Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences


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Andres Cruzat / Chile: la persistencia de la memoria / The persistence of memory

Heute nur ganz kurz, aber sehr prägnant: die Arbeit des chilenischen Künstlers Andres Cruzat zur andauernden Präsenz des Pinochet-Putsches. : La persistencia de la memoria. Ein sehr intensives Werk, das mehr als deutlich zeigt, dass unsere Geschichte uns weiter begleitet – und gleichzeitig eine Erklärung dafür, dass neue Regime auch gerne die architektonische Landschaft verändern um Erinnerungen leichter auszumerzen.
Wer spanisch kann, sollte auch die Kommentare unter de, Facebook-Eintrag lesen, dort wird nochmal klar, welchen Graben die Vergangenheit bis heute zieht!

Und hier die Version ohne Kommentare und ohne Facebook: Cooperativa.cl

Short but poignant and very very intense: the work of the Chilean artist Andres Cruzat “The persistence of memory” on the presence of the rising of Pinochet. Its and intense work of photography that shows more than clearly how History accompanies us all day – and a wonderful explanation for the necessity of changing architectonic landscapes when new governments come to power, even more so when this is done by brutal force.

All those who speak Spanish should have a look at the Facebook comments below the photos. The gap in this country is still so wide that one may say that history never dies.

And at the following link you find the version without comments and without Facebook: cooperative.cl !

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Himmelsscheiben - Cookie - Sprache der Dinge Blog


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Eine Kleinstadt durchdesigned: die Himmelsscheibe von Nebra / A small town designed archaeologically: the Nebra sky disc

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Dies wird der Start einer kleinen Serie zum Thema “Himmelssscheibe von Nebra”. Zu Beginn dieses Sommers war ich in Nebra um mir die berühmte Himmelsscheibe von Nebra anzuschauen – die allerdings gar nicht direkt in Nebra zu sehen ist, sondern im Landesmuseum Halle. Trotzdem, es ging mir eher um die Bearbeitung und Darstellung dieses Fundes, der eine ganze Region auf die Bühne der Öffentlichkeit gehoben hat. Seit dem Fund der Himmelsscheibe im Jahr 1999 und seiner “Rettung” im Jahr 2003 ist Nebra als Stadt und die gesamte Region darauf ausgerichtet, diesem Fund eine Bühne zu bieten. Insofern interessierte mich nicht nur das Besucherzentrum Arche Nebra, um das es in einem anderen Beitrag gehen wird, sondern auch das Drumherum, das Marketing der Stadt & der Region. Außerdem gibt es diverse Fernsehdokumentationen zur Himmelsscheibe, die durchaus einen eigenen Beitrag verdienen denn auch hier wird die Himmelsscheibe als Projektion & Vehikel für diverse Botschaften genutzt. Heute also: “Teil 1 – eine Kleinstadt wird durchdesigned.”

Tatsächlich ist das Marketing in und um Nebra vollständig auf die Himmelsscheibe ausgelegt. Wird Nebra an der Infotafel am Bahnhof noch schlicht als “Stadt des Sandsteins” beschrieben, ist der gesamte Rest komplett auf die Himmelsscheibe bezogen. Es ist, als wäre die “Stadt des Sandsteins” mittlerweile voll und ganz zur “Stadt der Himmelsscheibe” geworden. Da ändert es auch nichts dran, dass das Besucherzentrum in Wangen liegt – und gar nicht direkt in Nebra.

Denn es heißt eben: “Himmelsscheibe von Nebra” und daher gibt es dort in Nebra:

1) die Himmelsscheiben-Hotels, auch wenn sich dahinter sowohl das Schlosshotel Himmelsscheibe als auch das Hotel Himmelsscheibe verstecken.

2) Der Bäcker: führt die Himmelscheibe im Schaufenster. Die Apotheke: ebenso. Viele Geschäfte haben in den Schaufenstern eine immergleiche Dekoration: ein blauer Fries mit der Himmelsscheibe drauf, man hat offensichtlich das Ganze zusammen besprochen und durchdesigned.

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3) Im Hotel gibts Himmelsscheiben-Kekse, einen Himmelscheiben-Springbrunnen, eine Himmelsscheiben-Plakette als Schmuck an der Wand, es gibt  die Himmelsscheibe in den Zimmernummer-Schildchen und an der Hauswand als Gemälde. Es gibt sie also praktisch überall.

4) Die Tourismus-Karten bieten Informationen “rund um die Himmelsweg entdecken”. Es ist also nicht nur die Arche Nebra, sondern man hat ein gesamtregionales Konzept entwickelt: “Himmelswege“, das ausser Nebra und der Arche Nebra noch das “Himmelsobservatorium Goseck” beinhaltet und die Dolmengöttin von Langeneichstädt” sowie das Landesmuseum Halle selbst. Außer den vorgestellen großen und kleinen Fundorten geht es bei Himmelswege ums Wandern, es gibt den Himmelswege-Lauf, einen Himmelsscheiben-Radweg und einen Haufen Veranstaltungen. Hauptmarketing-Objekt ist auch hier: die Himmelsscheibe.

Ich weiß ja nicht, ob es im Neanderthal auch so ist (ich werde es aber bald herausfinden!), aber eine derartige intensive Vermarktung eines archäologischen Fundes habe ich in Deutschland bislang nicht erlebt. Vor allem die Verzahnung von archäologischem Fund und Landschaftstourismus, Wandern, Laufen etc. und die Einbeziehung einer gesamten Region haben mich überrascht. Egal ob Bäcker oder Apotheke, egal ob Wanderweg oder Dorfanger – die Himmelsscheibe verbindet sie alle und formt einen einzigen großen Einzugsbereich, in dem von der anhaltenden Faszination dieses Fundes gezehrt wird. Die Vermarktung unter einem übergreifenden Logo – der Himmelsscheibe und einigen Abstraktionen derselben – führt zum immer gleichen Wiedererkennungseffekt.

Sachsen-Anhalt und v.a. die Saale-Unstrut-Region leben seit längerem vom Tourismus, zumal in den frühen 1990er Jahren nach der Wiedervereinigung die großen Fabriken in den Städten geschlossen wurden. Seitdem ist die Konzentration auf den Tourismus noch stärker geworden und egal ob naumburger Dom oder freyburger Schloss, ob Straße der Romanik oder Sekt- & Weinkellereien, Tourismus ist fast der einzige größere Einnahmefaktor. Nie zuvor jedoch war das Ganze derart regional abgestimmt und verwies untereinander auf weitere Besuchsmöglichkeiten, weitere Wanderwege oder neue “Entdeckungen” in Museen oder archäologischen Fundorten.

Ich muss sagen, dass mich die wirklich intensive Vermarktung der Himmelsscheibe erst überraschte. Der überregionale Faktor dieser Idee jedoch gefällt mir, da er es ermöglicht, eine ganze Landschaft in ihrer Gesamtheit verstehen zu können. Ganz im Sinne auch des Antrages auf das Weltkultur Erbe Saale-Unstrut-Region, der die gesamte Kulturlandschaft einbezieht, der ebenfalls in dieser Tradition steht.

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ENGLISH VERSION

This is the 1st part of a series around the famous Nebra Sky Disk, because during this summer, I had the chance to visit the town of Nebra, “home“ of the famous Nebra sky disk. Although the original disk itself is not exhibited directly at Nebra but in the Regional Museum of Halle some 200 kilometers away, Nebra is home to a visitor center called “The arch of Nebra” and I was very interested in how the town and the whole region had been transformed by the discovery of the disk. The presentation of the sky disk and the story behind its discovery and its recovery from the people who had found and sold it on the black market as looted archaeological goods. The story made headlines in Germany and all over the world from 1999 and since its recovery in 2003 Nebra and the surrounding region have started to called themselves “the region of the sky disc” using the discovery as a touristic marketing option. So, I was not only there to see the visitor center and the replica of the sky disc (which will be covbered in another entry), but I was almost as much interested in how the disc had been used in local & regional marketing. Moreover, I will be focussing on some of the TV documentations that have been published on the sky disc. But today, its Part 1: How Nebra became the City of the Sky Disc.

And really, the marketing in and around the small town of Nebra, located beautifully at the beach of the river Unstrut and with a mere 2.467 inhabitants, has used the sky disc in each and every way that you can possibly imagine. Reaching Nebra via railway leads you to a first touristic presentation of Nebra which seems to have been put up BEFORE the discovery of the disc because it cites Nebra as “the town of sandstone”, relating the history of the famous Nebra sandstone quarries that have been exploited until 1990 (more or less). But once you leave the tiny railway station you will be completely surrounded in a sky disc universe. The “town of sandstone” has completely become the “town of the sky disc” – and it doesn’t matter that the discovery and the visitor center are located near the neighboring village of Wangen (551 inhabitants).

Because its called „Nebra sky disc“ and so Nebra has taken full account of this. There are:

  • The sky disc hotels, divided into: the Country House Hotel “Sky Disc” and the “Hotel Sky Disc”.
  • The bakery has a frieze with the Sky disc in the display window, as well as the drugstore, the jewelry store and a lot of other tiny stores around the town. Obviously, someone has thought this through because the frieze is always the same: a sky blue ribbon with the sky disc on it.
  • At the hotel there are sky disc cookies, a sky disc fountain, a replica of the sky disc at the wall. The sky disc has been incorporated into the room number badge and it has been painted on the wall. It´s everywhere.
  • The tourist maps around Nebra show information “around the sky walks” – so its not only the visitor center and the sky disc, but there is much more. A regional concept has been developed that includes the hiking trail “Sky walks”. This trails connects Nebra and the visitor center in Wangen with tow other archaeological sites (“Dolmengöttin von Langeneichstädt and the Sky observatory Goseck) and the Museum at Halle where the original sky disc can be seen. These archaeological things aside, the trail focusses on hiking in a beautiful hilly landscape, including a “Sky walk cycle”, a “sky walk bicycle trail” and a whole lot of events related to it. But still, the main marketing focus is the sky disc.

 

I don’t know if it’s the same at the Neanderthal Valley (but I will find out soon!), but the relation between archaeology and marketing is really intense in the region of Nebra, I had never seen anything like this in Germany. The interlocking of archaeological find and landscape tourism, hiking, jogging and the inclusion of a whole region into it have surprised me, as I didn’t expect it to be this intense. If it’s the bakery, the drugstore, the hiking trail or the village center – the sky disc unites them all into a single unit that relies on the ongoing fascination of the Nebra sky disc and its history. The marketing centered on a single object – the sky disc and some abstractions of it – lead to a recurring effect of recognition value.

Saxony-Anhalt and above all the region of the rivers Saale and Unstrut are living for some time now off tourism, not least because almost every factory has been closed down following the German reunification in 1990. SO the concentration on the tourism in this beautiful region full of rivers, wine hills, and medieval castles has even increased more than ever because its almost the only source of income. So if it’s the cathedral of Naumburg, the castle in Freyburg, if it’s the “Trail of Romanesque” or the wineries, its all about tourism. But never before had I seen the intent of giving it such a macro regional aspect, including and relating a whole sort of experiences, offering a whole package of hiking, cycling, museums, history & archaeology experiences and landscape.

So in the end I have to admit that I have been very surprised by the intensity of archeology marketing. I like the macro regional aspect, though, because it helps the visitor to understand and think a region as a whole instead of focusing only on certain aspects of it. This is completely in line with the application to appoint the whole region as World Heritage, an idea that also includes a heavy focus on landscape and its transformations through human action.

 

Stadt Nebra - Stadt der Himmelsscheibe - Sprache der Dinge Blog

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Aus aktuellem Anlass….

Heute nur ganz kurz ein Link zu dieser Kurz-Reportage der ZEIT:

Ostdeutsches Manifest zum Mauerfall

Viele der darin enthaltenen Gendankanstöße zum Thema  “Verändern durch Schweigen” und die Veränderung von Vergangheit durch das emblematische Nutzen einiger Dinge, Personen & Objekte, anderer aber nicht – das beschäftigt mich auch immer wieder.


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Update on Language of Things

Well, I have been away, doing a kind of fieldwork in Bolivia (and, as I have been financed, it has to been mentioned that this was due to the Deutsche Altamerika Stiftung). During four weeks, I could tour old sites “of mine”, get another look at the local museum, and reanalyze a lot of sherds.

Although this may seem a bit dry and not very exciting, there is nothing like a good sherd when it comes to getting information! In this case, this was even truer when I had the opportunity to see a lot of sherds from a colleague (www.arqueologiadetarija.jimdo.com ) and realizing that there are absolutely fascinating regional micro-changes in an otherwise totally similar ceramic style. We will have to work on this, but it was absolutely worth the effort, the 22-hour-flight, the trip through a lot of customs at the airports.

And now, back in Berlin, I will attend this blog, too. So stay tuned, there is more to come! Meanwhile, check out the work of my colleague!


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Yesterday was the day: DAY OF ARCHAEOLOGY 2014!

Yesterday we went public: archaeologists all over the world presented a glimpse of their work. I was lucky to be among them and you may find my story here: http://www.dayofarchaeology.com/bread-winning-archaeology/

I am so glad I made it and had the time to prepare something in advance. Thank you so much for offering this opportunity and to provide a space for archaeology for everybody!

 

You may also find it interesting to read this article on the how & why of the event by Lorna Richardson: Day of Archaeology .

 


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Ausstellungen beleuchten – mit alternativem AudioGuide. Kolonialismus im Kasten im DHM Berlin. / Visiting exhibitions with an alternative audio guide: “Colonialism in the box” at the German Historic Museum

Auf einer Fortbildung erfuhr ich, dass das DHM und seine Dauerausstellung vor einiger Zeit mit einem alternativen Audioguide bedacht worden waren, und zwar zum Thema Kolonialismus.

Dass es da eine Debatte gab um die Präsenz & Darstellung von Kolonialismus in der Dauerausstellung, das hatte ich mitbekommen, dass das Ganze jedoch dann sogar zu einem Audioguide ausgebaut worden war, der im Netz frei herunterladbar ist und auf iPhone und Smartphone läuft, das wusste ich nicht, und wollte gerne einmal ausprobieren wie das denn so funktioniert. Mehr Informationen hierzu erhält man, wenn man einfach mal bei Google Kolonialismus DHM eingibt und dann die ersten fünf Links auslässt und erst ab dem 6.-7. Link liest. Viele Menschen und Gruppen haben sich dort dazu geäußert, darunter auch BloggerInnen, die ich aus anderen Kontexten, wie etwa feministisch-kritischen Mütterblogs kenne und schätze (siehe: memyselfandchild.wordpress.com). Also: im Netz Kolonialismus im Kasten aufgerufen, Audioguide runtergeladen und ab ins DHM.

Eigentlich war es so, dass ich gerne die Ausstellung mit dem DHM-Audioguide UND dem alternativen Audioguide besucht hätte. Um zu sehen wo konkret hier Daten ergänzt, ausgespart oder überschnitten werden. Das hätte aber bedeutet, dass ich einen ganzen Tag im DHM unterwegs gewesen wäre – alleine der alternative Audioguide beinhaltet Audiomaterial für gut 2 Stunden, wohlgemerkt auf einem Fünftel der gesamten Ausstellungsfläche. Zeitlich ist das nicht möglich, also: nur der alternative Guide mit dem Versuch, das Ganze durch Lesen von Texten im DHM auch von “offizieller” Darstellungsseite kennenzulernen. Das DHM hat sich, m.W.n., nie zu dem alternativen Audioguide geäußert, besitzt jedoch eine Onlinepräsenz zum Thema “Kolonialismus”, die den Informationen im Museum um Meilen voraus ist.

Ich muss sagen, dass ich von dem Experiment absolut positiv überrascht war. Der Audioguide ist den Nummerierungen des DHM entsprechend aufgebaut und wird von einer männlich und einer weiblichen Stimme gesprochen. Der Text verwendet durchgehend gegenderte Begriffe und achtet darauf immer weibliche & männliche Form zu nutzen sowie Worte wie “Bevölkerung” o.ä. durch “Menschen” zu ersetzen. Das sind Äußerlichkeiten, sie werden aber mit einer angenehmen Normalität vermittelt, bar jeder ideologischen Kampfhandlung, die oft mit der Nutzung dieser Begriffe einhergeht.

Von der Information her war es enorm interessant, da der Audioguide tatsächlich viele viele Lücken im Museumsmaterial aufgriff und diese thematisierte. Wo direkte Anknüpfungen nicht möglich waren, bezog man die Ausstellungsobjekte auf ihre Nutzung/Konterparts in den kolonisierten Gegenden des Deutschen Reiches zwischen 1870 und 1918. Besonders schön, mittendrin: der Verweis auf die ebenfalls größtenteils fehlende Bezugnahme der Ausstellung auf Frauen im Bismarckreich. Die einzige vorhandene Vitrine, “versteckt” auf einer Empore und kleinteilig beschriftet, wurde vom Audioguide durch umfangreiches Material herausgeholt und emporgehoben. Es war informativ, gut dargebracht und kurzweilig.

Und ganz prinzipiell, und jetzt mal abgekoppelt von dem sehr emotionalen Thema der Aussparung verschiedener Bevölkerungsgruppen und Problematiken, finde ich es eine ungemein spannende Idee so einen Audioguide alternativ anzulegen, Lücken und Aussparungen einer Ausstellung damit zu thematisieren und so einen ganz neuen Blick auf diese Ausstellung und ihre Auswahlkriterien, eventuell ja sogar einige unterliegende Ideen & Denkmuster der Ausstellungsmacher zu erhaschen. Wie wäre es denn wenn man offizielle Audioguides aus verschiedenen Perspektiven einer Ausstellung entwürfe? Würde das nicht das Problem lösen, dass viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Ideen ins Museum kommen und Input zu verschiedenen Gedankengängen wünschen? Eine Fragmentierung der Darstellung ist zwar auch problematisch, aber schließlich ist es ja doch nie möglich, alle anzusprechen. Wir sind viel zu unterschiedlich und auch unsere Herangehensweisen an das Thema Museum/Ausstellung sind es. “Fragmentierte” Audioguides wären doch mal eine Idee!

Zwar bieten einige Museen Audioguides an, die aus partizipativen Projekten mit Museumsbesuchern entstanden sind (s.e. Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München oder im Kirchner Museum Davos ), ein weiteres Beispiel einer Sicht aus zwei unterschiedlichen Perspektiven konnte ich bislang weder bei meinen eigenen Museumsbesuchen noch jetzt im Netz entdecken.

Sollten Sie davon hören – sagen Sie mir Bescheid!  Ich würde das Ganze gerne noch einmal in einem anderen Museum probieren!

DHM Sprache der Dinge

DHM Sprache der Dinge

 ENGLISH VERSION

On a vocational training, I learned about the German Historic Museum (DHM) and its permanent exhibition, which has been honored with the presentation of an alternative audio guide, produced from people outside the museum staff itself. It’s on colonialism.

There has been considerable debate on the subject of German colonialism and its presentation and display at the DHM. I knew about this because it has been in the media some time ago and I followed the discussion from a distance. What I didn’t knew was that the outcome of this discussion has been the alternative audio guide I am writing about today. You can download the audio guide from the internet onto your mobile device and visit the exhibition with your smart phone instead of the “official” audio guide. If you want to have a look at the articles online, just google “Kolonialismus DHM” and follow the links from #6 onwards! Many people have expressed themselves on this topic, among them even bloggers that I know from other contexts, such as feminist motherhood (have a look at memyselfandchild.wordpress.com). So, to get my personal alternative audio guide, I just googled for Kolonialismus im Kasten (colonialism in the box), download – and off we went into the museum.

To be frank, I would have loved to visit the exhibition with BOTH guides: the official and the alternative alike. Thus, it would have been possible to compare both versions, to see where the differences are and were data have been left out or simply presented in another way. But this would have meant to spend all day at the museum – something I can’t afford these days where time is the most precious good. Just the alternative audio guide took about 2 hours and covers just a part of the permanent exhibition, the time period between 1870 and 1914, roughly speaking. So, the only option was to make the “alternative guided tour” and read a lot of the “official” written statements in the exhibition and to compare them to the spoken “alternative” text. The museum has never offered any officially acknowledged the audio guide but there is an only section on “colonialism” on its official homepage which is extensive and detailed – completely opposed to the texts in the exhibition itself.

I have to admit that I got a positive surprise by this experience. The audio guide follows the indications and numberings of the museum and is easy to handle. The texts are provided by a man and a woman alternately. The text is very sensitive in regard to gender issues and uses the feminine and masculine versions of German words as well as Changing words like “population” by more human ones like “people”. These may seem to be little differences, but the overall experience changes by these little details. They are provided in a completely normal use without the ideological connotations that can often be noted with them.

The information provided was highly interesting, because the guide broaches out the issue of certain gaps of information in the material and the objects at the museum. Where direct links can not be made, the guide relies on contextual information of the objects and builds a bridge to its own central theme of colonialism and its repercussions in every facet of life in Germany and abroad. It uses the objects and brings to life their use in the colonized regions of Africa or the conditions of production and use in these regions between 1870 and 1918.

What I liked particularly was the mention of the underrepresentation of women in the exhibition. The only display concerning women and the women’s right movement is tucked away on a second floor in the rear. The audio guide framed these two display cases with a lot of additional information!

And in the end, and absolutely disconnected from the emotional issue of the exclusion of different parts of the population of Germany at this particular time, I have to admit that it’s a really fascinating idea to create alternative audio guides for exhibits. It’s quite an opportunity to bring to light the information gaps and even the underlying ideas and omissions of the museums. It offers a complete new view of an exhibition or can be focused on a particular sub-theme of it. What would it be like to create official audio guides to an exhibition, every one of them directed at a particular question or perspectives? Wouldn’t that be an idea to include many diverse publics and offer them a glimpse of information that is relevant to them? Sure, a fragmentation of the presentation of an exhibition can be problematic, but I think that we can never cover ALL perspectives that future visitors may or may not favor on a certain topic. SO, why not pick out some of them and present them in an audio guide?

Some museums already offer special audio guides, which have been created during participative projects in the museums (e.g. Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München or at the Kirchner Museum Davos ). But I could not find other examples of alternative audio guides, whether on my own visits to museums or during my search on the net. Should you happen to have information about one, write to me! I would love to try this again in another museum!

 

 

 

 


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Stipendien suchen & finden: der Stifterverband und die Deutsche Altamerika-Stiftung / Searching for grants: Stifterverband and the Foundation for Ancient America

Die Promotion gedeiht so leise vor sich hin. Aufgrund verschiedener privater und beruflicher Verpflichtungen geht es eher im Tempo von Herrn zu Guttenberg, dessen berühmten Satz: “in mühevollster Kleinarbeit!” ich definitiv in Anspruch nehmen darf. Und im Rahmen dieser Arbeit wurde auch bald klar, dass ein Teil des Keramikmaterials, auf dem die Arbeit hauptsächlich basiert, noch einmal erweitert analysiert werden müsste.

Da ich vier Wochen Urlaub und das Kind Ferien hat, lag es nahe, diese Analyse wiederum am Aufbewahrungsort des Materials in Südamerika durchzuführen. Geht ja auch nicht anders. Da so eine Reise für 2 Personen, Unterkunft, Essen, und auch ein Gehalt für diese Arbeit teuer sind, schaute ich mich nach Stipendien hierfür um. Und fand zunächst das Deutsche Stiftungszentrum, dessen Homepage eine Art “Glocke” bildet, unter der sich viele kleinere Stiftungen vereinigt haben. Ichvermute mal: um Zeit & Kosten zu sparen und so effizienter zu arbeiten. Unter dem Dach des Stifterverbandes befindet sich auch eine kleinere Stiftung, die Altamerika-Stiftung, die sich meinem Orchideenfach, der Altamerikanistik, verschrieben hat. Obwohl ihre Informationen eher spärlich gehalten sind, habe ich beobachtet, dass sie etwa zu der Inka-Ausstellung in Stuttgart beigetragen haben und auch sonst sind sie recht aktiv.

Da der Stifterverband und die Stiftung selber vielerlei in offensichtlich kleinen Rahmen bearbeiten, ist der Kontakt hier nicht so schnell wie bei großen Organisationen wie etwa der Gerda-Henkel-Stiftung oder gar dem DAAD. Trotzdem hatte ich am Ende genügend, wenn auch recht generell gehaltenen Informationen um ein ca. 8-seitiges Projekt samt Kostenplan einreichen zu können. Flug- und Hotelkosten beruhten auf Angaben aus dem Internet, Verpflegungskosten auf täglichen Pauschalen. Auch Kinderbetreuung und ein Stipendium, also eine Art Gratifikation für meine eigene Arbeit, kamen hinein. Sollte man die Kinderbetreuung, überhaupt die Kosten für die Reise des Kindes abrechnen? Ich habe lange darüber nachgedacht und mich am Ende dafür entschieden. Ich arbeite seit über 10 Jahren in meinem Fach und glaube, es ist an der Zeit meine persönlichen Lebensumstände auch in Projekten nicht mehr zu verschweigen. Jeder von uns hat eigene Voraussetzungen: Single – oder nicht / Mutter – oder nicht / Festangestellt – oder nicht. Da ich mein Kind aus unterschiedlichsten Gründen mitnehmen muss, gibt es tatsächlich hohe Nebenkosten. Andererseits arbeite & publiziere ich auch mit Kind und Vollzeitjob und habe das Gefühl, alles was möglich ist auch in diese Promotion zu stecken. Dann sollte ich diese Lebensumstände auch berücksichtigen wenn ich ein Projekt einreiche.

Sollte man sich selbst ein Stipendium einschreiben, wenn man schon Flug, Essen und Unterkunft beantragt: ich denke ja. Allein aus Gründen der Ethik sollte Arbeit bezahlt werden – und zwar nicht über Kost & Logis. Meine mittlerweile hoch spezialisierte Arbeit, die ich auch immer wieder anderen zugänglich mache, darf auch honoriert werden. Also: auch ein Stipendium gehört dazu. Also reichte ich das Projekt dementsprechend ein und bekam tatsächlich, zwei Monate später – eine Zusage. Nun ging alles sehr schnell. Zusage per Email, offzieller Brief per Post. Formulare um das Geld anzufordern und abzurechnen. Und ein nun sehr schneller, persönlicher Kontakt mit den zuständigen Mitarbeiterinnen des Stifterverbandes. Vielen Dank nochmal, freundliche Mitarbeiterinnen!

Und ich werde nun im Hochsommer einen vierwöchigen Arbeitsaufenthalt im Museum antreten. Scherben, Scherben, Scherben! Ich freu mich! Endlich werde ich eine Teilanalyse durchführen können die dringend nötig ist und auf die ich mich schon lange vorbereite. Übrigens, und laut Stifitungsregeln: Gefördert von der Altamerika-Stiftung!

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ENGLISH VERSION

My Ph.D. is growing and prospering. Although I am advancing in a rather slowly fashion due to different personal and job-related reasons, well, yes, its growing. And in the course of this work, it became clear that some part of the ceramic material that forms the foundation of this Ph.D. has to be re-analyzed.

As I have a 4-week-vacation in summer and my child, too, will have its vacations, I thought about re-analyzing the material where it is currently stored: in South America. And because a journey for two people, hotel, accommodation and the like, as well as a salary for myself has its costs, I was looking for a grant for this trip. And found the Deutsches Stiftungszentrum (German Fund Centre, in my translation), which acts as a tool to work more efficiently and less costly for all these foundations. The home page is something like an umbrella for different small foundations, among them the Deutsche Altamerika Stiftung (German Foundation for Ancient America), whose goal is the aid for scientific projects concerned with the archaeology, history or anthropology of the Americas. Although their informations were somewhat sparse, I saw their sponsorship for the exhibition Inka in Stuttgart, March 2014 and got the impression that thea are actively promoting our field of study.

As the Stifterverband and the foundation itself are working on a rather small scale compared to the „big fish“ like the Foundation Gerda Henkel or the German Academic Exchange Service (DAAD), the communication with them was a bit slower. But in the end I got enough information to deliver and 8-page-paper on the project, including a cost budget. This included the costs of hotel and transportation (as got from the internet), and even the costs of child care and a salary (grant) for my own work that I will be delivering. I thought a long time about putting the costs of child care in the cost budget, and even the costs of the journey, accommodation etc. of the child. But in the end, I decided to do it. I am working for 10 years in my field of study, and in the meantime I came to believe that it is okay to include our personal conditions into a budget plan. Why should we hide these important details of our life, such as a child? And if there is no other option than to take a child with us when we are working, then it should be included in the budget!

And should there be a salary for myself, when transportation, hotel and the like are already covered? Yes, there should. Because my highly specialized work, that has been presented to other people as well, deserves a salary. So, this grant belongs to the budget plan as well.

I filed the project and, two months later – got a positive answer. I will be funded! From then on, everything went quite quick. The acceptance via email, the details via letter and the forms to get the money and the accounts. And a very personal contact with the ladies from the office (Thanks, Ladies!).

So, I will be in Latin America in summer, working for 4 weeks in a museum, analyzing sherds. That’s so great! At last, I will be able to do a partly analysis that is so important to me!

Oh, and by the way and according to the rules of the foundation: it will be funded by the Altamerika-Stiftung!

 

 

 

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