinnert werden, als in den Jahreszeiten unter einem Fliederbusch.

Sprache der dinge E.T.A. Hoffmann

Sprache der dinge E.T.A. Hoffmann

English Version

There is a monument in Berlin, that is my favorite one. Its beautiful, its lively, its always adorned with flowers or other little things people found in the street and put there to remember a famous German romantic writer called E.T.A. Hoffmann. Its a monument to phantasy, to the richness of thought and writing. Its at the Gendarmenmarkt at Berlin, where the writer lived for years, and where some of his stories are located. And he is not being remembered only by a metal plaque (which is been read seldom – if ever – by people passing by) but by a small monument, a copy of the original done by artist Carin Kreuzberg in 1976. Its not prominently located at the Square. Its rather hidden away under a lilac bush, providing  shelter for the breast-high bust of the writer. You may duck under the bush yourself to deposit your flowers into its hands – and you will not be in Berlin, the big city, anymore but lile inside a garden. Its a moment of quiet and garden-ness. No matter the season, its always outside and within Nature – just like the heroes of his writing are.

Its a monument to life, like his stories. Its romantic – like his stories. Its enchanted – like his stories. Its almost hidden – like so many riddles in his writings. You cannot be remembered any more beautiful than by weathering the seasons within a gigantic bush of lilac.

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