Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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INKA: Könige der Anden im Lindenmuseum Stuttgart. /INCA: Kings of the Andes at Lindenmuseum, Stuttgart.

INKA Könige der Andes Sprache der Dinge blog

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Zugegeben, die Ausstellung “INKA – Könige der Anden” in Stuttgart endete am 15.3.2014 – jetzt ist schon äääähh….. Oktober 2014. Woran man sieht wielange Dinge manchmal im Blog liegenbleiben, aus Zeitmangel. Trotzdem möchte ich diese Ausstellung noch einmal besprechen. Erstens ist sie bis zum November 2014 noch in Rosenheim zu sehen und zweitens kamen da bei mir einige Gedanken auf, die ich hier dann doch noch teilen möchte.

Beworben wurde diese Ausstellung als “einmalig”, “die größte in Europa“, sie war eine Landesausstellung des Landes Baden-Württemberg und entstammte dem renommierten Lindenmuseum. Und da das Thema tatsächlich mein Thema ist, war klar, dass ich sie sehen wollte. Und als allererstes fand ich dazu den Kuratoren-Ausstellungstrailer auf Youtube. Ganz sicher bin ich dem Thema Inka persönlich involviert und nicht ganz objektiv, aber im Großen und Ganzen liegt mir einfach am Herzen dass man vermittelt warum Archäologie gesellschaftliche Relevanz besitzt. Warum so eine riesige (aka: auch teure) Ausstellung gesellschaftlich Sinn macht, mal ganz abgesehen von der Schönheit der Objekte und dem Abenteuerfaktor Archäologie.

Der Kuratorentrailer bot vor allem eins: Die Indiana-Jonesierung der Archäologie. Man sei “in die Magazine hinabgestiegen und habe dort staubige Kisten gefunden“. In denen hätte man “unglaubliche Objekte entdeckt”, die man nun in der Ausstellung sehen kann. Undsoweiter. Aha. Ich verstehe die Faszination der Objekte im Depot. Auch ich bekomme zugegebenermaßen schwitzige Hände wenn ich mit archäologischen Objekten arbeite – einfach vor positiver Aufregung. Es ist also durchaus schön, dass man da Objekte entdecken kann – aber welche Bedeutung haben die Objekte denn für uns heute? Was zeigen sie uns, wie verbinden sie uns und die Inka miteinander?
Die Inka waren einer der größten “Staaten” auf amerikanischem Boden vor der Ankunft der Spanier. Ihre durchaus als kolonialistisch zu bezeichnende Eroberungspolitik führte bei den unterworfenen Gruppen zu ganz unterschiedlichen Reaktionen, von Gewalt und Gegengewalt inklusive kompletter Umsiedlung ethnischer Gruppen und Ausrottung, bis zur Aneigung inkaischer Kultur als Ausdruck der Anpassung und, besonders spannend, die Aneignung bestimmter inkaischerKulturelemente zur Verfolgung eigener Gruppeninteressen unter und NACH der inkaischen Herrschaft – also schon zur Zeit der spanischen Eroberung und daran anschließend auch der spanischen Herrschaft. Die Inka und ihr Dunstkreis bieten also reichlich Anknüpfungspunkte für sehr moderne, globalisierte Konzepte und Ideen in unserer eigenen Gesellschaft. Um die ging es jedoch weder in dem Trailer noch in der Ausstellung. Der Titel ist Programm, denn “Könige der Anden” könnte auch anders sein, wenn der Fokus der Austellung anders wäre. “Die andinen Kolonisatoren” etwa, oder: “Heimat & Provinz” oder was auch immer. Aber Könige bedeutet eben auch: Herrschaft. Elite. Und elitäre Objekte – und genau das gibts ja dann auch zu sehen.

Denn die Ausstellung präsentiert hauptsächlich einen schön gemachten, mit wunderbaren Objekten ausgestatteten Überblick über die Kultur der Inka: wo kamen sie her, wie lebten sie, wie eroberten sie andere Gebiete, wie starben sie. Gold, Textilien, Keramik, Bilder. Schöne Fotos andiner Landschaften. Aha-Effekte wenn man lernt dass die Kartoffel aus den Anden stammt. Wer Ausstellungen besucht, vergleicht sich ja oft unwillkürlich mit den dargestellten Gruppen oder Objekten. Vor allem Dinge der Alltagskultur führen automatisch zu Vergleichen. “Die waren weiter entwickelt als andere in Brasilien, die Inka!” oder, bei Mumienbündeln:  “Da sind doch Tote drin! Wir tun unsre einfach in die Erde und die konservieren die!” – so in diesem Sinne waren etwa Kommentare in der Ausstellung.Für Kinder gab es einen kleinen Raum zum Spielen und ansonsten vieles zum Staunen: die Nachbildung einer Inka-Mumie auf einer Sänfte etwa. Und viel viel Gold. Wie man sich das eben so vorstellt, so spektakulär und hübsch …. so war es dann auch. Keine Überraschungen, es sei denn man zählt Schönheit als Überraschung.

Über Synkretismus, Aneignung, politische Nutzung von Objekten ging es nur im letzten Teil, in dem die spanische Kolonialisierung im Vordergrund stand. Wie brachte die Gruppe der Inka als Ethnie sich hier ein? Welche Konflikte entstanden? Wie wurden diese materiell umgesetzt und dargestellt? Diese Themen hätte ich mir definitiv auch für die vorspanische Zeit gewünscht denn hier wirkt es als wäre das eine Sache die erst bei Ankunft der Europäer auftritt. Aber auch die Zeit vor den Spaniern war geprägt von der Verhandlung von Machtstrukturen und Synkretismus. Und: das sind Themen die uns heute in unserer globalisierten Welt absolut betreffen. So wie es war, blieb die große Konfliktivität und Aktualität inkaischer Kultur auf der Strecke. Konfliktivität, die sich (wie etwa in den Videofilmchen am Ende der Ausstellung sichtbar) bis in die öffentliche Perzeption der Andenstaaten heute durchzieht, eine unglaubliche Aktualität!

Ganz am Ende, kurz vor dem Verlassen der Ausstellung, da gab es auch so etwas wie Relevanz: nämlich was die Inka den Menschen in den Anden heute bedeuten. Als Vorfahren, als Erbe, als Name, als Kultur. Da war alles dabei, vom Landarbeiter bis zur deutschen Restaurantbesitzerin. Ein ganzes Spektrum von Meinungen. Als Filmformat dargeboten, zog es unglaublich viele Besucher in den Bann, man saß endlos auf Bänken. Und schaute den Kurzinterviews zu. Hier schien auf was wirklich die Bedeutung der Inka ist: nämlich ihr Name heute. Was verbinden die Menschen damit, wer identifiziert sich hiermit und warum? Die Inka sind etwas wie die “Vorfahren” der Peruaner von heuet geworden, zumindest im öffentlichen Bewusstsein. Aus genau dem gleichen Grund identifizieren sich etwa Bolivianer gerade NICHT mit den Inka sondern anderen vorspanischen Gruppierungen und verstehen die Inka häufig als eine Art frühe Kolonisatoren ihres heutigen Nationalstaates. Diese Art ganz konkreter Bedeutungen von Geschichte in der heutigen Zeit fehlen jedoch in der wunderschönen Ausstellung. Dabei wäre doch gerade das ein spannender, auf uns bezogener Aspekt: wie wirkt denn Geschichte auf uns? Ws ziehen wir darum wie instrumentalisieren wir sie? Und nicht nur die “anderen”?

Aber die Aktualität des Themas “Inka” wurde bis auf die Kurzfilme nicht angesprochen. Das europäische Publikum erfährt hier Schönes, Spektakuläres, Informatives. Aber keine

Konflikte. Das ist auch bequem, und hübsch – und sehr sehr schade.

Literaturvorschläge:

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.

 

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ENGLISH VERSION

Okay, I admit that the exhibition „INCA – Kings of the Andes“ finished in march 2014 in Stuttgart, and now its already….. hm…. Well, October 2014. That shows how long some things stay in this blog without being published. But I would like to write about it, anyway. Because the exhibition can still be seen at Rosenheim until November 2014 and because it stirred thought that I have been harboring for some time, and I would like to share them, even after 7 months waiting to publish them.

The exhibition was marketed as “unique”, the “biggest in Europe” and it was an exhibition on a federal basis, meaning that it had an official impact. Hosted by the famous Lindenmuseum Stuttgart, “INCA” affected my very own investigations. This was MY topic and I was eager to see it. The first thing I found on the web concerning the exhibition was a trailer on YouTube, presenting an interview with the curators of the exhibition. And to be frank: I am NOT being objective on this exhibition because I am so involved in this subject of investigation that I just cant stay on the objective side. And by and large there are issues about archaeology that are important to me and these concern mainly the social relevance of archaeology. And why an enormous (and this means: costly, too) exhibition should focus on relevance as well, and not only on the beauty of the objects it presents and the “adventure of Archaeology”.

The trailer offered one thing, mainly: Archaeology as Indiana Jones. There are sentences like: “we went down to the depots and discovered dusty boxes”. In them, there were “found incredible objects” that can now be seen in the exhibition. Well. Aha. OK. I fully understand the fascination of objects ion the depot. And I admit of getting sweaty hands when working with archaeological objects because I am so excited to do this work. So, it´s great that you can “discover” objects there – but what´s the meaning of these objects for todays life? I mean: when you strip away the scientific or artistic fascination about them??? What do they tell us about the Inca and about ourselves?

The Inca were one of the biggest states on American soil before the arrival of the Spaniards. Their politics of expansion and the colonialist behavior caused very different reactions in the conquered regions, that ranged between violence, counter-violence and the extinction and re-settlement of whole ethnic groups and the appropriation of Inca culture as a means of adaptation. One of the most fascinating chapters of incaic colonization was the use of incaic material cultural elements by local groups in order to pursue their OWN agenda, participating in structures of power through the adoption of certain incaic elements during and AFTER the Inca rule, when Spanish colonization was a major threat to previous pre-Hispanic order. But this was no issue in the trailer nor in the exhibition. The title “INCA – kings of the Andes” shows what this is about, even when it could have been something completely different. What about: “Andean colonisators”? Or: “Home & Province”? But „Kings“ mean: Rulers. Elite. And: elitist obejcts, and of these there was plenty.

Because the exhibition shows mainly a wonderful, beautiful overview of Inca development and culture: Where did they come from, who were they, how did they live, how did they die, what did they conquer? Gold, textiles, ceramics, pictures. Wonderful photos of Andean landscapes. If one visits an exhibition, you often compare objects to your own culture, mainly if they touch themes of everyday culture. So these were some of the commentaries I heard at the exhibition: “They were so much superior to these Brazilian stuff, these Inca!” or, on mummies: “Oh look! They stuffed their dead in there! We put them into the earth and they preserved them!”. For children there was room to play and many objects to marvel on: mummy replicas, and gold gold gold… just as you imagine the Inca Empire – that´s how it was presented. No questions, no surprises; if you don’t count beauty as a surprise.

There was nothing to learn about syncretism, the appropriation or political use of objects. Only in the last section of the exhibition, when it came to the Spanish conquest, syncretism came along. Great, but: it seems that this is something that only went on with the encounter of Europeans and South Americans. And that’s just not true, because the negotiation of power structures was as pre-Hispanic as anything. So, I would have LOVED to see these issues included into the ore-Hispanic sections! And these are issues that border on our own globalized world as well! Inca culture in all its regional aspects is so very very up-to-date! But that’s no issue here. Conflictivity as seen on some videos at the end of the exposition, its so incredibly present until today!

Right on the end, before leaving the exposition, there was something like relevance: videos presented the views of todays residents of the Andes on the Inca. As ancestors, as heritage, as a name and as a culture. And there were many different people: from farm workers to German restaurateurs. A whole bunch of opinions! Offered as videos, it fascinated a lot of people, so everybody was seated on benches viewing these for some time. And that was the moment were relevance was almost palpable: the impact of the Inca today. What do people think about it today? What´s the relevance of Inca to them? Why do they identify with the Inca or why not? The Inca have always been perceived as something as the ancestors of todays Peruvians. And that is, f.e., the reason why Bolivians would NEVER see them as ancestors because they perceive the Inca as some early colonization of their current nation state. They see their ancestors in other prehispanic groups and use them as a political tool to explore their history and future. This tangible aspect of Inca culture TODAY would have deserved much more space in the exhibition. As it was, it was nice. But are these no relevant questions: what does history mean to us? Why do we use it, instrumentalize it? But that was no issue at „INCA“. The European public is not to be bothered with these complicated questions. The museum offered a beautiful, nice exhibtion. But please: no conflicts. That´s really nice – and really unfortunate.

Suggested reading for starters: 

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.

 

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“Loot” – von Sharon Waxman

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Heute möchte ich mal eine Lanze brechen für eine Seite, die mir seit Längerem am Herzen liegt weil sie mir immer wieder gute Vorschläge unterbreitet: Goodreads. Goodreads, als Seite auf der man gelesenen und noch zu lesen wollende Bücher auf Bücherregalen einsortieren kann, macht nämlich auch Folgendes: es schlägt einem aufgrund der gelesenen und bewerteten Bücher neue Bücher vor. Und so kam es auch zum folgenden, großartigen Buch: “Loot” von Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

“Loot” hat eine eigene Website auf der man einiges zum Buch erfahren kann, aber das wusste ich vorher nicht. Und, lasst euch nicht täuschen: Nofretete auf dem Titel bedeutet nicht, dass Nofretete auch INNEN vorkommt. Dafür aber sehr sehr viele andere Dinge, die immens spannend und vielschichtig daher kommen. Denn der Untertitel: “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” wird genauso im Buch durchgehalten. Die Autorin präsentiert in einer gut geschriebenen, schnell lesbaren aber trotzdem nicht oberflächlichen Art fast sämtliche Aspekte der Rückgabedebatte der letzten 30 Jahre, mit einem Fokus auf die Jahre ab 1995 – 2007. Es scheint unglaublich, aber die Aufteilung des Buches in vier spektakuläre Rückgabefälle in vier Ländern (Ägypten, Türkei, Griechenland und Italien), verteilt auf vier international bekannte Museen und ihre Mitarbeiter (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) garantieren, dass sie alle Aspekte dieser unglaublich komplexen Debatte abdecken kann. Wirklich alle Argumente, aller Seiten, werden genannt und aufgearbeitet, zumeist an einem Treffen mit einem Vertreter einer bestimmten Ansicht in der Debatte.

Natürlich ist Rückgabe ja auch in Lateinamerika ein riesiges Thema, leider wird die hier nochmal kompliziertere Debatte (Kolonisation, etc.) nicht integriert in das Buch, sondern nur am Beginn kurz angesprochen. Das ist aber der einzige Punkt, den man eventuell kritisieren könnte, ansonsten folgt das Buch einer wahren Tour-de-Force von Argumenten, Gegenargumenten, Einwürfen und Fragen. All das lässt den Leser mit der Idee zurück, dass es in dieser Debatte kaum wirklich “Lösungen” gibt, nur Lösungsansätze. Und es wird klar, wie verhärtet die Fronten auf allen Seiten sind und wieviele Scheuklappen auf allen Seiten noch getragen werden. Es gibt kein Gut und Böse, nur Schattierungen. Und das ist das wirklich Großartige an diesem Buch: das Panorama dieser Debatte lässt erahnen, dass es hier IMMER um viel mehr geht als nur Objekte: sie repräsentieren etwas was allen Beteiligten wichtig ist und was alle anders interpretieren – sie sind Stellvertreter vergangener Zwänge und Kolonisationen; sie sind keine Objekte sondern fast Subjekte. Und sie spielen eine ganz aktive Rolle – ihre Personifizierung emotionalisiert die ganze Debatte und hebt sie auf ein höheres, fast unlösbares Niveau von Emotionen, Stolz und Kränkung, die über sie und durch sie ausgetragen werden.

Und obwohl das Buch nun schon 6 Jahre alt ist, finde ich das es nichts an Aktualität verloren hat, es ist eine echte Leseempfehlung! Und: Gerade als ich dieses Buch las, gab es in der ZEIT diesen kurzen Videobeitrag zu einer Ausstellung von “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!

ENGLISH VERSION

Today I would like to say something about a website that I came to love, actually: Goodreads. That´s mainly because Goodreads offers me propositions for new books to read, based on previously read and rated books on my “bookshelves” at the site. And thus, Goodreads proposed a really inspiring book last month: “Loot” yb Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

Loot” has its own website with informations about the writing of the book, but I didn´t know this beforehand. And don´t be distracted: placing Nofretete on the cover does NOT mean that the Nofretete case will be covered in this book. That´s just the most prominent example of looted artifacts and it served the book well: I bought it (among other reasons) because Nofretete attracted me, because I know she´s here in Berlin at the Museum Island. But it´s not necessary to have Nofretete inside the book as well: Mrs. Waxman covers the theme of the book searching through different museums, different cases of supposedly looted art und covers the subtitle “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” to a maximum. She is able to cover all the wide and broad range of questions arising when it comes to looted artifacts, so she writes about the historical context of each of the four selected cases focussing on the years between 1995-2007 from four different countries (Egypt, Turkey, Greece and Italy), about the persons involved and the museums (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) that house these artifacts today. She mainly covers all the details of the controversial discussion on devolution with the description of encounters with different actors in this “game”. And as she has a well written, easy-to-read style, the book is nothing but well resarched and provides so many details on all the controversial aspects of the devolution of art to the countries of origin that nobody who has read this book entirely will ever come up with some easy, supposedly “final” solution to this problem.

Of course, devolution is a major isuue in Latin America, too. And thats almost the only point the book doesn´t cover: the debates on colonization and neo-colonization that haven´t been included into the book but are only mentioned in the introduction. That´s but the the only critique I would like to make because the remainder of the book, a good 200 pages, is a magic voyage through space, time and a whole series of arguments, counter-arguments and again arguments, questions etc.. All this leaves the reader with a profound feeling for the complexity of the problem, the idea that there are no easy solutions. And it makes clear how difficult the debate is, actually. How many cultural ideas are being maintained and there is no “good”, no “bad” in this issue – there only shades of grey, each and every one of them created by arguments and counterarguments. And the great thing about this book is: it makes you realize that the objects in questions are much more than simple Objects. They are representatives of the arguments involved and are being used by every party in their own line of argumentation. They represent restraints of the past, colonization processes, they are no objects but almost subjects in the debate about where and to whom they belong. They are playing an active role in this discussion – their personification is emotionalizing the whole debate, lifting it to a complex level of emotions, pride, rejection. Emotions that are being associated and communicated through the objects in question.

The book is almost 6 years on the market now and it seems that it hasn´t lost anything of its up-to-dateness. Reading this book has been a real pleasure and so I would like to recommend it here. And just as I read it, there was even a teaser about a exposition on “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!


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Kunst & Archäologie II: Mumienglanz. Ahnen, Kolonisierung & Raub. Art & Archaeology II: the brilliance of mummies. Ancestors, colonization and robbery.

In der peruanischen Botschaft in Berlin gab es vor einigen Monaten eine Ausstellung namens “Mumienglanz“. Das Plakat an der Tür glänzte derart golden, das es mich fast magisch anzog und da Mumien, Kunst und die künstlerische Vereinigung der Mumien mit all ihren komplexen Konzepten im Kontext heutiger Kunst mich interessierten, ging ich rein. Von der peruanischen und kubanischen Botschaft im Maria-Reiche-Saal der Botschaft ko-veranstaltet, ist die Künstlerin Nancy Torres Kubanerin, und die Ausstellungseröffnung wurde von der kubanischen Botschaft kurz kommuniziert.  “Mumienglanz” verbindet die unterliegenden Konzepte andiner Mumien mit der Ausraubung derselben durch die Spanier – ein Thema, mit dem die meisten Archäologen und Historiker der Region vertraut sind und das nicht nur ein kolonialzeitliches, sondern auch ein aktuelles Problem ist. Trotzdem dreht sich die Ausstellung nicht nur um diese recht nahe liegenden Punkte. Man kann vielmehr Parallelen ziehen zwischen der Ausraubung der Mumien, der vorspanischen Gräber und ihrer Beigaben im Allgemeinen und der kolonialen Ausraubung der gesamten Ressourcen der Anden und der andinen Bewohner im Allgemeinen. Wenn man zum Beispiel der Argumentation folgt, dass der Berg Potosí in den barocken Bilderkanen der Anden eine Darstellung der Jungfrau Maria und damit der (vereinfacht gesagt: Erdgöttin) Pachamama ist, könnte man auch den Bergbau und die immensen abtransportierten Silbermengen als den Raubbau an einem als menschlich empfundenen Körper hierein interpretieren. Diese Interpretation des Berges ist zwar nicht unumstritten aber doch weit verbreitet.

Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, ausgehend von den geleerten Mumien, Vergleiche ziehen zur Zerstörung des Glaubens an die Vorfahren selber, und den komplizierten und überaus komplexen Prozess der Aneignung, Überschreibung und Neu-Orientierung des Ahnenglaubens mit dem neuen, christlichen Glauben*. Eine Interpretation, die auch kurz in Irina Podgorny´s Katalogtext anklingt. Mumien sind in Südamerika und besonders den Anden seit dem Formativum (etwa Chinchorro, den ersten sesshaften Gesellschaften Chiles) verbreitet, ich selbst habe ja hier einmal über das Museo de Arqueologia de Alta Montaña  geschrieben*.

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Im Gegensatz zum ersten Teil von “Kunst & Archäologie”, der sich mit der Frage nach der sublimen strukturellen Typologisierung von Alltagsgegenständen beschäftigte und eine Brücke baute zwischen dem “Vergangenen” und dem “Heutigen”, geht es in Nancy Torres´ Ausstellung eher um eine politische Aussage, gebunden an vorspanische, also archäologische, Kontexte und Techniken. Laut der Künstlerin und ihren Katalogen arbeitet Frau Torres konkret mit archäologisch belegten Techniken und bindet dabei andine kulturelle Ideen zu Sterblichkeit und Vorfahren ein. Die Mumie als als Stellvertreter-Objekt par exellence für “Archäologie” und “Vergangenes”, verbunden auch mit Angst, Faszination und Terror v.a. in westlichen Kulturen, wird hier übersetzt in eine Anklage gegenüber dem Verschwinden und dem Ausrauben der Vorfahren. Kulturell ist die Wahrnehmung von Mumien sehr utnerschiedlich, in diesem Fall stehen Mumien auch stellvertretend für das Indigene, Alte, Vergangene, Ursprüngliche, auch in einem gewissem Sinne für das “Gute”. Die Gleichsetzung von Mumien mit der vorspanischen Zeit setzt diese Zeitspanne vor der Ankunft der spanischen Eroberer in ein eher positives Licht, und bezieht sich damit auf die Idee der mit dem “Damals” verbundenen “Natürlichkeit” und Ausgeglichenheit wenn es um die Ausbeutung von Rohstoffen geht. Gleichzeitig konzentriert die aufgerissene Mumie die ganze Dramatik des durch die Kolonisierung und den damit verbundehnen Transformationsprozess ausgelösten Risses durch die Zeit und die andine Gesellschaft. Die Transformation der eigenen (jetzt “indigen” genannten) Identität und der Konflikt mit den neu eingeführten kulturellen Werten lässt sich durch das Auf- und Herausreißen der Mumien gut visualisieren.
Ich durfte Nancy Torres persönlich kennenlernen und tatsächlich ist ihre Motivation für die Werke zunächst die Suche nach Identität, übersetzt in die Ideen der Konzeptkunst. Obwohl wir uns von ganz verschiedenen Seiten ihren Werken näherten, war der Ausdruck, die Essenz die Gleiche: die Mumien bilden eine Verbindung in die Vergangenheit, indem sie das Thema der Vorfahren aufgreifen, Wurzeln aufzeigen und symbolisieren und gleichzeitig unsere vielschichtigen Ideen über Vergangenheit, das Zusammentreffen von Kulturen und über Dominanz und Kolonialisierung thematisieren. Unsere Ideen, die genauso vielschichtig sind wie die Mumien, deren diverse Lagen aus Stoff, Objekten, Masken und Knochen immer wieder neue Details offenbaren je länger man sie anschaut. Die Personen in den Mumienbündeln sind nur teilweise sichtbar, nur Teile ihrer Knochen und Schädel. Der Rest ist verdeckt von Stoffen, Masken, Objekten. Dinge, die die Identität der Menschen in den Bündeln überlagern. Und Dinge, die von uns, ihren Nachfahren, dort deponiert wurden und werden.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

Alle Fotos: Nancy Torres.

Version en Español

La Embajada del Perú ofreció hace unos meses una exposición llamada „Brillo de Momias“ (“Mumienglanz” en Aleman). El afiche en la puerta brillaba tan dorado que no pude resistir y tuve que entrar. El tema de Momias, Arte y la conexión de ambos en una exposición de arte, contemplando todas las fascinantes facetas culturales e históricas me fascinaron. La exposición fue presentada por la Embajada de Cuba y del Peru, dando espacio a las obras de la artista cubana Nancy Torres en la sala Maria Reiche de la Embajada Peruana.

“Brillo de Momias” combina los conceptos de las momias andinas prehispánicas con el tema del robo de las mismas y su ajuar por parte de los españoles desde la conquista de los Andes en el año 1532.  Este es tambien un tema continuamente debatido entre arqueólogos e historiadores que trabajamos en los Andes, ya que este robo y tambien la veneración de los muertos (antropológicamente hablando: “Los Antiguos”) sigue siendo un tema muy presente en la región. Es especialmente el robo de las momias y sus ajuares que presenta un tema de mayor índole ya que este se trata hoy como un crimen, no solo religioso sino penal. Sin embargo, la exposición no tocaba esta continuidad del robo de las momias y sus ajuares en el pasado y hoy. Mas bien, las obras exploran las paralelas entre el robo de las momias y sus supuestas riquezas en el pasado y el robo, hoy llamado explotación, de los recursos naturales de los Andes y sus habitantes por parte de los Europeos desde el siglo XVI hasta hoy en día.

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Las momias sudamericanas y especialmente las andinas son un fenómeno de largo aliento, conocidos desde el formativo (las primeras sociedades sedentarias) en los Andes, p.e. en la cultura de Chinchorro del Norte de Chile. Las momias incaicas por el otro lado son un eterno tema de debate y de estudio, como mencioné hace unos meses en mi entrada sobre el Museo de Arqueologia de Alta Montaña en Salta, Argentina. En las creencias prehispanicas, el cuerpo momificado y venerado de los ancestros se vuelve parte del medio ambiente, se convierte en una parte del mundo que rodea a sus descendientes. La analogia entre el cuerpo humano y el medio ambiente se plasma en el objeto de la momia.

Para entender la sobreposicion de personajes miticos y detalles geograficos (que para el ojo europeo se considerarían como simples “objetos”) podriamos seguir p.e. la argumentación de entender el Cerro Rico de Potosi como representación de la Virgen Maria en los canones visuales baruecos. Esto lo relaciona a la vez con la representación de la Diosa Tierra, Pachamama, – esta interpretación del cerro es muy comun, aunque debatida – y abre la posibilidad de interpretar la explotación minera del cerro y sus vetas de plata como el robo a un cuerpo casi humano. Por el otro lado sería posible relacionar las momias vaciadas que vemos en la exposición, con la extirpación de las creencias prehispánicas en los antepasados y sus dioses en general, contemplando el proceso sumamente complejo de apropiación, sobreposición y re-orientación entre las creencias prehispánicas y las católicas*. Una interpretación que se discierne tambien por un momento en el catálogo de la exposición, escrito por Irina Podgorny.

Al contrario de la primera entrada en este blog acerca de “Arte & Arqueología” y que tocaba los temas de la tipologizacion sublime y estructural de objetos cotidianos, construyendo un puente entre “el Pasado” y “el Hoy”, el trabajo de Nancy Torres presenta mas bien un enunciado casi político, relacionado con contextos y técnicas prehispánicos y por lo tanto arqueológicos. Segun el catálogo Nancy Torres trabaja con técnicas arqueológicamente probadas e integra ideas culturales andinas acerca de ancestros y mortalidad. La momia como un objeto representante por excelencia que plasma “Arqueología” y el “Pasado”, tambien relacionado con miedo y terror, se traduce en sus obras como una acusación de la desaparición y el robo de los ancestros. La percepción de las momias responde a patrones culturales complejos, sin embargo en este caso se les entiende como como representantes de lo indigena, lo antiguo, lo pasado, lo “original”, en cierto sentido hasta lo “bueno” y “puro”. La equivocación de las momias con el tiempo prehispánico los relaciona tambien con una perecepción positiva de este momento histórico antes de la llegada de los europeos y los traduce a la supuesta “naturalidad” y el equilibrio entre los humanos y su medio ambiente – la momia se vuelve un simbolo de un “tiempo sin mal“. Al mismo tiempo el vientre fisurado y vaciado de las momias de Nancy Torres puede ser entendido como simbolo del desfase colonial con todo el drama implicado. Con el proceso de transformación cultural y la ruptura temporal y cultural en el tiempo y la sociedad andina. La transformación de la identidad propia (ahora llamada “indígena”) y el conflicto con los nuevos valores culturales se simboliza en el objeto de la momia con su vientre abierto, desgarrado y vacio.

Tuve el placer de conocer a Nancy Torres personalmente y resultaba que su motivacion para sus obras es la busqueda de las raices de la identidad – latinoamericana si se lo puede llamar asi, entendiendo a las momias como un simbolo primordial de lo indigena, del pasado “originario”. Ella transforma la busqueda por las identidadas compartidas  usando las ideas del arte conceptual y aunque  nos acercamos a sus obras de puntos de partida muy diferentes, resultó que llegabamos a una esencia comun en la interpretacion de las mismas: las momias sirven como puente hacia el pasado, integrando el tema de los antepasados, simbolizando las raices comunes y al mismo tiempo identificando nuestras ideas multiples sobre el pasado, el enceuntro de diferentes culturas y sobre dominancia y colonizacion. Nuestra ideas que son tan multiples y complejas como las diferentes capas de las momias cuyas capas de telas, objetos, mascaras y huesos dejan ver cada vez nuevos detalles, cuanto mas se los mira. Las personas en los fardos son solo prcialmente visibles, mostrando partes de sus huesos y craneos. El resto esta cubiert por sus ajuares y las telas que los envuelven. Objetos, cosas que solapan sus identidades primordiales. Y que fueron puestos por nosotros, sus descendientes.

ENGLISH VERSION

The Embassy of Peru at Berlin had an exposition some months ago. It was called “The Brillance of Mummies” (“Mumienglanz” in German) and its announcement on the doors of the Embassy shimmered golden all over. I just had to see what these mummies were about. The idea of connecting mummies, art and all the complex concepts in contemporary art attracted me instantly. So I went to see the exposition which had been co-organized by the Cuban and the Peruvian Embassy in the hall “Maria Reiche” in the Embassy of Peru, featuring the work of Nancy Torres, a Cuban artist. “The Brilliance of Mummies” relates the underlying concepts on Andean mummies with the robbing of the mummies on part of the Spaniards after their arrival in Peru. That is something most of the archaeologists and historian working in the Andes are aware of and its also a very contemporary problem because looting and grave robbery continue to be an ongoing phenomenon in the whole area. But the exhibition doesn’t center only on the aspects of robbery although it’s a central one. Instead, there are parallels between the colonial history of robbery of the mummies and grave looting, the prehispanic graves and their grave goods in general, the exploitation of resources in colonial and modern times and the exploitation of the Andean population in general. To put an example: if you follow the interpretation (not undebated but highly popular) of the Potosí mountain as a representation of the Virgin Mary and of the earth Goddess (Pachamama) alike in some baroque paintings, you may interpret silver mining and the exploitation of silver in this mountain as the direct exploitation of an almost human body.

It’s a highly complex theme, symbolized in the treatment of the prehispanic dead, many of them converted into mummies by their cultures and climate alike.

On the other hand there is the option to draw parallels between the void mummies and the destruction of the beliefs in ancestors and the complex processes of adaptation, overwriting and re-orientation of the beliefs in ancestors with the new Christian religion*. That’s an interpretation to be found in Irina Podgorny´s catalogue on the exposition. Mummies are a recurrent phenomenon in the Andes since as early as the Formative period (i.e. in the Chinchorro Culture in the first sedentary societies of Northern Chile) and I have been writing myself on complex issue of exhibiting Inca Mummies in this blog* when it came to the Museum of High Andean Archaeology in Salta. (And there are a lot more, just google “Mummies Peru” and you will get quite a lot of information…).

In contrast to the first part on „Art & Archaeology“ in this blog when the issue was about the sublime structural typology of everyday objects and building a fragile bridge between past and present, Nancy Torres´ exposition is a rather political issue, relating to prehispanic (i.e. archaeological) contexts and techniques. Nancy Torres works with prehispanic techniques while creating the mummies and connects thus Andean cultural ideas about death, mortality and ancestors to her work. The mummy as a representation of “Archaeology” and “The Past”, related to fear, fascination and terror alike in Western Cultures, is being translated into an accusation of the disappearance and the robbery of the ancestors. Culturally, the perception of mummies can be very complex and varied; in this Andean case the mummies represent aspects of the perceived positivity of the prehispanic past, too: the Indigenous, the Old, The Pure, the Past, the Aboriginal and Natural, in some sense even “The Good”. The equalization of mummies with the prehispanic past associates this period before the arrival of the Spaniards with rather positive ways of thought, relating with ideas of “the natural ancient times” and the balance between nature and human being regarding the exploitation of resources in these culturally perceived “Past times”.

At the same time, the open belly oft he mummy exemplifies everything about the dramatic process of European colonization and the processes of transformation associated with it. There is a gap between the prehispanic and the colonial time and this gap divides the whole Andean society. The transformation of the own (now called “indigenous”) identity and the conflict with newly introduced cultural values is being portrayed in the bodies of the mummies ripped open, the cultural gap visualized by the robbed prehispanic golden goods flowing out of their bellies.

I am very glad to have met Nancy Torres personally and it turned out that her motivation for these works had been the quest for identity, translated into the ideas of conceptual art. Although we parted from very different points we reached the same interpretative essence: the mummies are a bridge to the past, taking up the theme of ancestors, showing cultural roots and symbolizing at the same time our multilayered ideas on the Past, the encounters of cultures and on dominance and colonization. Our multilayered ideas are being visualized in the mummies, whose various layers of fabrics, objects, masks and bones offer new details every time you look at them. The persons in the mummy bundles are only partially visible, showing parts of bone and skull. The rest is being hidden by textiles, masks, objects. Objects that superpose the identity of the person behind them. Object that have been placed and are still being placed  in the bundles by ourselves, their descendants.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

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Online gratis weiterbilden als Archäologin? Learning online as an archaeologist?

Heute: Online-Kurse für Archäologen. Auf Deutsch und auf Englisch (siehe unten), da dieser Blogeintrag auch auf für die englisch sprechenden Teilnehmer von “Archaeology´s Dirty Little Secrets” zur Verfügung stehen soll.

Today: Online courses for archaeologists. In German and in English (see below), because this blog entry will be also (hopefully) seen and read by english speaking participants of “Archaeoloy´s Dirty Little Secrets”. Be welcome! For the English version, please scroll to the photo my intent of “Akkadian writing” – below it you will find the text in English.

Coursera habe ich vor einigen Monaten zufällig entdeckt, auf der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten. Da mein Urlaub beschränkt ist und meine Arbeit in einer nicht-archäologischen Vollzeitanstellung permanent mit meinen archäologischen Plänen kollidiert, ist eine Onlineweiterbildung als Ergänzung zu den “direkten” Vor-Ort-Weiterbildungen vielleicht gar nicht schlecht.

Coursera bietet als einer der führenden englischsprachigen Onlineanbieter kostenlose online-Kurse und um es einmal auszuprobieren und der Möglichkeit des Online-Studierens (MOOC) eine Chance zu geben, habe ich mich eingeschrieben. Unter anderem: für den Kurs “Archaeology’s dirty little secrets”, gegeben von Prof. Sue Alcock von der Brown University, USA (auf der Website des Joukowsky-Institutes gibts auch den Link zum Joukowsky-Journal, der noch einmal den Kurs von Prof. Alcock beschreibt) .
Meine Idee war, durch die Belegung eines Archäologiekurses in etwa sehen können zu können, auf welchem Niveau die Kurse liegen, da ich ja als Archäologin mehr oder weniger weiß, wovon die Rede ist. Außerdem interessiert mich seit Längerem die Darstellung des Archäologen-Seins, und gerade der Titel lässt ja keine Wünsche offen: Geheimnisse, Dreck, Archäologen. Was möchte man mehr – es entspricht genau dem gängigen Klischee. Klischees, mit denen Prof. Alcock sofort im ersten Kurs aufräumt und auf eine ganz eigene, erfrischende Art loslegt mit “Archäologie für alle Interessierten”.

Von Kontexten über Datierung bis hin zum grossen Thema “Who owns the past” werden wir alle Facetten der Archäologie abdecken. In den letzten fünf Wochen haben die über 37.000 eingeschriebenen “Studenten” auf grundlegende, unterhaltende und sehr sehr engagierte Art verschiedene Grundthemen wie Chronologie, nicht invasive Forschungsmethoden und anderes abgedeckt, und in den Foren die zu jedem Kurs gehören, gibts natürlich viel viel Diskussion, zu allen möglichen Themen, nicht nur zu Fragen des Kurses. Sondern auch: wie sollte eine gute Ausstellung aussehen? Wer hat das Recht auf Funde? Was ist mit Tourismus. Was ist mit sozialer Archäologie? Die praktischen Übungen jede Woche geben die Möglichkeit, Dinge wie Keilschrift auszuprobieren, 3D-Programme kennenzulernen oder Aspekte zu recherchieren und zu überdenken, die ich schon länger einmal besser nachschauen wollte. Archäologie und Kunst? Archäologie und Fälschungen? Ich muss sagen, das ist wirklich spannend UND unterhaltend zugleich. Und ich bin jetzt schon neugierig auf die noch kommenden Wochen.

Und ich muss jetzt, nach vier Wochen, sagen: es ist eine wunderbare Möglichkeit, Wissen zu erweitern und neue Themenfelder zu erforschen. Viel hängt ab von der Darbietung der einzelnen Formate, die je nach Kurs von statischem Ablesen des Teleprompters bis hin zu solch abwechslungsreichen Kursen wie “Archaeologiy´s Dirty Little Secrets” reichen. Jeder Dozent erarbeitet sich sein eigenes Format. Jeder Kurs besteht aus 1 – 1 1/2 Stunden Videomaterial pro Woche plus ein abschließendes Wochenquiz. Je nach Kurs werden noch Lektüre oder Hausaufgaben notwendig. Natürlich MUSS man die nicht machen, zumal wenn man kein Abschlusszertifikat möchte, sondern es einem um die Kenntnisse an sich geht. Mit momentan drei belegten Kursen benötige ich etwa 5-6 Stunden wöchentlich dafür – das kann man auch mal neben der 40-Stunden-Woche schaffen. Die meisten Kurse werden von einem Abschlusszertifikat begleitet, einige sogar von einem kostenpflichtigen Sonderzertifikat, das die Identität des Onlinestudenten durch einige aufwändige Prozeduren noch einmal gesondert überprüft.

Logischerweise ist aber mein Probe-Onlinekurs zu Archäologie nicht unbedingt eine Weiterbildung für mich, sondern eher eben eine Unterhaltungssendung. Also habe ich zur Unterstützung meiner tatsächlichen Schwachstellen noch einige andere Dinge ausgewählt:

1) “Maps & the Geospatial Revolution“, ein Kurs zu GIS. Da ich bislang sehr wenig mit Karten und Vermessung gearbeitet habe, bzw. das meistens delegiere, ist es jetzt an der Zeit, eine ordentliche Einführung zum Thema GIS zu belegen um dann vielleicht in einer Echt-Weiterbildung dort anzuknüpfen.

2) “Free Speech”, um auf Kongressen etc. noch besser auftreten zu können und meine Funde besser zu präsentieren. Und , eine echte Herausforderung:
3) “R-Statistics”, um endlich einen großen Schwachpunkt auszubessern: Umgang mit Statistik. Hier wird es um einen ersten Zugang zum Arbeiten und Programmieren von R-Statistiken gehen. Ich bin sicher, dass mich das an diverse Grenzen bringen wird, denke aber auch dass ein Kurs viel bringen kann.

Generell sind gerade Kurse zu Statistik, Vermessung und neuen Medien sehr stark vertreten, sodass man dort Wissenslücken schließen kann. Ganz sicher werde ich also Onlinekurse weiterhin nutzen, gerade als Einführung oder Auffrischung von Kenntnissen. Neben einem Vollzeitjob und der fast fehlenden Möglichkeit, meine archäologische Arbeit weiterzuführen und zu verbessern, ist eine Onlineressource eine echte Alternative.

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I stumbled upon Coursera some months ago as I was looking for possibilities to get further education. As my vacations are limited and my work in a non-archaeological setting is colliding constantly with my ongoing archaeological investigation and publication, an online MOOC seemd to be a good possibility for advanced education, especially in combination with “real world” courses and workshops.

Coursera offers free online courses (MOOC) about a wide variety of themes and to take the chance and try it, I inscribed. Among other things, I suscribed to “Archaeology’s dirty little secrets”, given by Prof. Sue Alcock from Brown University, USA (at the Website of the Joukowsky-Institutes you will even find a link to the Joukowsky-Journal, which has dedicated its front story to the course of Prof. Alcock). My idea was to take a course about archaeology so that as an archaeologist would be able to glimpse an idea about a theme that I am knowledgable about and in that way to get an idea about the level that Coursera courses tend to have. Moreover, I have been interested for years in the presentation of “being an archaeologist” and the titel of the course left nothing to want: secrets, dirt, archaeologists. What more can you want – its so perfectly cliché! Clichés that Prof. Alcock gets done with in the very first class and begins in her very own lifely style to deliver “archaeology for everyone”.

Starting with context, going to datation and on to the big controversial themes of “Who owns the past“, we will cover all facettes of archaeological work. in the last 5 weeks over 37.000 students have been participating with a lot of emotion in basic themes like chronology, non invasive investigation and a lot of other things. The forums, that belong to every coursera course, cover even more areas of archaeological investigation and ethics, not only about technical course questions. Instead its about: how to make a good exposition in a museum? Who has the right to archaeological finds? Waht about tourism? What about social archaeology? There is a lot of discussion going on!
The practical assignments every week give the students the possibility to try things on their own, like the akkadian writing you see in the photo, but also about 3 D modelling or finding sites with google earth. And its more, because it gives also the opportunity to think and investigate about themes that I always wanted to know something more about. Archaeology and art? Archaeology and fakes? Its really interesting and entertaining and I am looking forward to the weeks to come.

After five weeks of lectures I have to say that this is a wonderful possibility to broad your scope of knowledge and to investigate new fields of learning. Much depends on how a class is being offered and there is everything between a course in which someone reading statically a text from a teleprompter up to such detailed and rich courses like “Archaeology´s dirty little secrets“. Every lecturer develops his/her own style of presentation, having between 60 and 90 minutes of video lectures every week. Aditionally, there will be a weekly quiz to take and additional reading and assignments. Obviously you don’t HAVE to do these, at least if you don´t want to get a final certificate but are after knowledge in general. Right now I am inscribed into three courses which means a workload of about 5-6 hours per week. And this is something that you can do even with a full time job and a family and child. Most courses offer a final certificate, some even offer a special “signature track” certificate which will cost something because there will be extra research being done on your actual identity.

Obviously, a course on archaeology is not really something which will expand my actual knowledge, but is something more “entertaining” in my case. Entertaining and inspiring. Very inspiring. But to cover some of my real professional weakneses I have inscribed into other courses:
1) “Maps & geospatial revolution“, a course about GIS. I have never worked with maps or just in a very limited way, I could always delegate this work about maps. So now its time to get a real introduction to GIS and to build the bases on which to take a real life educational course.

2) Free Speech, so I will be able to communicate my results and aims even better then now. Congresses, workshops and intercultural communication are always coming up in my job so formulating my ideas consequently and persuavivly is of uttermost importance. And, as a real challenge, there is
3) “R- statistics”. I have a real weakness when it comes to statistics and I have to admit that it is absolutely necessary to get better in this. So there will be an introduction into statistics, even some programming and working. This will surely be something which will get me to my limits but I am eager to have a try. At least one.

So generally, at Coursera there are several opportunities to get on with archaeological learning. Surely, there is much about statistics and GIS, but also about new media and soft skills. In the end, I think I will be using online courses to fill in gaps of knowledge, put a basis on relevant themes or to refresh memories. With a full time job and a family this is a very fascinating opportunity to get on with my archaeological work, to learn more in my free time and to better my skills. For me it´s a real alternative!

If you like: check out what Lois Elden thinks about Archaeology´s Dirty Little Secrets at her blog!


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Die Würde des Menschen ist unantastbar: Museo de Arqueología de Alta Montaña in Salta, Argentinien

Mumien? In der Ausstellung? Also, mal ganz auf den Punkt gebracht: tote Menschen? Die Meinungen und Publikationen zu diesem Thema sind Legion und reichen von: “Egal, die sind eh tot” bis zur ethisch korrekten Bemühung, Mumien – wenn überhaupt – korrekt und respektvoll auszustellen. Das Thema ist höchst emotional und treibt Menschen immer wieder auf Barrikaden. Momentan sichtbar für mich gerade in einem Diskussionsforum auf der Onlineplattform Coursera. Dort habe ich einen Kurs zur Archäologie belegt, um mir das mal anzuschauen, andere Leute und Meinungen zu finden und mehr über das große Thema Online-Lernen zu erfahren (mehr dazu bald hier!) und siehe da: gleich mehrere Forendiskussionen der mehreren hundert Kursteilnehmer aus der ganzen Welt drehen sich um diese Themen. Es scheint ein Thema zu sein, das uns persönlich berührt, selbst wenn wir keine eigene (genetische oder kulturelle) Beziehung zu diesen Toten haben.

In den Anden ist die Debatte um den ethisch korrekten Umgang mit Mumienfunden seit einigen Jahren nochmal extra aktuell. Um genau zu sein: seit dem Fund von Juanita, der “Inkamumie aus dem Eis“, deren “Begutachtung” durch die Clintons als Internetvideo damals um die Welt ging.

Abgesehen wie man zum Besteigen von Bergen steht, die für einige lokale Bevölkerungsgruppen heiligen Charakter haben, und egal was man von der Ausgrabung dort befindlicher Mumien hält, im Falle der 1999 durch Johann Reinhard drei zusammen gefundenen Kindermumien auf dem Gipfel des Llullaillaco (6.700 M.ü.M.) in Argentinien hat man sich im Nachhinein ernsthafte Gedanken darüber gemacht, wie man sie einem breiten interessierten Publikum zugänglich machen kann, ohne ihre Würde zu beschädigen, denn schon der Fund war hoch kontrovers. Ebenso wie die Aussagen, die Reinhard später im Interview über den Fund machte. Ist es okay, die Mumien aus ihrem Eis zu “befreien”? Was bedeutet überhaupt “befreien” in diesem Kontext, wenn der Berggipfel für die umliegenden Comunidades immer noch als heilig gilt? War es überhaupt in Ordnung, diese Mumien zu “befreien” oder entspricht das nur unserem europäischen und nordamerikanischen Wissenschafts- und Kulturverständnis? War es in Ordnung, sie per Hand aus einem Loch “zu ziehen”, wie es Reinhard selbst formulierte? Viele, sehr emotionale Fragen.

Im Laufe der Geschichte sind die Berge der Anden als Sitz und gleichzeitig “Körper” der Vorfahren angesehen worden, auch wenn dieses Konzept sich laut neueren Forschungen im Laufe der Zeit unter verschiedenen kulturellen Einflüssen und Repressionen immer wieder gewandelt haben dürfte (zusammenfassend und frisch gedruckt: Gose “Invaders as Ancestors. On the intercultural making and unmaking of Spanish Colonialism in the Andes”). Und auch heute spielen diese Gefühle und Vorstellungen eine große Rolle im kulturellen Selbstbild der dort wohnenden Bevölkerung. Die gesamte Debatte um die mediale Vermarktung, Aneignung, politische und ethnische Nutzung der drei Mumien wurde durch Christian Vitry, einen der führenden argentinischen Archäologen in Bezug auf die Inkazeit und Hochandine Archäologie, in diesem Artikel auf spanisch (und unter Zuhilfenahme wunderbarer Fotos!) zusammengefasst. Für die nicht spanisch Sprechenden hier die beiden Hauptfragen zum Thema Rückerstattung der Mumien an die “comunidades originarias” (“originale Gemeinschaften”, im Andenraum ein generischer Begriff für die mehrheitlich indianische Bevölkerung). Die Fragen lauten:

Erstens: Rückerstattung an wen genau? An die heutigen Dorfgemeinschaften? An bestimmte heute definierte “Ethnien”? Inwieweit können die sich auf 500 Jahre oder mehr zurückliegende Verbindung berufen?

Und zweitens: Rückerstattung wohin? Sollen die Mumien wieder bestattet werden? Sollen sie in ein lokales Museum? Und welche Sicherheiten bietet dieses?

All diese Fragen sind ja seit den 90er Jahren und der Veröffentlichung des Native American Graves and Repatriation Act (NAGPRA) Teil einer großen Debatte in den USA und mittlerweile eben auch in Südamerika. Denn die Wiedererstarkung ethnischer Gruppen und die Suche nach der eigenen Identität verstärkt über die Archäologie führte auch hier zu größeren Problemen und Diskussionen.

Habitat_du_Chinchilla_brevicaudata_-_LllullaillacoVolcan Llullaillaco.

Und die Aufnahme und Betrachtung dieser Fragen ist das Anliegen des Museo de Arqueologia de Alta Montaña (MAAM) in der Provinzhauptstadt Salta, wohin die Mumien nach ihrem Fund von 1999 verbracht wurden (auch das ein höchst kontroverses Thema).

Das Museo de Arqueologia de Alta Montaña (MAAM) in Salta, Argentinien, ist seit seiner Einweihung im Jahr 2004 (hier der Link bereits zur Kritik an der GRÜNDUNG des Museums!) meiner Meinung nach eins der besten Museen die ich kenne. Mit einigem am Geld wurde hier direkt im Stadtzentrum von Salta, einer Provinzhauptsstadt in Argentinien, ein Museum eingerichtet, dass sowohl die Mumien als auch ihren gesamten Fundkontext und viel viel Information zum Thema Gebirgs-Archäologie und ihren ethischen Implikationen präsentiert. Alles ist auch auf der Website des Museum einsehbar, inklusive mehrerer Videos. Schaut man sich die Bewertungen im Internet an, handelt es sich um ein hochgelobtes Haus und ich kann nur sagen: es ist wahr.

Ich besuchte das Museum bereits im Jahr 2006 und war sehr beeindruckt von der Durchdachtheit des Konzepts. Das gesamte Museum war darauf ausgerichtet, den Besucher sowohl zu informieren und gleichzeitig an vielen verschiedenen Stellen darauf hinzuweisen, dass RESPEKT eine der Tugenden ist, mit dem man sich den Gipfeln der Anden, den lokalen Gemeinschaften die dort wohnen und den gefundenen Mumien nähern sollte. In diesem Sinne wurden z.B. bereits zu Beginn des Rundgangs Informationen dargestellt zum Fundkontext der Mumien, zur Position und Meinung der örtlichenGemeinschaften zum Fund und auch zu dessen Ausstellung und es wurden auch durchaus kritische Punkte formuliert. Große Fotografien zeigten in einem separaten Gang die drei gefundenen Mumien und wiesen darauf hin, dass sich damals zwei der drei noch in der Restauration befanden und nur eine der drei, die sogenannte “Doncella” ausgestellt sei.

Daraufhin gab es eine relativ große Ausstellung, die die Beigaben der drei Kinder zeigte, d.h. die Objekte, die man mit ihnen auf dem Gipfel des Llullaillaco gefunden hatte. Erst ganz am Ende gelangte man in einen separaten Raum, in dem man darauf hingewiesen wurde, dass im angrenzenden Bereich die Mumie der “Doncella” zu sehen sei. Hinweistafeln verwiesen wiederum darauf, dass dies mit Respekt geschehen solle und es für diejenigen, die die Mumie nicht sehen wollten, die Möglichkeit gäbe jetzt den Rundgang an anderer Stelle fortzusetzen. Ich betrat den Raum, in dem die Mumie selbst noch einmal durch einen textilen Vorhang vom Publikum getrennt war. Erst nachdem man auch noch diesen Raumteiler durchschirtten hatte, konnte man die Mumie tatsächlich sehen, die in einem auf Knopfdruck sanft erleuchteten Raum ausgestellt war.

Die gesamte Ausstellung udn das Konzept der Rücksichtnahme und des Respekts gegenüber den toten Menschen hat mich damals und bis heute sehr beeindruckt. Sicher können das viele nachvollziehen, die selber Knochen ausgegraben haben und sich diesen mit gemischten Gefühlen zwischen Respekt, Aufregung und wissenschaftlichem Interesse genähert haben. Mich hat der Fund von Menschen bei meinen Grabungen immer sehr bewegt und ich habe versucht, mich den Resten der Toten mit Bedacht und Respekt zu nähern. Diese spezielle Situation tritt natürlich auch in Museen ein, wenn sich Massen von Menschen den Resten der Toten nähern. Zum Einen ist das Konzept von Authentizität hier ganz wichtig, denn Nachbildungen sind natürlich etwas völlig anderes als ein Original. Stellt man aber authentische Mumien oder Knochen/Skelette aus, dann stellt sich für mich die Frage wie man hiermit umgehen soll. Das voyeuristische Betrachten von Knochen ohne einen Verweis auf gebotenen Respekt finde ich immer etwas unangenehm, obwohl diese Situation eher der Regelfall in vielen Museen ist. Gerade die Ausstellung von Skeletten im Fundkontext ist in den letzten Jahren zunehmend angeboten worden, sodass man sozusagen die “original” Fundsituation im Musem betrachten kann.

Hier ein Beispiel aus Frankreich:

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Das ist auch eine wunderbare Sache, ich denke aber, dass es nötig ist den Betrachter immer auch dezent darauf hinzuweisen, dass wir hier die Reste eines Menschen vor uns sehen, der einmal gelebt hat und gefühlt hat – und der unseren Respekt, auch Zurückhaltung verdient.

In diesem Sinne scheint mir das MAAM einen großartigen Weg gefunden zu haben, viele, wenn auch nicht alle, der beteiligten Gruppen auf einen Nenner zu bringen und einen gewissen Konsens herzustellen. Die respektvolle Ausstellung der Mumie, die sehr prominent platzierte Information zum kontroversen Thema “Wem gehören die Mumien und sollten sie überhaupt in diesem Museum sein” und das einfühlsame Umfeld in der Ausstellung waren für mich ein Beispiel dafür, wie ein modernes Museum mit toten Menschen umgehen kann ohne sie ihrer Würde zu berauben. Besucht das Museum online, oder noch viel besser: solltet ihr dort sein: GEHT HIN! Es gibt viel nachzudenken.