Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Das Kykladische Museum in Athen / The Cycladic Museum at Athens

Cycladic Museum Athens sprachederdingeblog

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Athen im Mai 2015 beinhaltete mehrere Tage voller Museen. Und dann nochmal Museen, und dann noch mehr und noch die Fundorte. Ach, und Museen! Wenn an jeder Ecke ein Fundort liegt, bleiben dutzende Museumsbesuche nicht aus.

Das Kykladische Museum  (hier der kurze deutsche Wikipedia-Eintrag dazu) war jedoch ein besonderer Fall, denn dieses Museum basiert nicht auf einem Fundort in oder um Athen, sondern auf dem Inhalt verschiedener privater Sammlungen, die sich unter dem Dach des Kykladischen Museums zusammengeschlossen und durch weitere Ankäufe seit der Gründung in den 1980er Jahren vergrößert haben. Auch der Name ist etwas irreführend, denn es geht nicht um die Kykladischen Kulturen, sondern nur teilweise um diese und dann um das gesamte archaische und klassische Griechenland, bis etwa in die römische Zeit.

Generell: dieses Museum hat vier Stockwerke, voll mit Objekten. und was sofort auffällt: alle Stockwerke sind in einer durchgehend durchdachten Art & Weise eingerichtet und doch hat jedes Stockwerk seinen eigenen Charakter. Gleich im ersten Stock geht es um die Dinge, die dem Museum seinen Namen gaben: die Kykladische Kultur. Wunderbare Statuen, Keramiken und andere Objekte werden in einer sehr zurückgenommenen, dunkel gehaltenen und eleganten Art & Weise präsentiert, es gibt viel Platz um den Objekten nahe zu kommen, sie zu betrachten und die Information zu verarbeiten.

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Das zweite Stockwerk ist den Archaischen Kulturen Griechenlands gewidmet, das dritte der Bronzezeit und das oberste schließlich der Klassischen Periode – dem, was wir heute häufig als “typisch griechisch/klassisch” erkennen. Jedes Stockwerk ist farblich durchdesigned und v.a. Stockwerk 3 und 4 haben relativ viele technische Zusatz”spiel”möglichkeiten im Programm: Videos, interaktive Bildschirme. Gerade das oberste Stockwerk war zudem so gestaltet, dass hier Objekte und Abbildungen von Vasen oder Reenactment-Fotos sich ergänzen. Dies macht viele Objekte verständlicher, und Videos und Fotos machen das Ganze dann noch plastischer. Allerdings ist hier den Machern doch manchmal etwas die Hand ausgerutscht, denn wenn die Infotafeln gut gemacht sind und weder zuviel noch zuwenig Information hergeben, wurde offensichtlich alles andere in die elektronischen Medien gesteckt, sodass selbst gestandene Mittelmeer-Archäologen an meiner Seite nicht recht wussten, wie sie mit soviel Information umgehen sollten. Interaktive Tafeln für Kinder, die den Mittelmeerverkehr mit Schiffen zeigten, waren zwar auf griechisch und englisch gestaltet, hatten dann aber soviel einander überlagernde Informationen, dass wir nicht mehr wussten, wer wie wohin segelte, warum und was “unser” Schiff gerade anstellte.

Wer, wie ich, wenig Ahnung von archaischer und / oder klassischer Antike in Griechenland hat, lernt hier viel und die zurückgenommene Darstellung der Objekte, und das Herausheben einzelner Objekte in wunderbar ausgeleuchteten Vitrinen  macht es auch zu einem ästhetischen Erlebnis. Die verschiedenen Ausstellungsdesigns der einzelnen Etagen heben die einzelnen Perioden voneinander ab, und ermöglichen es dem Besucher, sich durch eine doch erhebliche Masse von Objekten zu bewegen ohne zu ermüden. Neue Anreize fürs Auge und das Hirn beugen Erschöpfung vor, gleichzeitig sind alle Stockwerke aber immer noch so zurückgenommen im Design, dass man sich trotzdem wohl und nicht überfrachtet fühlt.

Insgesamt war dieses Erlebnis eine sehr relaxte Angelegenheit, wobei die elegante Ausstattung und die zurückgenommene Darstellung einen großen Einfluss hatten. Leider hatte ich dann doch einige Zweifel bezüglich der Herkunft der Objekte, die, wie in vielen anderen Museen in Athen, nie angesprochen wird. Das ist mir ein Rätsel, denn offenes Umgehen mit diesen schwierigen Themen wäre eigentlich angebracht? Hier wird “Herkunft” einfach herausgenommen. Die Objekte stehen im Vordergrund, so wie es auch die Ausstellungsoptik vormacht. Fundgeschichte – inexistent.

Problematiken wie Looting etc werden ausgespart, der Besucher mit schönen Objekten “bombardiert”. Ein offensiverer Umgang mit diesem schwierigem Thema wäre traumhaft, so muss man sich mit einem wunderschönen, durchdesignten Museum begnügen, dass ganz auf die Schönheit des Objekts setzt.

ENGLISH VERSION

Athens in May 2015 consisted mainly in visiting museums. Day after day, I went to other museums, to site museums, archeological sites and the like. Oh, and  – museums! Did I mention the museums?

The Cycladic Museum (see the brief wikipedia entry here) was a special case as this museum is not (even in a broader sense) a site museum, but is based on the contents of different private archaeological collection, that have been united under the roof of the Cycladic Museum, being increased through acquisitions from the 1980s onwards. Even the name is somewhat misleading, as this museum does no ONLY present cycladic art (although it does) but presents objects from all over classical and archaic Greece up to the Roman Period.

This museums has four storeys, full of objects, and even more objects and what comes to mind immediately is: these storeys have been meticulously designed so that each one of them has its own character. The first storey is about the Art that gave the museum its name: Cycladic Art and Cycladic Culture. Wonderful statues, ceramics and other objects are presented in such an elegant way, relaying on dark colors and spotlights, that one is tempted to approach each object as a treasure. There is much space to have a look of each of the objects, to read and pass time with each of the statues and pots.

 

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The second story is dedicated to the archaic cultures of Greece, the third to the Bronze Age and the fourth and last one to the “classical Greece”, things that even non-archaeologist would recognize as “typically greek”. Each story follows its own color code, and story 3 and 4 present a lot of technical gimmicks: videos and interactive screens. And it was the froth story that presented in addition a presentation where vases and photos of greek vase painting intertwined with photos and videos that depict the scenes from the pottery with actual people. In this way, vases and reenactment intertwine and complement each other – a feature that I liked very much, but my companions found rather dreadful. Unfortunately, the implementation of interactive elements went a little bit far, because information was so overcrowded in these features, that I was unable to follow any of the bits of information found. Even knowledgable colleagues didn’t know how to use these features meaningfully. And besides: most of the interactive features were designed for children, not even for adults. So, if I feel overcrowded with detailed information on the mediterranean shipping traffic in the Bronze Age, than a child of say 6-8 years would be as well, trust me.

People like me, with a limited knowledge on archaic and classical Greece learn a lot due to the presentation of information next to the objects, and the perfect design of the museum makes a visit an aesthetic experience as well. The different exhibition designs create different atmospheres  and the visitor is able to move through a LOT of objects without feeling to overwhelmed. New stimulation for the eye and the mind prevent exhaustion facing dozens and dozens of pots, armours, textiles, stone objects. But even so, each story is at the same time presented in a rather withdrawn way so as not to overpower the visitor.

Generally speaking, this experience was a really relaxed visit to a great museum. But there is a dark side as well. I had rather serious doubts about the provenience of the objects, a fact that is not faced in any Athenean museum. IN the Cycladic Museum, with its roots and history in private collections, this problems seemed even more pressing. I couldn’t understand why this topic is not faced anywhere in the museum, not even in a minuscule information. “Provenience” is not a topic. Full stop. The objects are in the foreground, beautifully presented and cherished. The objects history – inexistent.

So in the end, the visitor is “bombarded” with a most exquisite and beautiful presentation of beautiful objects. But an offensive handling of such a difficult topic would have been great. As it is, we have to content ourselves with a beautifully designed museum, which is putting all its weight on the beauty of objects without a history.

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Das Neue Akropolis-Museum in Athen / The New Acropolis Museum at Athens

New Acropolis Museum sprachederdingeblog

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Eigentlich wollte ich ja über das Museum etwas später schreiben, sozusagen meine Athener Erfahrungen erstmal sacken lassen. Da aber vor einigen Tagen neue Bewegung in den Fall der Elgin-Marbles gekommen ist, ist es vielleicht ganz schön, dieses Museum vorzuziehen und hier gleich einzubinden. Immerhin wurde es ja hauptsächlich deshalb gebaut, um den Parthenon-Friesen, die heute im British Museum ausgestellt sind und um 1820 nach Großbritannien kamen, eine neue/alte Heimat zu bieten.

Das Neue Akropolis-Museum hat auf jeden Fall zwei Seiten. Eine ist die politische. Die andere die museologische. Und beide gehen Hand in Hand, was eine Beschreibung nicht einfacher macht!

Als politische Forderung der Rückgabe der Parthenon-Friese (auch bekannt als Elgin Marbles im eher englischsprachigen Raum) beruht auf der Annahme, die Friese wären von Lord Elgin unrechtmäßig nach Großbritannien ausgeführt worden (zusammengefasst etwa hier letzthin beschrieben). Andererseits beharrt das British Museum darauf, dass die Ausfuhr und auch der spätere Ankauf durch das Museum rechtmäßig waren, da es hierfür Dokumente geben soll (hier in kurzer Form dargestellt). Ich möchte hier gar nicht einsteigen, denn weder bin ich in der Diskussion wirklich kundig, noch gibt es hierfür den Platz. Eine schöne, längere Einführung zu diesem sehr kontroversen Thema findet sich im Buch “Loot” von Sharon Waxman, das ich hier schon einmal vorgestellt habe, neuere Entwicklungen kann man  im Internet unter dem Stichwort “Parthenonfries Rückgabe” (oder ähnlich) sehen.

Auf jeden Fall geht es hier nur vordergründig um die Frage ob Friese (un)rechtmäßig ausgeführt wurden – eigentlich geht es um Fragen von Kolonialismus. Ähnliches geschieht seit Jahren mit dem Fall Nofretete in Berlin, in dem auch immer wieder Debatten angestoßen werden, die eigentlich auf Dokumenten und rechtlichen Fragen beruhen, die eigentlichen (post)kolonialen Fragen aber außen vor lassen.

Aber eigentlich ging es ja nun um das Museum an sich. Sichtbar ist das Museum bereits, wenn man am Parthenon steht und auf die XXXX Seite Athens hinunterblickt. Gleich hinter dem Dionysos-Theater findet sich das Museum, ein heller, gläserner Bau. Kommt man dem Gebäude näher, sieht man vor allem eines: der Eingang ist vertieft, darüber erhebt sich ein verglastes Gebäude, dessen oberster Stock fast völlig einsehbar ist. Selbst von draußen sind die Stücke des Parthenons-Frieses, Repliken, etc. schemenhaft erkennbar. Unter den Füßen sieht man die Ausgrabungsstätten der Umgebung der Akropolis zwischen 500 vC  – 700 nC, die, so wie sie sind, ins Museum integriert wurden und später begehbar sein sollen. Bislang liegen sie einem zu Füßen.

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Da übrigens das Museum Fotos nur an sehr ausgewählten Orten erlaubt, sei hier auf die Website verwiesen, die viele Fotos anbietet. Meine Fotos stammen von den Außenbereichen. Und noch ein kurzes Wort zu Familien & Kindern. Zwar war ich in diesem Museum alleine, es gibt aber mehrere Kinderecken, spezielle Kinderführungen und Kinderinformationen. Familien erhalten wohl einen speziellen Familien-Pack am Eingang, mit Gadgets für Familien mit Kindern. Mein Favorit war die nachgebaute Akropolis aus Legosteinen!

Auf jeden Fall: Dieses Museum ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort der Einkehr in die klassische Welt, so wie Griechenland und die Besucher sie sich wünschen. Räumlich so großzügig geschnitten dass selbst die vielen Besucher sich verlaufen und man sich alleine, ungestört fühlt, in ruhiger Betrachtung der Statuen, Keramiken, Friese. Ein unglaublich schönes Gefühl, gerade wenn der Blick aus den Glasfronten immer wieder gegenüber auf die Akropolis fällt, deren Parthenon die gleiche Ausrichtung und Größe hat wie das oberste Stockwerk des Museums. Der Genius Loci ist hier zuhause.

Mein Studium der Klassischen Archäologie dauerte nur 2 Semester und endete aufgrund der Sinnlosigkeit von Diskussionen über die Handhaltung zerbrochener Statuen. Zusammengefasst kann ich sagen, dass mir die Irrelevanz dieses Studienfaches für mich selbst damals klar wurde. Trotzdem übt die Antike, das Aufkommen der Demokratie und die griechischen Stadtstaaten immer noch eine Faszination aus, die vielleicht auch kulturell bedingt ist. Akropolis und Neues Akropolis-Museum waren also ein Magnet in Athen und ich habe die verständlichen, nicht zu langen, aber auch nicht zu kurzen Texte genossen, die mir Überblick über die einzelnen Phasen der Entwicklung der Akropolis und des alten Griechenlands im Allgemeinen boten. Ich mochte die Statuen, die Keramiken, die wunderbare Beleuchtung. Sei es im Tageslicht, durch die riesigen Glaswände, oder im Aufgang bei eher weichem Licht für die Keramiken. Helle, weiße Oberflächen wiederholen die Idee der weißen Antike, so überholt diese auch sein mag. Und dieses Weiß schafft eine helle, ruhige Atmosphäre.

Innerhalb des Museums gibt es insgesamt 3 Stockwerke, die die verschiedenen Areale der Akropolis wie auch die unterschiedlichen zeitlichen Phasen abbilden, sei es in Keramik oder den Statuen. während es im Treppenaufgang um die Akropolis und ihre einzelnen Areale geht, ist der erste Stock vor allem der archaischen Akropolis mit ihren Dutzenden von Korai (Votivstatuen junger Frauen) gewidmet. Der Zwischenstock birgt einen der beiden Museumsshop, das Café, die Karyatiden und Informationen zum Parthenon.

Der oberste, dritte, Stock ist ganz den Parthenonfriesen gewidmet, denn das Parthenon ist hier architektonisch nachgebildet, sodass man sowohl die inneren wie auch die äußeren Friese in der Größe und Aufrichtigen sieht wie es auf dem Parthenon der Fall wäre, das sich hinter dem Fenster auf der Akropolis erhebt. Idee war hier, die – zurückbekommenen ?! – Teile der Friese wieder einzufügen sodass das Parthenon im Museum praktisch aufersteht. Da dies aber nicht der Fall ist, hat man sich bislang mit den Originalen beholfen, die in Athen verblieben sind sowie mit einigen Repliken. Viele Paneele bleiben auch einfach leer. Ihnen gegenüber immer wieder die Möglichkeit zu sitzen, zu schauen. Einzelne Statuen und Infotafeln geben weitere Informationen zum Parthenon, dem Stil, einzelnen Details, der Nachvollziehung dargestellter Szenen, die ja teilweise nur noch schemenweise sichtbar sind.

Wer um diese Galerie im 3. Stock herumwandert, bekommt jedoch hauptsächlich eine gefühlte Idee davon, wie es gewesen sein mag, im alten Athen das Parthenon zu betreten und sich dort aufzuhalten. Es ist ein großartiges Gefühl, und das sage ich jetzt als klassisch recht unbeschlagener Mensch, der sich einfach der Schönheit und dem Genius Loci hingibt. Ich kann keine Analysen zu den Statuen liefern, ich kenne auch nicht alle mythischen Geschichten dahinter. Und ich habe keinen Audioguide. Ich laufe einfach nur ganz in Ruhe um die Galerie herum. Innen und außen in der Galerie, betrachte die vorhandenen oder nicht vorhandenen Paneele und sinniere über die Geschichte. Es ist ein sehr besonderes Museum mit einem besonderen Gefühl.

Obwohl ich im Museum keine explizite Information zum Thema der Rückgabefrage gefunden habe, machen die Paneele in der obersten Galerie sehr deutlich, was hier fehlt. Auch der zweite Besuch gab keine Informationen darüber her, ob und wie hier mit dem Thema der Rückgabe des Frieses umgegangen wird. Auch die offiziellen Bücher im Museumsshop konzentrieren sich auf die Objekte, und nehmen keinen Bezug auf Politisches. Wer nichts über die politische Seite der Akropolis weiß, wird hier nicht informiert, es geht schlicht und ergreifend um das Klassische Athen. Und das wird hier auf wunderbar gestaltete Weise wieder lebendig.

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Legomodell der Akropolis – New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

ENGLISH VERSION

Actually, I wanted to write about this museum a little bit later on, lets say when my Athenian experiences settled down a bit. But as there have been movements in the case of the Elgin Marbles in the last few days, I decided to do it right away. Because the New Acropolis Museum was built to house the whole of the Parthenon Frieze (the parts being currently in Britain also known as Elgin Marbles) and to offer a new home of all of the frieze in Greece. So, the New Acropolis Museum definitely has two sides to it: a political. And a museological. Both go hand in hand, which doesn´t help when describing this beautiful museum.

The political claim of restituting the Elgin Marbles is based on the assumption that these were taken away by Lord Elgin on an illegal basis to Great Britain in the 19th century (see a short version of the events here). On the other hand, the British Museum refuses this claim on the basis of the legality of the export and later buying of the marbles by the museum because of certain legal documents presented at that time (have a look at this part of the discussion here). I don’t want to take sides in that, I have no deep knowledge of the case, nor is this the place to do it. If you´d want to have a longer, more detailed introduction to it, have a read at the part of “Loot” of Sharon Waxman that deals with the Elgin Marble – topic. Newer developments are avaibale at the internet.

Anyway, the question of the friezes coming back to Greece and if they were exported illegally in the first place is a rather superficial question. Actually, the question(s) and the debate(s) are on colonialism. Similar things are happening around the topic of Nofretete in Berlin, where claims of restitutions are being issued on a rather regular basis. Based on legal documents, these also draw on post(colonial) questions, that are being left out in the legal debate.

But, this blog post was to be on the museum itself, which is visible even from the Acropolis. If you’re standing at the Parthenon you can devise it on the other side, directly behind the theatre of Dionysos. Its a building in light color, with a lot of glass, and when you come nearer you’ll see that it is partially subterranean. But even from the outside you can make out parts of the Parthenon frieze inside, you may see parts of statues, or replicas. Below your feet is a glass floor through which you can see the excavations of the surroundings of the Acropolis from 500 BC up to 700 AD and at some point, when the excavations are complete and the whole subterranean area has been conservated, you ´ll may visit these excavations – by now they’re only visible form above.

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Something on the side: the museum unfortunately allows to make photos only in very restricted and selected areas, so all my photos are from the outside buildings. You may have a look at the website, which offers nice photos of the museum. And a short aside to the topic of families and children: I went alone this time, but I was informed that families get a special family-pack at the entrance with educational gadgets and the like. Different children’s areas exist, together with quiet reading areas. There are special informations for children, children tours – and I liked the lego model of the Acropolis best!

In any case: this museum is more than a “Museum”. Its a location of contemplation of the classical world, such as Greece and the visitors would like it to be. Spatially, the museum is so large that even huge amounts of visitors find sufficient space and you may feel alone, undisturbed in your quiet gazing at statues, ceramics, friezes. I went to the museum twice, on Friday evening and sunday afternoon, and even with masses of people going there on sunday it had a quiet quality to it, mainly based on the high ceilings and the overall spatial disposition of its rooms and galleries. Its a wonderful feeling to be there, especial when your view is diverted every now and then to the acropolis right across the street, looming up high in an greek sky of pure blue. Through large glass panes the Parthenon itself is visible, showing the same size and orientation as the top floor of the museum. Genius Loci is at home here.

My studies of Classical Archaeology only went on for a year and that has been some time ago. They ended because of what I felt was the senselessness of ongoing debates in class about the original disposition of a hand of broken statues and the like. I must admit that the relevance of these details never got to me – I am more fond of actual interpretation of data, be they from excavations, surveys or analysis. But nevertheless, Antiquity, the rising of European democracy and the greek city states radiate a fascination which may be culturally induced but work nevertheless. In me and many other people! The Acropolis and the New Acropolis Museum thus were one of my main sights to be seen in Athens and I rather indulged in the not too short – not too long information texts the Museum offers on the development of the Acropolis, especially in Archaic and Classical times. I admit, I just liked the statues, the ceramics, the wonderful lighting. If its in daylight, through massive glass panes, or in the entrance ramp in a soothing light with the ceramics. White, translucent surfaces keep up our idea of the White Antiquity, as outdated as that may be. And white creates a clear, quiet atmosphere.

After getting an introduction to the surroundings of the Acropolis via the excavations below your feet, you’ll be informed on the Acropolis and the Sanctuary of the Nymph, with a side dish of Athenian Marriage in classical times. Another sector of the entrance ramp offers information on Greek everyday life. And while the first floor is entirely dedicated to the archaic Korai (early votive statues) and early Acropolis, the second floor holds a cafe, a museum shop, a reading area and the Karyatides. The top floor is dedicated to the Parthenon, as we know it by now – the classical one.

So, the top floor, dedicated to the Parthenon friezes, has been remodeled to match the Parthenon. You can see whatever´s left of the friezes in the same size and orientation as the Parthenon itself up in the Acropolis would have been. The inner and outer friezes (their replica or even blank spaces) are presented in a way that corresponds to the original, antique disposition. The whole idea of this floor was to include the friezes now in London and other parts of the world so that the visitor may get an idea of the original Parthenon – as this is not the case and may parts of the frieze remain abroad, replicas have been filled in in some areas, others stay just blank. Single statues on the side and additional information is offered to give more information on the Parthenon itself, the styles, several details of the frieze and so on.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

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Whoever wanders in this gallery, gets a feeling of how it my have been to enter the Parthenon in classical times and to stay there. Its a wonderful feeling  – and I say this mainly as a person with no scientifically induced feelings towards Antiquity. But even so, you can feel the beauty, the genius loci. I couldn’t analyze the statues in any archaeological or art historical way, I don’t know all the mythical histories behind their stories. I don’t use an audioguide. I just walked along, sat down, gazed, wandered again. Again and again I contemplated the panels and thought about history. I may gaze up to the Acropolis and then around me again. This is a very special museum with a very very special feeling to it.

Although I couldn’t find any information on display concerning the restitution debate, the panels in the Parthenon gallery just make it clear what is lacking here. Even a second visit didn’t reveal any written information on this sensible topic. And the books at the museum shop offer “only” architectural and art historical information. If you don’t know anything on the political side of this museum and its objects you won’t get to know it here. It´s about Classical Athens. And this comes alive in this museum in a wonderful way.

New Acropolis Museum Athens sprachederdingeblog

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“Loot” – von Sharon Waxman

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Heute möchte ich mal eine Lanze brechen für eine Seite, die mir seit Längerem am Herzen liegt weil sie mir immer wieder gute Vorschläge unterbreitet: Goodreads. Goodreads, als Seite auf der man gelesenen und noch zu lesen wollende Bücher auf Bücherregalen einsortieren kann, macht nämlich auch Folgendes: es schlägt einem aufgrund der gelesenen und bewerteten Bücher neue Bücher vor. Und so kam es auch zum folgenden, großartigen Buch: “Loot” von Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

“Loot” hat eine eigene Website auf der man einiges zum Buch erfahren kann, aber das wusste ich vorher nicht. Und, lasst euch nicht täuschen: Nofretete auf dem Titel bedeutet nicht, dass Nofretete auch INNEN vorkommt. Dafür aber sehr sehr viele andere Dinge, die immens spannend und vielschichtig daher kommen. Denn der Untertitel: “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” wird genauso im Buch durchgehalten. Die Autorin präsentiert in einer gut geschriebenen, schnell lesbaren aber trotzdem nicht oberflächlichen Art fast sämtliche Aspekte der Rückgabedebatte der letzten 30 Jahre, mit einem Fokus auf die Jahre ab 1995 – 2007. Es scheint unglaublich, aber die Aufteilung des Buches in vier spektakuläre Rückgabefälle in vier Ländern (Ägypten, Türkei, Griechenland und Italien), verteilt auf vier international bekannte Museen und ihre Mitarbeiter (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) garantieren, dass sie alle Aspekte dieser unglaublich komplexen Debatte abdecken kann. Wirklich alle Argumente, aller Seiten, werden genannt und aufgearbeitet, zumeist an einem Treffen mit einem Vertreter einer bestimmten Ansicht in der Debatte.

Natürlich ist Rückgabe ja auch in Lateinamerika ein riesiges Thema, leider wird die hier nochmal kompliziertere Debatte (Kolonisation, etc.) nicht integriert in das Buch, sondern nur am Beginn kurz angesprochen. Das ist aber der einzige Punkt, den man eventuell kritisieren könnte, ansonsten folgt das Buch einer wahren Tour-de-Force von Argumenten, Gegenargumenten, Einwürfen und Fragen. All das lässt den Leser mit der Idee zurück, dass es in dieser Debatte kaum wirklich “Lösungen” gibt, nur Lösungsansätze. Und es wird klar, wie verhärtet die Fronten auf allen Seiten sind und wieviele Scheuklappen auf allen Seiten noch getragen werden. Es gibt kein Gut und Böse, nur Schattierungen. Und das ist das wirklich Großartige an diesem Buch: das Panorama dieser Debatte lässt erahnen, dass es hier IMMER um viel mehr geht als nur Objekte: sie repräsentieren etwas was allen Beteiligten wichtig ist und was alle anders interpretieren – sie sind Stellvertreter vergangener Zwänge und Kolonisationen; sie sind keine Objekte sondern fast Subjekte. Und sie spielen eine ganz aktive Rolle – ihre Personifizierung emotionalisiert die ganze Debatte und hebt sie auf ein höheres, fast unlösbares Niveau von Emotionen, Stolz und Kränkung, die über sie und durch sie ausgetragen werden.

Und obwohl das Buch nun schon 6 Jahre alt ist, finde ich das es nichts an Aktualität verloren hat, es ist eine echte Leseempfehlung! Und: Gerade als ich dieses Buch las, gab es in der ZEIT diesen kurzen Videobeitrag zu einer Ausstellung von “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!

ENGLISH VERSION

Today I would like to say something about a website that I came to love, actually: Goodreads. That´s mainly because Goodreads offers me propositions for new books to read, based on previously read and rated books on my “bookshelves” at the site. And thus, Goodreads proposed a really inspiring book last month: “Loot” yb Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

Loot” has its own website with informations about the writing of the book, but I didn´t know this beforehand. And don´t be distracted: placing Nofretete on the cover does NOT mean that the Nofretete case will be covered in this book. That´s just the most prominent example of looted artifacts and it served the book well: I bought it (among other reasons) because Nofretete attracted me, because I know she´s here in Berlin at the Museum Island. But it´s not necessary to have Nofretete inside the book as well: Mrs. Waxman covers the theme of the book searching through different museums, different cases of supposedly looted art und covers the subtitle “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” to a maximum. She is able to cover all the wide and broad range of questions arising when it comes to looted artifacts, so she writes about the historical context of each of the four selected cases focussing on the years between 1995-2007 from four different countries (Egypt, Turkey, Greece and Italy), about the persons involved and the museums (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) that house these artifacts today. She mainly covers all the details of the controversial discussion on devolution with the description of encounters with different actors in this “game”. And as she has a well written, easy-to-read style, the book is nothing but well resarched and provides so many details on all the controversial aspects of the devolution of art to the countries of origin that nobody who has read this book entirely will ever come up with some easy, supposedly “final” solution to this problem.

Of course, devolution is a major isuue in Latin America, too. And thats almost the only point the book doesn´t cover: the debates on colonization and neo-colonization that haven´t been included into the book but are only mentioned in the introduction. That´s but the the only critique I would like to make because the remainder of the book, a good 200 pages, is a magic voyage through space, time and a whole series of arguments, counter-arguments and again arguments, questions etc.. All this leaves the reader with a profound feeling for the complexity of the problem, the idea that there are no easy solutions. And it makes clear how difficult the debate is, actually. How many cultural ideas are being maintained and there is no “good”, no “bad” in this issue – there only shades of grey, each and every one of them created by arguments and counterarguments. And the great thing about this book is: it makes you realize that the objects in questions are much more than simple Objects. They are representatives of the arguments involved and are being used by every party in their own line of argumentation. They represent restraints of the past, colonization processes, they are no objects but almost subjects in the debate about where and to whom they belong. They are playing an active role in this discussion – their personification is emotionalizing the whole debate, lifting it to a complex level of emotions, pride, rejection. Emotions that are being associated and communicated through the objects in question.

The book is almost 6 years on the market now and it seems that it hasn´t lost anything of its up-to-dateness. Reading this book has been a real pleasure and so I would like to recommend it here. And just as I read it, there was even a teaser about a exposition on “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!


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Ausstellungsbesuch: Im Licht von Amarna – 100 Jahre Fund der Nofretete.

Seit dem Winter hingen in Berlin die Plakate für die Ausstellung “Im Licht von Amarna”. Das wunderbar gelb leuchtende, warme Plakat war ein Aufheller der dunklen Wintermonate, denn sie hingen an fast jeder Tramhaltestelle.
Mein Interesse für Amarna wurde ausserdem durch eine Reportage geschürt, in der es um die Grabungsgeschichte in Amarna ging. Ausserdem ging mir der Untertitel “100 Jahre Fund der Nofretete” nicht aus dem Kopf, da ich in den letzten Jahren in den Medien einiges über die Rückführungsdebatte  (hier auch eine generelle Debatte hierzu)verfolgt hatte – inklusive diverser Interviews mit dem damaligen ägyptischen Chef-Archäologen Zahi Hawass (mittlerweile im Zuge des arabischen Frühlings und der darauf folgenden politischen Veränderungen in Ägypten abgesetzt und mit Korruption in Verbindung gebracht) und der Berichterstattung über die mutmassliche Betrügerei bei der Ausführung der Büste. Das Thema war immer wieder in den Medien, selbst wenn man kein Ägyptologe war konnte man hier hinreichend Grundwissen sammeln (hier auch der Link zu einer sehr guten Reportage über James Simon). Soweit ich weiss, sah die Sachlage um Nofretetes Rückgabe jedoch recht gut aus für die Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz Berlin, aber das Thema an sich: die Rückgabeforderung und die 100 Jahre Fundgeschichte, interessierten mich sehr. Ich hätte gedacht, man könnte hier Verbindungen ziehen zur Debatte um die Bedeutung von Kulturgütern für heutige (und vergangene) Nationalideen, die Vermarktung archäologischer Güter, das Museenwesen an sich und die Entwicklung archäologischer Forschung am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich erwartete hierzu einige Anregungen, mal ganz abgesehen von Informationen über die damalige Grabung und Funde.

Mein Besuch der Ausstellung zeigte jedoch, dass es sich vor allem um die übliche Darstellung schöner Funde handelte: Reliefs, Schmuck, Lederwaren, Keramiken. Zudem waren die Texte hierzu sehr kurz gehalten und zum Teil sehr hoch gehängt, wie auch einige der Ausstellungsstücke so hoch in den Vitrinen deponiert waren, dass ich mit meinen 1,59 Metern ernste Probleme hatte, beides gut sehen und betrachten zu können. Da ich Ausstellungen auch gerne mal mit Kindern besuche, muss ich sagen: das ist nicht wirklich hilfreich. Da ich zudem nicht der grosse Fan von Audioguides bin, sondern mich gerne treiben lasse, finde ich eine sinnvolle und informative Gestaltung der Texttafeln immer noch wichtig. Wie zum Ausgleich (?) gab es jedoch diverse Objekte für blinde Museumsbesucher – sogenannte Tast-Objekte, z.B. Nachbildungen von Statuetten.
Nachdem ich die Fundstückabteilung hinter mir gelassen hatte, erwartete ich, dass die oben angesprochenen Punkte immerhin noch irgendwo im Lichthof angesprochen würden, doch auch hier: schöne Reliefs, auch Repräsentationen des Ursprungszustandes des Fundortes und Rekonstruktionen der Gebäude, aber keine Reflexion zu Thema Fundgeschichte.
Ich hoffte, im Katalog fündig zu werden, der doch sehr voluminös daher kam. Leider war auch hier das Thema “Fundgeschichte und Debatte des Fundes der Nofretete” kein Thema. Der einzige Artikel hierzu machte bereits im Titel klar, dass die Bearbeitung des Themas in den 30er Jahren enden würde. Schade! Generell war daher “Im Licht von Amarna” eine schöne Ausstellung mit tollen Exponaten und Zusatzinformationen zum Fund, das für mich spannende Thema “Fundgeschichte und Rezeption” war aber fast komplett ausgespart.