Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Blogging as Opportunity: Where are you/we going with blogging or would you it like to go? #blogarch

The final question of Doug´s Archaeology on Blogging Archaeology is out: Where are you/we going with blogging or would you it like to go?

In my perception, archaeological blogging is a rather informal way to raise archaoelogical topics without going all the length to a scientific article. Its an opportunity to shape ideas, explore themes I don´t have time to explore in other contexts. And if you understand it this way, the future of archaeological blogging for my personal experience should stay this way. An open space to share ideas.

Sure, I would like to get more followers and traffic, and it would be great to get visitors who are NOT embedded in the merely archaeological realm. But as the blog covers other themes like museology, materiality or art, I am hopeful to get a wider audience as time goes by.

In a broader perspective, I would like to see a growing impact of archaeological blogging, in the archaeological community but more than ever in the wider public, too. In a sense, archaeological blogging to me is a way to be heard, to get to a wider public and to take archaeology out of the ivory tower of science back to the people. Maybe this is different in Germany than in Great Britain or the USA. Here, Archaeology needs to go out and find new followers and new inspiration in order to get back to a standing it once had.

Moreover, archaeological blogging is to me an opportunity to connect our discipline to others – forming a real interdisciplinary space of ideas. This should be the future of archaeological blogging: a space to get to know each other and create new ideas. Be it with a non-archaeological public or with other scientists. In the sense of Web 2.0 as an open, ever changing and ever fluctuating area, this would be a great opportunity!


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“Mensch-Objekt-Jaguar”, im Humboldt-Lab / “Human-Object-Jaguar” at the Humboldt-Lab

Ganz im Gegensatz zum Museum der Dinge, in dem das DING an sich in der Vielzahl der Dinge verschwindet, widmet sich “Mensch-Objekt-Jaguar” von Sebastian Mejía & Andrea Scholz im Rahmen des Humboldt-Labs einem einzigen Objekt. Bereits im Oktober versuchte ich diese Ausstellung im Museum zu lokaliseren – es gelang mir nicht. Im Rahmen des bereits angesprochenen Weiterbildungsmoduls “Vermitteln und Kuratieren” stand sie jedoch WIEDER auf der Liste. Und tatsächlich: da war es. “Mensch-Objekt-Jaguar“, ganz versteckt in einem Kellerraum der Südseeabteilung des Ethnologischen Museums. Nicht nur mir, auch den meisten anderen* ging es so, dass diese Ausstellung selbst für Kenner des Ethnologischen Museums trotz Flyer und “Beschreibung” kaum auffindbar war. WENN man sie aber findet, dann: geschieht etwas Großartiges. Doch ich beginne mal von vorne.

Mensch-Objekt-Jaguar” befindet sich wie gesagt in einem über eine kleine Holztreppe zugänglichen Kellerraum innerhalb der Südsee-Ausstellung. Man tritt von einem Objekt-geladenen, fast überladenen Ambiente riesiger Vitrinen über eine Treppe hinab. Bereits oben wird man, wenn es sehr leise ist, von Geräuschen empfangen, die nicht ganz zuordbar sind: Kreischen? Regen? Knurren? Eine unklare Geräuschkulisse. Traut man sich die Treppe hinunter, erblickt man sich plötzlich selbst: projiziert an die weiße Wand gegenüber der Treppe, aufgenommen von einer versteckten Kamera. In Echtzeit sieht man sich völlig unerwarterweise selber zu, wie man die Treppen hinunterschreitet. Ein Übergang von Oben nach Unten.

Unten dann: Konfrontation mit einem Muster auf einer weißen Wand: leicht verwaschen, gräulich, irgendwie – fremdländisch. Tritt man nach rechts (wie wir es alle unbewussterweise taten) steht man plötzlich in einem fast leeren Raum, nur auf der Wand stehen wiederum in verwaschenen, leicht unscharfen Buchstaben Zitate über den Jaguar, über eine Gesellschaft Amazoniens. Und ganz hinten dann ein Tisch mit Papieren. Der Raum an sich wird durch die Treppe dominiert, unter der ein Objekt steht, fast verborgen hinter Plexiglas-Aufbauten: ein Schemel, der schemenhaft wie ein Jaguar wirkt. Ihm gegenüber, wiederum, ein Auszug auf die Wand geschrieben, der beschreibt, wie jemand (der Sammler und Käufer?) dieses Objekt während seiner Südamerikareise Anfang des 20. Jahrhunderts in einem amazonischen Dorf fand. Und wie er dort erlebte, wie der Schamane sich in einen Jaguar verwandelte.

Plötzlich erscheint eine weitere Projizierung an der Wand: ein riesiges Auge. Warum? Jemand anderes schaut gerade dem Jaguar an der Wand ins Auge – und erscheint wiederum als Projektion. Die gesamte Ausstellung wird jedoch nicht durch Projektionen dominiert, sondern durch weiße Räume, geschaffen durch Textiliien, die durch den Raum gespannt sind. Sie kreieren eigene Unter-Räume, völlig frei von Objekten. Nur ein Tuch wird durchbohrt von einem Pfeil. Und wiederum an der Wand: ein Jaguar. Ebenso verwaschen wie die anderen Zitate.

Überhaupt: hier wirkt alles wie von einer anderen Welt. Kein sofort sichtbares Objekt, verwaschene Buchstaben, extrem kurze Zitate, scheinbar willkürlich auf die Wände verteilt. Die Projektionen und die Objekt-Leere kreieren eine seltsame Objekt-Stille, einen Denk-Raum. Was geschieht hier? Setzt man sich an den Tisch zu den Papieren, wird man gebeten, die Perspektive zu wechseln und sich nach choreographischen Angaben durch den Raum zu bewegen. Wer die neuen Betrachtungsmöglichkeiten ausprobiert, changiert von einer “normalen” Ausstellungsbetrachtung hin zu völlig anderen: auf dem Boden, oder in steter Bewegung. Bleibt man trotzdem sitzen und betrachtet das einzige sichtbare Objekt, wird plötzlich klar: auf dem Schemel befinden sich Menschen, ein Jaguar – alles verwischt miteinander, ist hintereinander sichtbar durch Glas.

Es ist eine Ausstellung, die Zeit und Raum und Körpervorstellungen auflöst, in der sich die Ideen von Mensch und Tier in der Akustik, dem Sichtbaren vermischen, nicht mehr klar trennbar sind. Sie macht erfühlbar, was die kurzen Zitate an der Wand andeuten: zwischen Menschen und Tieren besteht eine fluide Verbindung. Auch die undeutlich aufgebrachten Texte, Muster, die Jaguarzeichnung bilden dies nach. hier gibt es keine scharfen Abgrenzungen zwischen dem Einen und dem Andere, alles ist im Fluss. Wer durch das Jaguarauge schaut – sieht die anderen wie es Jaguar täte. Wer von außen schaut, sieht den Anderen im Jaguarauge.

Das Objekt an sich, eigentlich ja Sinn und Zweck einer Ausstellung, verschwindet hinter seiner Bedeutung als Ausgangspunkt dieser möglichen Transformationen. Es ist an sich nur ganz klein, kaum sichtbar, nicht prominent. Eher ist es TEIL der anderen “Ausstellungsstücke”: der Tonspur, des Pfeiles. Wir selber “steigen” hinab, in eine andere Welt, die grüne Hölle. Wir werden Teil davon. Und erfahren, wenn wir uns darauf einlassen, etwas Ähnliches wie das was der Jaguarschemel repräsentiert: eine Transformation der Realität, des Denkens.

Auf jeden  Fall war diese eine der spannendsten, ungewöhnlichsten Ausstellungen die ich in den ätzten Jahren gesehen habe, und ein wunderbares Beispiel für die Innovationen des Humboldt Lab. GERNE WIEDER, liebes Humboldt-Lab!

*Diese Ausstellung durfte ich ansehen, erleben und analysieren mit: Gabriele Pabstmann, Gregor Ahlmann, Nicola Janusch.

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ENGLISH VERSION

Completely opposed to the Museum of Things that was “on stagelast week in this blog, and where the Thing in itself seems to disappear into the multitude of other objects that surround it, the exposition “Human – Object – Jaguar”, curated by Sebastian Mejía and Andrea Scholz during the 3rd session of the Humboldt Lab, is centered on a single solitary object. I have been trying to localize the exposition in October 2013 but couldn’t find it. During the course on “communicating & curating” this exhibition was again on schedule. And: there it was. “Human-Object-Jaguar”, tucked away in a cellar room right below the exposition on the South Seas. And it was not just me, having trouble to find this tiny room, even other participants who know the Ethnological Museum couldn’t localize it, despite the flyer and the provided description. But IF you find it, than something incredible happens. But let´s start at the beginning.

“Human – Object- Jaguar” has been located in a small cellar room right below the South Seas exhibition and is accessible only through a pair wooden stairs that lead down to the basement. From an object-laden and completely over-populated exhibition you step down. And even when you reach the stairs, surrounded by objects and objects presented in enormous cabinets, you can hear a faint sound. It’s blurred and nothing clear. It could be rain? Someone growling? Shrieking? When you decide to step down the stairs you will suddenly see yourself: projected on the blank wall opposite the stairs. You are being filmed without noticing it, you observe yourself stepping down the stairs in real-time. It´s so unexpected! An interface, a transition between “Up” and “Down”, “Above and “Below”.

When you get downstairs you will be confronted directly with a somewhat blurred geometrical pattern that has been painted or drawn on the wall. Its greyish, it seems to be – outlandish, foreign. If you step to the right (as we all unconsciously did) you will find yourself suddenly in a small empty space. Only the quotations on the wall, done in the same blurred fashion as the geometric pattern before, are visible. Quotations on the jaguar, about a society in Amazonia. And at the rear a table with papers. The room is dominated by the stairs, and under the stairs the main object is almost lost to view: a footstool that seems to have the shape of a jaguar. Its almost hidden behind glass installations that show the form of sitting humans and a jaguar. Opposite the foot stool, on the wall, another quotation. This one is about the acquisition of the object by a collector at the beginning of the 20th century, and he describes his experiences in an Amazonian village which included a shamanic procedure to cure the sick at the village. Somehow, the footstool seems to have been involved in it?!  Did the shaman become a jaguar?

Suddenly another projection appears on the wall: a gigantic eye is looking at the spectators. What happened??? Someone is looking the painted jaguar at the wall right in the eye – and the eye of this person is being projected on a screen. It seems all very confusing when you describe it, but somehow the exposition is not dominated by all these interactive features, but manages to have a simple, white appearance, a calm room full of sounds, divided by white curtains with only one other object present: a large arrow is piercing through one of the curtains. These curtains create multiple spaces, blank spaces where you may have different experiences. This exhibition appears to come from another world.

Almost no objects, blurred paintings, only short quotations placed seemingly random(?) at the walls. What is happening here? When you sit down at the small table there are different cards with choreographic instructions on how to experience the room: take another position, move your body in certain ways to get a new vision of the exhibition and its experiences. If you take part in this experiment, you will find yourself in positions that are no part of regular exhibitions: you may be sitting under stairs or flailing your arms widely in one of the white sub-spaces. Borders become blurred, as blurred as the paintings and quotations. As blurred as the silhouettes of the humans and the jaguar on the glasses above the foot stool. In this room, everything is overlapping, NOT clearly defined.

Its an exhibition about time and space that dissolves our perception on the limits of body and mind, the ideas on human and animal, blurring borders acoustically and visually. You can feel what the quotations on the walls suggest: there is a fluid connection between human and animals. And the texts, the patterns, the painting of the jaguar show this, too. There are no clear limits between one and the other, everything flows. The person who looks the jaguar in the eye is looking at the others like a jaguar would do. And who looks at the projection sees the other in the eye of the jaguar.

If you accept to try the forms of perception, changes between a “normal” view of an exhibition to something completely different: you find yourself on the floor, in constant movement. The object itself, normally the sole focus of an exposition, becomes a mere detail; it is almost lost behind its meaning as the source of all these possible transformations. This object is so small, almost invisible. Some of us didn’t even notice it below the glass silhouettes. Its like an integral part of the exhibition, like the arrow or the sounds. We are going downstairs to another world, the “green hell” of Amazonia. We become a part of this world and experience what the foot stool signifies: a transformation of reality, of thinking.

This exposition has been one of the most impressing ones I saw in the last years, and a wonderful expalme of the innovative ideas that are being presented at the Humboldt Lab. AS before, I am looking forward for the new experiments at Humboldt Lab!

*I visited, experienced and analyzed this exhibition together with: Gabriele Pabstmann, Gregor Ahlmann, Nicola Janusch.

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Das Museum der Dinge, Berlin – A Museum of Things, Berlin

IMG_1363Das Museum der Dinge kam mir zu Ohren, als ich nach Materialität googelte und darüber nachdachte, welche Museen und Ausstellungen ich an einem seltenen, freien Tag besuchen wollte. Das Museum hat eine wunderbare Website, und ich war begeistert zu erfahren, dass es hier Dinge gab wie Dingpfleger, und dass das DING an sich, ganz losgelöst von seinen Kontexten, offensichtlich hier im Mittelpunkt steht. Alleine die Bezeichnung “Ding” statt “Objekt” in der Dichotomie zum “Subjekt” – das ist doch eine Aussage! Grund genug also für einen Besuch im reellen, gar nicht virtuellen Museum in Berlin-Kreuzberg. Einmal alleine, im Oktober 2013, und dann zusammen Anfang März 2014 mit einer ganzen Gruppen von Mitstreiterinnen* aus dem Kurs “Vermitteln und Kuratieren” der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (dazu demnächst mehr hier). Ich danke daher den Kolleginnen, v.a. für die sehr anregende Diskussion NACH dem Ausstellungsbesuch, die mir einige Fragen beantwortete und mein Verständnis für dieses eher ungewöhnliche Museum schärfte.

Das Museum der Dinge befindet sich in einem Gebäude der Oranienstraße, und ist nur nach Treppensteigen in den 3. Stock erreichbar. Ein altes Gebäude, gedacht für Büros und Werkstätten im 19. Jahrhundert, gefliester Hinterhof. Empfangen werden wir in einem hellen, weißen, sonnigen Raum – der Kasse und dem Museumsshop, voll mit ausgewählten schlichten Designerstücken an Geschirr und Büchern. Dieses Museum bildet den Ausleger des Werkbundarchives, einer Vereinigung die sich mit den materiellen Hinterlassenschaften des seit den 00er Jahren des 20. Jahrhunderts tätigen Deutschen Werkbundes  beschäftigt. Dessen Hauptaufgabe lag in der aestethischen Erziehung der Massen, und einer Reformbewegung gegen die industrielle Massenfertigung von Alltagsprodukten.

Das Museum als Außendarstellung des Werkbundarchives bietet zunächst eine Einführung in die Ideen und Aufgaben des Werkbundes UND des Werkbundarchives und hat seine Dauerausstellung in zwei visuelle Teile untergliedert: ein an der Wand entlang laufendes “Offenes Depot”, in dem Alltags-Dinge aller Art nach verschiedensten Kategorien in Holzschränken hinter Glastüren zusammengestellt gezeigt werden: Dinge so unterschiedlicher Kategorien wie “Imitieren & Zitieren”, “Alltag 1930er und 40er Jahre”, aber auch Farben oder Regionen (“DDR-BRD”). Die Schränke, die den Rahmen für die Objekte bilden ziehen sich fast endlos hin, sicher 50 – 60 Meter nach hinten in einem schlauchartigen, engen Raum. Voll mit Objekten aller Art, Hauptsache Alltag und Hauptsache Industriegut.

In dazu rechtwinklig stehenden Vitrinen befindet sich die Schausammlung, die, grob gesagt, einen Überblick über die Aktivitäten des Werkbundes ab 1907 bis in die 1970er Jahre bietet, immer mit Beispielobjekten des Werkbundes als auch der als “Gegenstück” empfundenen Alltagsware, z.B. besonders kitschiger oder hässlicher Dinge. Unterbrochen nur von kleinen “Objektinseln”, an denen besonders große Dinge frei stehen. Und von einem Vortragssaal, der leer und offen in der Mitte des Museums liegt.

Ein Manko des Museums ist in jedem Fall die extrem ausführliche Betextung. Nur der allerinteressierteste Besucher mit viiiiel Zeit dürfte in der Lage sein, sich ALLE Texte durchzulesen, denn an jeder Schauvitrinen hängt ein zweispaltiger, langer Erklärungstext – in Deutsch. Auch der Einführungtext in der Nähe der Kasse ist, obwohl unglaublich informativ, so lang dass der Besucher in Spalte 1 bereits etwas ermüdet. Sinnvoller ist da die “Übe-Vitrine”, die einen visuellen Überblick darüber bietet, wie man das Museum am besten erkunden kann um es zu verstehen und maximale Information mitzunehmen.

Zu den langen Texten kommt die reine Überfülle an Dingen. Sie führt dazu, dass viele der anwesenden Besucher eben nicht den Text lesen, sondern sich durch die Masse der Objekte fortspülen lassen in ein Nirwana des Erinnerns. “Schau mal, das hatte Tante Erna!” und “Guck hier, wie früher zuhause!” waren die meist gehörten Sätzen von Besuchern und auch der Tenor des Gästebuches. Natürlich sind diese Objekte, die ohne ihren ursprünglichen Nutzungs- und Kultur-Kontext dargebracht werden, ein wunderbares Transportmittel in unsere Vergangenheit. Aber der Werkbund möchte ja eigentlich soviel mehr: erziehen, den Sinn schärfen, uns etwas erklären und nicht zuletzt ändern. Das ist in diesem Museum nicht spürbar. Obwohl die Menge der Objekte uns auch anregt, sie selber zu ordnen, Prinzipien zu finden nach denen dies möglich wäre!

Beide Möglichkeiten wären also gegeben: sowohl das ungenierte Stöbern und Fühlen als auch das intellektuelle Begreifen – allerdings bei der Überfülle von Text mit eingien Schwierigkeiten. Trotzdem begreifen viele dieses Museum wohl v.a. als Erinnerungsvehikel und lassen sich von der Dinglichkeit und Sinnlichkeit der Dinge forttragen. Fortgesetzt wird diese Idee eigentlich konsequent im Museumsshop, dessen wunderschöne, ausgesuchte Dinge wie die Fortsetzung der Ausstellung wirken – nur dass es hier die besonders designten und nicht die kitschigen, als “bekämpfenswert” geltenden Dinge sind, die dominieren und erworben werden können.

Was ich jedoch wirklich besonders am Museum der Dinge schätze, ist das Kommentieren der Dauerausstellung durch wechselnde Kunstinstallationen. In diesem Fall war es “Scherben” von Sonya Schönberger und Christof Zwiener. Diese Installationen bieten einen Gegensatz zu der geschlossenen, sanft und warm ausgeleuchteten, größtenteils nur hinter Glas sichtbaren Ausstellung, denn hier sind Objekte direkt offen sichtbar, wenn auch nicht berührbar. Sie sind durch Spots angeleuchtet und wirken wie kostbare Fragmente. Ihre Darstellung im Rahmen einer Ausstellung bildet einen Kontrapunkt zur Dauerausstellung – sichtbar bereits in ihrer Präsenz am beginn und am Ende der Dauerausstellung. Diese Dinge wirken alleine schon durch ihre Darstellung und Ausleuchtung wie Schätze – gar nicht wie die zusammengestellten Massen an Alltagsobjekten im Rest des Raumes. Sie erzählen von Zeit und Geschichte, sie haben einen Kontext: den des Krieges. Und sie zeigen ihn durch Rost, durch Fragmente. Sie verkörpern praktisch die Zeitlichkeit der Objekte, ihre Verletzlichkeit.

Prinzipiell ist es so, dass Website und Ausstellung total miteinander konkurrieren, sogar die Ausstellungsflyer wirken anders als dann die Ausstellung an sich. Es ist so, als wären sie fast gegeneinander konzipiert. Während auf der Website immer wieder von den Kontexten, der Nutzung der Dinge die Rede ist, wird dieser Aspekt ind er Ausstellung selbst ganz nach hinten gestellt. Auch das Design von Ausstellung einerseits und Website, Flyern und Verkaufsraum im Museum andererseits sehten sich wirklich fast diametral gegenüber. Hier die Masse der Dinge, obwohl geordnet doch überbordend – dort die geordnete, einzeln hervorgehobene Präsenz eines oder weniger, ausgewählter Objekte. Sehr seltsam. Dementsprechend waren die Erwartungen von einigen von uns (mich selbst eingeschlossen) nach Besichtigung der Website ganz andere als dann durch das Museum tatsächlich erfüllt werden konnten.

Insgesamt denke ich aber, dass das Museum der Dinge einen neuen Blick auf Dinge ermöglicht, abseits üblicher Ausstellungsrhetoriken. Das Ding in einem eher in der Masse kontextualisierten Zusammenhang, geordnet nach ganz unterschiedlichen, nicht immer klar nachvollziehbaren Kriterien – das zeigt, wie vielfältig wir Dinge sehen, interpretieren und einordnen. Es gibt dem Ding einen Stand, der nicht auf seinem soziokulturellen Kontext beruht, sondern eher auf seiner Dinglichkeit an sich. Auch wenn Form, Funktion und Dekoration natürlich Ausdruck eines gesellschaftlich-technischen Kontextes sind, ist dieser Kontext im Museum der Dinge auf ein Minimum reduziert. Es geht eben nicht um die Gesellschaft dahinter, vielmehr wird versucht, das Ding AN SICH zu betrachten. Sicherlich ist das schwierig, und man könnte jetzt auch viel dazu sagen, dass Ding und Kontext semiotisch verbunden sind. Trotzdem interessiert mich dieser Ansatz sehr, weil er dem entspricht, das wir häufig im Alltag tun: wir sehen das Ding einfach als Ding, als Nutz-Gegenstand, nicht als museales Objekt.

*Dank an (in alphabetischer Reihenfolge): Yella Hoepfner, Astrid Lembcke-Thiel, Hanne Leßau, Eva Lusch und Dörte Wiegand!

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The Museum of Things came to my knowledge when I was googling on „materiality“, thinking about which museums and expositions to visit on one of my sparse free days. The Museum has a wonderful homepage, and I was delighted to learn that they have even a category for supporters to be a “caretaker of a thing” and that the THING (maybe the English “entity” would be a better translation”) free of its context is being at the center of their concept. The very idea of using the word “entity” or “Thing” instead of “object” and its implied dichotomy to “subject” is a statement in itself! So, there were enough reasons to visit the real museum of things, once by myself in October, and than again in March 2014 with a bunch of colleagues* from an upgrade training course called “Communicating and Curating”, offered by the Federal Academy of cultural Education in Wolfenbüttel (but I will do a post on this later on). I would like to thank my colleagues from the course for the lively debate and ideas after visiting the museum together, a moment that provided me with important input for this post.

The Museum of Things is located in a building in the Oranienstrasse, Berlin – Kreuzberg, and can only be reached after quite a flight of stairs up to the third story. Its an old building, originally thought to be used for offices, workshops and factories in the 19th century. We are welcomed into a sunny, bright, white room, the counter and gift shop of the museum which is filled with carefully selected, beautifully designed objects. The museum itself is the showroom of the Werkbundarchiv, a association which is curating the material belongings of the German Werkbund, which has been active since 1900, focusing on the aesthetical education of the working classes, including a reformative movement against industrial mass production of everyday products.

The Museum as the external presentation of the Werkbundarchiv offers an introduction of the ideas and goals of the Werkbund and the Werkbundarchive right at the entrance of the museum. The permanent exhibition has been divided into tow sections: one is an Open Depot, presenting objects of everyday life of very different categories in wooden cabinets with glass doors on the long side of the hall. The entities are being sorted by very different and not always consistent categories, such as: “Imitating and Citing”, “Everyday Life in the 1930 and 1940ies” but also sorting by color or region of use (GDR/ BRD). The cabinets drag on and on, it seems like an endless line of things and things, and yet other things. The cabinets are just full with objects of every kind, the important part is that its about everyday life and that its mass production.

Opposed to this Open Depot there is the exposition of the things that regard directly the Werkbund and its ideas. These are presented in a rather chronological order, beginning roughly about 1900 and going on up to 1970 or 1980. These things are objects crafted following the Werkbund ideas or just the opposite of these: Kitsch. The cabinets that are presenting these things are only interrupted by islands of open space that present big objects related to the exposition. And, there is a big vacant space right in the middle of the museum that is being used for special opportunities.

I felt that one of the worse parts of this museum was definitely the texts that are being offered. Only the most interested visitor should be able to read ALL these texts, often with double columns. These texts are at every cabinet and offer such a mass of information that you won’t be able to read it all. Even the introductory text to the museum is so long that most visitors stop about halfway and prefer to go on visiting the museum itself. It´s better to have a look at the “introductory cabinet” which explains visually how the museum has been structured and how you may visit in order to get most of the information.

The long texts are accompanied by a over abundance of things. This leads to the fact that most visitors are being swept away by the mass of objects that leads to a Nirvana of remembrance. “Look, this is what Aunt Bertie always had!” and “Look, that’s just like home back than!” were the sentences that I heard from most visitors talking between themselves and it’s the most popular comment in the guest book as well. Of course, these objects presented without its original context of use and culture are a wonderful medium of transportation back to the times when we were young, back to our past. But the Werkbund has goals, that are so different from being a mere time machine! They want(ed) to educate people about aesthetics, sharpening mind and view, explain and change. That’s just not present in this Museum, even if the objects are insisting that you systematize them, that you invent some kind of order principles.

In the end, the museum offers both possibilities to explore its expositions: the one based on searching and feeling, a rather emotional approach, and the intellectual one (although this is rather hindered by the multitude of texts). Although both are possible, most visitors rely on the emotional approach, using the display of things as a vehicle to memories, letting themselves get swept away by the memories which come with all these every day objects. This idea has been consequently translated into the gift shop where absolutely beautiful things are on sale for everyone. One could almost think that this gift shop is like an extension of the exposition.

But what I really love about the Museum of Things is the comments on the permanent exhibition with changing temporal expositions or “art installations” as they are called by the museum itself. This time, in March 2014, it was “Sherds” by Sonya Schönberger and Christof Zwiener. These installations are presented in a way that is completely opposed to the crowded, warmly lit open depots with their wooden and glass cabinets. The installations offer one object a time; they are directly visible, even touchable. They have been illuminated by especially positioned spot lights, they seem like precious fragments. Their presentation on the beginning and the end of the permanent exposition seems like a commentary. They seem to be treasures, so unlike the everyday things in the rest of the rooms. They tell tales of time and history, they evoke a context: war. And they show their context through rust and fragmentation, through their woundedness. They are the perfect display of the action of time on artefacts.

Generally speaking, permanent and temporal expositions compete against each other. Even the printed flyers seem to present a different museum. While the website and the flyer talk about the context of things, concentrating on their former use, this aspect is being almost completely neglected in the museum itself. The design of the exhibition and the website and flyer, and even the gift shop, seem to be almost diametrically opposed to each other. On the one hand the multitude of things in a crowded environment – on the other hand the organized objects on the web, presented as treasured unique specimens. After we saw this presentation, the expectations were completely different from the reality at the exposition.

ON the whole I think that the Museum of Things offers a new perspective on things (artefacts), aside from the usual rhethorics of expositions. The thing in relation to the crowd of things that surround us, organized by very diverse criteria – that shows how many perspectives on things exist, how we interpret and arrange them. It offers the artefact a standing that is unrelated to its sociocultural context, but is rather  based on the its thing-ness, its essence.

Even understanding form, function and decoration as the expressions of a societal-technological context, this context has been reduced dramatically in the Museum of Things. This exposition is decidedly NOT focused on the society that produced and used a thing. It’s about the thing as itself, and that’s per se a difficult situation to start with. There would be much to say about the almost semiotic relation between a thing and its context – at least from my perspective. But nevertheless, this idea is fascinating because it has so much to do with our every day approach to things: we perceive them as objects, as a thing to use, and not as a museum object.

  • Thanks to (in alphabetical order): Yella Hoepfner, Astrid Lembcke-Thiel, Hanne Leßau, Eva Lusch und Dörte Wiegand!

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What are the goals of Archaeological Blogging? #blogarch

What are the goals of Archaeological Blogging? So, this is a really good question to finish. What are the goals of blogging, anyway? And archaeological blogging, when it comes to that? Whats the relevance of Archaeology, anyway? Is this not just some ivory tower discipline with people digging around in the dirt, searching for gold and jewels? Or for our ancestors?

To be honest, archaeological blogging means very much to me. Of course, there´s my own blog, but there are so many others, all raising the same voice: Archaeology is not irrelevant. Its not obsolete. Its real, its important and it matters to everyone of us, archaeologist or not. In my opinion, history permeates our lives everywhere. But mostly we are not aware of it – not of its presence and even less of how it shapes us and our decisions. Archaeology, to me, is a tool to get to know the past and to COMMUNICATE the past. To make it relevant to all of us, sensitizing ourselves to the impact of the past on our everyday life. The Past is not just some murky, cloudy thing hovering there in the classroom or on our book shelves in (unfortunately often badly written and researched) novels. Its not a past disneyland where kings and queens leave gold and jewels behind. Its so much more. The simple presence of the past can change our lives, at least thats my experience form South America. Archaeology matters.

So, what better way to communicate Archaeology in a non-formal way than blogging? I do not have big budgets to give or much time to spend. I just have myself and a deep belief in archaeology´s relevance. And a capacity to write texts. And so I decided that I would present my view of the Past to the world, putting my grain of sand into the world wide web. There were different experiences with blogging, either here in central Europe or in South America. There were and are problems with accessibility and problems with outreach. But I still think that there is nothing MORE relevant than communicating that Archaeology (and History) matter to us, to our society and to our lives. If we can’t communicate this overall important message, than we shouldn’t wonder that we are continually underfinanced and neglected – or respected only for gold, jewels and Indiana Jones. Gold, jewels and Indiana Jones are part of Archaeology – but they are not its essence.

The essence is something else: the shape of our present is the impact of our past. We should get this point across in whichever way we can. I chose blogging.


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Aus aktuellem Anlasse: Petition gegen die Schließung der Klassischen Archäologie an der Universität Leipzig / Online petition against the closing of the Institute of Classical Archaeology at the University of Leipzig, Germany

Gestern erreichte mich der Aufruf des Deutschen Archäologenverbandes für eine Onlinepetition gegen die Schließung des Instituts für Klassische Archäologie an der Universität Leipzig.

Ich möchte jeden bitten, diese Petition ebenfalls zu unterzeichnen, denn eine Schließung dieses Instituts ist nur ein weiterer Schritt hin zum Abbau fast aller archäologischen Institute an Deutschlands Universitäten. Archäologie und Geisteswissenschaften allgemein verlieren in unserer universitäten Landschaft zunehmend an Bedeutung – wir sollten ein Zeichen dagegen setzen und zumindest unsere Unterstützung bekunden! Bitte unterschreibt, teil es auf Facebook, Twitter und euren Blogs!

http://www.change.org/de/Petitionen/prof-dr-dr-sabine-von-schorlemer-erhalt-des-instituts-f%C3%BCr-klassische-arch%C3%A4ologie-und-des-antikenmuseums-der-universit%C3%A4t-leipzig

ENGLISH VERSION

Yesterday I received the plead of the Deutscher Archäologenverband (Organization of German Archaeologists) to sign an online petition against the closing of the Institute of Classical Archaeology at the University of Leipzig, Germany.

I would like to ask everyone reading this blog to sign the petition so we can at least make sure that our voice will be heard by the authorities that took this unfortunate decision. Closing this institute is just one more step on the road to the closing of almost all archaeological institutes at German universities, a process that is well underway since at least 15 years ago. Archaeology, and the Humanities in general, have no longer a standing at German universities – and we should make sure that we raise our voice against it! Please sign and share via facebook, twitter or your blogs.

http://www.change.org/de/Petitionen/prof-dr-dr-sabine-von-schorlemer-erhalt-des-instituts-f%C3%BCr-klassische-arch%C3%A4ologie-und-des-antikenmuseums-der-universit%C3%A4t-leipzig


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“Loot” – von Sharon Waxman

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Heute möchte ich mal eine Lanze brechen für eine Seite, die mir seit Längerem am Herzen liegt weil sie mir immer wieder gute Vorschläge unterbreitet: Goodreads. Goodreads, als Seite auf der man gelesenen und noch zu lesen wollende Bücher auf Bücherregalen einsortieren kann, macht nämlich auch Folgendes: es schlägt einem aufgrund der gelesenen und bewerteten Bücher neue Bücher vor. Und so kam es auch zum folgenden, großartigen Buch: “Loot” von Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

“Loot” hat eine eigene Website auf der man einiges zum Buch erfahren kann, aber das wusste ich vorher nicht. Und, lasst euch nicht täuschen: Nofretete auf dem Titel bedeutet nicht, dass Nofretete auch INNEN vorkommt. Dafür aber sehr sehr viele andere Dinge, die immens spannend und vielschichtig daher kommen. Denn der Untertitel: “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” wird genauso im Buch durchgehalten. Die Autorin präsentiert in einer gut geschriebenen, schnell lesbaren aber trotzdem nicht oberflächlichen Art fast sämtliche Aspekte der Rückgabedebatte der letzten 30 Jahre, mit einem Fokus auf die Jahre ab 1995 – 2007. Es scheint unglaublich, aber die Aufteilung des Buches in vier spektakuläre Rückgabefälle in vier Ländern (Ägypten, Türkei, Griechenland und Italien), verteilt auf vier international bekannte Museen und ihre Mitarbeiter (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) garantieren, dass sie alle Aspekte dieser unglaublich komplexen Debatte abdecken kann. Wirklich alle Argumente, aller Seiten, werden genannt und aufgearbeitet, zumeist an einem Treffen mit einem Vertreter einer bestimmten Ansicht in der Debatte.

Natürlich ist Rückgabe ja auch in Lateinamerika ein riesiges Thema, leider wird die hier nochmal kompliziertere Debatte (Kolonisation, etc.) nicht integriert in das Buch, sondern nur am Beginn kurz angesprochen. Das ist aber der einzige Punkt, den man eventuell kritisieren könnte, ansonsten folgt das Buch einer wahren Tour-de-Force von Argumenten, Gegenargumenten, Einwürfen und Fragen. All das lässt den Leser mit der Idee zurück, dass es in dieser Debatte kaum wirklich “Lösungen” gibt, nur Lösungsansätze. Und es wird klar, wie verhärtet die Fronten auf allen Seiten sind und wieviele Scheuklappen auf allen Seiten noch getragen werden. Es gibt kein Gut und Böse, nur Schattierungen. Und das ist das wirklich Großartige an diesem Buch: das Panorama dieser Debatte lässt erahnen, dass es hier IMMER um viel mehr geht als nur Objekte: sie repräsentieren etwas was allen Beteiligten wichtig ist und was alle anders interpretieren – sie sind Stellvertreter vergangener Zwänge und Kolonisationen; sie sind keine Objekte sondern fast Subjekte. Und sie spielen eine ganz aktive Rolle – ihre Personifizierung emotionalisiert die ganze Debatte und hebt sie auf ein höheres, fast unlösbares Niveau von Emotionen, Stolz und Kränkung, die über sie und durch sie ausgetragen werden.

Und obwohl das Buch nun schon 6 Jahre alt ist, finde ich das es nichts an Aktualität verloren hat, es ist eine echte Leseempfehlung! Und: Gerade als ich dieses Buch las, gab es in der ZEIT diesen kurzen Videobeitrag zu einer Ausstellung von “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!

ENGLISH VERSION

Today I would like to say something about a website that I came to love, actually: Goodreads. That´s mainly because Goodreads offers me propositions for new books to read, based on previously read and rated books on my “bookshelves” at the site. And thus, Goodreads proposed a really inspiring book last month: “Loot” yb Sharon Waxman (Paperback 2009, Hardcover 2008).

Loot” has its own website with informations about the writing of the book, but I didn´t know this beforehand. And don´t be distracted: placing Nofretete on the cover does NOT mean that the Nofretete case will be covered in this book. That´s just the most prominent example of looted artifacts and it served the book well: I bought it (among other reasons) because Nofretete attracted me, because I know she´s here in Berlin at the Museum Island. But it´s not necessary to have Nofretete inside the book as well: Mrs. Waxman covers the theme of the book searching through different museums, different cases of supposedly looted art und covers the subtitle “The Battle over the Stolen Treasures of the Ancient World” to a maximum. She is able to cover all the wide and broad range of questions arising when it comes to looted artifacts, so she writes about the historical context of each of the four selected cases focussing on the years between 1995-2007 from four different countries (Egypt, Turkey, Greece and Italy), about the persons involved and the museums (Louvre, Metropolitan Museum of Art, British Museum, J.Paul Getty Museum) that house these artifacts today. She mainly covers all the details of the controversial discussion on devolution with the description of encounters with different actors in this “game”. And as she has a well written, easy-to-read style, the book is nothing but well resarched and provides so many details on all the controversial aspects of the devolution of art to the countries of origin that nobody who has read this book entirely will ever come up with some easy, supposedly “final” solution to this problem.

Of course, devolution is a major isuue in Latin America, too. And thats almost the only point the book doesn´t cover: the debates on colonization and neo-colonization that haven´t been included into the book but are only mentioned in the introduction. That´s but the the only critique I would like to make because the remainder of the book, a good 200 pages, is a magic voyage through space, time and a whole series of arguments, counter-arguments and again arguments, questions etc.. All this leaves the reader with a profound feeling for the complexity of the problem, the idea that there are no easy solutions. And it makes clear how difficult the debate is, actually. How many cultural ideas are being maintained and there is no “good”, no “bad” in this issue – there only shades of grey, each and every one of them created by arguments and counterarguments. And the great thing about this book is: it makes you realize that the objects in questions are much more than simple Objects. They are representatives of the arguments involved and are being used by every party in their own line of argumentation. They represent restraints of the past, colonization processes, they are no objects but almost subjects in the debate about where and to whom they belong. They are playing an active role in this discussion – their personification is emotionalizing the whole debate, lifting it to a complex level of emotions, pride, rejection. Emotions that are being associated and communicated through the objects in question.

The book is almost 6 years on the market now and it seems that it hasn´t lost anything of its up-to-dateness. Reading this book has been a real pleasure and so I would like to recommend it here. And just as I read it, there was even a teaser about a exposition on “Looted Art”: http://bcove.me/xr1k5jjr. Check it out!

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Kunst & Archäologie II: Mumienglanz. Ahnen, Kolonisierung & Raub. Art & Archaeology II: the brilliance of mummies. Ancestors, colonization and robbery.

In der peruanischen Botschaft in Berlin gab es vor einigen Monaten eine Ausstellung namens “Mumienglanz“. Das Plakat an der Tür glänzte derart golden, das es mich fast magisch anzog und da Mumien, Kunst und die künstlerische Vereinigung der Mumien mit all ihren komplexen Konzepten im Kontext heutiger Kunst mich interessierten, ging ich rein. Von der peruanischen und kubanischen Botschaft im Maria-Reiche-Saal der Botschaft ko-veranstaltet, ist die Künstlerin Nancy Torres Kubanerin, und die Ausstellungseröffnung wurde von der kubanischen Botschaft kurz kommuniziert.  “Mumienglanz” verbindet die unterliegenden Konzepte andiner Mumien mit der Ausraubung derselben durch die Spanier – ein Thema, mit dem die meisten Archäologen und Historiker der Region vertraut sind und das nicht nur ein kolonialzeitliches, sondern auch ein aktuelles Problem ist. Trotzdem dreht sich die Ausstellung nicht nur um diese recht nahe liegenden Punkte. Man kann vielmehr Parallelen ziehen zwischen der Ausraubung der Mumien, der vorspanischen Gräber und ihrer Beigaben im Allgemeinen und der kolonialen Ausraubung der gesamten Ressourcen der Anden und der andinen Bewohner im Allgemeinen. Wenn man zum Beispiel der Argumentation folgt, dass der Berg Potosí in den barocken Bilderkanen der Anden eine Darstellung der Jungfrau Maria und damit der (vereinfacht gesagt: Erdgöttin) Pachamama ist, könnte man auch den Bergbau und die immensen abtransportierten Silbermengen als den Raubbau an einem als menschlich empfundenen Körper hierein interpretieren. Diese Interpretation des Berges ist zwar nicht unumstritten aber doch weit verbreitet.

Auf der anderen Seite wäre es auch möglich, ausgehend von den geleerten Mumien, Vergleiche ziehen zur Zerstörung des Glaubens an die Vorfahren selber, und den komplizierten und überaus komplexen Prozess der Aneignung, Überschreibung und Neu-Orientierung des Ahnenglaubens mit dem neuen, christlichen Glauben*. Eine Interpretation, die auch kurz in Irina Podgorny´s Katalogtext anklingt. Mumien sind in Südamerika und besonders den Anden seit dem Formativum (etwa Chinchorro, den ersten sesshaften Gesellschaften Chiles) verbreitet, ich selbst habe ja hier einmal über das Museo de Arqueologia de Alta Montaña  geschrieben*.

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Im Gegensatz zum ersten Teil von “Kunst & Archäologie”, der sich mit der Frage nach der sublimen strukturellen Typologisierung von Alltagsgegenständen beschäftigte und eine Brücke baute zwischen dem “Vergangenen” und dem “Heutigen”, geht es in Nancy Torres´ Ausstellung eher um eine politische Aussage, gebunden an vorspanische, also archäologische, Kontexte und Techniken. Laut der Künstlerin und ihren Katalogen arbeitet Frau Torres konkret mit archäologisch belegten Techniken und bindet dabei andine kulturelle Ideen zu Sterblichkeit und Vorfahren ein. Die Mumie als als Stellvertreter-Objekt par exellence für “Archäologie” und “Vergangenes”, verbunden auch mit Angst, Faszination und Terror v.a. in westlichen Kulturen, wird hier übersetzt in eine Anklage gegenüber dem Verschwinden und dem Ausrauben der Vorfahren. Kulturell ist die Wahrnehmung von Mumien sehr utnerschiedlich, in diesem Fall stehen Mumien auch stellvertretend für das Indigene, Alte, Vergangene, Ursprüngliche, auch in einem gewissem Sinne für das “Gute”. Die Gleichsetzung von Mumien mit der vorspanischen Zeit setzt diese Zeitspanne vor der Ankunft der spanischen Eroberer in ein eher positives Licht, und bezieht sich damit auf die Idee der mit dem “Damals” verbundenen “Natürlichkeit” und Ausgeglichenheit wenn es um die Ausbeutung von Rohstoffen geht. Gleichzeitig konzentriert die aufgerissene Mumie die ganze Dramatik des durch die Kolonisierung und den damit verbundehnen Transformationsprozess ausgelösten Risses durch die Zeit und die andine Gesellschaft. Die Transformation der eigenen (jetzt “indigen” genannten) Identität und der Konflikt mit den neu eingeführten kulturellen Werten lässt sich durch das Auf- und Herausreißen der Mumien gut visualisieren.
Ich durfte Nancy Torres persönlich kennenlernen und tatsächlich ist ihre Motivation für die Werke zunächst die Suche nach Identität, übersetzt in die Ideen der Konzeptkunst. Obwohl wir uns von ganz verschiedenen Seiten ihren Werken näherten, war der Ausdruck, die Essenz die Gleiche: die Mumien bilden eine Verbindung in die Vergangenheit, indem sie das Thema der Vorfahren aufgreifen, Wurzeln aufzeigen und symbolisieren und gleichzeitig unsere vielschichtigen Ideen über Vergangenheit, das Zusammentreffen von Kulturen und über Dominanz und Kolonialisierung thematisieren. Unsere Ideen, die genauso vielschichtig sind wie die Mumien, deren diverse Lagen aus Stoff, Objekten, Masken und Knochen immer wieder neue Details offenbaren je länger man sie anschaut. Die Personen in den Mumienbündeln sind nur teilweise sichtbar, nur Teile ihrer Knochen und Schädel. Der Rest ist verdeckt von Stoffen, Masken, Objekten. Dinge, die die Identität der Menschen in den Bündeln überlagern. Und Dinge, die von uns, ihren Nachfahren, dort deponiert wurden und werden.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

Alle Fotos: Nancy Torres.

Version en Español

La Embajada del Perú ofreció hace unos meses una exposición llamada „Brillo de Momias“ (“Mumienglanz” en Aleman). El afiche en la puerta brillaba tan dorado que no pude resistir y tuve que entrar. El tema de Momias, Arte y la conexión de ambos en una exposición de arte, contemplando todas las fascinantes facetas culturales e históricas me fascinaron. La exposición fue presentada por la Embajada de Cuba y del Peru, dando espacio a las obras de la artista cubana Nancy Torres en la sala Maria Reiche de la Embajada Peruana.

“Brillo de Momias” combina los conceptos de las momias andinas prehispánicas con el tema del robo de las mismas y su ajuar por parte de los españoles desde la conquista de los Andes en el año 1532.  Este es tambien un tema continuamente debatido entre arqueólogos e historiadores que trabajamos en los Andes, ya que este robo y tambien la veneración de los muertos (antropológicamente hablando: “Los Antiguos”) sigue siendo un tema muy presente en la región. Es especialmente el robo de las momias y sus ajuares que presenta un tema de mayor índole ya que este se trata hoy como un crimen, no solo religioso sino penal. Sin embargo, la exposición no tocaba esta continuidad del robo de las momias y sus ajuares en el pasado y hoy. Mas bien, las obras exploran las paralelas entre el robo de las momias y sus supuestas riquezas en el pasado y el robo, hoy llamado explotación, de los recursos naturales de los Andes y sus habitantes por parte de los Europeos desde el siglo XVI hasta hoy en día.

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Las momias sudamericanas y especialmente las andinas son un fenómeno de largo aliento, conocidos desde el formativo (las primeras sociedades sedentarias) en los Andes, p.e. en la cultura de Chinchorro del Norte de Chile. Las momias incaicas por el otro lado son un eterno tema de debate y de estudio, como mencioné hace unos meses en mi entrada sobre el Museo de Arqueologia de Alta Montaña en Salta, Argentina. En las creencias prehispanicas, el cuerpo momificado y venerado de los ancestros se vuelve parte del medio ambiente, se convierte en una parte del mundo que rodea a sus descendientes. La analogia entre el cuerpo humano y el medio ambiente se plasma en el objeto de la momia.

Para entender la sobreposicion de personajes miticos y detalles geograficos (que para el ojo europeo se considerarían como simples “objetos”) podriamos seguir p.e. la argumentación de entender el Cerro Rico de Potosi como representación de la Virgen Maria en los canones visuales baruecos. Esto lo relaciona a la vez con la representación de la Diosa Tierra, Pachamama, – esta interpretación del cerro es muy comun, aunque debatida – y abre la posibilidad de interpretar la explotación minera del cerro y sus vetas de plata como el robo a un cuerpo casi humano. Por el otro lado sería posible relacionar las momias vaciadas que vemos en la exposición, con la extirpación de las creencias prehispánicas en los antepasados y sus dioses en general, contemplando el proceso sumamente complejo de apropiación, sobreposición y re-orientación entre las creencias prehispánicas y las católicas*. Una interpretación que se discierne tambien por un momento en el catálogo de la exposición, escrito por Irina Podgorny.

Al contrario de la primera entrada en este blog acerca de “Arte & Arqueología” y que tocaba los temas de la tipologizacion sublime y estructural de objetos cotidianos, construyendo un puente entre “el Pasado” y “el Hoy”, el trabajo de Nancy Torres presenta mas bien un enunciado casi político, relacionado con contextos y técnicas prehispánicos y por lo tanto arqueológicos. Segun el catálogo Nancy Torres trabaja con técnicas arqueológicamente probadas e integra ideas culturales andinas acerca de ancestros y mortalidad. La momia como un objeto representante por excelencia que plasma “Arqueología” y el “Pasado”, tambien relacionado con miedo y terror, se traduce en sus obras como una acusación de la desaparición y el robo de los ancestros. La percepción de las momias responde a patrones culturales complejos, sin embargo en este caso se les entiende como como representantes de lo indigena, lo antiguo, lo pasado, lo “original”, en cierto sentido hasta lo “bueno” y “puro”. La equivocación de las momias con el tiempo prehispánico los relaciona tambien con una perecepción positiva de este momento histórico antes de la llegada de los europeos y los traduce a la supuesta “naturalidad” y el equilibrio entre los humanos y su medio ambiente – la momia se vuelve un simbolo de un “tiempo sin mal“. Al mismo tiempo el vientre fisurado y vaciado de las momias de Nancy Torres puede ser entendido como simbolo del desfase colonial con todo el drama implicado. Con el proceso de transformación cultural y la ruptura temporal y cultural en el tiempo y la sociedad andina. La transformación de la identidad propia (ahora llamada “indígena”) y el conflicto con los nuevos valores culturales se simboliza en el objeto de la momia con su vientre abierto, desgarrado y vacio.

Tuve el placer de conocer a Nancy Torres personalmente y resultaba que su motivacion para sus obras es la busqueda de las raices de la identidad – latinoamericana si se lo puede llamar asi, entendiendo a las momias como un simbolo primordial de lo indigena, del pasado “originario”. Ella transforma la busqueda por las identidadas compartidas  usando las ideas del arte conceptual y aunque  nos acercamos a sus obras de puntos de partida muy diferentes, resultó que llegabamos a una esencia comun en la interpretacion de las mismas: las momias sirven como puente hacia el pasado, integrando el tema de los antepasados, simbolizando las raices comunes y al mismo tiempo identificando nuestras ideas multiples sobre el pasado, el enceuntro de diferentes culturas y sobre dominancia y colonizacion. Nuestra ideas que son tan multiples y complejas como las diferentes capas de las momias cuyas capas de telas, objetos, mascaras y huesos dejan ver cada vez nuevos detalles, cuanto mas se los mira. Las personas en los fardos son solo prcialmente visibles, mostrando partes de sus huesos y craneos. El resto esta cubiert por sus ajuares y las telas que los envuelven. Objetos, cosas que solapan sus identidades primordiales. Y que fueron puestos por nosotros, sus descendientes.

ENGLISH VERSION

The Embassy of Peru at Berlin had an exposition some months ago. It was called “The Brillance of Mummies” (“Mumienglanz” in German) and its announcement on the doors of the Embassy shimmered golden all over. I just had to see what these mummies were about. The idea of connecting mummies, art and all the complex concepts in contemporary art attracted me instantly. So I went to see the exposition which had been co-organized by the Cuban and the Peruvian Embassy in the hall “Maria Reiche” in the Embassy of Peru, featuring the work of Nancy Torres, a Cuban artist. “The Brilliance of Mummies” relates the underlying concepts on Andean mummies with the robbing of the mummies on part of the Spaniards after their arrival in Peru. That is something most of the archaeologists and historian working in the Andes are aware of and its also a very contemporary problem because looting and grave robbery continue to be an ongoing phenomenon in the whole area. But the exhibition doesn’t center only on the aspects of robbery although it’s a central one. Instead, there are parallels between the colonial history of robbery of the mummies and grave looting, the prehispanic graves and their grave goods in general, the exploitation of resources in colonial and modern times and the exploitation of the Andean population in general. To put an example: if you follow the interpretation (not undebated but highly popular) of the Potosí mountain as a representation of the Virgin Mary and of the earth Goddess (Pachamama) alike in some baroque paintings, you may interpret silver mining and the exploitation of silver in this mountain as the direct exploitation of an almost human body.

It’s a highly complex theme, symbolized in the treatment of the prehispanic dead, many of them converted into mummies by their cultures and climate alike.

On the other hand there is the option to draw parallels between the void mummies and the destruction of the beliefs in ancestors and the complex processes of adaptation, overwriting and re-orientation of the beliefs in ancestors with the new Christian religion*. That’s an interpretation to be found in Irina Podgorny´s catalogue on the exposition. Mummies are a recurrent phenomenon in the Andes since as early as the Formative period (i.e. in the Chinchorro Culture in the first sedentary societies of Northern Chile) and I have been writing myself on complex issue of exhibiting Inca Mummies in this blog* when it came to the Museum of High Andean Archaeology in Salta. (And there are a lot more, just google “Mummies Peru” and you will get quite a lot of information…).

In contrast to the first part on „Art & Archaeology“ in this blog when the issue was about the sublime structural typology of everyday objects and building a fragile bridge between past and present, Nancy Torres´ exposition is a rather political issue, relating to prehispanic (i.e. archaeological) contexts and techniques. Nancy Torres works with prehispanic techniques while creating the mummies and connects thus Andean cultural ideas about death, mortality and ancestors to her work. The mummy as a representation of “Archaeology” and “The Past”, related to fear, fascination and terror alike in Western Cultures, is being translated into an accusation of the disappearance and the robbery of the ancestors. Culturally, the perception of mummies can be very complex and varied; in this Andean case the mummies represent aspects of the perceived positivity of the prehispanic past, too: the Indigenous, the Old, The Pure, the Past, the Aboriginal and Natural, in some sense even “The Good”. The equalization of mummies with the prehispanic past associates this period before the arrival of the Spaniards with rather positive ways of thought, relating with ideas of “the natural ancient times” and the balance between nature and human being regarding the exploitation of resources in these culturally perceived “Past times”.

At the same time, the open belly oft he mummy exemplifies everything about the dramatic process of European colonization and the processes of transformation associated with it. There is a gap between the prehispanic and the colonial time and this gap divides the whole Andean society. The transformation of the own (now called “indigenous”) identity and the conflict with newly introduced cultural values is being portrayed in the bodies of the mummies ripped open, the cultural gap visualized by the robbed prehispanic golden goods flowing out of their bellies.

I am very glad to have met Nancy Torres personally and it turned out that her motivation for these works had been the quest for identity, translated into the ideas of conceptual art. Although we parted from very different points we reached the same interpretative essence: the mummies are a bridge to the past, taking up the theme of ancestors, showing cultural roots and symbolizing at the same time our multilayered ideas on the Past, the encounters of cultures and on dominance and colonization. Our multilayered ideas are being visualized in the mummies, whose various layers of fabrics, objects, masks and bones offer new details every time you look at them. The persons in the mummy bundles are only partially visible, showing parts of bone and skull. The rest is being hidden by textiles, masks, objects. Objects that superpose the identity of the person behind them. Object that have been placed and are still being placed  in the bundles by ourselves, their descendants.

*Gose, Peter: Invaders as Ancestors.

* Vitry, Christian http://www.antropologico.gov.ar/ninos.htm über Mumienfunde in Argentinien

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