Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Citing: Publishing Archaeology: is archaeology relevant? Or is “relevance” irrelevant?

Ich möchte hier gerne einen Link einfügen zu einem Blogbeitrag von Michael Smith, Mesoamerikanistik mit Fokus auf vorspanischer Urbanität.

Sein Artikel: “Publishing Archaeology. Is archaeology relevant? Or is “relevance” irrelevant?” kam über einen Retweet auf meinen Twitteraccount und ich möchte ihn auch gerne hier einfügen.

Bitte, lesen, nachdenken, umdenken!

And in English: 

This link came to me from a retweet and its a blog post by Michael Smith, archaeologist with a special focus on mesoamericanic prehispanic urbanity and neighborhoods as well as communication with other sciences. Its so great that I would like to post it here as well!

Publishing Archaeology. Is archaeology relevant? Or is “relevance” irrelevant?”

Please read, think and think again!

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Twitter & Archäologie: eine Inspiration! / TWitter & Archaeology: an inspiration!

zu Beginn:

Ich bin immer wieder total erschlagen davon, was archäologie-mäßig bei Twitter stattfindet. Meine Twitter-Timeline  im Rahmen von Archäologie & Museen ist derart aktiv, und zwar deutsch – und englischsprachig, dass sie mich manchmal tatsächlich überfordert. Sie ist aktiver als meine “normale” Timeline mit Menschen, denen ich eher auf privater Ebene folge & gefolgt werde!

Obwohl die deutschen Archäologen im Netz je eher weniger präsent sind, zumindest wenn man es mit dem englisch-sprachigen Raum vergleicht, sind doch auf Twitter einige zu finden, wie etwa @PreinfalkFritz oder @juliabudka. Viele von ihnen teilen Artikel & Veranstaltungsankündigungen, aber auch private Fragen zur Arbeit oder Updates zu ihren Projekten. Das Vernetzen mit Kollegen, wie es hier von John Lowe  bei Can you dig it? dargestellt wird, findet auch statt, allerdings in einem geringeren Maße. Liegt das auch daran, dass momentan noch wenige deutsche Archäologen bei Twitter unterwegs sind? Möglich. Ich würde mir definitiv wünschen, dass auch mehr persönlicher Kontakt auftaucht.

Im Museumsbereich ist die Lage noch interessanter. Hier wird gewittert was das Zeug hält, sei es von Kongressen, #tweetups oder von der Arbeitsfront an sich. Blogeinträge werden angekündigt, besprochen, bewertet. Fotos fliegen hin & her (mein Favorit der letzten Wochen: #museumofselfies , auch zu sehen als Gruppe hier bei Tumblr !).

Hier zwei Beispiele zu #museumofselfies:

 

Was aber tatsächlich ein Knaller ist, ist die Relevanz die Twitter mittlerweile für meine eigene Arbeit hat. Über das Teilen kostenloser Artikel, habe ich nun schon mehrere Texte gefunden, die für meine Keramikanalysen & -interpretation absolut relevant sind. Das v.a. dank des spektakulären @OpenAccessArch , dessen Tweets immer wieder Open-Access-Artikel enthalten, Konferenzankündigen & Calls for Papers.

Auf der anderen Seite ist es so möglich, Konferenzen gerade im Museumswesen ziemlich gut live per Twitter mitzuerleben, und so zumindest eine Idee davon zu erhaschen, welche Themen gerade aktuell sind & wie die Diskussionen laufen. Letztes Beispiel hier war etwa der Hashtag #museumbabel der gleichnamigen Konferenz des Senckenberg-Museums in Frankfurt/Main. Das ist für mich eine wunderbare Möglichkeit dabeizusein, obwohl weder mein Job noch meine Zeit es zulassen, soviel Konferenzen zu besuchen wie ich möchte!

Twitter ist also so etwas wie mein persönliches Information-Update für jeden Tag. Zwar gibt es neue Kontakte und neue Ideen, aber hauptsächlich bleibt es doch bei der Informationsbeschaffung. Ich meine das gar nicht negativ, denn was hier stattfindet, lässt mich trotz einer momentanen Arbeit außerhalb der Archäologie dabei bleiben, zuhören, mitmachen. Relevanz von Twitter fürs Arbeitsleben? Definitiv! Und es ist eine Inspiration!

ENGLISH VERSION

To start with: The TRUTH ON STONEHENGE!

Over and over again I have been overwhelmed by the archaeological activities on Twitter. My TimeLine on archaeology & museums is even more active than the private one I maintain on the side! Posts in English & German keep coming in at all times of the day and in a quantity that is simply overburdening my capacities.

Although German archaeologists are rather under-represented at Twitter and the net in general, especially when comparing with the English speaking world, there are some of them on Twitter. Many of them are sharing articles & data on conferences, but also private opinions about their work and projects. Networking with colleagues as has been described by John Lowe on can you dig it? has been rather sparse until now in my case but it has occurred occasionally. It seems that the German archaeological sphere still relies heavily on personal contact than on virtual presentations. So my Twitter network is mainly British…

In the museum area, things are even more agile. Twitter is constantly used, be it at congresses, with #tweetups from museums or directly from work. Blog posts are being announced, shared and commented, pictures get viral (my personal favorite has been #museumofselfies that can be found on tumblr as well!)

 

But was has come as a real surprise to me has been the relevance Twitter has acquired for my own work. The sharing of open access articles has led to the discovery of various texts that have proved more than relevant for my ceramic analysis and interpretation. That’s mainly due to the spectacular @OpenAccessArch but also thanks to a lot of like minded people out there that are sharing their own work.

On the other hand it has been possible for me to follow conferences, especially in the museum sphere, on Twitter. This allows me to get a glimpse of the current main themes and discussions even when its impossible for me to attend the conferences!

This way, twitter has become something like my personal information update on archaeology and museology every day. There are new contacts and new ideas and overall: new information for me to use and consider. That’s the best opportunity to stay tuned in a field I currently can´t give as much time to as I would like. So, is twitter relevant for my working life? Definitely! And its an inspiration!


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INKA: Könige der Anden im Lindenmuseum Stuttgart. /INCA: Kings of the Andes at Lindenmuseum, Stuttgart.

INKA Könige der Andes Sprache der Dinge blog

INKA Könige der Andes Sprache der Dinge blog

Zugegeben, die Ausstellung “INKA – Könige der Anden” in Stuttgart endete am 15.3.2014 – jetzt ist schon äääähh….. Oktober 2014. Woran man sieht wielange Dinge manchmal im Blog liegenbleiben, aus Zeitmangel. Trotzdem möchte ich diese Ausstellung noch einmal besprechen. Erstens ist sie bis zum November 2014 noch in Rosenheim zu sehen und zweitens kamen da bei mir einige Gedanken auf, die ich hier dann doch noch teilen möchte.

Beworben wurde diese Ausstellung als “einmalig”, “die größte in Europa“, sie war eine Landesausstellung des Landes Baden-Württemberg und entstammte dem renommierten Lindenmuseum. Und da das Thema tatsächlich mein Thema ist, war klar, dass ich sie sehen wollte. Und als allererstes fand ich dazu den Kuratoren-Ausstellungstrailer auf Youtube. Ganz sicher bin ich dem Thema Inka persönlich involviert und nicht ganz objektiv, aber im Großen und Ganzen liegt mir einfach am Herzen dass man vermittelt warum Archäologie gesellschaftliche Relevanz besitzt. Warum so eine riesige (aka: auch teure) Ausstellung gesellschaftlich Sinn macht, mal ganz abgesehen von der Schönheit der Objekte und dem Abenteuerfaktor Archäologie.

Der Kuratorentrailer bot vor allem eins: Die Indiana-Jonesierung der Archäologie. Man sei “in die Magazine hinabgestiegen und habe dort staubige Kisten gefunden“. In denen hätte man “unglaubliche Objekte entdeckt”, die man nun in der Ausstellung sehen kann. Undsoweiter. Aha. Ich verstehe die Faszination der Objekte im Depot. Auch ich bekomme zugegebenermaßen schwitzige Hände wenn ich mit archäologischen Objekten arbeite – einfach vor positiver Aufregung. Es ist also durchaus schön, dass man da Objekte entdecken kann – aber welche Bedeutung haben die Objekte denn für uns heute? Was zeigen sie uns, wie verbinden sie uns und die Inka miteinander?
Die Inka waren einer der größten “Staaten” auf amerikanischem Boden vor der Ankunft der Spanier. Ihre durchaus als kolonialistisch zu bezeichnende Eroberungspolitik führte bei den unterworfenen Gruppen zu ganz unterschiedlichen Reaktionen, von Gewalt und Gegengewalt inklusive kompletter Umsiedlung ethnischer Gruppen und Ausrottung, bis zur Aneigung inkaischer Kultur als Ausdruck der Anpassung und, besonders spannend, die Aneignung bestimmter inkaischerKulturelemente zur Verfolgung eigener Gruppeninteressen unter und NACH der inkaischen Herrschaft – also schon zur Zeit der spanischen Eroberung und daran anschließend auch der spanischen Herrschaft. Die Inka und ihr Dunstkreis bieten also reichlich Anknüpfungspunkte für sehr moderne, globalisierte Konzepte und Ideen in unserer eigenen Gesellschaft. Um die ging es jedoch weder in dem Trailer noch in der Ausstellung. Der Titel ist Programm, denn “Könige der Anden” könnte auch anders sein, wenn der Fokus der Austellung anders wäre. “Die andinen Kolonisatoren” etwa, oder: “Heimat & Provinz” oder was auch immer. Aber Könige bedeutet eben auch: Herrschaft. Elite. Und elitäre Objekte – und genau das gibts ja dann auch zu sehen.

Denn die Ausstellung präsentiert hauptsächlich einen schön gemachten, mit wunderbaren Objekten ausgestatteten Überblick über die Kultur der Inka: wo kamen sie her, wie lebten sie, wie eroberten sie andere Gebiete, wie starben sie. Gold, Textilien, Keramik, Bilder. Schöne Fotos andiner Landschaften. Aha-Effekte wenn man lernt dass die Kartoffel aus den Anden stammt. Wer Ausstellungen besucht, vergleicht sich ja oft unwillkürlich mit den dargestellten Gruppen oder Objekten. Vor allem Dinge der Alltagskultur führen automatisch zu Vergleichen. “Die waren weiter entwickelt als andere in Brasilien, die Inka!” oder, bei Mumienbündeln:  “Da sind doch Tote drin! Wir tun unsre einfach in die Erde und die konservieren die!” – so in diesem Sinne waren etwa Kommentare in der Ausstellung.Für Kinder gab es einen kleinen Raum zum Spielen und ansonsten vieles zum Staunen: die Nachbildung einer Inka-Mumie auf einer Sänfte etwa. Und viel viel Gold. Wie man sich das eben so vorstellt, so spektakulär und hübsch …. so war es dann auch. Keine Überraschungen, es sei denn man zählt Schönheit als Überraschung.

Über Synkretismus, Aneignung, politische Nutzung von Objekten ging es nur im letzten Teil, in dem die spanische Kolonialisierung im Vordergrund stand. Wie brachte die Gruppe der Inka als Ethnie sich hier ein? Welche Konflikte entstanden? Wie wurden diese materiell umgesetzt und dargestellt? Diese Themen hätte ich mir definitiv auch für die vorspanische Zeit gewünscht denn hier wirkt es als wäre das eine Sache die erst bei Ankunft der Europäer auftritt. Aber auch die Zeit vor den Spaniern war geprägt von der Verhandlung von Machtstrukturen und Synkretismus. Und: das sind Themen die uns heute in unserer globalisierten Welt absolut betreffen. So wie es war, blieb die große Konfliktivität und Aktualität inkaischer Kultur auf der Strecke. Konfliktivität, die sich (wie etwa in den Videofilmchen am Ende der Ausstellung sichtbar) bis in die öffentliche Perzeption der Andenstaaten heute durchzieht, eine unglaubliche Aktualität!

Ganz am Ende, kurz vor dem Verlassen der Ausstellung, da gab es auch so etwas wie Relevanz: nämlich was die Inka den Menschen in den Anden heute bedeuten. Als Vorfahren, als Erbe, als Name, als Kultur. Da war alles dabei, vom Landarbeiter bis zur deutschen Restaurantbesitzerin. Ein ganzes Spektrum von Meinungen. Als Filmformat dargeboten, zog es unglaublich viele Besucher in den Bann, man saß endlos auf Bänken. Und schaute den Kurzinterviews zu. Hier schien auf was wirklich die Bedeutung der Inka ist: nämlich ihr Name heute. Was verbinden die Menschen damit, wer identifiziert sich hiermit und warum? Die Inka sind etwas wie die “Vorfahren” der Peruaner von heuet geworden, zumindest im öffentlichen Bewusstsein. Aus genau dem gleichen Grund identifizieren sich etwa Bolivianer gerade NICHT mit den Inka sondern anderen vorspanischen Gruppierungen und verstehen die Inka häufig als eine Art frühe Kolonisatoren ihres heutigen Nationalstaates. Diese Art ganz konkreter Bedeutungen von Geschichte in der heutigen Zeit fehlen jedoch in der wunderschönen Ausstellung. Dabei wäre doch gerade das ein spannender, auf uns bezogener Aspekt: wie wirkt denn Geschichte auf uns? Ws ziehen wir darum wie instrumentalisieren wir sie? Und nicht nur die “anderen”?

Aber die Aktualität des Themas “Inka” wurde bis auf die Kurzfilme nicht angesprochen. Das europäische Publikum erfährt hier Schönes, Spektakuläres, Informatives. Aber keine

Konflikte. Das ist auch bequem, und hübsch – und sehr sehr schade.

Literaturvorschläge:

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.

 

1b Pacajes

 

 

 

 

 

 

ENGLISH VERSION

Okay, I admit that the exhibition „INCA – Kings of the Andes“ finished in march 2014 in Stuttgart, and now its already….. hm…. Well, October 2014. That shows how long some things stay in this blog without being published. But I would like to write about it, anyway. Because the exhibition can still be seen at Rosenheim until November 2014 and because it stirred thought that I have been harboring for some time, and I would like to share them, even after 7 months waiting to publish them.

The exhibition was marketed as “unique”, the “biggest in Europe” and it was an exhibition on a federal basis, meaning that it had an official impact. Hosted by the famous Lindenmuseum Stuttgart, “INCA” affected my very own investigations. This was MY topic and I was eager to see it. The first thing I found on the web concerning the exhibition was a trailer on YouTube, presenting an interview with the curators of the exhibition. And to be frank: I am NOT being objective on this exhibition because I am so involved in this subject of investigation that I just cant stay on the objective side. And by and large there are issues about archaeology that are important to me and these concern mainly the social relevance of archaeology. And why an enormous (and this means: costly, too) exhibition should focus on relevance as well, and not only on the beauty of the objects it presents and the “adventure of Archaeology”.

The trailer offered one thing, mainly: Archaeology as Indiana Jones. There are sentences like: “we went down to the depots and discovered dusty boxes”. In them, there were “found incredible objects” that can now be seen in the exhibition. Well. Aha. OK. I fully understand the fascination of objects ion the depot. And I admit of getting sweaty hands when working with archaeological objects because I am so excited to do this work. So, it´s great that you can “discover” objects there – but what´s the meaning of these objects for todays life? I mean: when you strip away the scientific or artistic fascination about them??? What do they tell us about the Inca and about ourselves?

The Inca were one of the biggest states on American soil before the arrival of the Spaniards. Their politics of expansion and the colonialist behavior caused very different reactions in the conquered regions, that ranged between violence, counter-violence and the extinction and re-settlement of whole ethnic groups and the appropriation of Inca culture as a means of adaptation. One of the most fascinating chapters of incaic colonization was the use of incaic material cultural elements by local groups in order to pursue their OWN agenda, participating in structures of power through the adoption of certain incaic elements during and AFTER the Inca rule, when Spanish colonization was a major threat to previous pre-Hispanic order. But this was no issue in the trailer nor in the exhibition. The title “INCA – kings of the Andes” shows what this is about, even when it could have been something completely different. What about: “Andean colonisators”? Or: “Home & Province”? But „Kings“ mean: Rulers. Elite. And: elitist obejcts, and of these there was plenty.

Because the exhibition shows mainly a wonderful, beautiful overview of Inca development and culture: Where did they come from, who were they, how did they live, how did they die, what did they conquer? Gold, textiles, ceramics, pictures. Wonderful photos of Andean landscapes. If one visits an exhibition, you often compare objects to your own culture, mainly if they touch themes of everyday culture. So these were some of the commentaries I heard at the exhibition: “They were so much superior to these Brazilian stuff, these Inca!” or, on mummies: “Oh look! They stuffed their dead in there! We put them into the earth and they preserved them!”. For children there was room to play and many objects to marvel on: mummy replicas, and gold gold gold… just as you imagine the Inca Empire – that´s how it was presented. No questions, no surprises; if you don’t count beauty as a surprise.

There was nothing to learn about syncretism, the appropriation or political use of objects. Only in the last section of the exhibition, when it came to the Spanish conquest, syncretism came along. Great, but: it seems that this is something that only went on with the encounter of Europeans and South Americans. And that’s just not true, because the negotiation of power structures was as pre-Hispanic as anything. So, I would have LOVED to see these issues included into the ore-Hispanic sections! And these are issues that border on our own globalized world as well! Inca culture in all its regional aspects is so very very up-to-date! But that’s no issue here. Conflictivity as seen on some videos at the end of the exposition, its so incredibly present until today!

Right on the end, before leaving the exposition, there was something like relevance: videos presented the views of todays residents of the Andes on the Inca. As ancestors, as heritage, as a name and as a culture. And there were many different people: from farm workers to German restaurateurs. A whole bunch of opinions! Offered as videos, it fascinated a lot of people, so everybody was seated on benches viewing these for some time. And that was the moment were relevance was almost palpable: the impact of the Inca today. What do people think about it today? What´s the relevance of Inca to them? Why do they identify with the Inca or why not? The Inca have always been perceived as something as the ancestors of todays Peruvians. And that is, f.e., the reason why Bolivians would NEVER see them as ancestors because they perceive the Inca as some early colonization of their current nation state. They see their ancestors in other prehispanic groups and use them as a political tool to explore their history and future. This tangible aspect of Inca culture TODAY would have deserved much more space in the exhibition. As it was, it was nice. But are these no relevant questions: what does history mean to us? Why do we use it, instrumentalize it? But that was no issue at „INCA“. The European public is not to be bothered with these complicated questions. The museum offered a beautiful, nice exhibtion. But please: no conflicts. That´s really nice – and really unfortunate.

Suggested reading for starters: 

Julien, C. & K. Nowack, 2007. Inka. Geschichte, Religion, Kultur. C.H. Beck Verlag.

Earle, R., 2007. The return of the Native. Indians & Myth-making in Spanish America (1810-1930). Duke University Press.

Malpass, M. & S. Alconini (Hrsg.), 2010. Distant provinces in the Inka Empire. Toward a deeper understanding of Inka Imperialism. University of Iowa Press.

Mendez, C., 1996. Incas Sí, Indios No: Notes on Peruvian Creole Nationalism and its contemporary crisis. Journal of Latin American Studies Vol. 28, No. 1, pp. 197-225.

 


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Stipendien suchen & finden: der Stifterverband und die Deutsche Altamerika-Stiftung / Searching for grants: Stifterverband and the Foundation for Ancient America

Die Promotion gedeiht so leise vor sich hin. Aufgrund verschiedener privater und beruflicher Verpflichtungen geht es eher im Tempo von Herrn zu Guttenberg, dessen berühmten Satz: “in mühevollster Kleinarbeit!” ich definitiv in Anspruch nehmen darf. Und im Rahmen dieser Arbeit wurde auch bald klar, dass ein Teil des Keramikmaterials, auf dem die Arbeit hauptsächlich basiert, noch einmal erweitert analysiert werden müsste.

Da ich vier Wochen Urlaub und das Kind Ferien hat, lag es nahe, diese Analyse wiederum am Aufbewahrungsort des Materials in Südamerika durchzuführen. Geht ja auch nicht anders. Da so eine Reise für 2 Personen, Unterkunft, Essen, und auch ein Gehalt für diese Arbeit teuer sind, schaute ich mich nach Stipendien hierfür um. Und fand zunächst das Deutsche Stiftungszentrum, dessen Homepage eine Art “Glocke” bildet, unter der sich viele kleinere Stiftungen vereinigt haben. Ichvermute mal: um Zeit & Kosten zu sparen und so effizienter zu arbeiten. Unter dem Dach des Stifterverbandes befindet sich auch eine kleinere Stiftung, die Altamerika-Stiftung, die sich meinem Orchideenfach, der Altamerikanistik, verschrieben hat. Obwohl ihre Informationen eher spärlich gehalten sind, habe ich beobachtet, dass sie etwa zu der Inka-Ausstellung in Stuttgart beigetragen haben und auch sonst sind sie recht aktiv.

Da der Stifterverband und die Stiftung selber vielerlei in offensichtlich kleinen Rahmen bearbeiten, ist der Kontakt hier nicht so schnell wie bei großen Organisationen wie etwa der Gerda-Henkel-Stiftung oder gar dem DAAD. Trotzdem hatte ich am Ende genügend, wenn auch recht generell gehaltenen Informationen um ein ca. 8-seitiges Projekt samt Kostenplan einreichen zu können. Flug- und Hotelkosten beruhten auf Angaben aus dem Internet, Verpflegungskosten auf täglichen Pauschalen. Auch Kinderbetreuung und ein Stipendium, also eine Art Gratifikation für meine eigene Arbeit, kamen hinein. Sollte man die Kinderbetreuung, überhaupt die Kosten für die Reise des Kindes abrechnen? Ich habe lange darüber nachgedacht und mich am Ende dafür entschieden. Ich arbeite seit über 10 Jahren in meinem Fach und glaube, es ist an der Zeit meine persönlichen Lebensumstände auch in Projekten nicht mehr zu verschweigen. Jeder von uns hat eigene Voraussetzungen: Single – oder nicht / Mutter – oder nicht / Festangestellt – oder nicht. Da ich mein Kind aus unterschiedlichsten Gründen mitnehmen muss, gibt es tatsächlich hohe Nebenkosten. Andererseits arbeite & publiziere ich auch mit Kind und Vollzeitjob und habe das Gefühl, alles was möglich ist auch in diese Promotion zu stecken. Dann sollte ich diese Lebensumstände auch berücksichtigen wenn ich ein Projekt einreiche.

Sollte man sich selbst ein Stipendium einschreiben, wenn man schon Flug, Essen und Unterkunft beantragt: ich denke ja. Allein aus Gründen der Ethik sollte Arbeit bezahlt werden – und zwar nicht über Kost & Logis. Meine mittlerweile hoch spezialisierte Arbeit, die ich auch immer wieder anderen zugänglich mache, darf auch honoriert werden. Also: auch ein Stipendium gehört dazu. Also reichte ich das Projekt dementsprechend ein und bekam tatsächlich, zwei Monate später – eine Zusage. Nun ging alles sehr schnell. Zusage per Email, offzieller Brief per Post. Formulare um das Geld anzufordern und abzurechnen. Und ein nun sehr schneller, persönlicher Kontakt mit den zuständigen Mitarbeiterinnen des Stifterverbandes. Vielen Dank nochmal, freundliche Mitarbeiterinnen!

Und ich werde nun im Hochsommer einen vierwöchigen Arbeitsaufenthalt im Museum antreten. Scherben, Scherben, Scherben! Ich freu mich! Endlich werde ich eine Teilanalyse durchführen können die dringend nötig ist und auf die ich mich schon lange vorbereite. Übrigens, und laut Stifitungsregeln: Gefördert von der Altamerika-Stiftung!

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ENGLISH VERSION

My Ph.D. is growing and prospering. Although I am advancing in a rather slowly fashion due to different personal and job-related reasons, well, yes, its growing. And in the course of this work, it became clear that some part of the ceramic material that forms the foundation of this Ph.D. has to be re-analyzed.

As I have a 4-week-vacation in summer and my child, too, will have its vacations, I thought about re-analyzing the material where it is currently stored: in South America. And because a journey for two people, hotel, accommodation and the like, as well as a salary for myself has its costs, I was looking for a grant for this trip. And found the Deutsches Stiftungszentrum (German Fund Centre, in my translation), which acts as a tool to work more efficiently and less costly for all these foundations. The home page is something like an umbrella for different small foundations, among them the Deutsche Altamerika Stiftung (German Foundation for Ancient America), whose goal is the aid for scientific projects concerned with the archaeology, history or anthropology of the Americas. Although their informations were somewhat sparse, I saw their sponsorship for the exhibition Inka in Stuttgart, March 2014 and got the impression that thea are actively promoting our field of study.

As the Stifterverband and the foundation itself are working on a rather small scale compared to the „big fish“ like the Foundation Gerda Henkel or the German Academic Exchange Service (DAAD), the communication with them was a bit slower. But in the end I got enough information to deliver and 8-page-paper on the project, including a cost budget. This included the costs of hotel and transportation (as got from the internet), and even the costs of child care and a salary (grant) for my own work that I will be delivering. I thought a long time about putting the costs of child care in the cost budget, and even the costs of the journey, accommodation etc. of the child. But in the end, I decided to do it. I am working for 10 years in my field of study, and in the meantime I came to believe that it is okay to include our personal conditions into a budget plan. Why should we hide these important details of our life, such as a child? And if there is no other option than to take a child with us when we are working, then it should be included in the budget!

And should there be a salary for myself, when transportation, hotel and the like are already covered? Yes, there should. Because my highly specialized work, that has been presented to other people as well, deserves a salary. So, this grant belongs to the budget plan as well.

I filed the project and, two months later – got a positive answer. I will be funded! From then on, everything went quite quick. The acceptance via email, the details via letter and the forms to get the money and the accounts. And a very personal contact with the ladies from the office (Thanks, Ladies!).

So, I will be in Latin America in summer, working for 4 weeks in a museum, analyzing sherds. That’s so great! At last, I will be able to do a partly analysis that is so important to me!

Oh, and by the way and according to the rules of the foundation: it will be funded by the Altamerika-Stiftung!

 

 

 


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“Mensch-Objekt-Jaguar”, im Humboldt-Lab / “Human-Object-Jaguar” at the Humboldt-Lab

Ganz im Gegensatz zum Museum der Dinge, in dem das DING an sich in der Vielzahl der Dinge verschwindet, widmet sich “Mensch-Objekt-Jaguar” von Sebastian Mejía & Andrea Scholz im Rahmen des Humboldt-Labs einem einzigen Objekt. Bereits im Oktober versuchte ich diese Ausstellung im Museum zu lokaliseren – es gelang mir nicht. Im Rahmen des bereits angesprochenen Weiterbildungsmoduls “Vermitteln und Kuratieren” stand sie jedoch WIEDER auf der Liste. Und tatsächlich: da war es. “Mensch-Objekt-Jaguar“, ganz versteckt in einem Kellerraum der Südseeabteilung des Ethnologischen Museums. Nicht nur mir, auch den meisten anderen* ging es so, dass diese Ausstellung selbst für Kenner des Ethnologischen Museums trotz Flyer und “Beschreibung” kaum auffindbar war. WENN man sie aber findet, dann: geschieht etwas Großartiges. Doch ich beginne mal von vorne.

Mensch-Objekt-Jaguar” befindet sich wie gesagt in einem über eine kleine Holztreppe zugänglichen Kellerraum innerhalb der Südsee-Ausstellung. Man tritt von einem Objekt-geladenen, fast überladenen Ambiente riesiger Vitrinen über eine Treppe hinab. Bereits oben wird man, wenn es sehr leise ist, von Geräuschen empfangen, die nicht ganz zuordbar sind: Kreischen? Regen? Knurren? Eine unklare Geräuschkulisse. Traut man sich die Treppe hinunter, erblickt man sich plötzlich selbst: projiziert an die weiße Wand gegenüber der Treppe, aufgenommen von einer versteckten Kamera. In Echtzeit sieht man sich völlig unerwarterweise selber zu, wie man die Treppen hinunterschreitet. Ein Übergang von Oben nach Unten.

Unten dann: Konfrontation mit einem Muster auf einer weißen Wand: leicht verwaschen, gräulich, irgendwie – fremdländisch. Tritt man nach rechts (wie wir es alle unbewussterweise taten) steht man plötzlich in einem fast leeren Raum, nur auf der Wand stehen wiederum in verwaschenen, leicht unscharfen Buchstaben Zitate über den Jaguar, über eine Gesellschaft Amazoniens. Und ganz hinten dann ein Tisch mit Papieren. Der Raum an sich wird durch die Treppe dominiert, unter der ein Objekt steht, fast verborgen hinter Plexiglas-Aufbauten: ein Schemel, der schemenhaft wie ein Jaguar wirkt. Ihm gegenüber, wiederum, ein Auszug auf die Wand geschrieben, der beschreibt, wie jemand (der Sammler und Käufer?) dieses Objekt während seiner Südamerikareise Anfang des 20. Jahrhunderts in einem amazonischen Dorf fand. Und wie er dort erlebte, wie der Schamane sich in einen Jaguar verwandelte.

Plötzlich erscheint eine weitere Projizierung an der Wand: ein riesiges Auge. Warum? Jemand anderes schaut gerade dem Jaguar an der Wand ins Auge – und erscheint wiederum als Projektion. Die gesamte Ausstellung wird jedoch nicht durch Projektionen dominiert, sondern durch weiße Räume, geschaffen durch Textiliien, die durch den Raum gespannt sind. Sie kreieren eigene Unter-Räume, völlig frei von Objekten. Nur ein Tuch wird durchbohrt von einem Pfeil. Und wiederum an der Wand: ein Jaguar. Ebenso verwaschen wie die anderen Zitate.

Überhaupt: hier wirkt alles wie von einer anderen Welt. Kein sofort sichtbares Objekt, verwaschene Buchstaben, extrem kurze Zitate, scheinbar willkürlich auf die Wände verteilt. Die Projektionen und die Objekt-Leere kreieren eine seltsame Objekt-Stille, einen Denk-Raum. Was geschieht hier? Setzt man sich an den Tisch zu den Papieren, wird man gebeten, die Perspektive zu wechseln und sich nach choreographischen Angaben durch den Raum zu bewegen. Wer die neuen Betrachtungsmöglichkeiten ausprobiert, changiert von einer “normalen” Ausstellungsbetrachtung hin zu völlig anderen: auf dem Boden, oder in steter Bewegung. Bleibt man trotzdem sitzen und betrachtet das einzige sichtbare Objekt, wird plötzlich klar: auf dem Schemel befinden sich Menschen, ein Jaguar – alles verwischt miteinander, ist hintereinander sichtbar durch Glas.

Es ist eine Ausstellung, die Zeit und Raum und Körpervorstellungen auflöst, in der sich die Ideen von Mensch und Tier in der Akustik, dem Sichtbaren vermischen, nicht mehr klar trennbar sind. Sie macht erfühlbar, was die kurzen Zitate an der Wand andeuten: zwischen Menschen und Tieren besteht eine fluide Verbindung. Auch die undeutlich aufgebrachten Texte, Muster, die Jaguarzeichnung bilden dies nach. hier gibt es keine scharfen Abgrenzungen zwischen dem Einen und dem Andere, alles ist im Fluss. Wer durch das Jaguarauge schaut – sieht die anderen wie es Jaguar täte. Wer von außen schaut, sieht den Anderen im Jaguarauge.

Das Objekt an sich, eigentlich ja Sinn und Zweck einer Ausstellung, verschwindet hinter seiner Bedeutung als Ausgangspunkt dieser möglichen Transformationen. Es ist an sich nur ganz klein, kaum sichtbar, nicht prominent. Eher ist es TEIL der anderen “Ausstellungsstücke”: der Tonspur, des Pfeiles. Wir selber “steigen” hinab, in eine andere Welt, die grüne Hölle. Wir werden Teil davon. Und erfahren, wenn wir uns darauf einlassen, etwas Ähnliches wie das was der Jaguarschemel repräsentiert: eine Transformation der Realität, des Denkens.

Auf jeden  Fall war diese eine der spannendsten, ungewöhnlichsten Ausstellungen die ich in den ätzten Jahren gesehen habe, und ein wunderbares Beispiel für die Innovationen des Humboldt Lab. GERNE WIEDER, liebes Humboldt-Lab!

*Diese Ausstellung durfte ich ansehen, erleben und analysieren mit: Gabriele Pabstmann, Gregor Ahlmann, Nicola Janusch.

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ENGLISH VERSION

Completely opposed to the Museum of Things that was “on stagelast week in this blog, and where the Thing in itself seems to disappear into the multitude of other objects that surround it, the exposition “Human – Object – Jaguar”, curated by Sebastian Mejía and Andrea Scholz during the 3rd session of the Humboldt Lab, is centered on a single solitary object. I have been trying to localize the exposition in October 2013 but couldn’t find it. During the course on “communicating & curating” this exhibition was again on schedule. And: there it was. “Human-Object-Jaguar”, tucked away in a cellar room right below the exposition on the South Seas. And it was not just me, having trouble to find this tiny room, even other participants who know the Ethnological Museum couldn’t localize it, despite the flyer and the provided description. But IF you find it, than something incredible happens. But let´s start at the beginning.

“Human – Object- Jaguar” has been located in a small cellar room right below the South Seas exhibition and is accessible only through a pair wooden stairs that lead down to the basement. From an object-laden and completely over-populated exhibition you step down. And even when you reach the stairs, surrounded by objects and objects presented in enormous cabinets, you can hear a faint sound. It’s blurred and nothing clear. It could be rain? Someone growling? Shrieking? When you decide to step down the stairs you will suddenly see yourself: projected on the blank wall opposite the stairs. You are being filmed without noticing it, you observe yourself stepping down the stairs in real-time. It´s so unexpected! An interface, a transition between “Up” and “Down”, “Above and “Below”.

When you get downstairs you will be confronted directly with a somewhat blurred geometrical pattern that has been painted or drawn on the wall. Its greyish, it seems to be – outlandish, foreign. If you step to the right (as we all unconsciously did) you will find yourself suddenly in a small empty space. Only the quotations on the wall, done in the same blurred fashion as the geometric pattern before, are visible. Quotations on the jaguar, about a society in Amazonia. And at the rear a table with papers. The room is dominated by the stairs, and under the stairs the main object is almost lost to view: a footstool that seems to have the shape of a jaguar. Its almost hidden behind glass installations that show the form of sitting humans and a jaguar. Opposite the foot stool, on the wall, another quotation. This one is about the acquisition of the object by a collector at the beginning of the 20th century, and he describes his experiences in an Amazonian village which included a shamanic procedure to cure the sick at the village. Somehow, the footstool seems to have been involved in it?!  Did the shaman become a jaguar?

Suddenly another projection appears on the wall: a gigantic eye is looking at the spectators. What happened??? Someone is looking the painted jaguar at the wall right in the eye – and the eye of this person is being projected on a screen. It seems all very confusing when you describe it, but somehow the exposition is not dominated by all these interactive features, but manages to have a simple, white appearance, a calm room full of sounds, divided by white curtains with only one other object present: a large arrow is piercing through one of the curtains. These curtains create multiple spaces, blank spaces where you may have different experiences. This exhibition appears to come from another world.

Almost no objects, blurred paintings, only short quotations placed seemingly random(?) at the walls. What is happening here? When you sit down at the small table there are different cards with choreographic instructions on how to experience the room: take another position, move your body in certain ways to get a new vision of the exhibition and its experiences. If you take part in this experiment, you will find yourself in positions that are no part of regular exhibitions: you may be sitting under stairs or flailing your arms widely in one of the white sub-spaces. Borders become blurred, as blurred as the paintings and quotations. As blurred as the silhouettes of the humans and the jaguar on the glasses above the foot stool. In this room, everything is overlapping, NOT clearly defined.

Its an exhibition about time and space that dissolves our perception on the limits of body and mind, the ideas on human and animal, blurring borders acoustically and visually. You can feel what the quotations on the walls suggest: there is a fluid connection between human and animals. And the texts, the patterns, the painting of the jaguar show this, too. There are no clear limits between one and the other, everything flows. The person who looks the jaguar in the eye is looking at the others like a jaguar would do. And who looks at the projection sees the other in the eye of the jaguar.

If you accept to try the forms of perception, changes between a “normal” view of an exhibition to something completely different: you find yourself on the floor, in constant movement. The object itself, normally the sole focus of an exposition, becomes a mere detail; it is almost lost behind its meaning as the source of all these possible transformations. This object is so small, almost invisible. Some of us didn’t even notice it below the glass silhouettes. Its like an integral part of the exhibition, like the arrow or the sounds. We are going downstairs to another world, the “green hell” of Amazonia. We become a part of this world and experience what the foot stool signifies: a transformation of reality, of thinking.

This exposition has been one of the most impressing ones I saw in the last years, and a wonderful expalme of the innovative ideas that are being presented at the Humboldt Lab. AS before, I am looking forward for the new experiments at Humboldt Lab!

*I visited, experienced and analyzed this exhibition together with: Gabriele Pabstmann, Gregor Ahlmann, Nicola Janusch.

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Kunst & Archäologie II: Mumienglanz. Ahnen, Kolonisierung & Raub. Art & Archaeology II: the brilliance of mummies. Ancestors, colonization and robbery.

In der peruanischen Botschaft in Berlin gab es vor einigen Monaten eine Ausstellung namens “Mumienglanz“. Das Plakat an der Tür glänzte derart golden, das es mich fast magisch anzog und da Mumien, Kunst und die künstlerische Vereinigung der Mumien mit all ihren komplexen Konzepten im Kontext heutiger Kunst mich interessierten, ging ich rein. Von der peruanischen und kubanischen Botschaft im Maria-Reiche-Saal der Botschaft ko-veranstaltet, ist die Künstlerin Nancy Torres Kubanerin, und die Ausstellungseröffnung wurde von der kubanischen Botschaft kurz kommuniziert.  “Mumienglanz” verbindet die unterliegenden Konzepte andiner Mumien mit der Ausraubung derselben durch die Spanier – ein Thema, mit dem die meisten Archäologen und Historiker der Region vertraut sind und das nicht nur ein kolonialzeitliches, sondern auch ein aktuelles Problem ist. Trotzdem dreht sich die Ausstellung nicht nur um diese recht nahe liegenden Punkte. Man kann vielmehr Parallelen ziehen zwischen der Ausraubung der Mumien, der vorspanischen Gräber und ihrer Beigaben im Allgemeinen und der kolonialen Ausraubung der gesamten Ressourcen der Anden und der andinen Bewohner im Allgemeinen. Wenn man zum Beispiel der Argumentation folgt, dass der Berg Potosí in den barocken Bilderkanen der Anden eine Darstellung der Jungfrau Maria und damit der (vereinfacht gesagt: Erdgöttin) Pachamama ist, könnte man auch den Bergbau und die immensen abtransportierten Silbermengen als den Raubbau an einem als menschlich empfundenen Körper hierein interpretieren. Diese Interpretation des Berges ist zwar nicht unumstritten aber doch weit verbreitet.

Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, ausgehend von den geleerten Mumien, Vergleiche ziehen zur Zerstörung des Glaubens an die Vorfahren selber, und den komplizierten und überaus komplexen Prozess der Aneignung, Überschreibung und Neu-Orientierung des Ahnenglaubens mit dem neuen, christlichen Glauben*. Eine Interpretation, die auch kurz in Irina Podgorny´s Katalogtext anklingt. Mumien sind in Südamerika und besonders den Anden seit dem Formativum (etwa Chinchorro, den ersten sesshaften Gesellschaften Chiles) verbreitet, ich selbst habe ja hier einmal über das Museo de Arqueologia de Alta Montaña  geschrieben*.

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Im Gegensatz zum ersten Teil von “Kunst & Archäologie”, der sich mit der Frage nach der sublimen strukturellen Typologisierung von Alltagsgegenständen beschäftigte und eine Brücke baute zwischen dem “Vergangenen” und dem “Heutigen”, geht es in Nancy Torres´ Ausstellung eher um eine politische Aussage, gebunden an vorspanische, also archäologische, Kontexte und Techniken. Laut der Künstlerin und ihren Katalogen arbeitet Frau Torres konkret mit archäologisch belegten Techniken und bindet dabei andine kulturelle Ideen zu Sterblichkeit und Vorfahren ein. Die Mumie als als Stellvertreter-Objekt par exellence für “Archäologie” und “Vergangenes”, verbunden auch mit Angst, Faszination und Terror v.a. in westlichen Kulturen, wird hier übersetzt in eine Anklage gegenüber dem Verschwinden und dem Ausrauben der Vorfahren. Kulturell ist die Wahrnehmung von Mumien sehr utnerschiedlich, in diesem Fall stehen Mumien auch stellvertretend für das Indigene, Alte, Vergangene, Ursprüngliche, auch in einem gewissem Sinne für das “Gute”. Die Gleichsetzung von Mumien mit der vorspanischen Zeit setzt diese Zeitspanne vor der Ankunft der spanischen Eroberer in ein eher positives Licht, und bezieht sich damit auf die Idee der mit dem “Damals” verbundenen “Natürlichkeit” und Ausgeglichenheit wenn es um die Ausbeutung von Rohstoffen geht. Gleichzeitig konzentriert die aufgerissene Mumie die ganze Dramatik des durch die Kolonisierung und den damit verbundehnen Transformationsprozess ausgelösten Risses durch die Zeit und die andine Gesellschaft. Die Transformation der eigenen (jetzt “indigen” genannten) Identität und der Konflikt mit den neu eingeführten kulturellen Werten lässt sich durch das Auf- und Herausreißen der Mumien gut visualisieren.
Ich durfte Nancy Torres persönlich kennenlernen und tatsächlich ist ihre Motivation für die Werke zunächst die Suche nach Identität, übersetzt in die Ideen der Konzeptkunst. Obwohl wir uns von ganz verschiedenen Seiten ihren Werken näherten, war der Ausdruck, die Essenz die Gleiche: die Mumien bilden eine Verbindung in die Vergangenheit, indem sie das Thema der Vorfahren aufgreifen, Wurzeln aufzeigen und symbolisieren und gleichzeitig unsere vielschichtigen Ideen über Vergangenheit, das Zusammentreffen von Kulturen und über Dominanz und Kolonialisierung thematisieren. Unsere Ideen, die genauso vielschichtig sind wie die Mumien, deren diverse Lagen aus Stoff, Objekten, Masken und Knochen immer wieder neue Details offenbaren je länger man sie anschaut. Die Personen in den Mumienbündeln sind nur teilweise sichtbar, nur Teile ihrer Knochen und Schädel. Der Rest ist verdeckt von Stoffen, Masken, Objekten. Dinge, die die Identität der Menschen in den Bündeln überlagern. Und Dinge, die von uns, ihren Nachfahren, dort deponiert wurden und werden.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

Alle Fotos: Nancy Torres.

Version en Español

La Embajada del Perú ofreció hace unos meses una exposición llamada „Brillo de Momias“ (“Mumienglanz” en Aleman). El afiche en la puerta brillaba tan dorado que no pude resistir y tuve que entrar. El tema de Momias, Arte y la conexión de ambos en una exposición de arte, contemplando todas las fascinantes facetas culturales e históricas me fascinaron. La exposición fue presentada por la Embajada de Cuba y del Peru, dando espacio a las obras de la artista cubana Nancy Torres en la sala Maria Reiche de la Embajada Peruana.

“Brillo de Momias” combina los conceptos de las momias andinas prehispánicas con el tema del robo de las mismas y su ajuar por parte de los españoles desde la conquista de los Andes en el año 1532.  Este es tambien un tema continuamente debatido entre arqueólogos e historiadores que trabajamos en los Andes, ya que este robo y tambien la veneración de los muertos (antropológicamente hablando: “Los Antiguos”) sigue siendo un tema muy presente en la región. Es especialmente el robo de las momias y sus ajuares que presenta un tema de mayor índole ya que este se trata hoy como un crimen, no solo religioso sino penal. Sin embargo, la exposición no tocaba esta continuidad del robo de las momias y sus ajuares en el pasado y hoy. Mas bien, las obras exploran las paralelas entre el robo de las momias y sus supuestas riquezas en el pasado y el robo, hoy llamado explotación, de los recursos naturales de los Andes y sus habitantes por parte de los Europeos desde el siglo XVI hasta hoy en día.

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Las momias sudamericanas y especialmente las andinas son un fenómeno de largo aliento, conocidos desde el formativo (las primeras sociedades sedentarias) en los Andes, p.e. en la cultura de Chinchorro del Norte de Chile. Las momias incaicas por el otro lado son un eterno tema de debate y de estudio, como mencioné hace unos meses en mi entrada sobre el Museo de Arqueologia de Alta Montaña en Salta, Argentina. En las creencias prehispanicas, el cuerpo momificado y venerado de los ancestros se vuelve parte del medio ambiente, se convierte en una parte del mundo que rodea a sus descendientes. La analogia entre el cuerpo humano y el medio ambiente se plasma en el objeto de la momia.

Para entender la sobreposicion de personajes miticos y detalles geograficos (que para el ojo europeo se considerarían como simples “objetos”) podriamos seguir p.e. la argumentación de entender el Cerro Rico de Potosi como representación de la Virgen Maria en los canones visuales baruecos. Esto lo relaciona a la vez con la representación de la Diosa Tierra, Pachamama, – esta interpretación del cerro es muy comun, aunque debatida – y abre la posibilidad de interpretar la explotación minera del cerro y sus vetas de plata como el robo a un cuerpo casi humano. Por el otro lado sería posible relacionar las momias vaciadas que vemos en la exposición, con la extirpación de las creencias prehispánicas en los antepasados y sus dioses en general, contemplando el proceso sumamente complejo de apropiación, sobreposición y re-orientación entre las creencias prehispánicas y las católicas*. Una interpretación que se discierne tambien por un momento en el catálogo de la exposición, escrito por Irina Podgorny.

Al contrario de la primera entrada en este blog acerca de “Arte & Arqueología” y que tocaba los temas de la tipologizacion sublime y estructural de objetos cotidianos, construyendo un puente entre “el Pasado” y “el Hoy”, el trabajo de Nancy Torres presenta mas bien un enunciado casi político, relacionado con contextos y técnicas prehispánicos y por lo tanto arqueológicos. Segun el catálogo Nancy Torres trabaja con técnicas arqueológicamente probadas e integra ideas culturales andinas acerca de ancestros y mortalidad. La momia como un objeto representante por excelencia que plasma “Arqueología” y el “Pasado”, tambien relacionado con miedo y terror, se traduce en sus obras como una acusación de la desaparición y el robo de los ancestros. La percepción de las momias responde a patrones culturales complejos, sin embargo en este caso se les entiende como como representantes de lo indigena, lo antiguo, lo pasado, lo “original”, en cierto sentido hasta lo “bueno” y “puro”. La equivocación de las momias con el tiempo prehispánico los relaciona tambien con una perecepción positiva de este momento histórico antes de la llegada de los europeos y los traduce a la supuesta “naturalidad” y el equilibrio entre los humanos y su medio ambiente – la momia se vuelve un simbolo de un “tiempo sin mal“. Al mismo tiempo el vientre fisurado y vaciado de las momias de Nancy Torres puede ser entendido como simbolo del desfase colonial con todo el drama implicado. Con el proceso de transformación cultural y la ruptura temporal y cultural en el tiempo y la sociedad andina. La transformación de la identidad propia (ahora llamada “indígena”) y el conflicto con los nuevos valores culturales se simboliza en el objeto de la momia con su vientre abierto, desgarrado y vacio.

Tuve el placer de conocer a Nancy Torres personalmente y resultaba que su motivacion para sus obras es la busqueda de las raices de la identidad – latinoamericana si se lo puede llamar asi, entendiendo a las momias como un simbolo primordial de lo indigena, del pasado “originario”. Ella transforma la busqueda por las identidadas compartidas  usando las ideas del arte conceptual y aunque  nos acercamos a sus obras de puntos de partida muy diferentes, resultó que llegabamos a una esencia comun en la interpretacion de las mismas: las momias sirven como puente hacia el pasado, integrando el tema de los antepasados, simbolizando las raices comunes y al mismo tiempo identificando nuestras ideas multiples sobre el pasado, el enceuntro de diferentes culturas y sobre dominancia y colonizacion. Nuestra ideas que son tan multiples y complejas como las diferentes capas de las momias cuyas capas de telas, objetos, mascaras y huesos dejan ver cada vez nuevos detalles, cuanto mas se los mira. Las personas en los fardos son solo prcialmente visibles, mostrando partes de sus huesos y craneos. El resto esta cubiert por sus ajuares y las telas que los envuelven. Objetos, cosas que solapan sus identidades primordiales. Y que fueron puestos por nosotros, sus descendientes.

ENGLISH VERSION

The Embassy of Peru at Berlin had an exposition some months ago. It was called “The Brillance of Mummies” (“Mumienglanz” in German) and its announcement on the doors of the Embassy shimmered golden all over. I just had to see what these mummies were about. The idea of connecting mummies, art and all the complex concepts in contemporary art attracted me instantly. So I went to see the exposition which had been co-organized by the Cuban and the Peruvian Embassy in the hall “Maria Reiche” in the Embassy of Peru, featuring the work of Nancy Torres, a Cuban artist. “The Brilliance of Mummies” relates the underlying concepts on Andean mummies with the robbing of the mummies on part of the Spaniards after their arrival in Peru. That is something most of the archaeologists and historian working in the Andes are aware of and its also a very contemporary problem because looting and grave robbery continue to be an ongoing phenomenon in the whole area. But the exhibition doesn’t center only on the aspects of robbery although it’s a central one. Instead, there are parallels between the colonial history of robbery of the mummies and grave looting, the prehispanic graves and their grave goods in general, the exploitation of resources in colonial and modern times and the exploitation of the Andean population in general. To put an example: if you follow the interpretation (not undebated but highly popular) of the Potosí mountain as a representation of the Virgin Mary and of the earth Goddess (Pachamama) alike in some baroque paintings, you may interpret silver mining and the exploitation of silver in this mountain as the direct exploitation of an almost human body.

It’s a highly complex theme, symbolized in the treatment of the prehispanic dead, many of them converted into mummies by their cultures and climate alike.

On the other hand there is the option to draw parallels between the void mummies and the destruction of the beliefs in ancestors and the complex processes of adaptation, overwriting and re-orientation of the beliefs in ancestors with the new Christian religion*. That’s an interpretation to be found in Irina Podgorny´s catalogue on the exposition. Mummies are a recurrent phenomenon in the Andes since as early as the Formative period (i.e. in the Chinchorro Culture in the first sedentary societies of Northern Chile) and I have been writing myself on complex issue of exhibiting Inca Mummies in this blog* when it came to the Museum of High Andean Archaeology in Salta. (And there are a lot more, just google “Mummies Peru” and you will get quite a lot of information…).

In contrast to the first part on „Art & Archaeology“ in this blog when the issue was about the sublime structural typology of everyday objects and building a fragile bridge between past and present, Nancy Torres´ exposition is a rather political issue, relating to prehispanic (i.e. archaeological) contexts and techniques. Nancy Torres works with prehispanic techniques while creating the mummies and connects thus Andean cultural ideas about death, mortality and ancestors to her work. The mummy as a representation of “Archaeology” and “The Past”, related to fear, fascination and terror alike in Western Cultures, is being translated into an accusation of the disappearance and the robbery of the ancestors. Culturally, the perception of mummies can be very complex and varied; in this Andean case the mummies represent aspects of the perceived positivity of the prehispanic past, too: the Indigenous, the Old, The Pure, the Past, the Aboriginal and Natural, in some sense even “The Good”. The equalization of mummies with the prehispanic past associates this period before the arrival of the Spaniards with rather positive ways of thought, relating with ideas of “the natural ancient times” and the balance between nature and human being regarding the exploitation of resources in these culturally perceived “Past times”.

At the same time, the open belly oft he mummy exemplifies everything about the dramatic process of European colonization and the processes of transformation associated with it. There is a gap between the prehispanic and the colonial time and this gap divides the whole Andean society. The transformation of the own (now called “indigenous”) identity and the conflict with newly introduced cultural values is being portrayed in the bodies of the mummies ripped open, the cultural gap visualized by the robbed prehispanic golden goods flowing out of their bellies.

I am very glad to have met Nancy Torres personally and it turned out that her motivation for these works had been the quest for identity, translated into the ideas of conceptual art. Although we parted from very different points we reached the same interpretative essence: the mummies are a bridge to the past, taking up the theme of ancestors, showing cultural roots and symbolizing at the same time our multilayered ideas on the Past, the encounters of cultures and on dominance and colonization. Our multilayered ideas are being visualized in the mummies, whose various layers of fabrics, objects, masks and bones offer new details every time you look at them. The persons in the mummy bundles are only partially visible, showing parts of bone and skull. The rest is being hidden by textiles, masks, objects. Objects that superpose the identity of the person behind them. Object that have been placed and are still being placed  in the bundles by ourselves, their descendants.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

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Orchideenfächer, Kleine Fächer und ihre Relevanz im “wahren Leben” / Studying Latin American Archaeology im Germany- what for?

Orchideenfächer – oder “Kleine Fächer” wie sie seit 2005 im deutschsprachigen Raum heißen – sind ja seit Alters her die Fächer, die nur an wenigen Universitäten angeboten werden und bei denen nur wenige Studierende eingeschrieben sind. Ich selber habe ein solches Fach studiert – Altamerikanistik. Wurde es zu Beginn meines Studiums Mitte der 90er Jahre noch in Berlin, Bonn und Hamburg angeboten, sind zwei der drei Standorte mittlerweile geschlossen, haben ihren Studiengang mit anderen fusioniert oder sind prinzipiell so nicht mehr vorhanden. Momentan ist Altamerikanistik nur noch an der Universität Bonn zu studieren, die den Fokus des Studiengangs auf einen interdisziplinären Studiengang legen, der Geschichte und Neuzeit miteinander verbinden soll.

Gerade im Zuge der Bolognarefrom und der Reform-, Personal- und Finanzierungsdebatten an den Universitäten seit den 90er Jahren sind die Kleinen Fächer immer winziger worden, wurden abgebaut, zusammengelegt oder ganz geschlossen. Ein Studienprojekt widmete sich (häufig nach der Abwicklung) der “Erforschung” dieser Fächer, kartierte sie und machte sie öffentlich. Und ihre Präsenz (oder Schließung) war immer auch Teil der Mediendebatte um die Frage: Brauchen wir diese Fächer? Und warum? Was bringen uns als Gesellschaft diese Fächer? Einige dieser Artikel machen ganz klar, dass kleine Fächer wichtig sind, wie zum Beispiel dieser Artikel aus der ZEIT. Allerdings sind die dort genannten wie Klimaforschung (Paläontologie) und Studien sogenannter “Schwellenländer” (Indologie) oder “Randgruppen” (Gender Studies) nochmal etwas anderes als ernsthafte “schwere Fälle” wie etwa meinem Studienfach, deren Relevanz wirklich schwer vermittelbar ist.

Im Falle der Altamerikanistik kommen verschiedene Punkte zusammen, die zu einem Aussterben dieses Faches in Deutschland führ(t)en. Zum Einen die aktuell schwer zu vermittelnde Relevanz des Faches. Lateinamerika ist aus dem öffentlichen Bewusststein seit Jahren verschwunden – Russland, China und Indien, vielleicht noch Brasilien, dominieren die Debatte, dazu eventuell einige afrikanische Länder. Der Boom Lateinamerikas in der Medienlandschaft und der Folklore etc. ist jedoch seit den 80er Jahren vorbei und es ist schwierig, Interesse für Studien zu wecken, die sich mit diesem momentan – zumindest in der öffentlichen Meinung – irrelevanten Teil der Welt befassen.

Zum Anderen ist da das koloniale Erbe Lateinamerikas, das es schwierig macht die Relevanz ausländischer Arbeit in der Anthropologie und Archäologie dieses Kontinents zu vermitteln. Warum sollten wir hier Wissen importieren wenn es ausgebildete lokale Kräfte gibt? Archäologie und Anthropologie gelten in der öffentlichen Meinung auch nicht als “Entwicklungshilfe“, bringen also, oberflächlich betrachtet, keine schnelle, konkrete Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort mit sich. Sue haben keine Vorzeigeeffekt, da sie etwas mit sich bringen, dass zwar essentiell ist, aber nicht messbar: Geschichte. Daher und aufgrund nur unzureichender Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit wirken Archäologie und Anthropologie wie “reine Wissenschaft“, Wissensgewinn für den Wissenschaftler, aber ohne Relevanz für Bevölkerung und Leben. Das Vorhandensein südamerikanischer Kollegen scheint den “Import” deutscher Altamerikanisten zusätzlich sinnlos zu machen.

Zum Dritten gab es strukturelle Probleme innerhalb des Studienganges (die heute in Bonn teilweise versucht werden auszugleichen). Altamerikanistik, als Studium der Anthropologie, Archäologie und Geschichte Lateinamerikas angeboten, bot zumindest in meinen Zeiten, also bis zum Beginn des jetzigen Jahrtausends, nie die Möglichkeit, grundlegende Methoden dieser drei Fächer zu erlernen. Quellenstudium, Forschungstechniken, Interpretationsmöglichkeiten – diese Dinge wurden nur selten angeboten und standen als kleine Minderheit gegenüber Kursen, die zwar einzelne Kulturen, Perioden oder Aspekte der Geschichte Lateinamerikas beleuchteten, aber nicht die Werkzeuge vermittelten, die man als Wissenschaftler/in später selber braucht. Nur die geschickte Auswahl der Nebenfächer führte dazu, dass diese Methoden erlernt werden konnten. Meine Erfahrung mit dem Nebenstudium der Ur- und Frühgeschichte (heute: Europäische Archäologie) war dafür typisch. Kollegen belegten Kurse in Geographie, Geologie, Vermessungskunde, Vorderasiatischer Archäologie, Ethnologie etc. Für mich war die Ur- und Frühgeschichte eine Möglichkeit, mir  ein eher verschultes, informationsgeladenes, strukturiertes Lernen in diesem Studienfach anzueignen, gepaart mit der Möglichkeit, Grabungs- und Analysemethodik zu erlernen. Andererseits erstaunte mich das sehr faktenorientierte Publizieren sehr. Interpretationen waren dünn gesät und mein angloamerikanisch geschultes Interpretationsherz der Altamerikanistik musste damit erst umgehen lernen.Das war definitiv ein großes Manko meines Studiums – ein Manko, das ich bis heute durch Weiterbildung versuche auszugleichen. Allerdings hat das interdisziplinäre Lernen auch einen großen Vorteil: es schärft den Blick für Schwächen und Stärken anderer Fächer. Das Erkennen dieser Unterschiede schult den Blick und das Gleiche gilt für das Zusammentreffen von unterschiedlichen Ideen und Methoden in Lateinamerika selbst.

Trotz der oben genannten Kritikpunkte ist das Aufeinandertreffen von Archäologen der gleichen Fachrichtung, die aber in unterschiedlichen Ländern gelernt haben, sehr inspirierend. Der Austausch unterschiedlicher Terminologien und Methoden ist bereits zwischen Archäologen benachbarter lateinamerikanischer Länder eine Herausforderung und Bereicherung, das gilt noch viel mehr für das Auftauchen außer-amerikanischer Forscher. Die eingesetzten Methoden und Techniken differieren stark und öffnen oft ein Fenster zu neuen Ideen und Interpretationen.

Trotz allem bleibt aber ein großes Problem bestehen: was soll die Relevanz unseres Faches sein? In ganz Deutschland arbeiten (ich schätze jetzt mal und lasse mich gerne korrigieren) noch so an die deutschstämmige  30-40 Altamerikanisten. Von diesen sind (ebenfalls geschätzt, bitte korrigieren falls es jemand exakt weiß) ca. 10-15 Personen mit der Archäologie Südamerikas befasst – wie ich. Was soll also die Relevanz unserer Arbeit sein? “Warum sollte sich ein junger Mensch für dieses Fach entscheiden????” – wie es ein Kollege neulich formulierte. Unter anderem, weil es erst unsere Geschichte ist, die es uns ermöglicht zu sehen wer wir sind, woher wir kommen und welche komplexen Wege die Menschheit geht. Und damit die Basis bildet für ein Verständnis zukünftiger Entwicklungen. Sicher gibt es in Lateinamerika viele gut ausgebildete Archäologen  und ihre Arbeit ist immens wichtig. Aber auch unsere interdisziplinäre und itnerkontinentale Zusammenarbeit kann hier methodologisch und interpretativ produktiv sein, wenn der europäische Blick ohne kolonialistische Ideen daherkommt.

Um das zu erreichen sollten wir jedoch eins nie vergessen: wir sollten unser Wissen vermitteln wo immer es geht. Unser Fach vertreten und es kommunizieren. Aufstehen und sprechen wenn man uns fragt – und auch ungefragt.

Update: Neuer Artikel zu vier “Kleinen FÄchern” in ZEIT online am 28.1.2014: http://www.zeit.de/studium/hochschule/2014-01/kleine-studiengaenge-studium

besonders interessant: die Kommentare von Studierenden der Kleinen Fächer UNTER dem Artikel!

ENGLISH VERSION

Small academic disciplines or fields of study (called „small studies“ or metaphorically “orchid studies” in German to emphasize the smallness, supposed irrelevance and at the same time the beauty of these studies) are academic disciplines which focus on rather “exotic” and “minor” objects of study; that can be studied at few universities and with only very few students – due to the lack of general interest in these studies. I have studied such a discipline myself: Altamerikanistik, or to give it an English name: Latin-American Archaeology. Although this covers only some part of these studies, because it involved also anthropology, iconography, indigenous languages and the like. While these studies were offered at three universities (Berlin, Bonn and Hamburg) when I began studying around 1995, there is now only one university in Germany which still clings to it: the University of Bonn, which has refocused on Altamerikanistik with a rather interdisciplinary view, connecting archaeology and prehispanic times with a rather anthropological focus on contemporary phenomena in Latin America.

With the declaration of Bologna and many many reform packages on university personnel and financiation from the 90ies onwards, there has been considerable re-organization at German universities. The “small studies” became even smaller, they were fused with other disciplines or completely closed down. A special study was conducted after all this happened, investigating the disposition, development and structure of these small fields of study. Their presence or close-down was always covered in the media, and they raised the question: Do we need these studies? And why? What is the relevance of these studies for our society? Some of the articles made it clear that these small studies are highly relevant to all of us – but the disciplines mentioned are often easier to convey than my own choice. Something like paleontology, related to climate research, Indian studies (Indology) or Gender Studies cover areas of study highly relevant to at least some segments of our society and can thus be communicated far more easily than something like “Latin-American Archaeology”.

Speaking of Latin-American Archaeology, there are several things that led to its almost complete extinction in Germany. For one, there´s the difficulty to explain the relevance of these studies in today´s Germany. Latin America is a region that has almost no lobby in our contemporary society and media – there are Russia, China, India, maybe Brazil too, that keep the headlines and think tanks occupied. The boom of Latin America in German conscience in the 1980ies has long since past. And apart from some folklore group singing at the city square and a headline on Evo Morales´ official plane being involved in the Snowden incident at Vienna there is no public interest in Latin-American matters right now. So why should Latin American Archaeology matter? Why are we studying a part of the world that is almost invisible in German media and thinking right now?

On the other hand there´s the colonial heritage of Latin America, making it difficult to talk about the relevance of European investigation in Latin America. Why should we “import” archaeological knowledge when there are many and well trained local archaeologists? And because archaeology and anthropology seem to be so absolutely irrelevant when living conditions are poor and even water and electricity are lacking, technical development aid seems a much better option when there is money to spend. Archaeology and anthropology seem to have no direct positive effect on living conditions; there seem to be no direct renderings to the local people. But nonetheless: archaeology matters. Because history matters and archaeological results are immaterial but nonetheless overly important. It´s up to marketing and public relations to make this point absolutely clear: history matters. Not only to the scientists who do the research but to local people, too, that’s at least my repeated experience. Its not about investigation and results that only serve me to get a Ph.D. – local people are mostly interested in archaeological work because their history matters to them and local history and archaeological history may be highly relevant to current political agendas.

Thirdly, there were always structural problems in this field of study. Today, the University of Bonn is trying to better these problems, but when I studied 15 years ago, Altamerikanistik implied a wonderful mix of archaeology, anthropology, history, linguistics, sociology and the like. But it never offered some solid methodology to get working. We studied something like a patchwork investigation, taking only the courses that interested us. The study of historical sources, the techniques of investigation during field work, the variability of interpretations – all these were never part of the curriculum. When we realized that we were very short on these substantial bases on archaeological work, we took courses in other disciplines, such as European Archaeology, Geology, Geography and the like. This has been one of the really problematic areas of the discipline, and one which is causing me problems up till today – and I have been trying ever since to balance this with continuing studies.

Nevertheless, the interdisciplinary learning has one big advantage: you learn to see the world and your research through the eyes of other disciplines. I had my own experience studying European Archaeology, a study area characterized by the publication of large amounts of data without little interpretation. It´s just the opposite of Altamerikanistik, where small amounts of data may often lead to exaggerated interpretations. And it’s comparing both disciplines that helped me to understand which way I´d like to choose for my own research. Methods, Data, Interpretation, everything can be differently understood in other disciplines. And the same applies to archaeological research when done by a European in Latin America or a local archaeologist in the same area. We differ in methods, we differ in interpretation and we differ in our way to go about an investigation. This can be very interesting and inspiring and it’s the heart of my claim here.

Because despite all the critic written above, the clash of different “archaeological upbringings” can be very inspiring and may lead to absolutely fascinating new interpretations. The exchange of terminology and methods is already a challenge between archaeologists from different Latin American countries, between Europeans and Latin Americans even more so.  And this leads us to exchange information and enables us to reach new levels of interpretation.

But still, the problem of relevance remains: why does archaeology matter at all? All over Germany, there may be (my guess) about 30-40 persons which studied Latin American Archaeology in Germany and now work professionally in this area. And of these there may be (my guess again) about 10-15 which are working on South American Archaeology as I do – and not on history, anthropology, etc. So the question remains: What’s the relevance of our work? Or, to put it as a colleague did recently: “Why should a young person decide to study as we did?”. I think that it’s the knowledge about our history that makes us see what we are and where we are heading – personally, nationally and on a global scale. To know our history prevents us from being politically blind because it shows us the diversity and subjectivity of history and its interpretations. And to understand where we come from is the basis for every future move we make. Sure, there are many local archaeologists in Latin America and their work is immensely important – for research AND for the sociopolitical implications their work has. But its our interdisciplinary and intercontinental interaction that can focus on new methodological and interpretative ideas, when our European view is free of colonial implications.

And to get there we should do one thing wherever we are: communicate our discipline. Explain why it matters and speak up when we´re asked – and even if we´re not!