Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Das Museum der Auslassungen: Museo Arqueologico de Tenerife / Museum of Omissions: Museo Arqueológico de Tenerife

Im Sommer 2016 waren wir auf Teneriffa und  – natürlich – besuchten wir dann auch mal das Archäologische Museum der Insel. Beziehungsweise: das Archäologische und Naturhistorische Museum, denn das ist sein Name und auch der Inhalt des wunderschönen Gebäudes in Santa Cruz de Tenerife. Und obwohl das nun schon lange her ist, würde ich diesen Beitrag nun doch auch mal publizieren, weil auch 2020 das Museum immer noch sehr wenige Informationen online hergibt. Für interessierte Besucher schade – vielleicht findet der ein oder andere ja hier Input für einen Besuch. Es scheint immer noch (wie damals) in der Restaurierungsphase zu sein, wenn man den Googlekommentaren glauben kann – das als Disclaimer. Evt. hat sich ja was in den letzten 4 Jahren geändert? 

Es liegt im so genannten “Historischen Kern” der Stadt, der etwa 3 Straßen groß ist. Wunderbar restauriert, mit eigener Museums-App die man gratis im gratis WLan des Museum runterladen kann – klimatisiert und mit einem wunderschönen begrünten Patio. Eigenes Café mit Lichthof, engagierte Mitarbeiter und mini Museumsshop inklusive. Generell also, wenn man das Museum so betritt – ein positiver Eindruck. Also gingen wir auch positiv gestimmt in die archäologische Abteilung, die sich über einen Teil zweier Stockwerke erstreckt. Und wir hatten als ausländische Archäologen viele viele Fragen im Gepäck. Zum Beispiel: wer waren denn nun die Einwohner Teneriffas vor Ankunft der Spanier um 1490? Seit wann ist die Insel überhaupt besiedelt? Woher kamen sie, wie lebten sie, welche archäologischen Funde gibt es? Was sagen diese aus? Und was passierte dann nach Ankunft der Spanier? Also: Fragen über Fragen. Leider wurde keine davon beantwortet. Und das kam so:

Das Museum ist ganz offensichtlich mit viel viel Geld auf einen neuen Ausstattungs-Stand gebracht worden, vermutlich vor einigen Jahren. Es ist nicht nur komplett restauriert und sieht taufrisch aus, es hat auch die neuesten Ausstellungsgadgets wie fantastische Vitrinen, eingebaute QR-Codes, die sehr umfassende App, dazu Videos, angenehme Sitzmöglichkeiten, zusätzliche Aufsteller undundund. Alles sieht funkelnagelneu aus und funktioniert blendend. Das ist an sich schon mal fantastisch. Leider hält sich die Ausstattung nicht die Waage mit dem Informationsgehalt der archäologischen Abteilung.

Fast alle Themen werden hier nur angerissen, sowohl was die Besiedlung als auch die Lebensweise der vorspanischen Bevölkerung betrifft. Sowohl zu Teneriffa als auch zu den anderen Inseln gibt es kurze Ausstellungssegmente mit Dioramen, Fotos und Text, die aber so kurz und unspezifisch gehalten sind, dass mehr Fragen offenbleiben als beantwortet werden. So erfuhren wir, dass es römische Amphorenfunde gäbe. Aha. Auch phönizische Funde gäbe es. Aha. Was das aber nun im Endeffekt bedeuten soll, blieb offen. Sind die Bewohner der Kanaren oder spezifisch Teneriffas also nun also phönizischer Abstimmung? Römischer? Waren sie vielleicht sogar schon vorher da? Keine Information.

Ähnlich läuft es bei der Vorstellung der vorspanischen Besiedlung der einzelnen kanarischen Inseln. Wir erfahren, dass jede Insel offensichtlich eigene Qualitäten besaß: auf einigen wurde Landwirtschaft betrieben, auf anderen Jagd und Sammelwirtschaft, andere betrieben Weidewirtschaft. Warum diese Unterschiede? Keine Antwort. Warum gab es keinen Kontakt zwischen den Inseln oder gab es den doch? Immerhin liegen sie teilweise in Sichtweite voneinander? Keine Antwort.

Nun denn, schauen wir doch mal ob wir erfahren können ab WANN die Insel besiedelt wurde. Nachdem wir das gesamte Museum durchforstet hatten, kann ich sagen: es gibt offensichtlich keine einzige Datierung zu all den Befunden. Weder C14 noch Thermolumineszenz. Nichts. Wir tauften es daher unter uns “Das Museum ohne Datierungen”. Kurze Hoffnung keimte auf als wir in die paläoanthropologische Abteilung traten. Komplett inklusive abgetrenntem Raum für die Mumienfunde, die mit viel Dezenz dargebracht werden. Also auch hier wieder: ausstellungstechnisch wunderbar! Nur eben leider: informationslos. Ich zitiere hier mal lose aus den Texten der Ausstellung: “Die Paläoanthropologie kann uns viel erzählen über die Herkunft der Bewohner. Auch Krankheiten, Ernährung und andere Themen können wir aus den Knochen ablesen.”. Das ließ uns hoffen, dass wir die hier so schön angeschnittene Info dann auch im nächsten Satz, auf der nächsten Tafel erhalten würden. Leider nein. Zwar zeigen uns die Ausstellungsmacher was möglich WÄRE, aber anscheinend hat noch niemand die Daten hierzu erforscht. Ähnlich ergeht es einem bei den Steinzeichnungen und -ritzungen.

Nachdem man also die gesamte archäologische Abteilung besucht hat, weiß man einiges über die Möglichkeiten archäologischer Forschung. Man weiß auch, was es so ansatzweise für Funde gibt, nur eine kohärente Idee zur Besiedlung der Insel hat man nicht. Auch die Integration der erhaltenen Sammlungsschenkungen macht die Sache nicht besser, denn man sieht zwar viele tolle Objekte aus den Sammlungen, erfährt aber nur minimal etwas über den ursprünglichen Sammlungsbesitzer. Auch der Fakt in welchem Kontext diese Sammlungen ins Museum kamen hätte mich brennend interessiert – aber vielleicht ist das zu kontrovers.

Wirklich schade, aber ein wunderschönes Museum verkauft sich hier absolut unter Wert durch so wenige Informationen. Warum werden hier so viele Dinge ausgelassen? Ich wäre schon mit einem “Wir können es nicht genau sagen, weil...” zufrieden. Auf die seltsame Präsentationsart des Museum sieht es aber so aus als ließe man Ideen, vor allem Interpretationen, absichtlich aus. Römische Funde werden so nicht interpretiert als “römische Abstammung”, sondern stehen dann eben bezugslos im Raum und werden nirgends mit einer eventuell bestehenden Theorie oder Interpretationsmöglichkeit verknüpft. Warum? Folgt das einer generellen Maxime, da sich das Problem ja durch die gesamte Ausstellung zieht? In der Masse der Ausstellung wirkt es tatsächlich so als würden Interpretationen hier absichtlich ausgespart. Und wenn man so ein Gefühl hat, stellt sich ja die Frage: Warum wird hier etwas ausgelassen? Dazu möchte ich gar nichts weiterdenken. Vielleicht besuche ich es noch einmal, sollte ich jemals wieder auf Teneriffa unterwegs sein. 

English Version: The Museum of Omissions. 

In the summer of 2016 we visited Tenerife and  – of course – we also visited the archaeological museum of this island. Or, as it is called correctly: the Museum of Archaeology and Natural History, because that’s the official name and also the content of the beautiful building in Santa Cruz de Tenerife. And although that’s now almost 4 years since we visited, I decided to post my thoughts and impressions here because even now, in 2020, the museum lacks much information online – so maybe it would be of some help to interested people who´d like to visit it. It is (still ongoing, apperatenly, and judging from the comments on Google) in renovation and I don´t know how much the contents may have changed in the last 4 years. So,thats my disclaimer and now: Here we go!

The museum is located in the so called „historical centre“ of the city, which comprises about 3 blocks. It has been fabulously restaurated, with its own museum app that you can download for free in the free WIFI of the museum. It has its own air condition and a wonderful patio with plants and a garden. An own café,  incredibly motivated people who work there and a small but nice giftshop. So, when you enter the museum, the overall effect is quite positive and you feel welcome. So we went positively at the archaeological exposition, located in the bigger part of two storeys. And we had – as foreign archaeologists – a whole lot of questions we would have liked to be answered. I.e.: who were the native inhabitants of Tenerife before the arrival of the Spaniards at around 1490? Since when has the island been habitated? And by whom? Where did the pre-hispanic people come from, how did they live, which findings have been made? And what can they tell us about the people? And what happened after the Spanish people arrived? So: a whole lot of question Unfortunately, not one of them was answered, and here´s why:

The museum has obviously been renovated (or is still being renovated in parts) with an astounding amount of money and has been brought to the state-of-the-art level of exposition today. It is not only completely refurnished and looks like new, it has also the newest gadgets of exposition making: fantastic displays, QR-codes, the really impressing museum app, and there´s more: videos, really nice options to have a seat, additional information material etc etc. Everything looks new and runs smoothly. That in itself is an achievement! But unfortunately the amount of information of the archaeological exposition doesn’t relate to the same level of top of the art investment.

Almost all the issues are being treated in the exposition, if it’s the process of settlement or the lifestyle of the prehispanic inhabitants. There are displays on Tenerife and the other canaries islands – but the information is so short and unspecific, that our questions were not really answered. We read that there have been findings of roman amphorae. Okay. And Phoenician ones. Okay. But what does this mean? So, are the inhabitants of the canaries, or specifically Tenerife roman? Phoenician? Have they been on the island before? No information, just a blank space.

Its similar when it comes to the presentation of the prehispanic settlement history oft he different islands. We get to know that each island had obviously different qualities – some were into agriculture, others were big into hunting & gathering, other did grazing and herds. But why these differences? No answer. Was there contact between the Islands? No answer.

Well, then lets have a look at the timeline of settlement. After searching the whole museum, its clear, that there is obviously NO dating for all the finds. Theres no C14 or thermoluminescence date? Nothing? We called it „The museum without dating“ afterwards. There was a short moiment of hope when we got into the paleoanthropolgical rooms. A room, completely shut off from the rest of the museum, for the mummies, so you could visit them wuith due respect and decency. Asgain – good work on the museological side but so few information….

But again: no information. Citing here loosely from the texts in the exposition: „Paleoanthropology can tell us a lot about the provenance oft he habitants. Also, there´s information on maladies, nutrition and other issues that we can read in the bones….”. So we hoped to get the promised information in the next display or the next room, but there was nothing to have. The exposition makers gave us a bit of hope but no information. Maybe nobody has researched these data yet? It went similar with the room on stone carvings and engravings.

So, after visiting the whole archaeological exhibition, you´ll know a lot about the possibilities of archaeological research. And you´ll have a great impression of the findings on Tenerife – but you won´t have a coherent idea on the settlement of the island. The integration of donations into the museum didn’t make it better because you see showy objects that have been donated, but next to nothing about the donating person or the aspects under which the findings were made. But maybe this is too controversial?

It´s really sad, but an absolutely beautiful museum seems to be wasting its possibilities by presenting so few information. Why are there so many omissions? I´d be perfectly happy with something like: “we can´t say this with certainty because…”. But due to the strange way of presentation its seems that the omissions are being made with purpose. Why? Is this a general problem, because its present in the whole museum? Being presented en masse it seems as if interpretation would be left out on purpose, focussing on presenting finds without interpreting them. Why? And if such a feeling pops up, then the question follows: Why are the omissions being made? I don’t like to think further ahead of this. Maybe I should visit again if ever I come back to Tenerife.


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Das Kykladische Museum in Athen / The Cycladic Museum at Athens

Cycladic Museum Athens sprachederdingeblog

Cycladic Museum Athens sprachederdingeblog

 

Athen im Mai 2015 beinhaltete mehrere Tage voller Museen. Und dann nochmal Museen, und dann noch mehr und noch die Fundorte. Ach, und Museen! Wenn an jeder Ecke ein Fundort liegt, bleiben dutzende Museumsbesuche nicht aus.

Das Kykladische Museum  (hier der kurze deutsche Wikipedia-Eintrag dazu) war jedoch ein besonderer Fall, denn dieses Museum basiert nicht auf einem Fundort in oder um Athen, sondern auf dem Inhalt verschiedener privater Sammlungen, die sich unter dem Dach des Kykladischen Museums zusammengeschlossen und durch weitere Ankäufe seit der Gründung in den 1980er Jahren vergrößert haben. Auch der Name ist etwas irreführend, denn es geht nicht um die Kykladischen Kulturen, sondern nur teilweise um diese und dann um das gesamte archaische und klassische Griechenland, bis etwa in die römische Zeit.

Generell: dieses Museum hat vier Stockwerke, voll mit Objekten. und was sofort auffällt: alle Stockwerke sind in einer durchgehend durchdachten Art & Weise eingerichtet und doch hat jedes Stockwerk seinen eigenen Charakter. Gleich im ersten Stock geht es um die Dinge, die dem Museum seinen Namen gaben: die Kykladische Kultur. Wunderbare Statuen, Keramiken und andere Objekte werden in einer sehr zurückgenommenen, dunkel gehaltenen und eleganten Art & Weise präsentiert, es gibt viel Platz um den Objekten nahe zu kommen, sie zu betrachten und die Information zu verarbeiten.

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Das zweite Stockwerk ist den Archaischen Kulturen Griechenlands gewidmet, das dritte der Bronzezeit und das oberste schließlich der Klassischen Periode – dem, was wir heute häufig als “typisch griechisch/klassisch” erkennen. Jedes Stockwerk ist farblich durchdesigned und v.a. Stockwerk 3 und 4 haben relativ viele technische Zusatz”spiel”möglichkeiten im Programm: Videos, interaktive Bildschirme. Gerade das oberste Stockwerk war zudem so gestaltet, dass hier Objekte und Abbildungen von Vasen oder Reenactment-Fotos sich ergänzen. Dies macht viele Objekte verständlicher, und Videos und Fotos machen das Ganze dann noch plastischer. Allerdings ist hier den Machern doch manchmal etwas die Hand ausgerutscht, denn wenn die Infotafeln gut gemacht sind und weder zuviel noch zuwenig Information hergeben, wurde offensichtlich alles andere in die elektronischen Medien gesteckt, sodass selbst gestandene Mittelmeer-Archäologen an meiner Seite nicht recht wussten, wie sie mit soviel Information umgehen sollten. Interaktive Tafeln für Kinder, die den Mittelmeerverkehr mit Schiffen zeigten, waren zwar auf griechisch und englisch gestaltet, hatten dann aber soviel einander überlagernde Informationen, dass wir nicht mehr wussten, wer wie wohin segelte, warum und was “unser” Schiff gerade anstellte.

Wer, wie ich, wenig Ahnung von archaischer und / oder klassischer Antike in Griechenland hat, lernt hier viel und die zurückgenommene Darstellung der Objekte, und das Herausheben einzelner Objekte in wunderbar ausgeleuchteten Vitrinen  macht es auch zu einem ästhetischen Erlebnis. Die verschiedenen Ausstellungsdesigns der einzelnen Etagen heben die einzelnen Perioden voneinander ab, und ermöglichen es dem Besucher, sich durch eine doch erhebliche Masse von Objekten zu bewegen ohne zu ermüden. Neue Anreize fürs Auge und das Hirn beugen Erschöpfung vor, gleichzeitig sind alle Stockwerke aber immer noch so zurückgenommen im Design, dass man sich trotzdem wohl und nicht überfrachtet fühlt.

Insgesamt war dieses Erlebnis eine sehr relaxte Angelegenheit, wobei die elegante Ausstattung und die zurückgenommene Darstellung einen großen Einfluss hatten. Leider hatte ich dann doch einige Zweifel bezüglich der Herkunft der Objekte, die, wie in vielen anderen Museen in Athen, nie angesprochen wird. Das ist mir ein Rätsel, denn offenes Umgehen mit diesen schwierigen Themen wäre eigentlich angebracht? Hier wird “Herkunft” einfach herausgenommen. Die Objekte stehen im Vordergrund, so wie es auch die Ausstellungsoptik vormacht. Fundgeschichte – inexistent.

Problematiken wie Looting etc werden ausgespart, der Besucher mit schönen Objekten “bombardiert”. Ein offensiverer Umgang mit diesem schwierigem Thema wäre traumhaft, so muss man sich mit einem wunderschönen, durchdesignten Museum begnügen, dass ganz auf die Schönheit des Objekts setzt.

ENGLISH VERSION

Athens in May 2015 consisted mainly in visiting museums. Day after day, I went to other museums, to site museums, archeological sites and the like. Oh, and  – museums! Did I mention the museums?

The Cycladic Museum (see the brief wikipedia entry here) was a special case as this museum is not (even in a broader sense) a site museum, but is based on the contents of different private archaeological collection, that have been united under the roof of the Cycladic Museum, being increased through acquisitions from the 1980s onwards. Even the name is somewhat misleading, as this museum does no ONLY present cycladic art (although it does) but presents objects from all over classical and archaic Greece up to the Roman Period.

This museums has four storeys, full of objects, and even more objects and what comes to mind immediately is: these storeys have been meticulously designed so that each one of them has its own character. The first storey is about the Art that gave the museum its name: Cycladic Art and Cycladic Culture. Wonderful statues, ceramics and other objects are presented in such an elegant way, relaying on dark colors and spotlights, that one is tempted to approach each object as a treasure. There is much space to have a look of each of the objects, to read and pass time with each of the statues and pots.

 

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The second story is dedicated to the archaic cultures of Greece, the third to the Bronze Age and the fourth and last one to the “classical Greece”, things that even non-archaeologist would recognize as “typically greek”. Each story follows its own color code, and story 3 and 4 present a lot of technical gimmicks: videos and interactive screens. And it was the froth story that presented in addition a presentation where vases and photos of greek vase painting intertwined with photos and videos that depict the scenes from the pottery with actual people. In this way, vases and reenactment intertwine and complement each other – a feature that I liked very much, but my companions found rather dreadful. Unfortunately, the implementation of interactive elements went a little bit far, because information was so overcrowded in these features, that I was unable to follow any of the bits of information found. Even knowledgable colleagues didn’t know how to use these features meaningfully. And besides: most of the interactive features were designed for children, not even for adults. So, if I feel overcrowded with detailed information on the mediterranean shipping traffic in the Bronze Age, than a child of say 6-8 years would be as well, trust me.

People like me, with a limited knowledge on archaic and classical Greece learn a lot due to the presentation of information next to the objects, and the perfect design of the museum makes a visit an aesthetic experience as well. The different exhibition designs create different atmospheres  and the visitor is able to move through a LOT of objects without feeling to overwhelmed. New stimulation for the eye and the mind prevent exhaustion facing dozens and dozens of pots, armours, textiles, stone objects. But even so, each story is at the same time presented in a rather withdrawn way so as not to overpower the visitor.

Generally speaking, this experience was a really relaxed visit to a great museum. But there is a dark side as well. I had rather serious doubts about the provenience of the objects, a fact that is not faced in any Athenean museum. IN the Cycladic Museum, with its roots and history in private collections, this problems seemed even more pressing. I couldn’t understand why this topic is not faced anywhere in the museum, not even in a minuscule information. “Provenience” is not a topic. Full stop. The objects are in the foreground, beautifully presented and cherished. The objects history – inexistent.

So in the end, the visitor is “bombarded” with a most exquisite and beautiful presentation of beautiful objects. But an offensive handling of such a difficult topic would have been great. As it is, we have to content ourselves with a beautifully designed museum, which is putting all its weight on the beauty of objects without a history.


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“Alltag Einheit” im Deutschen Historischen Museum Berlin / “Unification” at the German Historical Museum Berlin

Direkt nach der Eröffnung war ich da: “Alltag Einheit”, die neue Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin. Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, dass mich Ausstellungen dieses Themas fast magisch anziehen (etwa hier zur “Bösen DDR”, hier zum “Alltag DDR” oder hier zum “Museum im Getränkemarkt”!): ich bin einfach gespannt, wie ein Teil meiner Geschichte ins Museum kommt. Und ich versuche wirklich, objektiv in der Beschreibung zu bleiben – aber es funktioniert nicht immer. “Alltag Einheit” – ist das der Gegenpart zu Alltag DDR” in der Kulturbrauerei? Die Ausstellungsdesign lässt es fast vermuten, eine konkrete Korrelation oder Information hierzu fand ich aber nicht.

Zuallererst: In der Sonderaustellung darf man keine Fotos machen. So was mag ich ja gar nicht. Warum soll ich im Museum keine Fotos machen? Ist das Ausstellungsdesign urheberrechtlich geschützt? Nein, wie das DHM mir über Twitter antwortet (@DHMBerlin), sind die Leihgaben der Grund hierfür. Diese dürfen auch Rechtsgründen (?) nicht fotografiert werden. Gerade bei dieser Ausstellung besonders schade, denn sie war dermaßen auf Mitmachen und Selbst Erleben gepolt, dass Fotos machen und mit den Objekten und Installationen interagieren nur logisch gewesen wäre. Sogar eine Fotochallenge gibt es, bei der man Fotos von der “eigenen” Einheits-Erfahrung auf Twitter mit nem speziellen Hashtag posten kann (#meineeinheit mit @DHMBerlin).

Nun aber zur Ausstellung selbst! Generell: hier wird es wirr. Nämlich sowohl in der Ausstellung, in der ich keinen klaren Rundgang fand,  sondern viele, miteinander verbundene und dann wieder abgegrenzte Areale zu verschiedenen Themenbereichen, was zum Konzept gehörte. Aber auch in der Werbung für diese Ausstellung. Diese hat nämlich folgendes, erklärtes Ziel laut der Homepage des DHM: sie “thematisiert den Alltag der Vereinigung und die Erfahrungen der Menschen sowie den in seiner Dimension historisch einmaligen Wandel des gesamten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gefüges der Gesellschaft in der früheren DDR ebenso wie die damit einhergehende Veränderung der alten Bundesrepublik.”. Großes Thema und: die Ausstellung will also Ost und West einbeziehen. Deshalb ja auch “Alltag Einheit“. De fakto ist es aber so, dass sie zwar sehr viele Aspekte und unterschiedliche Sichtweisen der Einheit abdeckt (und dies wird durch den Ausstellungsaufbau absolut fantastisch/plastisch umgesetzt) – diese aber eigentlich ausschließlich aus Sicht der Ostdeutschen. Ich konnte jetzt nicht wirklich Bereiche finden, in denen die westdeutschen Erfahrungen tatsächlich dargestellt worden wären – außer in den Informationstafeln, auf denen häufig auch über westdeutsche Erfahrungen mit der Einheit zu lesen war. In den Objekten und Installationen fand ich aber eigentlich – fast nichts. Ich fragte mich, ob die Einheitserfahrung für Westdeutsche wohl weniger einschneidend war? Und deshalb weniger ausstellbar?

Dafür durfte ich ganz viele Dinge selber machen. Zum Beispiel mein persönliches “Einheits”-Wort aufschreiben oder aufsprechen. Ich durfte in kopierten Akten blättern und mir Filme angucken. Ich durfte interaktiv Informationen zu besetzten Häusern im Berlin der frühen 1990er Jahre anschauen. Ich konnte Musik hören. Man konnte und sollte also eine große Menge mitmachen, und ich weiß nicht, wie sich das Ganze für jemanden anfühlt, der nicht direkt in Berlin lebte, in den 1990er Jahren. Für mich war es eher wie ein persönliches “Berlin 1995”-Revival. Denn die Objekte, die Fotos, die ausgewählten Themenbereiche beziehen sich zu einem Großteil auf Berlin und Umgebung. Wie war denn die Einheit in, sagen wir mal, Groß-Kleinkleckersdorf West und Groß-Kleinkleckersdorf Ost? Änderte sich da etwas? Was? Hierzu gibts nur wenige Informationen wie etwa die Auszüge der spektakulären Fotoreihe mit Aufnahmen von – allerdings wiederum aus dem Osten stammenden –  Menschen im Jahr 1990, 1995 (?) und nochmal zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Fotos sind übrigens generell eine große Sache. Fotos der Einheit, der Menschen, der Veränderungen. Die oben angesprochene Foto-Challenge. Dafür aber: weniger Objekte. Ganz viel läuft hier über Abbildungen, vielleicht auch weil die Veränderungen im Gefüge der Gesellschaft sich häufig einfacher über Fotos als über Objekte abbilden lassen? Absolut faszinierende Themen wie “unterschiedliche Alltagskulturen” (Zitat einer Texttafel) und Unterschiede im Denken und Handeln werden nur sehr sehr kurz und schemenhaft in den längeren Texttafeln angesprochen. Dabei ist es doch gerade das, was diese Zeit charakterisiert. Hier prallen Welten, Denkwelten, aufeinander. Das ist kaum Thema.

Im Großen und Ganzen ist der riesige Umbruch der Wendezeit also nur sehr flach abbildbar. Fotos transportieren hier viele der damals vorherrschenden Emotionen, aber das ganze Ausmaß ist eigentlich in einer Ausstellung kaum darstellbar. Es ist eine Ausstellung, wie gemacht für einen ersten Eindruck. Das große Mitmach-Potenzial und die vielen kleinen Themenbereiche bieten sich dafür an, eine Idee davon zu erhalten, wie es gewesen sein könnte. Aber viele der großen Themen sind außen vor, der Fokus liegt auf dem, was halbwegs “anfassbar”, erfassbar ist.

 UNification - Alltag Einheit DHM BerlinDas einzige Photo, bevor die Museumwärterin mahnte….Installation zu “Meinem persönlichen Einheits-Wort”. Ohne Leihgaben im Bild!

ENGLISH VERSION

Directly after the opening I decided to go and have a look at it: the new Special Exhibition at the German Historical Museum: “Unification. German Society in Transition“. It may be common knowledge by now that I am interested in these topics and that there were a lot of expositions visited so far (read about it here: “Good GDR – Bad GDR”, “Everyday Life at the GDR”, “Museum at the Cornershop”). I am curious how a part of my own past is being displayed in museums. And I really try to be an objective observer. I really do try! But I don´t always succeed. “Unification” (“Everyday Life during the Unification” as its German title traduces literally) – is this the counterpart to “Everyday Life in the GDR”, the exposition visited in Berlin some time ago? The exposition design and the title made me wonder about it, but I couldn´t find any precise information about it.

And, in the first place: you can´t take photos in this exposition of the German Historical Museum. I don´t like that… why shouldn´t I take photos? Is there a copyright to the exhibition design? As the Museum let me know via Twitter (@DHMBerlin)n this is due to the fact that the exposition uses lenders for many objects. Unfortunate for this exposition, because it was particularly focussed on participation and experiencing. So interacting with objects and istallations by taking photos would have been logical – for me, at least. There is even a “Photo challenge” associated with the exposition where you may twitter your own special unification photo unter der the hashtag #meineeinheit.

But now to the exposition itself. Generally speaking: its getting a little bit confused. In the exposition where I couldn´t find any clear way to wander around but many interconnected and separated areas on different topics, which makes sense regardin the obejctive of the exhibition – as well as in the marketing of the exposition. The marketing claims the following goal: “Everyday life in the union and the experiences of the people are the focus of the exhibition “Unification. German society in transition”. It deals with the transformation, historically unique in its dimension, of the entire political, economic, social and cultural structure of society in the former GDR as well as the concomitant changes in the old Federal Republic.” Ok, so the goal is to show both Germanies, East and West. That´s why it´s called “German Society in Transition” and not “GDR Society in Transition”. But actually, although many aspects of the life during the unification process are being covered, these are mainly focussing on East German perspectives.  I wasn´t able to find areas that focussed concretely on West german perspectives on Unification, apart maybe from some comments and explanations in the information tables. But in the actual objects or installations I found – almost nothing. I wonder if the experience of unification was maybe less important to West germans? Or less “apt” for an exhibition?

But on the other hand I was allowed to do a lot of things on my own. Writing down my “personal unification word”, for example. I could scroll through copies of official documents and watch movies and documentaries. I could interact virtually with informations on squatted houses in East Berlin in the early 1990ies. I could listen to music… in the end, you could participate and interact with a lot of things in this exposition and I don´t know how this feels for somebody who didn´t live in Berlin at this specific time, say between 1990 and 1996. For me, personally, this was like a “Berlin 1995 revival”. Because the objects, most of them photos and the selected topics focussed mainly on Berlin and the surrounding areas. How was the Unification experienced in, lets say, in some small village in East and West? Were there changes? And what? There are very few informations on this – including the absolutely spectactular photograhy series of (again: East) German people visited in 1990, 1995 and the beginning of the new century.

Photos are definitely the big thing ath this exposition. Photos of the Unification, of the People, of the changes. And the above mentioned photo challenge. But few objects, comparatively. Is this because changes can be made more “experiencable” therough phpotos, transporting emotions than through “mere” objects? Many of the topics, fascinating as they are, are only addressed in the information tables. Topics like “different cultures of everyday life”, differences in perepction and acting as they developed over a 40 year span living in different political systems and societies are totally fascinating and were mentioned in the information text. But – they were not really visible in the objects or instalaltions. And this is just what characterizes this fascinating time of changes: Universes of Thoughts collide, East and West germans realized how different their mutual perceptions of objects, words, events, were. It differentiated them and let to a development of a new cultural identity, mostly still influenced by the former German states. That´s not a topic in the exhibition, though.

Generally speaking, the huge changes of the time of Unification can only be made visible in a small way. Photos transport many emotions that were prevalescent in 1989-1990 but the whole amount of change, emotions, personal and social developments is impoosible to represent at an exhibition. Or so it seems visiting this specific exposition. Its an exhibition that is great to get an idea of how things were, at that time. The big potential of participation and the many small areas and subjects are clearly apt to give you an overview of the huge changes that were happening during these 1-2 years. But the big issues are left out, the focus lies on the things that can be presented in a “museum way”.

 

 


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Fundorte & Museen: Kerameikos und Agora in Athen / Sites and Museums – Kerameikos and Agora at Athens

Agora Athen sprachederdingeblog

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Kerameikos und Klassische Agora, das waren zwei Ziele, die oben, sehr weit oben auf der Athen-Liste standen. Gar nicht weil ich vorher endlos viel darüber gelesen hätte, sondern weil ich mich von einem lange vergangenen Besuch an überall herumstehende Säulen und Ruinen erinnerte. An mediterranes Abendlicht und klassisches Flair. Also wurden Kerameikos, der lange genutzte Friedhof vor den Toren Athens und die angrenzenden Areale Athens HINTER diesen Toren, sowie die Agora, das alte Stadtzentrum mit seinen öffentlichen Bauten, eines der obersten Ziele der Reise. Beide präsentieren nicht nur abgegrenzte archäologische Areale mit immer noch andauernden Grabungen mitten in der Stadt, sondern auch gleichzeitig Museen im Fundort selber, die Objekte ausstellen die eben dort gefunden wurden.

In beiden Fällen liegen die Fundorte mitten in der Stadt. Abgegrenzt durch hohe Zäune, mit Eintrittshäuschen  und Wächtern versehen, sind sie nicht nur historische Stätten sondern auch Orte der Ruhe innerhalb des lauten, hektischen Athens. Mit Gräsern und Wiesenblumen überwachsene Ruinenstätten, durchsetzt mit offenen, kleinen Grabungsschnitten, einer Infotafel hier und dort. Und: relativ wenig Menschen. Im Hochsommer, so sagte es eine Kollegin, sei es hier viel voller. Ende Mai scheint eine wunderbare Zeit zu sein um diese Stätten zu besuchen und sie fast alleine sehen zu können!

Beide Stätten sind auch absolut kinderfreundlich. Hier wäre ich gerne mit der Familie gewesen! Viel Platz zum Laufen, Sitzen, etwas Essen. Zum Angucken, erklären, herausfinden. Wichtige Gebäude oder Grabungen sind abgesperrt, aber das lässt immer noch 90 % Platz um sich hier einmal auszulaufen und dabei trotzdem museologisch-archäologisch unterwegs zu sein. Beide Fundorte bieten derartig viel Platz, dass man locker als Erwachsener eine Stunde dort herumlaufen kann – und dann hat man immer noch nicht alles gesehen. Und der parkartigen Charakter mit vielen Bäumen und Bänken machen Kerameikos und Agora gleichzeitig zu einer Ruhestätte. Sitzen, auf die Akropolis oder andere Ruinen schauen…. weitermachen. Wunderbar.

Information auf dem Gelände ist jedoch in beiden Fällen eher spärlich gesät. Wer nicht weiß, was er sieht, kriegst auch nicht raus, es sei denn er googelt es gleichzeitig. Nur wenige, ausgewählte Infotafeln geben einen Überblick über das ganze Gelände und die einzelnen Areale oder Gebäude tragen nur winzige Steintäfelchen mit Aufschriften wie: “Tholos“. Aha. Wenn mir nicht jemand erklärt hätte dass dies der Ort sei an dem sich die Athener Magistraten zum Essen und Schlafen trafen um auf Staatskosten ihre Arbeit zu Verrichten – es hätte sich mir nicht von alleine erschlossen! Insofern also: Infos lieber dabei haben. Oder vorher lesen. Oder eben einfach nur den Ort genießen, ohne Infos.

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Hat man genug gestromert, könnte man auch ins Museum gehen?! Denn es ist ja gleich innerhalb des Zaunes. Im Falle des Kerameikos hat man ein wunderhübsches, kleines Museum dazugebaut, dass viele Funde des Kerameikos zeigt ohne dabei überladen zu wirken. Information ist hier gegeben, aber doch eher für einen sehr interessierten Besucher. Trotzdem ist die übersichtliche, ruhige Disposition der Funde, die chronologisch geordnete Keramikgalerie und der statuenübersäte Innenhof einen zweiten Blick wert. Auch wer sich in griechischer Archäologie nicht auskennt wird von der Aesthetik der Objekte angezogen.

Im Falle der Agora ist es sogar noch besser. In den 1960er Jahren hat man eine der Stoen rekonstruiert, komplett mit allem Drum und Dran – und ein Museum darin geschaffen. Man wandelt also in einer klassischen griechischen Stoa (ich gebe zu: ich habe die Rekonstruktion nicht auf historische Genauigkeit überprüft), denkt an die Philosophen und betritt dann ein schönes, klassisches Museum. Etwas altmodisch gehalten, aber mit wunderbar übersichtlich gestalteten, genau richtig geschriebenen Informationstexten. Einigen Rekonstruktionen von Gräbern oder Zeittafeln und Vitrinen, die im langen Innenraum der Stoa rechts und links in chronologischer Reihenfolge Material aus den Grabungen auf der Agora zeigen. Schlicht und gut! Wer am hinteren Ende den Saal wieder verlässt, kann noch das obere Stockwerk erklimmen – ganz den Statuen und Büsten gewidmet. Im Freien, wie auf einer riesigen Balustrade, überblicken sie die Agora. Dahinter gibt es die Räume für die Konservatoren und Restauratoren, und Einblick in ein offenes Depot des Agoramuseums, das durch größere Fenster sichtbar wird. Alles in allem ein wunderbares, wirklich traumhaft schönes Erlebnis.

Gerade die Zusammenarbeit von Fundorten und Museen machte das Ganze zu einem Moment, der das vorbyzantinische Athen wiederaufleben lässt. Die zwei- oder gar dreisprachigen Beschriftungen machen das Lesen auch für Touristen möglich und die offene, wenn auch schlicht eher klassische aufgebauten Ausstellungen ermöglichen es, sich einen Überblick über die Geschichte des vor den Türen des Museums liegenden Ortes zu verschaffen.

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ENGLISH VERSION

kerameikos

The Kerameikos and the Classical/Ancient Agora, these were two spots that were on the top of my list in Athens. Not because I read a lot about them beforehand but because I remembered a lot of columns and ruins standing around at the centre of Athens from a past visit. And I remembered classical flair and soft evening light on white marble. To catch up with these memories I put Kerameikos, the cemetery in front of the classical Athens gates as well as the Agora, the old city centre with its public buildings on top of the list. Both do not only represent archaeological areas with still ongoing excavations but also site museums, exhibiting objects found “on the spot“. Both sites are situated right in the centre of Athens. Cut off by high fences, with a pay kiosk and with guardians, they are not only historical places but also spots of quietness in noisy, hectical Athens. Dotted with flowers and trees, ruins covered in vegetation, an information board here and there. Some ongoing excavations, small ones. And: very few people! At the height of summer, I was told by a colleague, there will be hundreds around. It seems that the end of may is a great moment to visit Athens and have these sites almost to yourself!

Both sites are totally compatible when travelling with children. I would have loved to visit them with the family! There is so much space to sit around, walk, run, eat something. To look at, to explain, to explore. Most important ruins/buildings, and the ongoing excavation sites are closed off, but that still leaves at least 90 % of the whole site to explore and to have your own archaeological-museological experience! Both sites offer so much space that you can walk around for 1-2 hours and there are still areas left that you wouldn´t have visited. And the park-like appeareance of both transform Kerameikos and Agora into spaces of rest, as well. Sit down, gaze at the ruins, at the Akropolis…. and go on. Its wonderful.

Information on the site is rather sparse. If you don´t know what you´re looking at, than you won´t know what it is – unless you have a smartphone with internet. Only very few information tables offer further data on the ruins, and small stone panels offer the name of some of the ruins you´re looking at. Something like: “Tholos“. Okay?! Without the explanation of a friend I wouldn´t have ventured to interprete the small circular ruin as the place where athenian Magistrates met to do their duty and spend the night working, eating, sleeping. So: rather have a look at the site information beforehand. Or have a guide with you. Or you may choose just to enjoy the place, without any explanations.

When you´ve spent enough time outside, let´s venture into the site museum!? Because its right here. In the case of Kerameikos there was a nice new museum building with a central patio and light, white galleries. It has the most spectacular of Kerameikos´ finding on display, without being overloaded with objects. The patio and the galleries offer an overview and information about the digging history of the German School at Athens which is still investigating the site (which explains the inforamtion offered in Greek, English and German…). Its the tranquil, well-arranged form of exposition, the chronological order of the display and the statue-peppered patio that contribute to the wish to stay and have a second look at everything. And even persons who are not familiar with Greek Archaeology will be attracted by the simple aesthetics of the objects on display.

The Ancient Agora is even better. If this could get any better…. in the 1960ies one of the Stoas has been reconstructed, complete with everything – and the site museum has been created inside. So you wander around in a classical greek Stoa (I admit that I didn´t check for historical correctness but rather enjoyed the feeling of it….), thinking of the philosophers and then you enter a beautiful, classical museum. Its a little bit outdated in its exhibition fashion, but its well-arranged, and well-informed. Reconstructions of graves and other finds, time tables and the big vitrines arranged on the long sides of the museum hall offer a chronological overview of the development of the Agora. Simple – and so good! When leaving the museum you will do so with a sound knowledge about what has happened on the site until the 9century AD. And, if you like, you may then climb up to the first floor and wander around between greek and roman statues on display on an open terrasse with a view of the Agora and the Akropolis in the background. And a view of the open depot of the Agora Museum as well…. its an absolutely beautiful place to be.

It is especially the liason between the sites and their museums that make a visit into a special moment that can revive pre-byzantine Athens for a visitor. It offers a very haptic way to “feel” ancient Athens, and even if more inforamtion ON the sites would have been nice, the experience remains all the same: beautiful.

 


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Das Neue Akropolis-Museum in Athen / The New Acropolis Museum at Athens

New Acropolis Museum sprachederdingeblog

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Eigentlich wollte ich ja über das Museum etwas später schreiben, sozusagen meine Athener Erfahrungen erstmal sacken lassen. Da aber vor einigen Tagen neue Bewegung in den Fall der Elgin-Marbles gekommen ist, ist es vielleicht ganz schön, dieses Museum vorzuziehen und hier gleich einzubinden. Immerhin wurde es ja hauptsächlich deshalb gebaut, um den Parthenon-Friesen, die heute im British Museum ausgestellt sind und um 1820 nach Großbritannien kamen, eine neue/alte Heimat zu bieten.

Das Neue Akropolis-Museum hat auf jeden Fall zwei Seiten. Eine ist die politische. Die andere die museologische. Und beide gehen Hand in Hand, was eine Beschreibung nicht einfacher macht!

Als politische Forderung der Rückgabe der Parthenon-Friese (auch bekannt als Elgin Marbles im eher englischsprachigen Raum) beruht auf der Annahme, die Friese wären von Lord Elgin unrechtmäßig nach Großbritannien ausgeführt worden (zusammengefasst etwa hier letzthin beschrieben). Andererseits beharrt das British Museum darauf, dass die Ausfuhr und auch der spätere Ankauf durch das Museum rechtmäßig waren, da es hierfür Dokumente geben soll (hier in kurzer Form dargestellt). Ich möchte hier gar nicht einsteigen, denn weder bin ich in der Diskussion wirklich kundig, noch gibt es hierfür den Platz. Eine schöne, längere Einführung zu diesem sehr kontroversen Thema findet sich im Buch “Loot” von Sharon Waxman, das ich hier schon einmal vorgestellt habe, neuere Entwicklungen kann man  im Internet unter dem Stichwort “Parthenonfries Rückgabe” (oder ähnlich) sehen.

Auf jeden Fall geht es hier nur vordergründig um die Frage ob Friese (un)rechtmäßig ausgeführt wurden – eigentlich geht es um Fragen von Kolonialismus. Ähnliches geschieht seit Jahren mit dem Fall Nofretete in Berlin, in dem auch immer wieder Debatten angestoßen werden, die eigentlich auf Dokumenten und rechtlichen Fragen beruhen, die eigentlichen (post)kolonialen Fragen aber außen vor lassen.

Aber eigentlich ging es ja nun um das Museum an sich. Sichtbar ist das Museum bereits, wenn man am Parthenon steht und auf die XXXX Seite Athens hinunterblickt. Gleich hinter dem Dionysos-Theater findet sich das Museum, ein heller, gläserner Bau. Kommt man dem Gebäude näher, sieht man vor allem eines: der Eingang ist vertieft, darüber erhebt sich ein verglastes Gebäude, dessen oberster Stock fast völlig einsehbar ist. Selbst von draußen sind die Stücke des Parthenons-Frieses, Repliken, etc. schemenhaft erkennbar. Unter den Füßen sieht man die Ausgrabungsstätten der Umgebung der Akropolis zwischen 500 vC  – 700 nC, die, so wie sie sind, ins Museum integriert wurden und später begehbar sein sollen. Bislang liegen sie einem zu Füßen.

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Da übrigens das Museum Fotos nur an sehr ausgewählten Orten erlaubt, sei hier auf die Website verwiesen, die viele Fotos anbietet. Meine Fotos stammen von den Außenbereichen. Und noch ein kurzes Wort zu Familien & Kindern. Zwar war ich in diesem Museum alleine, es gibt aber mehrere Kinderecken, spezielle Kinderführungen und Kinderinformationen. Familien erhalten wohl einen speziellen Familien-Pack am Eingang, mit Gadgets für Familien mit Kindern. Mein Favorit war die nachgebaute Akropolis aus Legosteinen!

Auf jeden Fall: Dieses Museum ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort der Einkehr in die klassische Welt, so wie Griechenland und die Besucher sie sich wünschen. Räumlich so großzügig geschnitten dass selbst die vielen Besucher sich verlaufen und man sich alleine, ungestört fühlt, in ruhiger Betrachtung der Statuen, Keramiken, Friese. Ein unglaublich schönes Gefühl, gerade wenn der Blick aus den Glasfronten immer wieder gegenüber auf die Akropolis fällt, deren Parthenon die gleiche Ausrichtung und Größe hat wie das oberste Stockwerk des Museums. Der Genius Loci ist hier zuhause.

Mein Studium der Klassischen Archäologie dauerte nur 2 Semester und endete aufgrund der Sinnlosigkeit von Diskussionen über die Handhaltung zerbrochener Statuen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir die Irrelevanz dieses Studienfaches für mich selbst damals klar wurde. Trotzdem übt die Antike, das Aufkommen der Demokratie und die griechischen Stadtstaaten immer noch eine Faszination aus, die vielleicht auch kulturell bedingt ist. Akropolis und Neues Akropolis-Museum waren also ein Magnet in Athen und ich habe die verständlichen, nicht zu langen, aber auch nicht zu kurzen Texte genossen, die mir Überblick über die einzelnen Phasen der Entwicklung der Akropolis und des alten Griechenlands im Allgemeinen boten. Ich mochte die Statuen, die Keramiken, die wunderbare Beleuchtung. Sei es im Tageslicht, durch die riesigen Glaswände, oder im Aufgang bei eher weichem Licht für die Keramiken. Helle, weiße Oberflächen wiederholen die Idee der weißen Antike, so überholt diese auch sein mag. Und dieses Weiß schafft eine helle, ruhige Atmosphäre.

Innerhalb des Museums gibt es insgesamt 3 Stockwerke, die die verschiedenen Areale der Akropolis wie auch die unterschiedlichen zeitlichen Phasen abbilden, sei es in Keramik oder den Statuen. während es im Treppenaufgang um die Akropolis und ihre einzelnen Areale geht, ist der erste Stock vor allem der archaischen Akropolis mit ihren Dutzenden von Korai (Votivstatuen junger Frauen) gewidmet. Der Zwischenstock birgt einen der beiden Museumsshop, das Café, die Karyatiden und Informationen zum Parthenon.

Der oberste, dritte, Stock ist ganz den Parthenonfriesen gewidmet, denn das Parthenon ist hier architektonisch nachgebildet, sodass man sowohl die inneren wie auch die äußeren Friese in der Größe und Aufrichtigen sieht wie es auf dem Parthenon der Fall wäre, das sich hinter dem Fenster auf der Akropolis erhebt. Idee war hier, die – zurückbekommenen ?! – Teile der Friese wieder einzufügen sodass das Parthenon im Museum praktisch aufersteht. Da dies aber nicht der Fall ist, hat man sich bislang mit den Originalen beholfen, die in Athen verblieben sind sowie mit einigen Repliken. Viele Paneele bleiben auch einfach leer. Ihnen gegenüber immer wieder die Möglichkeit zu sitzen, zu schauen. Einzelne Statuen und Infotafeln geben weitere Informationen zum Parthenon, dem Stil, einzelnen Details, der Nachvollziehung dargestellter Szenen, die ja teilweise nur noch schemenweise sichtbar sind.

Wer um diese Galerie im 3. Stock herumwandert, bekommt jedoch hauptsächlich eine gefühlte Idee davon, wie es gewesen sein mag, im alten Athen das Parthenon zu betreten und sich dort aufzuhalten. Es ist ein großartiges Gefühl, und das sage ich jetzt als klassisch recht unbeschlagener Mensch, der sich einfach der Schönheit und dem Genius Loci hingibt. Ich kann keine Analysen zu den Statuen liefern, ich kenne auch nicht alle mythischen Geschichten dahinter. Und ich habe keinen Audioguide. Ich laufe einfach nur ganz in Ruhe um die Galerie herum. Innen und außen in der Galerie, betrachte die vorhandenen oder nicht vorhandenen Paneele und sinniere über die Geschichte. Es ist ein sehr besonderes Museum mit einem besonderen Gefühl.

Obwohl ich im Museum keine explizite Information zum Thema der Rückgabefrage gefunden habe, machen die Paneele in der obersten Galerie sehr deutlich, was hier fehlt. Auch der zweite Besuch gab keine Informationen darüber her, ob und wie hier mit dem Thema der Rückgabe des Frieses umgegangen wird. Auch die offiziellen Bücher im Museumsshop konzentrieren sich auf die Objekte, und nehmen keinen Bezug auf Politisches. Wer nichts über die politische Seite der Akropolis weiß, wird hier nicht informiert, es geht schlicht und ergreifend um das Klassische Athen. Und das wird hier auf wunderbar gestaltete Weise wieder lebendig.

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Legomodell der Akropolis – New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

ENGLISH VERSION

Actually, I wanted to write about this museum a little bit later on, lets say when my Athenian experiences settled down a bit. But as there have been movements in the case of the Elgin Marbles in the last few days, I decided to do it right away. Because the New Acropolis Museum was built to house the whole of the Parthenon Frieze (the parts being currently in Britain also known as Elgin Marbles) and to offer a new home of all of the frieze in Greece. So, the New Acropolis Museum definitely has two sides to it: a political. And a museological. Both go hand in hand, which doesn´t help when describing this beautiful museum.

The political claim of restituting the Elgin Marbles is based on the assumption that these were taken away by Lord Elgin on an illegal basis to Great Britain in the 19th century (see a short version of the events here). On the other hand, the British Museum refuses this claim on the basis of the legality of the export and later buying of the marbles by the museum because of certain legal documents presented at that time (have a look at this part of the discussion here). I don’t want to take sides in that, I have no deep knowledge of the case, nor is this the place to do it. If you´d want to have a longer, more detailed introduction to it, have a read at the part of “Loot” of Sharon Waxman that deals with the Elgin Marble – topic. Newer developments are avaibale at the internet.

Anyway, the question of the friezes coming back to Greece and if they were exported illegally in the first place is a rather superficial question. Actually, the question(s) and the debate(s) are on colonialism. Similar things are happening around the topic of Nofretete in Berlin, where claims of restitutions are being issued on a rather regular basis. Based on legal documents, these also draw on post(colonial) questions, that are being left out in the legal debate.

But, this blog post was to be on the museum itself, which is visible even from the Acropolis. If you’re standing at the Parthenon you can devise it on the other side, directly behind the theatre of Dionysos. Its a building in light color, with a lot of glass, and when you come nearer you’ll see that it is partially subterranean. But even from the outside you can make out parts of the Parthenon frieze inside, you may see parts of statues, or replicas. Below your feet is a glass floor through which you can see the excavations of the surroundings of the Acropolis from 500 BC up to 700 AD and at some point, when the excavations are complete and the whole subterranean area has been conservated, you ´ll may visit these excavations – by now they’re only visible form above.

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Something on the side: the museum unfortunately allows to make photos only in very restricted and selected areas, so all my photos are from the outside buildings. You may have a look at the website, which offers nice photos of the museum. And a short aside to the topic of families and children: I went alone this time, but I was informed that families get a special family-pack at the entrance with educational gadgets and the like. Different children’s areas exist, together with quiet reading areas. There are special informations for children, children tours – and I liked the lego model of the Acropolis best!

In any case: this museum is more than a “Museum”. Its a location of contemplation of the classical world, such as Greece and the visitors would like it to be. Spatially, the museum is so large that even huge amounts of visitors find sufficient space and you may feel alone, undisturbed in your quiet gazing at statues, ceramics, friezes. I went to the museum twice, on Friday evening and sunday afternoon, and even with masses of people going there on sunday it had a quiet quality to it, mainly based on the high ceilings and the overall spatial disposition of its rooms and galleries. Its a wonderful feeling to be there, especial when your view is diverted every now and then to the acropolis right across the street, looming up high in an greek sky of pure blue. Through large glass panes the Parthenon itself is visible, showing the same size and orientation as the top floor of the museum. Genius Loci is at home here.

My studies of Classical Archaeology only went on for a year and that has been some time ago. They ended because of what I felt was the senselessness of ongoing debates in class about the original disposition of a hand of broken statues and the like. I must admit that the relevance of these details never got to me – I am more fond of actual interpretation of data, be they from excavations, surveys or analysis. But nevertheless, Antiquity, the rising of European democracy and the greek city states radiate a fascination which may be culturally induced but work nevertheless. In me and many other people! The Acropolis and the New Acropolis Museum thus were one of my main sights to be seen in Athens and I rather indulged in the not too short – not too long information texts the Museum offers on the development of the Acropolis, especially in Archaic and Classical times. I admit, I just liked the statues, the ceramics, the wonderful lighting. If its in daylight, through massive glass panes, or in the entrance ramp in a soothing light with the ceramics. White, translucent surfaces keep up our idea of the White Antiquity, as outdated as that may be. And white creates a clear, quiet atmosphere.

After getting an introduction to the surroundings of the Acropolis via the excavations below your feet, you’ll be informed on the Acropolis and the Sanctuary of the Nymph, with a side dish of Athenian Marriage in classical times. Another sector of the entrance ramp offers information on Greek everyday life. And while the first floor is entirely dedicated to the archaic Korai (early votive statues) and early Acropolis, the second floor holds a cafe, a museum shop, a reading area and the Karyatides. The top floor is dedicated to the Parthenon, as we know it by now – the classical one.

So, the top floor, dedicated to the Parthenon friezes, has been remodeled to match the Parthenon. You can see whatever´s left of the friezes in the same size and orientation as the Parthenon itself up in the Acropolis would have been. The inner and outer friezes (their replica or even blank spaces) are presented in a way that corresponds to the original, antique disposition. The whole idea of this floor was to include the friezes now in London and other parts of the world so that the visitor may get an idea of the original Parthenon – as this is not the case and may parts of the frieze remain abroad, replicas have been filled in in some areas, others stay just blank. Single statues on the side and additional information is offered to give more information on the Parthenon itself, the styles, several details of the frieze and so on.

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Whoever wanders in this gallery, gets a feeling of how it my have been to enter the Parthenon in classical times and to stay there. Its a wonderful feeling  – and I say this mainly as a person with no scientifically induced feelings towards Antiquity. But even so, you can feel the beauty, the genius loci. I couldn’t analyze the statues in any archaeological or art historical way, I don’t know all the mythical histories behind their stories. I don’t use an audioguide. I just walked along, sat down, gazed, wandered again. Again and again I contemplated the panels and thought about history. I may gaze up to the Acropolis and then around me again. This is a very special museum with a very very special feeling to it.

Although I couldn’t find any information on display concerning the restitution debate, the panels in the Parthenon gallery just make it clear what is lacking here. Even a second visit didn’t reveal any written information on this sensible topic. And the books at the museum shop offer “only” architectural and art historical information. If you don’t know anything on the political side of this museum and its objects you won’t get to know it here. It´s about Classical Athens. And this comes alive in this museum in a wonderful way.

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70 Jahre Kriegsende: Berlin integriert 1945 ins Heute. / 70 years after the end of WWII: Berlin integrates 1945 into today.

70 Jahre Kriegsende sprachederdingeblog

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In den letzten Tagen (seit dem 21. April) tauchten sie auf: Stellwände, riesig an prominenten, touristisch überlaufenen Stellen Berlins: vor dem Brandenburger Tor, am Potsdamer Platz. Und auch woanders. Und dann noch als Plakat in der U-Bahn und wo man sonst so eben vorbeikommt. Ganz in Übereinstimmung mit vielen anderen Gelegenheiten, zu denen Berlin seine Geschichte sehr prominent in den Alltag integriert (etwa hier oder hier beschrieben), sind auch diese Open-Air-Ausstellungen eine Möglichkeit, sich mit der Geschichte der eigenen oder der besuchten Stadt auseinanderzusetzen.

Großformatig zeigen die Macher der Erinnerungsaktion zum 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8.5.2015 Bilder eben dieser Plätze im Mai 1945. Steht man direkt davor, ist es ein Zeitfenster – denn drumherum steht das, was da eben heute so steht: Restauriertes, neu Gebautes. Man schaut genauso in die Vergangenheit wie jemand, der im Mai 1945 an eben dieser Stelle vorbeigekommen wäre. Sieht man die großformatigen Plakate etwa in der U-Bahn setzt der Effekt ein, den ich bereits in “Geschichte allerorten” beschrieben habe: man denkt als Berliner an die Plätze so wie man sie heute kennt und immer wieder besucht.

Wie etwa hier beschrieben wird, ist diese Iniative von verschiedenen berliner Kulturprojekten organisiert, darunter die Berliner Unterwelten, Gedenkorte, Museen, etc. thematisch geordnet an den unterschiedlichen Ausstellungsorten. Die offizielle Internetpräsenz Berlins gibt mehr Auskunft zu den einzelnen Aspekten der Open-Air-Ausstellungen und auch zum intensiven Rahmenprogramm rund um den 8.5., getragen von Lesungen, Festakten, Führungen, Filmreihen und anderem.

Im Großen und Ganzen sind diese öffentlich zugänglichen Erinnerungsmomente eine wunderbare Sache. An einem Festakt nehmen nur sehr wenige Menschen teil, und meist sind es Politiker oder hochrangige Menschen, Zeitzeugen. Das wars dann auch. Geschichte geht uns aber alle an und bezieht sich auch auf uns alle. Wir alle machen Geschichte – deshalb sollte Erinnerung auch etwas sein, das uns allen zugänglich ist. Die Ausstellungs- und Programmreihe Berlins zum Jahrestag des Kriegsendes (in der DDR als “Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus” bekannt) ist ein gutes Beispiel hierfür.

 

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ENGLISH VERSION

In the last days, since the 21st of April, huge movable photo walls have appeared at the most popular places of Berlin: at the Brandenburg Gate, at the Potsdamer Platz and other touristic places. Other, slightly smaller versions of these photo walls can be seen at metro stations and other locations you will pass regularly when living in or visiting Berlin. Accordantly to other opportunities when Berlin integrated its own history into everday life (such as here and here), these open air expositions are a possibility to remember the history of your own city – or the city your visiting.

At huge photo walls the organizators of this commemoration campaign of the end of the Second World War at May 8th 1945 show photos of how these samne places looked like in May 1945. When you are standing right in front of them, its like looking into a window into history: you are seeing what a passer-by in 1945 would have seen when standing at the same place as you, right now. And around you, there´s what today is: new or restorated buildings. If you look at the photos at the metro, you´ll be experiencing the effect that I described in “History at every pace“: as an inhabitant of Berlin you´ll compare inconsciously the places as you know them now with the photo.

As has been written here, the campaign has been organized by different cultural projects of Berlin, memorial places, museums, associations. The photo walls follow a thematically organized order, and the official Berlin website offers more information on the different aspects of these open air expositions and the intensive framework program associated with them at the days right before the 8th of may.

generally speaking, these “open access”-remembrance opportunities are something that I favour very much. At a ceremonial act there are only very few people involved: mainly politicians, contemprary witnesses and the like. And thats it. But History is something concerning all of us and embraces all of us. We all MAKE History – and thats why all of us should have the chance to participate in the remembrance of History. The exhibitions and framework programs evolving around the 70 years of the end of WWII in Berlin are an example of how you can get this right.

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Ich Mann – du Frau. Gender in der Archäologie im Archäologischen Museum Colombischlössle Freiburg. / Me man – You woman. Gender in Archaeology at the Archaeological Museum COlombischlössle.

Ich Mann - Du Frau Colombischloessle sprachederdingeblog

Mann? Frau? Und: warum Mann oder Frau? “Ich Mann – Du Frau” im Colombischloessle. sprachederdingeblog

Großartigerweise habe ich es tatsächlich geschafft, die Ausstellung zu besuchen bevor sie wieder schließt. Aber wichtig: sie ist verlängert worden! Bis zum 17. Mai 2015! Deshalb gleich hierzu Anfang der Rat: Besuchen Sie diese kleine, feine Ausstellung. Kein Zögern, die Reise lohnt sich.

Das Archäologische Museum Colombischlössle in Freiburg im Breisgau, ist ein wunderbarer, kleiner, luftiger Bau mit einem lichtdurchfluteten inneren zentralen Treppenhaus, um das herum sich die Säle mit den Dauer- und Wechselausstellungen gruppieren. Klein, aber fein, deshalb sind es auch “nur” 1 Raum im Keller, 4 Räume im Erdgeschoss und noch einmal soviele im 1. OG. Die Größe hat aber nichts mit der Qualität zu tun. Heute und hier erstmal der Update zur Sonderausstellung “Ich Mann, du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?“, demnächst dann auch zur Dauerausstellung!

Die Sonderausstellung nimmt das gesamte Erdgeschoss ein und empfängt einen bereits neben dem Treppenaufgang mit rot-blau gestalteten Badezimmern. Inklusive Spiegeln, in denen man sich sehen kann. Bin ich eher der männlich, blau gehaltene Typ? Oder doch eher das süßliche Rot-Pink? Das ist aber auch das einzige Mal, in dem die Ausstellung diese Genderrollen vorführt. Denn die Ausstellung an sich verzichtet ganz bewusst auf farbliche Zuordnungen, die Wiederholung von Genderrollen und dergleichen, sondern fokussiert sich vor allem auf Eines: das Hinterfragen dieser Stereotypen. Und das macht sie so dezent, dass man erst einmal selber immer wieder in die typischen Mann-Frau-Zuschreibungen reinfällt, bevor ein kleiner Ausstellungstext, eine Frage an der Wand oder eine schlichte Information einen zurückholt und aufzeigt, dass man gerade selber das gemacht hat, was man typischerweise meistens macht: Dinge zuordnen. In Schemata, die uns anerzogen sind und uns seit Jahren begleiten.

Gehalten ist die lichtdurchflutete Ausstelung in den Farben hellbeige. Texte werden auf einem rot-blau-gemusterten Grund gegeben, der einen seltsam unzuschreibbaren Lila-Ton ergibt. Also genau im Sinne des “Nicht-Zuordnen-Könnens”! Und schon bevor dem Betreten des ersten Saales gibt eine kleine Texttafel Ausdruck davon, worum es hier geht. Gender-Zuschreibungen: sind sie “normal”? Zeitbeständig? Einfach “gegeben”? Oder entsprechen sie eben nicht vielmehr dem jeweiligen Jetzt, sind gesellschaftspolitisch gewollt und forciert?

Jeder Raum steht unter einem Motto, das an der Wand Aussagen trifft., wie etwa: Die Archäologie gibt den Objekten ein Geschlecht. Großartige Aussage, klar formuliert, und dazu eine Aussage, die einen stutzen klässt. die ARCHÄOLOGIE gibt den Objekten ein Geschlecht? Sind denn die Geschlechterrollen nicht fest und immer gegeben? Heißt das also, dass WIR daran beteiligt sind, dass diese Rollen vergeben werden? Aktiv? Also: wir könnten das auch anders machen? Nachdenken setzt ein.

Ich Mann - du Frau. sprachederdingeblog

Ich Mann – du Frau. sprachederdingeblog

Die Ausstellungsstücke an sich werden erst einmal ganz neutral, ohne Zuschreibungen präsentiert. Vor hellem Grund, in kleinen Vitrinen. Schaut man sich die Objekte und Objektensembles an, merkt man selber wie man sich ein Bild dazu macht. Gold, Schmuck? Frauen! Falsch. Hier sind es mächtige goldene keltische Halsringe (torques) die von beiden Geschlechtern getragen werden. Zwei Grabensemble mit Skelett und Topf? Sicher Frauen! Nein – hier liegt der Teufel im Detail. Das Grab mit Topf und Knöpfen gehört der Frau, das mit Topf und Pfeilspitzen dem Mann. Und so geht es in jedem Raum, immer etwas themaitsch geordnet? Welche Objekte werden denn voin der Archäologie Männern & Frauen zugeordnet? Darum geht es im ersten Saal? Und was ist mit paläolithischen Figurinen, die swohl weiblich als auch männnlich sein können? Und was ist mit den Goldringen in Saal 3? Mit den Skeletten in Saal 4? Wer wird wie bestattet? Und vor allem, immer wieder: welche Rolle spielen die Archäolog*innen bei der Zuschreibung der Geschlechter aufgrund von Objekten? Natürlich können manche Stereotypen widerlegt werden, wenn weitere Wissenshcaften wie etwa die Anthropologie Skelette als weiblich/männlich identifizieren können und usneren Objektzuschreibungen damit widersprechen. Der Mann mit den beiden Kindern im Grab. Der Weber. Alles Dinge, die wir intuitiv erst einmal ganz anders eingeordnet hätten.

Problematisiert wird jedoch hier auch ganz stark, was geschieht, wenn einfach nur Objekte da sind. Objekte, denen WIR eine Rolle zusprechen. Objekte, die durch uns sprechen und Dinge sagen, die WIR als natürlich empfinden – nicht vielleicht jedoch ihre Nutzer in der Vergangenheit. Das wird immer wieder angesprochen und in Begleittexten auch ganz deutlich thematisiert. Wie etwa das Thema Visualisierungen: zeichnerische Rekonstruktionen zeigen häufig das, was der Zeichner als normal und üblich findet – nicht immer aber die Realität der Vergangenheit. Rollenzuschreibungen zeigen das, was der Ausgräber und Interpreteur als normal emofindet – nicht das, was die Menschen der Vergangenheit für ihre Lebensrealität hielten.

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Über die gesamte Ausstelung hinweg wird diese sehr einfache und hocheffektive Strategie durchgehalten. Objekte fordern unsere zuschreibung geradezu heraus – wer in sich hineinhört bekommt klare Antworten. Mann – Waffen. Frau – Schmuck. Selbst mit sensibilisiertem Auge gelingt es mir nicht, diese Zuordnungen nicht automatisch aufkommen zu lassen. Und durch die wirklich kurzen Texten an den Vitrinen und die längeren, eindeutigen, reflektierten Texte der Wandtafeln wird all das, was der Kopf automatisch produziert, in Frage gestellt.

Ich Mann – Du Frau” ist eine der besten Ausstellunge, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Nicht nur, weil sie eben diese Problematik sichtbar macht und Sterotypen des Sehens hinterfragt. Sondern auch, weil sie Probleme der Archäologie sichtbar macht. Wer trifft hier die Zuschreibungen? Warum? Wie dienen diese politischen und gesellschaftlichen Wünschen? Ganz klar haben es die Austellungsmacher hier gemacht: Archäologie ist keine neutrale Wissenschaft. Sie trifft Zuschreibungen, die gesellschaftspolitischen Einfluss haben. Die Ansprüche zementieren – oder diesen widersprechen können! Sie öffnet dem ublikum die Augen dafür, dass es an uns liegt, hier Einfluss zu nehmen. An uns als Wissenschaftler*innen und an uns als “Publikum” – wir alle können beeinflussen was und wie wir sehen und Rollen zuschreiben. In diesem Sinne war der letzte Raum auch die logische Fortsetzung der archäologischen Objekte: hier können an einem Baum Fotografien angefasst werden. Männer und Frauen schauen uns an, auf der ückseite ihrer Fotografien steht, wer sie sind und was sie machen. Das nette junge Mädchen eine Fallschirmjägerin? Der bärtige Herr ein Sozialarbeiter?

Und was schaut uns aus den Spiegeln an, die dazwischen hängen? Wir selbst. Wer sind wir und was machen wir selber aus unseren Rollen?

Ich Mann - du Frau. sprachederdingeblog

Was ist meine Rolle? Ich Mann – du Frau. sprachederdingeblog

 ENGLISH VERSION

Let me have one thing clear before I start off: Its just great that I made it to this exposition! Before it ends! And, beware: its open till may 17th, so go there and visit. You wont regret it.

The Archaeological Museum Colombischloessle at Freiburg /Breisgau in South Germany is a wonderful, small, breezy building with a light-flooded inner staircase, around which all the rooms are situated. Its small but great – even if its “only” one room in the basement, 4 rooms at the ground floor and another four at the first floor, used for the permanent and non-permanent exhibitions. So, size is not a criterion for quality! Right here and today I´ll write about the non-permanent exhibition “Me man – you woman. Fixed role models since the beginning of time?” (“Ich Mann – du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?”), and at some later point I´ll also do something on the permanent exhibition as well.

The special exhibition can be seen in 4 rooms at the ground floor and welcomes you right next to the counter. There, you’ll be facing tow bathroom interiors, complete with tooth brush, cosmetics and mirrors where you may see yourself. Do you feel attracted to the blue, masculine version? Or rather the sweet little pink one? That´s the only point where gender roles are being simply „repeated“ at the exposition. All the other objects, texts, even the exhibition design are carefully aimed at challenging our present gender role models gently but forcefully. And a small text makes this clear, before you even enter the first room. There are no typical assignations of color, repetitions of gender roles and the like. The exhibition centers on the challenging of these culturally induced roles – and it does so very gently. You´ll be noticing that you automatically assigned gender roles when you look at the objects and the exposition will make you notice that you did. So, its YOU that’s assigning here. You are putting seemingly “neutral” objects into categories you yourself assign to them. Welcome to the patterns that you learned all your life – and now try to unravel them visiting this great exhibition.

The light-flooded rooms are designed in a rather neutral white, peppered with texts and sentences on violet ground, made out of minuscule red and blue squares. So: is it red – or is it blue? Can you name it? That’s right what the exhibition is all about. Why are you so sure of a color? Or of a gender role model? Are these assignations “always there”? Or have they been ascribed by us? Aren´t they rather socially induced, favored by political currents?

Every room has a motto that is displayed prominently at the wall: “Archaeology assigns a gender to objects”, for example. Great, clear statements that make you wonder: so, Archaeology assigns sex and gender? Are these roles not just a given thing that Archaeology “unearths”? Does this mean that we are implicated when it comes to these assignations? Do we have an active role? Which means: we can change these roles? Challenge them?

The objects themselves are being presented in small display cases, neutral and without any adscription of gender and sex. If you look at them, you assign gender automatically, based on your culturally educated mind. Gold, jewelry? Women! Wrong. These are celtic neck rings (torques), worn originally by men and women alike. Two burials with one pot each? Women! Wrong again. The details show that the skeleton with a pot and buttons is a woman, the one with a pot and arrowheads is a man. And so it goes on, every room shows one aspect of these adscriptions. Which objects are traditionally assigned to men and women by archaeologists and non-archaeologists? That’s the point in the first room. The second focusses on Paleolithic figurines that can be interpreted as men or women. In many cases the adscription can be at least doubted. And what about the neck rings in room 3? The burials in room 4? Who is being buried which way? Is a skeleton with weaving implements automatically a woman, displaying thus just our own gender adscriptions to certain tasks?

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And, above all: what’s the role of archaeologists in these adscriptions? Of course, some stereotypes can be challenged, especially when other disciplines have a hand in getting more details on the objects and the skeletons concerned. Many times I would have assigned gender roles automatically to all these objects and this is just the point: when there is only an object, just one find. In this case we almost automatically assign gender to this object and its use. The objects speak to us, but we can only understand their language when we assume that it’s the same cultural language as ours. And it may differ greatly from the cultural use of them in the past, in their original site and place. This dilemma is displayed in every room, again and again: The assignations of gender and sex are ours. Whether if it´s in scientific texts or visual reconstructions: we play our role in stabilizing our own gender roles and transporting them to the past. I´ve never in my life seen this problem publicly displayed. Short, poignant texts outline the influence of scientists in the adscription of gender roles to past cultures, thus consolidating our own gender roles. What we perceive as normal role models is being transported to the past, many times without any doubts. But is it not about the reality of the past instead of inducing our IDEA of the past?

The whole exhibition is focused on challenging these perceptions. And it does so with a highly simple and effective strategy: The objects challenge us to assign our gender roles automatically – if you listen to yourself you´ll always get clear answers by your unconscious. Weapons? – men! Jewelry, pots? – Women! Even with a certain sensitization I have not been able to prevent this automatic reaction to the objects. But the short text at the display cases and the longer ones at the walls show you that you´re simply wrong. Differents sciences are putting so many data together that stereotypic assginations are just not longer possible. But even with all these data, its our mind that assigns roles. Your mind played a trick and the reality has been totally different from your assumption.

Me Man – You Woman” has been one of the best exhibitions I’ve seen lately. Not only because it shows the problematic adscriptions of gender and makes clear how stereotypic our ideas and assignations are. But also, because it clarifies the problems of archaeology itself. Who makes these assignations? Why? How does this serve the current political and social backgrounds? The exhibition shows that archaeology is no neutral, nice science working in an ivory tower. Our doings affect how we all see the past – and if the past is a mere simple extension of the present or not. Archaeologists have a job that influences sociopolitical currents. We can go with the flow – or not. We can challenge gender role models – we as archaeologists and we as the public. This exhibition makes it very clear that its up the very one of us to take our choice. So, the last room of the exhibition is the clear statement of this active role everybody can have. It has only one object in it: a tree with many small photographies of ordinary people. On the back, there are the professions of these people, and they, as well as the whole exposition contradict our automatic perception of the person on front. The nice little woman – a former professional army parachutist? The man with the formal beard and suit – a social worker?

And what is it between these photos? Small mirrors. Look at one and you will see: yourself. Who are you and what role do you choose?

Ich Mann - du Frau. sprachederdingeblog

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Nimrud zerstört – “ein Verlust für die Archäologen”

Dass der IS mit archäologischen Funden Geld verdient und im illegalen Antikenhandel unterwegs ist, ist mittlerweile weithin bekannt. Auch was das für Auswirkungen auf die Archäologie und das Kulturerbe hat, ist sowohl von Zeitungen als auch von Bloggern immer wieder gesagt worden. Im deutschen Netz vor allem von Archäologik (hier alle Einträge mit dem Label “Irak”), im englischsprachigen zeigt mir mein Reader immer wieder die Beiträge von Conflict Antiquities. Ich wollte dazu bislang nicht Stellung nehmen, da der Antikenhandel ein sehr sehr komplexes Thema ist. Vor wenigen Tagen dann die Nachricht über die Zerstörung von Kulturgut im Museum. Darüber konnte ich nicht schreiben, weil mir von der dogmatischen Verbohrtheit von Fanatikern aller Art einfach nur körperlich übel wird.

Und nun das: Nimrud soll planiert worden sein. Diese Nachricht verlangt für mich nach einem Schnaps und einer Zigarette um den Schock zu überwinden. Es ging durch alle Medien und auch meine Facebook-Timeline war voll davon. Unter anderem schickte mir das Deutsche Archäologische Institut einen Link zur Stellungnahme von Margarete van Ess zu diesem Thema. Dieser wurde im ZDF heutejournal am 6.3.15 publiziert und ist hier noch abrufbar (Suche mit: Datum 6.3.15, “IS zerstört antike Stadt Nimrud”).

Wörtlich sagt Frau van Ess: “Die Zerstörung dieser Königsresidenz ist, wenn sie vollständig ist, ein absolut unwiederbringlicher Verlust für die Archäologie. Dieser Ort war wirklich sehr reich ausgestattet, sehr großzügig gebaut was die Architektur (…) angeht. Für uns Archäologen ist das wirklich ein fürchterlicher Verlust.

Ich weiß nicht, ob das ZDF das Interview mit Frau van Ess sehr verkürzt wiedergegeben hat. Sollte der Beitrag des ZDF um genau einen entscheidenden Teil gekürzt worden sein, wäre das sehr schade und eine Aussage in sich.

Aber die Aussage, dass die Zerstörung von Nimrud ein Verlust für die Archäologen und die Archäologie sei, geht so völlig am Punkt vorbei, dass es mich schmerzt. Fundorte sind nicht für Archäologen geschaffen, sie bilden einen Teil der Menschheitsgeschichte und sind daher für alle von uns wichtig. Genau das gibt ihnen auch ihren Stellenwert und fordert den öffentlichen Aufschrei angesichts ihrer Zerstörung ja heraus. Der IS nutzt die öffentliche Zerstörung von Kulturgütern um seine Widersacher herauszufordern. Menschheitsgeschichte als Geisel – nicht mehr und nicht weniger als noch eine weitere “westliche Geisel”, die man köpfen und nach Belieben foltern kann. Nimrud bietet sich an, weil es auch noch groß und “reich ausgestattet” (M. van Ess, s.o.) ist – das gibt mehr Punkte auf der Aufmerksamkeitsskala. Dass die Zerstörung von Nimrud für Archäologen eine Katastrophe ist, ist völlig klar.

Es ist aber nur ein winziger Teil dessen was diese Zerstörung impliziert: die Vernichtung eines Teiles der Menschheitsgeschichte, die nicht in das Weltbild von Dogmatikern passt. Warum Frau van Ess, die in anderen, sehr ausführlichen Portraits der Printmedien durchaus als Vermittlerin zwischen Wissenschaft und Gesellschaft dargestellt wird (etwa hier), in diesem wichtigen Interview sich nicht klar äußert ist mir absolut schleierhaft. Interviewed vom Heute-Journal wird etwa auch ein namenloser Mann auf der Straße in einer irakischen Stadt: “Antiquitäten sind nicht nur für Iraker sondern für die ganze Menschheit. (…) Das ist ein Verbrechen an der Menschheit.

Diese Aussage hat das Hauptsächliche absolut erfasst. Hier geht es nicht um die Archäologen und ihre Wissenschaft. Hier geht es um unser aller kulturelles Erbe und die Möglichkeit, eine Facette der Vergangenheit bestehen zu lassen. Egal, wie man sie interpretiert, der Respekt gegenüber der Menschheit zwingt uns, sie allen offenzuhalten.

Diese Aussage würde ich mir in aller Deutlichkeit von Archäologen wünschen, die in der Öffentlichkeit eine Stimme haben. Deren Stimme mit Gewicht von den Medien gesucht, angefragt und veröffentlicht wird und die Tausende erreichen. Der Beitrag von Frau van Ess, den das DAI zudem auch noch über Facebook weiterverbreitet als wäre er eine Trophäe, gehört leider nicht dazu.

 

 

 


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Mini-Museum oder Die Vergangenheit im Getränkemarkt./ Mini-Museum or: History at the Corner Shop

Wann ist ein Museum eigentlich ein Museum? Wenn es mehrere Räume hat? Oder viele Besucher? Oder dauerhaft in der sozialen Gemeinschaft verankert ist? Die ICOM sagt ja: “Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“ (ICOM 2006). Ein Ausstellunghaus hingegen: Haus, das im Wesentlichen auf eine eigene Sammlung verzichtet, aber auch keine Verkaufsausstellungen veranstaltet.” Gedenkstätten? Und was ist mit Folgendem:

Im berliner Stadtteil Friedrichshain gibt es ein “Museum”, dass eigentlich nur aus drei Billy-Regalen besteht und das mitten im Getränkemarkt aufgebaut ist. Dort steht es seit Jahr und Tag und jeder Besucher/Käufer kommt dran vorbei. Viele bleiben stehen, schauen, fragen etwas zu den Objekten. Friedrichshain liegt im Osten der Stadt, also im ehemals sozialistischen Gebiet der DDR. Und der Besitzer des Getränkemarktes hat hier Objekte ausgestellt, die nur ein einziges Merkmal eint: sie alle stammen aus der DDR und gehören zur Alltags-Welt dieses vergangenen Staates. Von der Brause (aka Limonade) bis zum Radio ist einiges vertreten und auf Nachfrage erzählte er mir, das alles hätten ihm Kunden vorbeibracht, die Ausstellung ist also im Wachsen begriffen. Warum aber stellt er das hier alles aus? Was ist der Zweck davon und was die Motivation, das alles abzustauben und zu erweitern? Der Besitzer sagte einfach nur: “Wir hatten die Sachen zuhause und denn ham die Kunden da immer ooch ma wat mitjebracht! Und nu steht dit ehm hier!”.

Kleine Museen, wie etwas die Heimatstube in Raddusch, oder eben die drei Billy-Regale im Getränkemarkt gehören ganz sicher zu den “Wilden Museen” *. Ein Museum der Kleinen Leute. Hier steht das Objekt nur für sich, es wird nicht abgegrenzt, es ist kein Bild, Symbol für irgendetwas (Janelli 2012: 28). Nein, es soll uns einfach nur erinnern an etwas das war. Das so nicht mehr existiert, aber in uns noch weiterlebt. Ganz ohne Beschriftung und Erklärung sprechen hier die Dinge für sich selbst. für manche als Erinnerungs-Jogging, für andere als exotisches Ding aus vergangenen Zeiten ohne jegliche Verbindung zu einem selbst. Hier kommen Menschen ins Gespräch – darüber was das für Dinge sind, wofür sie benutzt wurden. Sie erzählen einander davon, wie schwer es war diese Dinge zu bekommen in der sozialistischen Planwirtschaft.

Es ist eine sehr lebendige Sache, so ein Minimuseum im Getränkemarkt. Und es ist nicht so konsumbasiert wie andere Ausstellungen in Einkaufszentren, und auch nicht effektheischend. Es ist eher eine Erinnerung und ein Gesprächsgrund. Lebendige Geschichte – für den, der sich darauf einlassen will.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.

Museum im Getränkemarkt - Sprache der Dinge Blog

Museum im Getränkemarkt – Sprache der Dinge Blog

Foto 3 Foto 2ENGLISH VERSION

When is a Museum a Museum? Is there a minimum size? Or a minimum amount of visitors? Or does it have to be permanently linked to its surrounding society? The ICOM says: “A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.” (ICOM 2007). What about “exhibition buildings” that don’t have their own collections but exhibit? And what about memorial places – “A memorial is a structure built in order to remind people of a famous person or event.”? And what about the following:

In the Berlin neighborhood of Friedrichshain, there’s a museum that consists mainly of three shelves that are placed directly in a small super market. It has been there for some years and every day visitors / clients come along and have a look at it while buying drinks and alcohol. Many of them stop for a minute and start chatting about the things at display, talking to each other, asking the proprietor about his collection or just remembering events related to these objects in their own lives. Friedrichshain is located at the Eastern part of Berlin and belonged to the former socialist GDR. And the proprietor has on display objects from GDR-times. They all belonged to the everyday life of this lost state: starting with lemonade bottles and up to radios there’s almost everything on display and when I asked him how the things got here and if they belonged to him, he told me that clients had started to bring these things over and are still doing it. The collection is growing. But why does he exhibit these objects? What´s his motivation? Where does the energy to preserve these things come from, to look after them and have them cleaned all the time? The only answer I got was: “Well, we had these things at home, then we put them here, the clients started to bring other things around and now they are just here!”.

Small museums, as the typical local museum consisting of one or two small rooms crammed with objects collected by a mostly private person, or these three shelves at the supermarket belong surely to what is called “Wild Museums” or “amateur museums”. Its ” a museum for ordinary people”*. Here, the object represents itself, its not a symbol or a an image of something. It just is itself, reminding us of personal events or memories. Reminding us of something that doesn’t exist anymore – without any explanation the objects speak for themselves, raise questions or curiosity. It´s like memorizing for some people or being an exotic object for others. People get to talk to each other contemplating the objects, because these represent so many different, personal ideas. At the supermarket, people talk about how difficult it was to buy these objects in socialist times, relating very personal stories to strangers. Others wonder about the design or function. Anyway, they make people talk.

It’s a very animated thing, this little museum at the supermarket. And its not centered on consuming things, like the exhibitions in shopping malls and it doesn’t want to get your attention no matter what. Its just living history and living memory. For anybody who likes to join.

*A. Janelli, 2012. Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Transcript Verlag.

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Freiluftmuseum Slawenburg in Raddusch / Spreewald! – The Slavic Fort of Raddusch in the

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Als das Wetter noch gut war, waren wir mit dem Sohn im Spreewald. Auf der Suche nach Freiluftmuseen hatte dieses mich bestochen: kurze Anfahrt aus Berlin, direkt an einer Bahnstrecke, landschaftlich schön, man kann rundherum wandern und ein Hotel gibts auch. Also perfekte Voraussetzungen für ein verlängertes Wochenende inklusive Rumhängen im Freiluftmuseum. Und über die Slawen weiß ich ebenfalls nicht sehr viel – gerade mal eben dass sie in Brandenburg einwanderten als die Germanen weg waren. Wissensstand: die Pflichtvorlesung Eisenzeit vor 15 Jahren und der Besuch des Brandenburgischen Landesmuseums letztes Jahr. Also, nicht sehr viel.

Die Slawenburg in Raddusch: wiedererbaut nahe einem Kohletagebau, in dessen Umgebung sie ursprünglich lag und wo sie auch ausgegraben wurde. Dann mit Europäischen Fördergeldern wiedererrichtet und zwar so, dass sie einerseits Platz bietet für ein Museum der Archäologie der Lausitz sowie auch für Events, ein Restaurant und einen Museumsshop. Wie das geschafft wurde? Indem man den Innenraum des Ringwalles einfach höhlen-/tunnelartig baut! Die Konstruktion aus Beton & Stahl und den dazugehörigen originalen “Verputzmaterialien” aus Lehm, Holz & Flechtwerk bietet in ihrem Inneren einerseits einen riesigen runden Platz für Events aller Art, der bei unserem Besuch leer war. Im Inneren des Ringwalles dann das Museum, der Museumsshop und das Restaurant. Auf jeden Fall auch ganz großartig ist jedoch das Drumherum der Burg: eine riesige Fläche voller Gras, Wiese, mehreren kleinen Spielplätzen, Picknickmöglichkeiten im Gras und einem Zeit-Wanderpfad. Umgeben von einem sehr hohen Zaun und einem riesigen Tor wirkt es jedoch von außen ebenso burg-artig wie die Burg selbst.

Ich weiß nicht, wieviele Touristen hierhin kommen. Der Parkplatz deutet an: viele. Auch Busse. Die Burg liegt in direkter Nähe der Autobahn und wird auch überall für Autofahrer ausgesschildert. Fußgänger wie wir laufen die letzten 15 Minuten auf einer asphaltierten Zufahrtsstraße – ohne Fußweg, ohne Pfad. Das ist so mittelschön.

Nachdem wir die Tore durchschritten haben, laufen wir über Kiesweg zur Burg. Riesig erhebt sie sich in der Landscahft, wir haben sie schon aus mehreren hundert Metern Entfernung gesehen. Ein riesiges, rundes, erdfarbenes Ding in einer baumlosen Landschaft. Und natürtlich wollen wir zuerst mal ins Museum. Als wir eintreten empfängt uns vor allem Dunkelheit. Das ganze Museum ist ziemlich dunkel gehalten und beginnt mit einem Diorama von Slawen, die eine Burg bauen. Mit Dioramen habe ich eher Probleme, weil ich sie eher als beunruhigend empfinde, aber Kinder mögen sie ja generell ganz gerne. Lieber mochte ich schon das große Profil mit den verschiedenen Schichten, das aber von “nicht archäologischen” Besuchern meist niemanden anspricht, wenn nicht auch Objekte als “Eyecatcher” eingearbeitet sind.

Slawenburg Raddusch sprachederdingeblog

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Dann geht es durch die Zeiten. Von den Jägern & Sammlern und ihren wenigen Hinterlassenschaften hin zu den Germanen, mit einem Ausflug ins Mittelalter. Was sich mir nicht ganz erschließt, ist die Aufteilung der Ausstellung. Sie beginnt mit dem Slawen-Diorama & einer computeranimierten Darstellung der Burgkonstruktion in ihren verschiedenen Phasen. Dann kommt jedoch das Mittelalter? Und erst dann beginnts mit der Altsteinzeit und schreitet zeitlich vorwärts? Dazwischen ein kleiner Ausflug zur Gründung der Fokuszentren brandenburgischer Archäologie “Zentrale Archäologische Orte“? Und noch ein kleiner Ausflug in die Braunkohlenarchäologie und warum und wann hier gegraben wurde? Äh, ja. Das war zwar für mich als Archäologin spannend, aber so mitten in der Ausstellung und unvermittelt habe ich niemanden gesehen, der sich das sonst angeschaut hätte.

=> Ganz generell möchte ich auch zwischenschieben dass zwar das Projekt Zentrale Archäologische Orte spannend klingt, aber auf der Website dazu wird leider überhaupt nicht klar, warum man als Nicht-Archäologe dahin gehen sollte. Die Texte klingen, als hätte sie ein Spezialist für die Lausitzer Kultur verfasst und wieso man das als Tourist besuchen sollte, wird gar nicht angesprochen. Dafür erfahren wir: “Ohne konkreten Hinweis und notwendige Erklärungen findet und erkennt aber kaum ein Laie diese, häufig in der Landschaft verborgenen, archäologischen Fundplätze.” Hm, naja. Die Slawenburg zumindest kann man ja auch als Laie ziemlich gut in der Landschaft erkennen. Und dass die letzte “Aktuelle Veranstaltung” vom Mai 2013 ist, ist auch nicht so toll. Danke fürs Zuhören. <=

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Nun gut. Ansonsten muss ich sagen, dass abgesehen von der leicht verwirrenden Ausstellungskonzeption ich die Darstellung an sich sehr schön fand. Sie war an vielen Stellen interaktiv, enthielt Elemente zum Ausruhen wie etwa Filme mit passenden Sitzgelegenheiten (leider keine Normalität in vielen Museen in denen man Filmchen stehend betrachten darf) und Überraschungsmomente wie etwa die in den Boden eingelassenen Grabkontexte mit Keramiken und Knochen oder kleine Videos in den Vitrinen. Und generell bin ich auch eine Freundin der Ausstellung von Funden in ihrer unübersichtlichen Menge wie etwa bei Keramiken am Ende der Ausstellung oder den ausgestellten Steinfunden, bei denen der Fokus darauf lag, die Entwicklung vom Rohmaterial hin zum fertigen Mikrolith zu zeigen. Die Masse der Dinge regt dazu an, sie mental irgendwie zu ordnen und zwingt einen zum Beschäftigen! Für Menschen, die sich mit dem Thema aber gar nicht auskennen (wovon man ja erst einmal ausgehen muss) ist der Aufbau wirklich verwirrend. Und ob der Sohn verstanden hat, dass hier verschiedene Themen und Zeiten besprochen werden, das möchte ich ganz stark bezweifeln.

 

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Nach dem Besuch des Museums endet man ja (wie meistens) im Museumsshop. In dfiesem Fall ein wirklich schöner, gut ausgestatteter Shop mit nem Haufen Kinder-Spielzeug genauso wie wissenschaftliche Publikationen, Steinzeit-Kochbüchern und Schmuck. Postkarten, Magneten und speziell für Raddusch hergestellte “Überraschungstüten” mit slawenzeitlichem Spielzeug zum Selberbauen. Wunderschön!

Was mich jedoch an der Burg immer wieder in Nachdenken stürzte war, dass die mediale Präsentation (Hinweistafeln an den Straßen, am Bahnhof, Internetauftritt, Karten, Magnete, etc.) sehr professionell gestaltet ist. Es ist sehr touristisch, teaser-artig. Ebenso wie die Burg selbst. Auf den Hinweistafeln erfährt man immer wieder, wer hier alles gefördert hat: die EU; das Landesdenkmalamt, etc. Immer wieder ist von Projekte, Weiterntwicklungen, Förderungen die Rede. Ganz viele große, großartige Worte. Dann aber fallen Dinge ins Auge wie die sehr leere Außenfläche – und man erfährt auf den Tafeln, dass hier ein Slawendorf wiedererstehen sollte, denn natürlich stand die Burg nicht so im luftleeren Raum. Da scheint aber seit Jahren nichts mehr gesehen zu sein! Oder die Zentralen Archäolgoischen Orte. Medial im Netz groß und schön aufgezogen – aber man sieht dann nichts davon. Das lässt eine Diskrepanz zwischen Vermittlung und Realität erwachsen. Ist hier die Förderung abgebrochen? Sind Dinge auf dem Weg (wie etwa hier bei transform )? Es wirkt so, als solle hier etwas werden – aber es wird gerade nichts. Als wäre man irgendwo auf der Mitte steckengeblieben. Ein schönes Beispiel für die Diskrepanz zwischen Wort & Realität ist etwa der (übrigens sehr hübsche!) Spielplatz auf dem Außengelände der Burg. Zitat der Homepage: “Ein großer Spielplatz greift das Thema „Burgenbau“ auf – ein monumentaler Stier, das Wappentier der Niederlausitz, zieht einen Eichenstamm zur Burg. Wagen verlieren ihre Räder, welche als originelle Spielelemente weiter genutzt werden.” Der Spielplatz ist eigentlich eher klein, und dass er thematisch zur Burg passt, geht völlig verloren da nirgendwo vor Ort darüber informiert wird. Aber im Netz klingts erstmal großartig!

Diese Diskrepanz ist typisch für den Auftritt der Burg & der hier angekündigten Porjekte und der Realität vor Ort (wobei der Besuch wirklich schön war! Nur wurde medial irgendwie viel mehr Erwartung geweckt als dann gestillt werden konnte). Vielleicht bin ich auch zu sehr Wissenschaftlerin und habe einen Blick für die Projektentwürfe mit vielen vielen Teasern und Vesprechungen und dann auf die reelle Einlösung des Ganzen, das ja oft an der Realität der Forschungssituation vor Ort scheitert. Oder an der Finanzierung. Oder einfach an der Zeit.

ENGLISH VERSION

When the weather was still fine, we went tot he Spreewald with our 7-year-old. Looking for open-air-museums had got me to the Slavic fort of Raddusch, about an hour in train from Berlin. And I don’t know anything about the archaeological Slavs, well, if we don’t count my introductory course in German Prehistory about 15 years ago. I knew that they went into Brandenburg County when the Germanic tribes moved out during the Migration period, but that was that. So my knowledge was limited.

The Slavic Fort at Raddusch has been re-erected near an abandoned surface mining where it was originally located and excavated in the 1990ies. It has been re-erected with money from the European Union and offers space for a museum of the Archaeology of Lusatia as well as for events, a restaurant and a gift shop. How did they do this? Just be tunneling the circular earthwork that is the exterior of the fort. And the tunnel provides space for every one of these diverse uses. The hill fort is done in Steel and clad in clay and brushes, giving it an appearance that may be near to the original fort. Inside the ring wall there´s an immense open space, used in the original fort as a place for storage in times of need and war, together with a well for access to drinking water. And the surroundings of the fort offer wide grassy spaces with opportunities to rest, have a pick nick, playgrounds and more information on the place and its development in prehistoric times. All of this is surrounded by a massive fence and a gate, giving the whole area a rather fort-like appearance.

I don’t know how many tourists get there in an average day. The parking lot suggests that there may be many of them. The fort is very near to a highway and there are signs everywhere announcing the Slavic Fort. As we got there on foot, we had to walk the last 15 minutes on an asphalted access road without any implements for a pedestrian which was rather unattractive.

Once past the enormous gate, we walk on a sandy path up to the fort. It´s enormous and has been visible for the last 20 minutes of our walk outside. It loomed in the distance – a gigantic, earth-colored circular building in a tree-less landscape. Once we got there, we wanted to have a look at the museum first and got inside. It´s dark. The whole of the museum is rather dark – that’s because it´s inside the earthwork and because the exhibition works with this darkness. Right at the beginning, there´s a diorama of Slavic people constructing the fort and a big excavation profile with various meters of length, showing the findings at the dig. But that’s something that only seems to appeal to me but to nobody else. It´s not an eye-catcher for anybody without an archaeological background.

After we passed the profile, we dive into the times. From hunters & gatherers up to the Germanic tribes, with a little sidekick in the Middle Ages. What I didn’t understand was the disposition of the exhibition. It begins with a Slavic diorama, and then you get something on the Middle Ages and than back to the Paleolithic. Right in the middle, there´s an excursion on the foundation for “centers of Brandenburg archaeology” (“Central Places”). Than there´s an excursion in the archaeology of open mining with information on when why and where there were digs in this region. Okay….that MAY be of interest to me as an archaeologist, but in this exposition and without connection to the surrounding objects, I didn’t see anybody else having a look at it.

Besides, I would like to mention that the project on “Central Archaeological Places” sounds quite interesting. But the website doesn’t mention why I should visit them if I’m not an archaeologist with a more or less instilled interest for archaeological sites. The texts are like something a specialist in his/her study would write for a scientific public and why should visit it as a tourist doesn’t even get mentioned. On the other hand, the side tells us: “Without any concrete clues and necessary explanations a layman will certainly not be able to trace these hidden archaeological sites in the landscape” (translation mine). Well, ok, at least for the Slavic fort that’s not true, looming like a giant in space. And its also not very inspiring that the last event regarding these “Central Archaeological Places” was at May 2013. But that’s another topic.

Let´s get back to the Fort. Aside from the eclectic disposition of the objects, I liked the museum because it provided diverse forms of presentation of the items: there where places to rest and watch a film, there were objects immersed in the ground that can be seen through glass – spectacular especially for grave contexts complete with ceramics and bones. And there were little videos in the showcases, showing how objects looked in their original contexts or how they were worn or used. And I generally like the exposition of a lot of artifacts in one sole showcase, be it stone implements or pots. Especially the lithics were making you think a lot because they were ordered from raw materials up to complete microliths and other instruments. But for people not accustomed to these presentations and ways of thinking, the exposition seems rather difficult. And I doubt very much that our son understood something about this presentation at all.

After our visit tot he museum we went tot he gift shop. That was a really nice experience with a lot of lovingly selected gadgets, books, scientific publications and jewelry. My favorite were the paper bags with DIY-toys from the Slavic age!

But what made me think a lot was the media presentation of the fort. There were road signs, gigantic photos at the train station, a homepage, cards and so on, which had been designed extremely professional. Its very touristic, like a teaser. And the same applies to the fort itself. You get constant information on who and when the project oft he hill fort had been funded: by the European Union, the German state, you are constantly reminded that there will be ramifications of the current fort into a bigger, more expanded version of it. But when you have a closer look you notice that the empty space around the fort is thought to have a reconstruction of the Slavic village that once surrounded it – and nothing has been done on it. The Central Archaeological Places are being presented spectacularly at the WWW – but there´s nothing real about it. There´s a difference between presentation and reality. Is there no funding anymore? Were there other problems? Are things under way (like on this page at transform)? It seems that there are things to come – but they weren’t realized yet. Like if something got stucked in the middle of nowhere.

There have been expectations created by the media before visiting – and they couldn’t be entirely satisfied with the actual visit. Maybe I think too much as a scientific here, and have developed a sensibility for projects that are being grandly announced but not entirely realized. Maybe that’s due to financiation. Or to the current political situation. I don’t know, but it left me with a rather strange feeling about the Slavic Fort of Raddusch.