Sprache der Dinge – Language of Things

Materialität, Realität und Konfliktivität in Museologie, Archäologie und anderen dinglichen Wissenschaften / Materiality, reality and conflictivity in museology, archaeology and other material sciences

Arche Nebra - Sprache der Dinge Blog


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Archäologie für eine Region: das Besucherzentrum Arche Nebra. / Archaeology for a whole region: the Nebra Sky Disc Visitor Center

Unlängst war ich in Nebra & wie diese Stadt und die gesamte Region sich auf ein archäologisches Fundstück, nämlich die Himmelsscheibe von Nebra beziehen, war hier schon Thema.

Eigentlich war ich aber dort, weil ich mir ja das Besucherzentrum Arche Nebra – Die Himmelsscheibe erleben” anschauen wollte, ein neu errichtetes Gebäude das ausschließlich die Himmelsscheibe zum Thema hat und alles rund um die Fundgeschichte, den Fund selbst, und die Bronzezeit im Allgemeinen anbietet. Schon auf der Homepage war mir aufgefallen, dass die Arche Nebra wohl zu den ganz wenigen Museen gehört, die sich selber finanzieren. Freundlicherweise gab mir Fr. Werner, die Marketingmitarbeiterin der Arche Nebra, dazu noch einige weitere Daten (dafür nochmal vielen Dank!). Tatsächlich schafft es das Museum, sich zu 80-100 % (je nach Jahr) selbst zu finanzieren, das dürfte ziemlich sensationell im Kultur- & Museumsleben sein. Sicherlich tun Vermietungen, Hochzeiten, Waldführungen das Ihrige dazu, aber was ist eigentlich ehrenrührig daran sich als Museum auch solchen FInanzierungsoptionen zu öffnen? Soweit ich sehe, tut es dem Haus an sich keinen Abbruch. Dazu kommt noch, dass die Region um Saale & Unstrut seit den 90er Jahrenzu einem größeren Teil vom Tourismus lebt – und Wangen & Nebra sind sicherlich keine Publikumsmagneten wenn man daneben Naumburg oder Freyburg erleben kann.Daher stammt auch sicherlich die Idee des regionalen Marketing, die Thema des ersten Beitrages zur Himmelsscheibe war. Daher & trotz alledem: die Zahlen beweisen dass das Besucherzentrum es schafft, immer wieder viele Besucher anzuziehen! Und das ist, muss ich sagen, nicht verwunderlich denn die Arche Nebra ist eines der anregendsten und gleichzeitig besucherfreundlichsten Museen die ich bislang besucht habe. Das Haus wird zu einem Teil von Familien besucht, aber auch von Schülergruppen und grötenteils von Einzelpersonen, viele von ihnen, fast 70 %, stammen aus der weiteren Umgebung aber diverse Besucher reisen wie wir von weiter weg an, sodass die Arche Nebra aus dem ganzen Bundesgebiet Besucher anzieht. Schon beachtlich wenn man sich die sehr ruhige Umgebung betrachtet!

Gelegen nur wenige Fußminuten von der ursprünglichen Fundstelle der Himmelsscheibe mitten auf dem Land, zeigt das Gebäude in allerschönster Form die Umsetzung eines archäologischen Fundstückes in Architektur. Die Himmelsscheibe stand Pate für die Gebäudeform:

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und fügt sich wunderbar in die Landschaft ein. Man tritt durch einen langen überdachten Atriumsraum ein und das Gebäude bietet soviel Glas, dass man eigentlich doch ständig das Gefühl hat, direkt in der Landschaft zu sein. Umgeben ist das Gebäude von einem sanft ansteigenden hügeligen Gelände und angrenzendem Waldgebiet, das viel viel Platz für Außenaktivitäten bietet. Wir waren mit Kind an einem der heißesten Tage des Jahres da, der mit mehreren Workshops für Kinder auf der Wiese aufwartete: Felsbilder abpausen, “Ausgraben für Kinder”, bronzezeitliches Essen… es gab viel zu sehen und zu tun! Diese Workshops wurden mit viel Liebe und Detail durchgeführt, alle Mitarbeiter waren freundlich und aufgeschlossen, es herrschte eine angenehme, fast familiäre Atmosphäre. Das Besondere war für mich, dass diese Workshops wirklich ernsthaft versuchten, archäologisches Arbeiten nachzustellen. Hier wurdez.B.  nicht nur ausgegraben – nein, die Kinder zeichneten und katalogisierten ihre “Funde” auch auf einem Formblatt. Dadurch machten sie sich Gedanken darüber, was sie da gerade aus der Erde geholt hatten. Warum sieht das so aus? Was könnte das sein? Aus welchem Material ist das eigentlich? Zudem wurden die Kinder fast 1:1 betreut und das in so liebevoller, geduldiger Manier dass ich beinahe sprachlos war. Für Kinder auf jeden Fall eine großartige Sache, von der heute noch bei uns gesprochen wird! Zur Stärkung noch ein bronzezeitliches Würstchen mit Linsengericht vom offenen Feuer, angeboten aus einer Replik bronzezeitlicher Keramik: und los gings in die Ausstellung(en).

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Denn das interessierte mich dann doch am meisten: die Ausstellung? Ich stieß zunächst durch ein Werbeblättchen auf die Arche Nebra, in der die neueste Wechselausstellung “Herrscher der Bronzezeit beworben wurde. Die Wechselausstellungen der Arche bezogen sich bislang häufig auf sagen wir mal, recht populäre Themen: Mammuts, Ägyptische Mumien… “Herrscher der Bronzezeit” war die erste eher regional ausgelegte und auch sehr archäologische Wechselausstellung und sie war: super. Wie ein Leitfaden zog es sich durch die Ausstellung und das ganze Haus: es ist zu schaffen auch mit wenigen, kleineren und nicht ganz so spektakulären Funden großartige, informative, spannende Ausstellungen zu machen.

Außer dieser Sonderschau gibt es natürlich die Dauerausstellung, die den Fund der Himmelsscheibe sowie die Bedeutung und Interpretation des Ganzen aufarbeitet und der eigentliche Kern der Arche Nebra ist. Ich muss zugeben dass ich im Vorfeld wirklich überlesen hatte, dass das Besucherzentrum eine Replik der Himmelsscheibe ausstellt und nicht das Original. Eigentlich macht das aber überhaupt nichts, denn die Dauerausstellung ist ein absoluter Hit und die kleineren Begleitfunde, die als Originale bereit stehen, entschädigen. Natürlich steht die Himmelsscheibe im Zentrum, aber das gesamte Ausstellungs-Obergeschoß ist so ausgelegt, dass der Besucher nicht nur ständig viele viele Informationen über die spektakuläre Fundgeschichte erhält (inklusive Polizei, verdeckten Ermittlern und einem Archäologen als Undercover-Agenten in einer schweizer Kellerbar, und JA, das ist wirklich wahr!), nein, diese Information kommt auch noch anschaulich und leicht erklärt daher. Der Ausstellungsraum ist unglaublich hoch und bietet mittels eines Panoramafensters Ausblick auf den Mittelberg, auf dem sich auch die Fundstätte befindet; die Innenausstattung mit futuristischen orangefarbenen Bällen und Trichtern ist ebenfalls wieder an die Himmelsscheibe angelehnt. Hierin eingelassen sind die Bildschirme mit Informationen und immer wieder kleine Vitrinen mit Fundstücken oder überraschenden Durchblicken. Eine Replik der Himmelssscheibe zum Anfassen macht auch haptisch klar wie KLEIN aber doch schwer das Ding ist!

Für Erwachsenen gibts zudem einen digitalen Himmelscheiben-Putzer, der auf den Glasscheiben der Vitrinen virtuell umhertanzt und Dinge erzählt, für Kinder gibts das Ganze nochmal als (absoluter Knaller!): Kasperletheater in Endlosschleife auf einem Bildschirm. Ich hatte die ganze Zeit das angenehme Gefühl nicht nur wunderbare Informationen zu bekommen, sondern diese auch noch in ansprechender Form. Manchmal ist das ja bei Museen eher selten. Hier verbinden sich fachliche Informationen mit solchen die eher für das Nicht-Fachpublikum gedacht sind und die immer neuen Ein- und Durchblicke des sehr schwungvoll gestalteten Ausstellungsraumes führen dazu, dass man immer wieder neues Interesse an den dargebotenen Daten bekommt.

Ergänzt & erweitert wird die Ausstellung durch ein Planetarium, in dem es eine Präsentation zur Himmelsscheibe zu sehen gibt: ihre Herstellung, ihre astronomischen Informationen, ihre wechselhafte Geschichte als Objekt und natürlich ihre Fundgeschichte. Die Macher haben es geschafft das Ganze so zu halten dass es sowohl für Erwachsenen als auch für Kinder spannend und verständlich ist, und erfreulicherweise wurde auf viele Sterotypen archäologischen Re-Enactments verzichtet.

Was mir wirklich wichtig war und sicher einer meiner persönlichen Favoriten, das war die überall thematisierte Verquickung von archäologischem Fund und seiner Fundgeschichte. Das Thema “Raubgrabung” kam überall wieder zur Sprache, eine seltene Angelegenheit in Museen. Das Besucherzentrum konzentriert sich also nicht nur auf den unverfänglichen und spektakulären Fund, sondern kümmert sich auch noch um den gesellschaftlichen Kontext und thematisiert die Probleme mit illegaler Schatzsuche, Hobbyarchäologie und Metalldetektoren. Dies nicht nur in der Ausstellung, sondern auch während der Führungen. Ehrlicherweise muss man allerdings zugeben, dass das nicht sehr differenziert geschieht, hier werden fast aussschließlich die negativen Aspekte thematisiert, nicht der gesamte sehr kontroverse Stand der Dinge.

Obwohl ja, wie gesagt, die Himmelsscheibe selber nicht dort ist, gibts es viele kleinere Fundstücke, v.a. Steinobjekte. Diese sind zwar eher kleinteilig, aber durch die informative Präsentation und die Beschriftung mit Objekt- oder Fundnummer zusammen mit der Beschreibung für die Besucher verbindet sich hier archäologischer Arbeitsalltag mit Museumsinformation.

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Diese Idee findet sich auch an der Fundstelle wieder, an der neben dem immensen Aussichtsturm mit Blick in alle Himmelsrichtungen auch ein Spiegel an der Fundstelle und viele kleine Betonplaketten warten. Nachdem man also wahlweise dorthin 5 Minuten Bus fährt (alle 30 Minuten direkt vom Besucherzentrum!) oder dorthin läuft ( mit Kind & langsam ca. 40 Mintuen durch einen Buchenwald), steht man in einer Ringwallanlage und überall, wenn man nur richtig schaut, sind die Betonplaketten die die kleineren Funde zeigen, die auf diesem Areal NACH der Raubgrabung der Himmelsscheibe selber durch die archäologischen Nacharbeiten gefunden wurden. Bilder & Fundnummern zeigen, wieviel hier im Boden lag!

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Ich muss ehrlich sagen, dass der Besuch in der Arche Nebra rundum wunderbar war. Die Kombination von Natur & Museum, von Information & Entertainment, zusammen mit wirklich freundlichen Mitarbietern von der Kasse bis zur Kinderbetreuung – es war großartig. Dazu noch das Restaurant mit Terrasse und einem Blick auf sanften Hügel der Unstrut – es blieb eigentlich nichts zu wünschen übrig.

Wer diesen Blog verfolgt, weiß dass hier selten nur Lobeshymnen stehen und ich werde auch von keiner Institution bezahlt oder gefördert. Unser Aufenthalt in der Arche Nebra war ein reines Privatvergnügen, das einfach für mich als Archäologin & Museums-Fortbildende wunderbar war, weil es so viele Aspekte dessen vertrat was ich mir seit Jahren wünsche und selber versuche in meiner Arbeit anzubieten: Vermittlungsarbeit für ganz verschiedene Zielgruppen: Kinder, Erwachsene, Spezialisten & interessierte “Laien”. Vermittlungsarbeit auf einem Niveau, das sehr viele Menschen einschließt und unterschiedliche Informationen für unterschiedliche Gruppen in EINEM Haus und in EINER Austellung anbietet. Thematisierung archäologischer Arbeit und der Probleme, die Raubgrabungen aufwerfen. Meiner Meinung nach dürfte die Arche Nebra damit einen beträchtlichen Beitrag dazu leisten, Archäologie & Geschichte in der regionalen Wahrnehmung zu verankern – zusammen mit all den Vernetzungen und Problemen die das so mit sich bringt.

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Andres Cruzat / Chile: la persistencia de la memoria / The persistence of memory

Heute nur ganz kurz, aber sehr prägnant: die Arbeit des chilenischen Künstlers Andres Cruzat zur andauernden Präsenz des Pinochet-Putsches. : La persistencia de la memoria. Ein sehr intensives Werk, das mehr als deutlich zeigt, dass unsere Geschichte uns weiter begleitet – und gleichzeitig eine Erklärung dafür, dass neue Regime auch gerne die architektonische Landschaft verändern um Erinnerungen leichter auszumerzen.
Wer spanisch kann, sollte auch die Kommentare unter de, Facebook-Eintrag lesen, dort wird nochmal klar, welchen Graben die Vergangenheit bis heute zieht!

Und hier die Version ohne Kommentare und ohne Facebook: Cooperativa.cl

Short but poignant and very very intense: the work of the Chilean artist Andres Cruzat “The persistence of memory” on the presence of the rising of Pinochet. Its and intense work of photography that shows more than clearly how History accompanies us all day – and a wonderful explanation for the necessity of changing architectonic landscapes when new governments come to power, even more so when this is done by brutal force.

All those who speak Spanish should have a look at the Facebook comments below the photos. The gap in this country is still so wide that one may say that history never dies.

And at the following link you find the version without comments and without Facebook: cooperative.cl !

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Himmelsscheiben - Cookie - Sprache der Dinge Blog


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Eine Kleinstadt durchdesigned: die Himmelsscheibe von Nebra / A small town designed archaeologically: the Nebra sky disc

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Dies wird der Start einer kleinen Serie zum Thema “Himmelssscheibe von Nebra”. Zu Beginn dieses Sommers war ich in Nebra um mir die berühmte Himmelsscheibe von Nebra anzuschauen – die allerdings gar nicht direkt in Nebra zu sehen ist, sondern im Landesmuseum Halle. Trotzdem, es ging mir eher um die Bearbeitung und Darstellung dieses Fundes, der eine ganze Region auf die Bühne der Öffentlichkeit gehoben hat. Seit dem Fund der Himmelsscheibe im Jahr 1999 und seiner “Rettung” im Jahr 2003 ist Nebra als Stadt und die gesamte Region darauf ausgerichtet, diesem Fund eine Bühne zu bieten. Insofern interessierte mich nicht nur das Besucherzentrum Arche Nebra, um das es in einem anderen Beitrag gehen wird, sondern auch das Drumherum, das Marketing der Stadt & der Region. Außerdem gibt es diverse Fernsehdokumentationen zur Himmelsscheibe, die durchaus einen eigenen Beitrag verdienen denn auch hier wird die Himmelsscheibe als Projektion & Vehikel für diverse Botschaften genutzt. Heute also: “Teil 1 – eine Kleinstadt wird durchdesigned.”

Tatsächlich ist das Marketing in und um Nebra vollständig auf die Himmelsscheibe ausgelegt. Wird Nebra an der Infotafel am Bahnhof noch schlicht als “Stadt des Sandsteins” beschrieben, ist der gesamte Rest komplett auf die Himmelsscheibe bezogen. Es ist, als wäre die “Stadt des Sandsteins” mittlerweile voll und ganz zur “Stadt der Himmelsscheibe” geworden. Da ändert es auch nichts dran, dass das Besucherzentrum in Wangen liegt – und gar nicht direkt in Nebra.

Denn es heißt eben: “Himmelsscheibe von Nebra” und daher gibt es dort in Nebra:

1) die Himmelsscheiben-Hotels, auch wenn sich dahinter sowohl das Schlosshotel Himmelsscheibe als auch das Hotel Himmelsscheibe verstecken.

2) Der Bäcker: führt die Himmelscheibe im Schaufenster. Die Apotheke: ebenso. Viele Geschäfte haben in den Schaufenstern eine immergleiche Dekoration: ein blauer Fries mit der Himmelsscheibe drauf, man hat offensichtlich das Ganze zusammen besprochen und durchdesigned.

Stadt Nebra - Stadt der Himmelsscheibe - Sprache der Dinge Blog

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3) Im Hotel gibts Himmelsscheiben-Kekse, einen Himmelscheiben-Springbrunnen, eine Himmelsscheiben-Plakette als Schmuck an der Wand, es gibt  die Himmelsscheibe in den Zimmernummer-Schildchen und an der Hauswand als Gemälde. Es gibt sie also praktisch überall.

4) Die Tourismus-Karten bieten Informationen “rund um die Himmelsweg entdecken”. Es ist also nicht nur die Arche Nebra, sondern man hat ein gesamtregionales Konzept entwickelt: “Himmelswege“, das ausser Nebra und der Arche Nebra noch das “Himmelsobservatorium Goseck” beinhaltet und die Dolmengöttin von Langeneichstädt” sowie das Landesmuseum Halle selbst. Außer den vorgestellen großen und kleinen Fundorten geht es bei Himmelswege ums Wandern, es gibt den Himmelswege-Lauf, einen Himmelsscheiben-Radweg und einen Haufen Veranstaltungen. Hauptmarketing-Objekt ist auch hier: die Himmelsscheibe.

Ich weiß ja nicht, ob es im Neanderthal auch so ist (ich werde es aber bald herausfinden!), aber eine derartige intensive Vermarktung eines archäologischen Fundes habe ich in Deutschland bislang nicht erlebt. Vor allem die Verzahnung von archäologischem Fund und Landschaftstourismus, Wandern, Laufen etc. und die Einbeziehung einer gesamten Region haben mich überrascht. Egal ob Bäcker oder Apotheke, egal ob Wanderweg oder Dorfanger – die Himmelsscheibe verbindet sie alle und formt einen einzigen großen Einzugsbereich, in dem von der anhaltenden Faszination dieses Fundes gezehrt wird. Die Vermarktung unter einem übergreifenden Logo – der Himmelsscheibe und einigen Abstraktionen derselben – führt zum immer gleichen Wiedererkennungseffekt.

Sachsen-Anhalt und v.a. die Saale-Unstrut-Region leben seit längerem vom Tourismus, zumal in den frühen 1990er Jahren nach der Wiedervereinigung die großen Fabriken in den Städten geschlossen wurden. Seitdem ist die Konzentration auf den Tourismus noch stärker geworden und egal ob naumburger Dom oder freyburger Schloss, ob Straße der Romanik oder Sekt- & Weinkellereien, Tourismus ist fast der einzige größere Einnahmefaktor. Nie zuvor jedoch war das Ganze derart regional abgestimmt und verwies untereinander auf weitere Besuchsmöglichkeiten, weitere Wanderwege oder neue “Entdeckungen” in Museen oder archäologischen Fundorten.

Ich muss sagen, dass mich die wirklich intensive Vermarktung der Himmelsscheibe erst überraschte. Der überregionale Faktor dieser Idee jedoch gefällt mir, da er es ermöglicht, eine ganze Landschaft in ihrer Gesamtheit verstehen zu können. Ganz im Sinne auch des Antrages auf das Weltkultur Erbe Saale-Unstrut-Region, der die gesamte Kulturlandschaft einbezieht, der ebenfalls in dieser Tradition steht.

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ENGLISH VERSION

This is the 1st part of a series around the famous Nebra Sky Disk, because during this summer, I had the chance to visit the town of Nebra, “home“ of the famous Nebra sky disk. Although the original disk itself is not exhibited directly at Nebra but in the Regional Museum of Halle some 200 kilometers away, Nebra is home to a visitor center called “The arch of Nebra” and I was very interested in how the town and the whole region had been transformed by the discovery of the disk. The presentation of the sky disk and the story behind its discovery and its recovery from the people who had found and sold it on the black market as looted archaeological goods. The story made headlines in Germany and all over the world from 1999 and since its recovery in 2003 Nebra and the surrounding region have started to called themselves “the region of the sky disc” using the discovery as a touristic marketing option. So, I was not only there to see the visitor center and the replica of the sky disc (which will be covbered in another entry), but I was almost as much interested in how the disc had been used in local & regional marketing. Moreover, I will be focussing on some of the TV documentations that have been published on the sky disc. But today, its Part 1: How Nebra became the City of the Sky Disc.

And really, the marketing in and around the small town of Nebra, located beautifully at the beach of the river Unstrut and with a mere 2.467 inhabitants, has used the sky disc in each and every way that you can possibly imagine. Reaching Nebra via railway leads you to a first touristic presentation of Nebra which seems to have been put up BEFORE the discovery of the disc because it cites Nebra as “the town of sandstone”, relating the history of the famous Nebra sandstone quarries that have been exploited until 1990 (more or less). But once you leave the tiny railway station you will be completely surrounded in a sky disc universe. The “town of sandstone” has completely become the “town of the sky disc” – and it doesn’t matter that the discovery and the visitor center are located near the neighboring village of Wangen (551 inhabitants).

Because its called „Nebra sky disc“ and so Nebra has taken full account of this. There are:

  • The sky disc hotels, divided into: the Country House Hotel “Sky Disc” and the “Hotel Sky Disc”.
  • The bakery has a frieze with the Sky disc in the display window, as well as the drugstore, the jewelry store and a lot of other tiny stores around the town. Obviously, someone has thought this through because the frieze is always the same: a sky blue ribbon with the sky disc on it.
  • At the hotel there are sky disc cookies, a sky disc fountain, a replica of the sky disc at the wall. The sky disc has been incorporated into the room number badge and it has been painted on the wall. It´s everywhere.
  • The tourist maps around Nebra show information “around the sky walks” – so its not only the visitor center and the sky disc, but there is much more. A regional concept has been developed that includes the hiking trail “Sky walks”. This trails connects Nebra and the visitor center in Wangen with tow other archaeological sites (“Dolmengöttin von Langeneichstädt and the Sky observatory Goseck) and the Museum at Halle where the original sky disc can be seen. These archaeological things aside, the trail focusses on hiking in a beautiful hilly landscape, including a “Sky walk cycle”, a “sky walk bicycle trail” and a whole lot of events related to it. But still, the main marketing focus is the sky disc.

 

I don’t know if it’s the same at the Neanderthal Valley (but I will find out soon!), but the relation between archaeology and marketing is really intense in the region of Nebra, I had never seen anything like this in Germany. The interlocking of archaeological find and landscape tourism, hiking, jogging and the inclusion of a whole region into it have surprised me, as I didn’t expect it to be this intense. If it’s the bakery, the drugstore, the hiking trail or the village center – the sky disc unites them all into a single unit that relies on the ongoing fascination of the Nebra sky disc and its history. The marketing centered on a single object – the sky disc and some abstractions of it – lead to a recurring effect of recognition value.

Saxony-Anhalt and above all the region of the rivers Saale and Unstrut are living for some time now off tourism, not least because almost every factory has been closed down following the German reunification in 1990. SO the concentration on the tourism in this beautiful region full of rivers, wine hills, and medieval castles has even increased more than ever because its almost the only source of income. So if it’s the cathedral of Naumburg, the castle in Freyburg, if it’s the “Trail of Romanesque” or the wineries, its all about tourism. But never before had I seen the intent of giving it such a macro regional aspect, including and relating a whole sort of experiences, offering a whole package of hiking, cycling, museums, history & archaeology experiences and landscape.

So in the end I have to admit that I have been very surprised by the intensity of archeology marketing. I like the macro regional aspect, though, because it helps the visitor to understand and think a region as a whole instead of focusing only on certain aspects of it. This is completely in line with the application to appoint the whole region as World Heritage, an idea that also includes a heavy focus on landscape and its transformations through human action.

 

Stadt Nebra - Stadt der Himmelsscheibe - Sprache der Dinge Blog

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Aus aktuellem Anlass….

Heute nur ganz kurz ein Link zu dieser Kurz-Reportage der ZEIT:

Ostdeutsches Manifest zum Mauerfall

Viele der darin enthaltenen Gendankanstöße zum Thema  “Verändern durch Schweigen” und die Veränderung von Vergangheit durch das emblematische Nutzen einiger Dinge, Personen & Objekte, anderer aber nicht – das beschäftigt mich auch immer wieder.


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Update on Language of Things

Well, I have been away, doing a kind of fieldwork in Bolivia (and, as I have been financed, it has to been mentioned that this was due to the Deutsche Altamerika Stiftung). During four weeks, I could tour old sites “of mine”, get another look at the local museum, and reanalyze a lot of sherds.

Although this may seem a bit dry and not very exciting, there is nothing like a good sherd when it comes to getting information! In this case, this was even truer when I had the opportunity to see a lot of sherds from a colleague (www.arqueologiadetarija.jimdo.com ) and realizing that there are absolutely fascinating regional micro-changes in an otherwise totally similar ceramic style. We will have to work on this, but it was absolutely worth the effort, the 22-hour-flight, the trip through a lot of customs at the airports.

And now, back in Berlin, I will attend this blog, too. So stay tuned, there is more to come! Meanwhile, check out the work of my colleague!


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Yesterday was the day: DAY OF ARCHAEOLOGY 2014!

Yesterday we went public: archaeologists all over the world presented a glimpse of their work. I was lucky to be among them and you may find my story here: http://www.dayofarchaeology.com/bread-winning-archaeology/

I am so glad I made it and had the time to prepare something in advance. Thank you so much for offering this opportunity and to provide a space for archaeology for everybody!

 

You may also find it interesting to read this article on the how & why of the event by Lorna Richardson: Day of Archaeology .

 


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Ausstellungen beleuchten – mit alternativem AudioGuide. Kolonialismus im Kasten im DHM Berlin. / Visiting exhibitions with an alternative audio guide: “Colonialism in the box” at the German Historic Museum

Auf einer Fortbildung erfuhr ich, dass das DHM und seine Dauerausstellung vor einiger Zeit mit einem alternativen Audioguide bedacht worden waren, und zwar zum Thema Kolonialismus.

Dass es da eine Debatte gab um die Präsenz & Darstellung von Kolonialismus in der Dauerausstellung, das hatte ich mitbekommen, dass das Ganze jedoch dann sogar zu einem Audioguide ausgebaut worden war, der im Netz frei herunterladbar ist und auf iPhone und Smartphone läuft, das wusste ich nicht, und wollte gerne einmal ausprobieren wie das denn so funktioniert. Mehr Informationen hierzu erhält man, wenn man einfach mal bei Google Kolonialismus DHM eingibt und dann die ersten fünf Links auslässt und erst ab dem 6.-7. Link liest. Viele Menschen und Gruppen haben sich dort dazu geäußert, darunter auch BloggerInnen, die ich aus anderen Kontexten, wie etwa feministisch-kritischen Mütterblogs kenne und schätze (siehe: memyselfandchild.wordpress.com). Also: im Netz Kolonialismus im Kasten aufgerufen, Audioguide runtergeladen und ab ins DHM.

Eigentlich war es so, dass ich gerne die Ausstellung mit dem DHM-Audioguide UND dem alternativen Audioguide besucht hätte. Um zu sehen wo konkret hier Daten ergänzt, ausgespart oder überschnitten werden. Das hätte aber bedeutet, dass ich einen ganzen Tag im DHM unterwegs gewesen wäre – alleine der alternative Audioguide beinhaltet Audiomaterial für gut 2 Stunden, wohlgemerkt auf einem Fünftel der gesamten Ausstellungsfläche. Zeitlich ist das nicht möglich, also: nur der alternative Guide mit dem Versuch, das Ganze durch Lesen von Texten im DHM auch von “offizieller” Darstellungsseite kennenzulernen. Das DHM hat sich, m.W.n., nie zu dem alternativen Audioguide geäußert, besitzt jedoch eine Onlinepräsenz zum Thema “Kolonialismus”, die den Informationen im Museum um Meilen voraus ist.

Ich muss sagen, dass ich von dem Experiment absolut positiv überrascht war. Der Audioguide ist den Nummerierungen des DHM entsprechend aufgebaut und wird von einer männlich und einer weiblichen Stimme gesprochen. Der Text verwendet durchgehend gegenderte Begriffe und achtet darauf immer weibliche & männliche Form zu nutzen sowie Worte wie “Bevölkerung” o.ä. durch “Menschen” zu ersetzen. Das sind Äußerlichkeiten, sie werden aber mit einer angenehmen Normalität vermittelt, bar jeder ideologischen Kampfhandlung, die oft mit der Nutzung dieser Begriffe einhergeht.

Von der Information her war es enorm interessant, da der Audioguide tatsächlich viele viele Lücken im Museumsmaterial aufgriff und diese thematisierte. Wo direkte Anknüpfungen nicht möglich waren, bezog man die Ausstellungsobjekte auf ihre Nutzung/Konterparts in den kolonisierten Gegenden des Deutschen Reiches zwischen 1870 und 1918. Besonders schön, mittendrin: der Verweis auf die ebenfalls größtenteils fehlende Bezugnahme der Ausstellung auf Frauen im Bismarckreich. Die einzige vorhandene Vitrine, “versteckt” auf einer Empore und kleinteilig beschriftet, wurde vom Audioguide durch umfangreiches Material herausgeholt und emporgehoben. Es war informativ, gut dargebracht und kurzweilig.

Und ganz prinzipiell, und jetzt mal abgekoppelt von dem sehr emotionalen Thema der Aussparung verschiedener Bevölkerungsgruppen und Problematiken, finde ich es eine ungemein spannende Idee so einen Audioguide alternativ anzulegen, Lücken und Aussparungen einer Ausstellung damit zu thematisieren und so einen ganz neuen Blick auf diese Ausstellung und ihre Auswahlkriterien, eventuell ja sogar einige unterliegende Ideen & Denkmuster der Ausstellungsmacher zu erhaschen. Wie wäre es denn wenn man offizielle Audioguides aus verschiedenen Perspektiven einer Ausstellung entwürfe? Würde das nicht das Problem lösen, dass viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Ideen ins Museum kommen und Input zu verschiedenen Gedankengängen wünschen? Eine Fragmentierung der Darstellung ist zwar auch problematisch, aber schließlich ist es ja doch nie möglich, alle anzusprechen. Wir sind viel zu unterschiedlich und auch unsere Herangehensweisen an das Thema Museum/Ausstellung sind es. “Fragmentierte” Audioguides wären doch mal eine Idee!

Zwar bieten einige Museen Audioguides an, die aus partizipativen Projekten mit Museumsbesuchern entstanden sind (s.e. Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München oder im Kirchner Museum Davos ), ein weiteres Beispiel einer Sicht aus zwei unterschiedlichen Perspektiven konnte ich bislang weder bei meinen eigenen Museumsbesuchen noch jetzt im Netz entdecken.

Sollten Sie davon hören – sagen Sie mir Bescheid!  Ich würde das Ganze gerne noch einmal in einem anderen Museum probieren!

DHM Sprache der Dinge

DHM Sprache der Dinge

 ENGLISH VERSION

On a vocational training, I learned about the German Historic Museum (DHM) and its permanent exhibition, which has been honored with the presentation of an alternative audio guide, produced from people outside the museum staff itself. It’s on colonialism.

There has been considerable debate on the subject of German colonialism and its presentation and display at the DHM. I knew about this because it has been in the media some time ago and I followed the discussion from a distance. What I didn’t knew was that the outcome of this discussion has been the alternative audio guide I am writing about today. You can download the audio guide from the internet onto your mobile device and visit the exhibition with your smart phone instead of the “official” audio guide. If you want to have a look at the articles online, just google “Kolonialismus DHM” and follow the links from #6 onwards! Many people have expressed themselves on this topic, among them even bloggers that I know from other contexts, such as feminist motherhood (have a look at memyselfandchild.wordpress.com). So, to get my personal alternative audio guide, I just googled for Kolonialismus im Kasten (colonialism in the box), download – and off we went into the museum.

To be frank, I would have loved to visit the exhibition with BOTH guides: the official and the alternative alike. Thus, it would have been possible to compare both versions, to see where the differences are and were data have been left out or simply presented in another way. But this would have meant to spend all day at the museum – something I can’t afford these days where time is the most precious good. Just the alternative audio guide took about 2 hours and covers just a part of the permanent exhibition, the time period between 1870 and 1914, roughly speaking. So, the only option was to make the “alternative guided tour” and read a lot of the “official” written statements in the exhibition and to compare them to the spoken “alternative” text. The museum has never offered any officially acknowledged the audio guide but there is an only section on “colonialism” on its official homepage which is extensive and detailed – completely opposed to the texts in the exhibition itself.

I have to admit that I got a positive surprise by this experience. The audio guide follows the indications and numberings of the museum and is easy to handle. The texts are provided by a man and a woman alternately. The text is very sensitive in regard to gender issues and uses the feminine and masculine versions of German words as well as Changing words like “population” by more human ones like “people”. These may seem to be little differences, but the overall experience changes by these little details. They are provided in a completely normal use without the ideological connotations that can often be noted with them.

The information provided was highly interesting, because the guide broaches out the issue of certain gaps of information in the material and the objects at the museum. Where direct links can not be made, the guide relies on contextual information of the objects and builds a bridge to its own central theme of colonialism and its repercussions in every facet of life in Germany and abroad. It uses the objects and brings to life their use in the colonized regions of Africa or the conditions of production and use in these regions between 1870 and 1918.

What I liked particularly was the mention of the underrepresentation of women in the exhibition. The only display concerning women and the women’s right movement is tucked away on a second floor in the rear. The audio guide framed these two display cases with a lot of additional information!

And in the end, and absolutely disconnected from the emotional issue of the exclusion of different parts of the population of Germany at this particular time, I have to admit that it’s a really fascinating idea to create alternative audio guides for exhibits. It’s quite an opportunity to bring to light the information gaps and even the underlying ideas and omissions of the museums. It offers a complete new view of an exhibition or can be focused on a particular sub-theme of it. What would it be like to create official audio guides to an exhibition, every one of them directed at a particular question or perspectives? Wouldn’t that be an idea to include many diverse publics and offer them a glimpse of information that is relevant to them? Sure, a fragmentation of the presentation of an exhibition can be problematic, but I think that we can never cover ALL perspectives that future visitors may or may not favor on a certain topic. SO, why not pick out some of them and present them in an audio guide?

Some museums already offer special audio guides, which have been created during participative projects in the museums (e.g. Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München or at the Kirchner Museum Davos ). But I could not find other examples of alternative audio guides, whether on my own visits to museums or during my search on the net. Should you happen to have information about one, write to me! I would love to try this again in another museum!

 

 

 

 

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